Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, kritisiert den Vatikan. Er spricht sich selbst für weitreichende Veränderungen in der katholischen Kirche aus. So gehörten die Regeln des Katechismus zur Homosexualität geändert. Bätzing wünscht sich zudem kirchliche Segnungen für Paare, die nicht heiraten können. Er plädiert für Reformen bei der Beteiligung von Frauen. Es werde immer schwerer, das Verbot der Diakonen- und Priesterweihe zu begründen. Die kirchlichen Argumente überzeugten immer weniger. Spielraum sehe er hier bei der Diakonenweihe als erster Stufe vor Priester- und Bischofsweihe. Die Art und Weise, wie die Glaubenskongregation Vorschläge aus Deutschland von Experten zur Ökumene zurückgewiesen habe, habe etwas Zynisches. Auch bei der Debatte über das Reformprojekt „Synodaler Weg“ erlebe er im Vatikan Vorbehalte „gegenüber uns Deutschen und der Art und Weise, wie wir Dinge angehen“ (kna, SZ 29.12.20).
Archive for the ‘Philosophie’ Category
3204: Bischof Bätzing kritisiert den Vatikan.
Freitag, Januar 1st, 20213203: Uiguren leisten Zwangsarbeit in Xinjiang
Freitag, Januar 1st, 2021Seit 2014 leisten muslimische Uiguren Zwangsarbeit in der autonomen Provinz Xinjiang bei der Baumwollernte. Das gehört zum Programm von Parteichef Xi Jinping. Nach staatlichen Angaben wurden jedes Jahr 350.000 Menschen dorthin entsandt. Minderheiten in Lohnarbeit unterzubringen, ist ein Kernelement der staatlichen Strategie. Bei den Uiguren will man anscheinend auch ethnische Unruhen vermeiden. Die meisten von ihnen leben in Umerziehungslagern und werden einer Indoktrination durch die KPC unterzogen. Das Programm dient angeblich zur Armutsbekämpfung. Viele der Uiguren leben in ständiger Amgst vor staatlichen Übergriffen. Diese Erkenntnisse stammen aus Augenzeugenberichten, von Satellitenbildern und aus amtlichen staatlichen Regierungsdokumenten. Deutsche Firmen, welche aus dem Programm Material erhalten, sind Hugo Boss, Adidas, s.Oliver, Gerry Weber und kik (Lea Deuber, Christoph Giesen, SZ 16.12.20).
Wie es da mit einem deutsch-chinesischen Investitionsabkommen steht, das noch unter der deutschen EU-Ratspräsidentschaft zustande kam, ist die Frage (Michael Bauchmüller, Lea Deuber, Björn Finke, SZ 31.12.20/1.1.21).
3202: Aigner (CSU) rät Söder (CSU) von Kanzlerkandidatur ab.
Donnerstag, Dezember 31st, 2020Die bayerische Landtagspräsidentin Ilse Aigner (CSU) rät ihrem Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU) von der Kanzlerkandidatur für die Union ab. „Er könnte es, aber er soll es nicht tun.“ „In Bayern Ministerpräsident zu sein, ist bekanntlich das schönste Amt.“ Aigner verweist darauf, dass das entscheidende Wort über die Kanzlerkandidatur der Union ohnehin von der CDU komme. „Je nachdem, wie das jetzt im neuen Jahr bei der CDU ausgeht und wer sich da durchsetzt, wird die Wahrscheinlichkeit größer oder kleiner sein, dass Markus Söder gefragt wird. Ich vermute eher, dass er nicht gefragt wird.“ (dpa, SZ 31.12.20)
Wir erinnern uns noch an die machtpolitischen Katastrophen für die Union, als Franz-Josef Strauß 1980 und Edmund Stoiber 2002 (beide CSU) Kanzlerkandidaten waren.
3201: Deutschland führt eine schlechte Corona-Politik.
Donnerstag, Dezember 31st, 2020Wir haben über 1.000 Pandemie-Tote pro Tag. Das spricht für eine schlechte Corona-Politik. Sie kommt vom Föderalismus. Einige Ministerpräsidenten hätten viel früher Angela Merkels (CDU) härterer Linie folgen müssen. Darunter auch solche aus der Union, die jetzt ganz laut klagen. Die Folgen der zögerlichen deutschen Corona-Politik kommen mit Verspätung auf den Intensivstationen und in den Leichenhallen an. Das nächste Chaos gibt es nun bei der Organisation des Impfprozesses. Einige Bundesländer arbeiten mit Hotlines, andere mit dem Internet. „In ganz Deutschland herrscht Unklarheit, nach welchen Kriterien nun vorgegangen wird.“ (Alexandra Föderl-Schmid, SZ 31.12.20)
3198: „Querdenker“ machen Winterpause.
