Archive for the ‘Philosophie’ Category

3615: Das Ende der Vorbilder

Sonntag, Oktober 31st, 2021

„Über ‚das Ende der Vorbilder‘ dachte die Psychoanalytikerin

Margarete Mitscherlich

vor Jahrzehnten nach, in der Abkehr von autoritären Traditionen. Man braucht Vorbilder im Nahbereich, im Alltag, vielleicht auch in der Wissenschaft und bei den großen Zukunftsaufgaben, aber man braucht sie nicht beim FC Bayern, über den Sport hinaus.“ (Johann Schloemann, SZ 30./31.10.21)

3610: Schwarze Frauen sind auf der Frankfurter Buchmesse durchaus willkommen.

Dienstag, Oktober 26th, 2021

Die Vorsitzende des Kulturausschusses der Stadt Frankfurt, Mirrianne Mahn (Grüne), hatte einen fulminanten Auftritt, als sie bei der Begrüßungsrede des Frankfurter Oberbürgermeisters, Peter Feldmann (CDU) auf der Buchmesse, diesen unterbrach und behauptete, dort seien schwarze Frauen nicht willkommen.

Aber das stimmt gar nicht.

Warum hat ihr nur keiner widersprochen? Die meisten sind dazu zu feige. Im übrigen waren auf der Buchmesse sehr viele schwarze Frauen da. Wie schon in den Jahren zuvor. Hier spazieren alle Geschlechter, Generationen und Hauttypen durch die Flure. Lediglich aus juristischen Gründen geduldet sind die Rechtsextremen. Sie selber würden solch eine Veranstaltung wie die Buchmesse sofort verbieten, wenn sie es könnten. Diese Messe verkörpert all jene Werte, welche die Rechtsextremen so hassen. Diese selbst erscheinen den meisten Besuchern als irrelevant. Aber diese mangelnde Aufmerksamkeit kann bei den Rechtsextremisten durchaus der Grund sein für die Anwendung von Gewalt. Dem muss die Messeleitung mit sicherheitspolitischen Vorkehrungen begegnen.

„Das Europa des Jahres 2021 mit seinen sicher noch nicht perfekten, aber vielfältigen Gesellschaften, ist übrigens das sozialste, glücklichste, inklusivste Europa, das es je gab.“ (Nils Minkmar, SZ 26.10.21)

Europa hat den Totalitarismus überwunden.

„Heute können wir dafür sorgen, dass es auch so bleibt. Dazu bedarf es neben einer Haltung noch eines eminent wichtigen Werkzeugs, der Sprache. Man wäge seine Worte.“

3609: Joshua Kimmich (FC Bayern) beschädigt sich selbst.

Montag, Oktober 25th, 2021

Vor sechs Wochen hat die Spendeninitiative „We kick Corona“ von Leon Goretzka und Joshua Kimmich (beide FC Bayern) erklärt: „Corona ist dauerhaft nur in den Griff zu bekommen, wenn überall auf der Welt genügend Impfstoff verabreicht werden kann.“ Nun hat die „Bild“-Zeitung aufgedeckt, dass Joshua Kimmich gar nicht geimpft ist. Verbunden mit den üblichen Sprüchen von der „Langzeitwirkung“, die unerforscht sei, von seiner Verantwortung, der er sich durchaus bewusst sei, er sei kein Coronaleugner oder Impftgegner etc. Da liegen schon Annahmen zugrunde, die nicht zutreffend sind. Nebenwirkungen beispielsweise treten innerhalb von wenigen Wochen auf und nicht nach langer Zeit.

Der Fall hat einen Riesenwirbel verursacht. Verständlicherweise.

Ungeimpfte Profis haben ein nachweisbar größeres Risiko, schwerer an Corona erkranken. Sie können länger ausfallen. Obwohl es keine Impfpflicht gibt, können Fußballvereine Profis unbezahlt freistellen, wenn die sich nicht impfen lassen. Noch während der Pandemie hatte der seinerzeitige Bayern-Vorstand Karl-Heinz Rummenigge damit geworben, dass Profifußballer auch beim Impfen eine Vorbildfunktion hätten. Heute sagt Rummenigge  über Kimmich: „Ich bin überzeugt, (…) dass er möglicherweise zeitnah sich jetzt impfen lässt. Als Vorbild , aber auch als Fakt wäre es besser, er wäre geimpft.“ Joshua Kimmich hat durch sein Verhalten das Vertrauen der Bevölkerung in das Impfen beschädigt. Das ist fatal. Als „Trittbrettfahrer“ profitiert er von einer kollektiven Anstrengung, ohne sich daran zu beteiligen. Die DFL spricht von 90 Prozent geimpfter Spieler, Trainer und Betreuer. Das Impfen schützt zuverlässig vor schweren Verläufen, auch wenn Impfdurchbrüche nicht völlig ausgeschlossen sind, wie der Fall Julian Nagelsmann zeigt.

Joshua Kimmich hat sich durch sein falsches Verhalten selbst beschädigt und wird künftig einen noch größeren Imageschaden erleiden. Nicht gut für den deutschen Fußball.

