Archive for the ‘Medien’ Category

4838: Sponsorenvertrag zwischen Rheinmetall und Borussia Dortmund

Freitag, Mai 31st, 2024

Der Rüstungskonzern Rheinmetall (Düsseldorf), ein Dax-Konzern, und Borussia Dortmund haben einen Sponsorenvertrag geschlossen. Wie das „Handelsblatt“ mitteilte, läuft er drei Jahre und umfasst 20 Millionen Euro. Das zahlt Rheinmetall wahrscheinlich aus der Portokasse. Sogleich brach in den sozialen Medien und in der Sportberichterstattung ein Sturm der Entrüstung los. Das Geringste, was unterstellt wurde, war Zynismus. Das zeigt, wie die Maßstäbe verloren gegangen sind. Denn mit dem russischen Vernichtungskrieg in der Ukraine haben sich die Kriterien geändert. Und die „Fanmeilen“ in den Fußballstadien haben nicht das Monopol für politische Urteile. Es geht im Wesentlichen um Bandenwerbung. Insofern ist der Protest gegen den Sponsorenvertrag vor allem eins, lächerlich (Thomas Fromm, SZ 31.5.24; Philipp Selldorf, SZ 31.5.24).

Stellen wir uns einmal vor, was passiert wäre, wenn der FC Bayern München einen solchen Vertrag geschlossen hätte.

4837: Grüne Jugend fordert Kurskorrektur der Ampel.

Freitag, Mai 31st, 2024

Die grüne Jugend verlangt eine Kurskorrektur der Ampel. „Es kann nicht sein, dass eine winzige Minderheit auf Miliardenvermögen sitzt, während viele Kinder nicht mal ein warmes Mittagessen auf dem Tisch haben.“ „Wir müssen in Deutschland die Superreichen, also Multimillionäre und Milliardäre, stärker besteuern, die Erbschaftssteuer reformieren und Schlupflöcher schließen, um Ärmere zu entlasten und unsere Daseinsvorsorge endlich gut aufzustellen.“ Ziel der Grünen sei es, Bereiche wie die Energie-, Wasser- und Gesundheitsversorgung wieder in die öffentliche Hand zu überführen. Große Wohnungskonzerne sollten enteignet werden (SZ 31.5.24).

4835: Roger Corman ist tot.

Donnerstag, Mai 30th, 2024

Im Alter von 98 Jahren ist Roger Corman gestorben. Die Legende für B-Pictures als Produzent und Regisseur. Und als Förderer vieler Regisseure, die heute als Stars gelten. Corman kam 1950 nach Hollywood. Drehte Filme wie „Teenage Doll“ und „The Cry Baby Killer“. In letzterem debütierte 1958  Jack Nicholson, der dann in den siebziger Jahren als Schauspieler einer der Stars von „New Hollywood“ wurde. Bei Corman als Produzent starteten die Regisseure

Jonathan Demme, Peter Bogdanovich, Monte Hellman, James Cameron, Martin Scorsese und Stephanie Rothman.

Vielfach handelte es sich zunächst um schnell runtergekurbelte billige Genreware, aber der Bezug zur Kunst war stets erkennbar. Roger Corman als Produzent schuf in seinen Filmen den ästhetischen Freiraum für die Regisseure. Bis zum Schluss blieb er eine lebende Legende. Geachtet und geschätzt (Ekkehard Knörer, taz 13.5.24).

4833: Zwei-Staaten-Lösung ist die einzige Chance für Nahost.

Mittwoch, Mai 29th, 2024

Die Lage in Nahost erscheint aussichtslos. Das heißt, es geht immer so weiter mit Mord und Totschlag. Daraus kann ein Weltkrieg erwachsen. Das alles muss auf jeden Fall vermieden werden. Insofern ist die Zweit-Staaten-Lösung die einzige Chance für den Nahen Osten. Ansonste wären die Kriege 1948, 1956, 1967, 1973 und die folgenden Scharmützel alles Vernichtungs- und Auslöschungskrige gegen die Palästinenser gewesen.

In Israel will kaum jemand noch die Zwei-Staaten-Lösung. Damit macht sich die israelische Politik noch schuldiger, als sie es ohnehin schon ist. Nun ist ja nicht zu übersehen, dass im Laufe der Jahre auf palästinensischer Seit immer mehr Terroristen wie die Hamas die Politik bestimmen. Am 7. Oktober fand ein Pogrom statt (Mord, Totschlag, Vergewaltigung, Entführung etc.). Das rechtfertigt aber nicht Israels Kriegsverbrechen in Gaza. Die Vereinten Nationen müssen Israel zur Zwei-Staaten-Lösung drängen.

4832: Wir dürfen uns über den Rassismus bei uns keine Illusionen machen.