Dienstag, Dezember 29th, 2020Die Leitung der „Querdenker“ hat zu einer Pause von Großdemos im Winter aufgerufen. Um Kräfte zu sammeln. Auch zur ursprünglich am 30.12. geplanten Großdemo in Berlin sollten die Fans zu Hause bleiben. Am 31.12. und 1.1. soll man nicht nach Berlin fahren. Mehrere „Querdenken“-Demos waren zuletzt von Gerichten mit Verweis auf die Schutzmaßnahmen im Zuge der Pandemie verboten worden. Die „Querdenken“-Bewegung wird neuerdings vom Landesamt für Verfassungsschutz in Baden-Württemberg beobachtet. Einige Leitungsmitglieder ordnet das Landesamt dem Milieu der „Reichsbürger“ zu, welche die Existenz der Bundesrepublik leugnen (dpa, SZ 28.12.20).
3197: Israelkritik muss in Deutschland erlaubt sein.
Montag, Dezember 28th, 2020Stefanie Schüler-Springorum
ist Direktorin des Zentrums für Antisemitismusforschung der TU Berlin. Gemeinsam mit 32 anderen Kulturinstitutionen hat sie die Initiative „GG 5.3 Weltoffenheit“ unterzeichnet, in der eine Verengung der Diskurse durch den Bundestagsbeschluss vom Mai 2019 beklagt wird, in dem die Boykottbewegung gegen Israel, BDS, als antisemitisch eingestuft wird. Kritische Positionen sollten nicht verzerrt dargestellt und pauschal gebrandmarkt werden. Die Form der vorauseilenden Selbstzensur sei der Sache nicht dienlich.
Zwischendurch wurden die Wikipedia-Einträge sämtlicher Unterzeichner mit tendenziösen Zusätzen und – Links versehen.
Dabei steht in dem Plädoyer, man lehne den Boykott Israels im Gegensatz zum BDS ab. Ist es wirklich so schwer zu verstehen, dass man gegen eine politische Haltung sein kann und trotzdem für die Rechte dieser Personen eintritt, sich zu äußern? Dabei sei ja nicht zu übersehen, so Schüler-Springorum, dass es einen Antisemitismus (Judenfeindschaft) auch in Deutschland gebe, der bekämpft gehöre. Er trete häufig in der Form einer Verschwörungstheorie auf (bei Neonazis, Pegida, der AfD, Impfgegnern, Querdenkern, Reichsbürgern, QAnon-Fans et alii) (Die Zeit, 17.12.20).
Doron Rabinovici
ist ein Schriftsteller und Journalist aus Wien. Er hat 2019 gemeinsam mit Christian Heilbronn und Natan Sznaider das Buch „Neuer Antisemitismus? Fortsetzung einer globalen Debatte?“ Berlin, 494 S., herausgebracht. Rabinovici betont, dass der BDS ganz Israel und alle Israelis boykottieren wolle. Das erinnere an die Nazi-Parole „Kauft nicht bei Juden!“. Überall sonst gehe es um die Stärkung unabhängiger Kräfte, nur nicht bei Israel. Der Bundestag hatte beschlossen, dass keiner Organisation Unterstützung gewährt werden solle, die das Existenzrecht Israels in Frage stelle. Immerhin hatte Rabinovici in seinem Band einen Aufsatz Judith Butlers abgedruckt, in dem sie die Unterstützung für die BDS-Kampagne als Strategie gegen Judenhass gewertet wissen will. Das verstehe, wer will (FAS 27.12.20).
Kommentar W.S.: Der Antisemitismus ist in Deutschland seit eh und je das schlimmste und gefährlichste mörderische Übel. Trotzdem muss Kritik an Israel, etwa seiner Siedlungspolitik, unter Demokraten möglich sein.
3196: Hatte Francis Fukuyama doch recht ?
Montag, Dezember 28th, 2020Alexander Görlach hat geschrieben „Brennpunkt Hongkong. Warum sich in China die Zukunft der freien Welt entscheidet.“ Hamburg 2020, 176 S. Er gilt als Ostasien-Experte. Jan Küveler hat ihn für die „Literarische Welt“ (12.12.20) interviewt. In dem Interview vergleicht Küveler Francis Fukuyamas (geb. 1952) Buch „Das Ende der Geschichte“ (1992) mit Samuel Huntingtons (1927-2008) „Der Kampf der Kulturen“ (1996).
Literarische Welt: Muss man rückblickend konstatieren, der optimistische Fukuyama habe sich getäuscht und der pessimistische Huntington Recht behalten?