(Christopher Meltzer, FAZ 25.10.21; Michael Horeni, FAZ 25.10.21; Sebastian Fischer, SZ 25.10.21; Martin Schneider, SZ 25.10.21)

3607: Mützenich empört sich.

Montag, Oktober 25th, 2021

SPD-Fraktionschef Rolf Mützenich empört sich über eine Aussage von Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) zur atomaren Abschreckung. „Die jüngsten Gedankenspiele der Verteidigungsministerin zum Einsatz von Nuklearwaffen in einem Konflikt mit Russland sind verantwortungslos.“ Die Ministerin hatte gesagt, dass die NATO zur Abschreckung bereit sein müsse, den Einsatz auch von Atomwaffen in Betracht zu ziehen. Sie verwies auf die Luftraumverletzungen Russlands über den baltischen NATO-Staaten und „Übergriffigkeiten rund um das Schwarze Meer“. (Markus Wehner, FAZ 25.10.21) Damit hat sie sehr recht.

Es kann ja unter dem Einfluss der SPD eine tolle Außen- und Verteidigungspolitik der Ampelkoalition werden.

3606: Die Herausforderungen der NATO

Sonntag, Oktober 24th, 2021

Die alte Tante NATO ist gezwungen, sich immer wieder neuen Herausforderungen zu stellen. Russland wird zunehmend aggressiver, was allein an der völkerrechtswidrigen Anexion der Krim 2014 deutlich wird (und sehr vielem anderen). Als partiell europäischer Partner der USA ist die NATO von der Bedrohung Taiwans durch China betroffen. Auch sie muss darauf reagieren.

„Sie täte gut daran, China nicht auf eine Stufe mit Russland zu stellen, das für das Bündnis und seine europäischen Mitglieder militärisch noch lange eine Bedrohung von ganz anderer Dimension darstellen wird. Sie kann aber nicht so tun, als würden Cyber-Fähigkeiten oder die Aufrüstung Chinas bei strategischen Atomwaffen nicht die globale Balance verschieben und auch Europa bedrohen. Als politisches Bündnis von Demokratien kann sie zudem nicht zusehen, wie Peking die internationale Ordnung nach seinem Gusto umzubauen versucht.“ (Paul-Anton Krüger, SZ 23./24.10.21)

Diese Aufgabe auch der deutschen Politik ist nicht einfach zu erfüllen. Die Linke hasst die NATO. Und die heimlichen Pazifisten bei den Grünen und der Mützenich-SPD sind dazu nicht in der Lage. Schlechte Aussichten.

3605: Günther Anders: Der Emigrant. 1962 (München 2021)

Sonntag, Oktober 24th, 2021

Sehr viele aus meiner Generation kennen den Philosophen Günther Anders (eigentlich Günther Stern), (1902-1992), als Verfasser von „Die Antiquiertheit des Menschen“ (1956) und als Ehemann von Hannah Arendt von 1929 bis 1937. Er war eine Leitfigur des internationalen Pazifismus. Als Jude emigrierte er zunächst nach Paris, dann nach New York und lebte seit 1950 in Wien. Inzwischen ist sein Essay

„Der Emigrant“ (1962)

wieder aufgelegt worden: München (C.H. Beck) 2021, 86 Seiten. Er erscheint erstaunlich aktuell. Anders leistet harte Trauerarbeit. Er schildert, wie in der Emigration die Erinnerung schwindet. Das Exil erscheint als Entkoppelung des Individuums von sich selbst. Die Emigranten waren den im Reich gebliebenen Deutschen wie Luft, sie wurden nicht zur Kenntnis genommen. Viele Emigranten hätten an „Weltlosigkeit und Sozialhunger“ gelitten, nicht wenige Selbstmord begangen.

Gegenüber den „Berufsemigranten“, wie Anders sie nennt, entwickelt der Autor so etwas wie „zynischen Scharfsinn“. Sie hätten die Über-Anpassung gewählt und seien in der Fremde vollkommen auf Assimilation ausgegangen (wie es heute teilweise wieder von Migranten verlangt wird). Dafür hatte Günther Anders nur Verachtung übrig, für diese „Kleinbürger und Kleinstädter unter uns, die sich reservelos der Fremde an den Hals warfen, die sich nach vierzehn Tagen als alte Pariser aufspielten oder als geborene New Yorker“ (Helmut Mauro, SZ 19.10.21).

3604: Klingt bald der Ruf des Muezzins durch Deutschland ?