Görlach: Fukuyama wird oft zu Unrecht für seine Aussagen in dem Buch getadelt. Man sieht doch, dass die Menschen in Taiwan, Hongkong und neuerdings Thailand die Freiheiten wollen, die in der Demokratie verwirklicht sind. Insofern hatte Fukuyama doch recht. Gerade am Beispiel Chinas, aber auch Russlands und der Türkei sehen wir, wo Fukuyama zu idealistisch war. Es wird, leider Gottes, immer Feinde der Freiheit und der Menschlichkeit geben.
3192: Deutschland könnte gestärkt aus der Krise hervorgehen.
Donnerstag, Dezember 24th, 2020Nikolaus Piper schreibt in der SZ (24./25./26.12.20):
„Letztlich sind es drei Gründe für Deutschlands relativen Erfolg in der Krise: Erstens hat die Bundesrepublik Geld und ist auch bereit, es auszugeben. Zweitens hört die deutsche Politik in der Regel auf Wissenschaftler. Wenn nicht, wie in der Frage der Lockerung des Lockdown, sind die Folgen unmittelbar zu spüren. Und drittens verhalten sich Politik und Gesellschaft solidarisch. Zwar gibt es eine lautstarke Bewegung von Corona-Leugnern, die sich der nationalen Solidarität verweigern. Davon abgesehen zeigt sich in der Krise sehr viel Gemeinsinn. Die Politik tut ein Übriges. Zwar ist die Kluft zwischen hohen und niedrigen Bruttoeinkommen größer geworden. Nimmt man die Summe, die nach Steuern und Staatshilfen übrigbleibt, hat die Ungleichheit nicht zu- , sondern abgenommen. Andreas Peichl, Professor an der Ludwig-Maximilians-Universität München, hat dies erforscht und macht dafür
Kurzarbeitergeld, Kinderbonus und Mehrwertsteuersenkung
verantwortlich.“
3191: Brexit-Einigung rückt näher.
Donnerstag, Dezember 24th, 2020Die EU-Kommission hat ihre Mitglieder dazu aufgefordert, sich am Heiligen Abend für ein Treffen bereit zu halten. Anscheinend rückt ein Brexit-Deal näher. Der wäre auf jeden Fall wirtschaftlich viel sinnvoller als ein No-Deal-Brexit, den einige Tory-Hardliner offenbar wollen. „Es scheint, dass der Deal so gut wie da ist“, sagte ein Diplomat (SZ 24./25./26.12.20).
Sehr gut!
3190: Verhindern von Verschwörungstheorien
Mittwoch, Dezember 23rd, 2020Die bayerische Landtagspräsidentin Ilse Aigner (CSU) hat eine Gruppe von Psychologen und Staatsrechtlern zusammengestellt, die gerade für Abgeordnete Empfehlungen geben soll zur Verhinderung von Verschwörungstheorien.
1. Verschwörungstheorien hat es schon immer gegeben. Über soziale Medien werden sie gegenwärtig besonders gefährlich.
2. Herausgearbeitet werden sollen die Trennlinien zwischen einer begründeten anderen Meinung und einer Verschwörungstheorie.
3. Verschwörungstheorien nehmen einen „großen Plan“ an, mit dem „Eliten“ sich bereichern oder zur Dezimierung der Weltbevölkerung eine Verschwörung von Hochfinanz, Politik und Medien behaupten.
4. Meistens wird in Verschwörungstheorien gegen Minderheiten gehetzt.
5. Viele Verschwörungs-Milieus sind antisemitisch.
6. Nach der QAnon-These werden Kinder gefangen gehalten, um aus ihrem Blut Verjüngungsmittel zu gewinnen.
7. Nach einer anderen Verschwörungs-These züchtet der Staat Stechmücken, die im Winter überleben und heimlich den neuen Covid-Impfstoff verabreichen.
8. Verschwörungstheorien werden von ihren Anhängern geglaubt, im Gegensatz zu bewusst produzierten Fake-News.
9. Wie stets gibt es auch viele Mitläufer, bei denen man ansetzen muss, will man die Verschwörungtheorie verhindern (Andreas Glas, Johann Osel, SZ 23.12.20).
10. Besonders verbreitet sind Verschwörungstheorien unter Ärzten.
11. Sie stellen Blanko-Atteste zur Vermeidung von Masken aus.
12. Für den Präsidenten der Berliner Ärztekammer, Günther Jonitz, geht das bis hin zu Wahnvorstellungen.
13. Darunter hat der Ruf der deutschen Ärzte bereits gelitten.
14. Unter vielen Verschwörungstheoretikern gibt es Abscheu vor der „Elite“.
15. Für einige Verschwörungstheoretiker ist die Corona-Pandemie eine Lüge, eine „perfide Wirtschaftsreform mit eingebautem Überwachungsstaat“ (Boris Herrmann, Henrike Rossbach, SZ 23.12.20).