Freitag, Oktober 22nd, 2021

Auf Initiative der Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos) können muslimische Gemeinden beantragen, dass der Ruf zum Freitagsgebet durch den Muezzin bald in Köln erklingen kann. Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Ayman Mayzek, begrüßt das Projekt: „Köln sendet damit ein Zeichen der Toleranz und der Vielfalt in die Welt.“ (SZ 22.10.21)

Die frühere Islam-Beauftragte der SPD-Bundestagsfraktion, Lale Akgün, dagegen meint: „Die Erlaubnis für den Muezzin-Ruf von der Ehrenfelder Moschee ist .. ein Knicks vor dem politischen Treiben Erdogans in Deutschland.“ (SZ 22.10.21) Der Schriftsteller Hamed Abdel-Samad kritisiert, die Initiative werde auch Salafisten beflügeln, „gerade in Köln, wo die meisten Salafisten und die meisten Erdogan-Anhänger Deutschlands leben“ (Zeit 21.10.21). Die Anwältin und Moschee-Begründerin Seyran Ates meint, dass die Religionsfreiheit leider von männlichen Vertretern des Islams und konservativen Muslimen gerne benutzt werde. „Sie benutzen die Freiheit, um frauenfeindliche Traditionen im Islam zu verteidigen, die von liberalen Muslimen angezweifelt werden. Offenbar haben manche traditionalistischen Muslime noch immer große Probleme mit der Religionsfreiheit anderer Muslime.“ (Zeit 21.10.21)

Hamed Abdel-Samad: „Ich komme aus Ägypten, wo man überall religiöse Botschaften hört. Hat das dem Land Frieden gebracht? Frieden entsteht nicht durch Religion, sondern durch mehr Säkularität. Die meisten Muslime in Deutschland beten ja nicht, und die meisten muslimischen Frauen tragen kein Kopftuch. Wir sollten daher die Integrationsdebatte entislamisieren. Endlich.“

Seyran Ates: „Deshalb finde ich, der Muezzinruf über deutschen Dächern ist ein weiterer Sieg für die, die nur ihre eigene Freiheit kennen. Wer sie unterstützt, unterstützt Intoleranz gegenüber Andersdenkenden und Andersgläubigen. Die Kölner Entscheidung ist für liberale Muslime und für Ex-Muslime ein harter Schlag. Sie ist voller Heuchelei und Anbiederung an eine freiheitsfeindliche Art von Islam.“

Die Journalistin Necla Kelek: „Wenn zum Freitagsgebet nur Männer eingeladen werden und den Frauen nur ein separater Raum geboten wird, dann wird dort ein archaisches Gesellschaftsmodell gelebt.“ (SZ 22.10.21)

Der Journalist Tomas Avenarius: „Dem Miteinander der Kulturen und Religionen tut Kölns Bügermeisterin keinen Gefallen. Sie spielt denen in die Hände, die antimuslimische Ressentiments als politisches Instrument nutzen. Das sind die vor angeblicher Islamophobie warnenden Islamisten selbst, aber auch die Hassprediger der AfD und der anderen Rechten.“ (SZ 22.10.21)

3601: Ökostromumlage sinkt deutlich.

Donnerstag, Oktober 21st, 2021

Die vier Betreiber der großen Stromnetze in Deutschland haben bekannt gegeben, dass die EEG-Umlage von derzeit 6,5 Cent je Kilowattstunde auf 3,734 Cent fallen wird. Möglich wird das durch einen Bundeszuschuss von 3,25 Milliarden Euro. Über die EEG-Umlage finanzieren die Stromkunden den Ausbau der erneuerbaren Energien. Nach Berechnungen des Vergleichsportals Verivox bringt das für einen Drei-Personen-Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 4.000 Kilowattstunden eine Entlastung von 132 Euro. In der Branche rechnet man jedoch damit, dass die Stromrechnungen wegen der höheren Beschaffungskosten nicht niedriger ausfallen (SZ 16.10.21).

3600: Einspruch gegen Berlin-Wahl

Donnerstag, Oktober 21st, 2021

Die Landeswahlleitung in Berlin hat Einspruch gegen die Wahl zum Abgeordnetenhaus eingelegt. In zwei Wahlkreisen könnten Verstöße gegen das Wahlrecht Auswirkungen auf die Verteilung der Direktmandate gehabt haben, sagte Landeswahlleiterin Petra Michaelis, die ihren Rücktritt angekündigt hat. Möglich sei, dass die Wahl in diesen beiden Wahlkreisen wiederholt werde. Bei der Wahl am 26. September sei es in 207 von 2.257 Wahlkreisen zu Unregelmäßigkeiten gekommen (SZ 15.10.21).

3597: Homöopathie ist keine Medizin.

Mittwoch, Oktober 20th, 2021

Auf dem Bayerischen Ärztetag haben 140 Delegierte bei einer Gegenstimme und drei Enthaltungen beschlossen, die Zusatzbezeichnung Homöopathie zu streichen. Sie kann in der Medizinausbildung nicht mehr erworben werden. Ärzte, welche die Zusatzbezeichnung jetzt schon führen, können sie behalten. In der ärztlichen Weiterbildung habe Homöopathie nichts verloren. „Die medizinische Irrelevanz von Homöopathie als spezifische Arzneimitteltherapie ist bei der vorliegenden Erkenntnislage unbestreitbar.“ Anhänger der Entscheidung bezeichneten den Beschluss als „Erdrutschsieg“. Damit hat sich – wie in anderen Bundesländern auch – das Lager der Homöopathie-Gegner durchgesetzt (Dietrich Mittler, SZ 18.10.21).