Dienstag, Mai 28th, 2024

Rostock-Lichtenhagen? Hanau? Schon mal gehört? Da kann es keine Unklarheiten geben. Christian Krachts erster Roman „Faserland“ begann vor dreißig Jahren auch auf Sylt. Da feiert unsere reiche Schicki-Micki-Jgend sich und ihre Ironie. Da kommt dann der in Deutschland bestens verbreitete Rassismus dabei heraus. Die reiche Jugend auf Sylt will provozieren: „Linke, Nazis, Ökos, Intellektuelle, Busfahrer, einfach alle.“ (Philipp Bovermann, Kathleen Hildebrand, SZ 25./26.5.24)

4831: Israel beherrscht militärisch den Gaza-Streifen noch nicht.

Dienstag, Mai 28th, 2024

Der Gazakrieg dauert seit dem 6. Oktober 2023. Und obwohl es schon zahlreiche Kriegsverbrechen begangen hat, beherrscht Israel militärisch die Lage noch nicht gänzlich. Das ist daran zu erkennen, dass die Hamas erstmals seit langem wieder Raketen auf Tel Aviv gefeuert hat. Die Lage erscheint bei der israelischen Uneinsichtigkeit aussichtslos.

4829: Vincent Kompany wird neuer Trainer des FC Bayern.

Montag, Mai 27th, 2024

Vincent Kompany wird neuer Trainer des FC Bayern München. Das ist eine überraschende, aber wahrscheinlich sehr gute Entscheidung. Pep Guardiola sagte über ihn: „Ich habe die allerhöchste Meinung von seiner Arbeit, seiner Persönlichkeit, seinem Wissen über das Spiel, wie er mit den Medien umgeht.“ Kompany war Guardiolas Kapitän bei Manschester City. Julian Nagelsmann: „Der kann, glaube ich, mehr verändern, als wenn sie jetzt wieder Meister geworden oder extrem erfolgeich gewesen wären.“ Kompany war zuletzt Trainer vom FC Burnley, mit dem er letztes Jahr in die Premier League aufgestiegen und in diesem Jahr wieder abgestiegen ist.

Als Spieler war Kompany beim RSC Anderlecht (2002-2006), HSV (2006-2008), Manchester City (2008-2019), RSC Anderlecht (2019-2020). Sportdirektor Max Eberl hat eine Entscheidung außerhalb des üblichen Meinungs-Miefs des FC Bayern getroffen. Sehr gut (SZ 27.5.24).

4828: Hildegrad Knef hat uns zur Selbstironie verholfen.

Sonntag, Mai 26th, 2024

Als 1963 Hildegard Knefs Album „Eins und eins, das macht zwei“ erschien, hatte sie schon eine große Filmkarriere hinter sich. Sie spielte sowohl in Helmut Käutners „Unter den Brücken“ (1944) als auch in Wolfgang Staudtes „Die Mörder sind unter uns“ (1946). Und in „Die Sünderin“ (1951) machte sie sich weithin unbeliebt. In Hollywood kriegte sie keine Rollen, sondern sang zwei Jahre am Broadway. Dann kam sie nach Deutschland zurück und veröffentlichte bis Ende der siebziger Jahre 20 Alben. Gegen Spießertum, Falschheit und Verzweiflung. Das konnten wir gut gebrauchen (Johannes Wächter, SZ 18./19./20.5. 24).

4827: Internationaler Booker Prize für Jenny Erpenbecks „Kairos“

Sonntag, Mai 26th, 2024

Der Internationale Booker Prize wird verliehen für ins Englische übersetzte Literatur. In diesem Jahr geht er an Janny Erpenbeck für „Kairos“. Darin erzählt sie die Geschichte der Wiedervereinigung und zugleich die scheiternde Liebe zwischen dem Schriftsteller Hans, Mitte fünfzig, und der Studentin Katharina, 19, in Berlin. Die 1967 in Ostberlin in einer Intellektuellenfamilie geborene Erpenbeck ist als Schriftstellerin schon mehrfach ausgezeichnet worden.

Den Independant Foreign Fiction Prize, der inzwischen mit dem Booker Prize fusioniert wurde,  bekam sie 2015 für „Aller Tage Abend“. Erpenbeck teilt ihren Preis mit ihrem Übersetzer Michael Hofmann. Der hatte durch seine Neuübersetzung von Hans Falladas „Jeder stirbt für sich allein“ 2010 dafür gesorgt, dass Fallada wieder groß rauskam. Erpenbecks Debüt feierte sie 1999 mit „Geschichte vom alten Kind“. „Heimsuchung“ erschien 2008. Sie überzeugt durch Einfallsreichtum, detaillierte Kenntnisse und Sprachkraft. „Kairos“ stellt die entscheidenden Fragen zu Freiheit, Loyalität, Liebe und Macht. Erpenbeck kennt sich aus mit DDR-Mentalität.

Bei allem berechtigten Lob für Jenny Erpenbeck sollten wir die zentrale Kritik an ihr nicht übersehen. Sie wird formuliert von dem streitlustigen Historiker Ilko-Sascha Kowalczuk, wo er sagt: „Ist es wunderlich, dass in ihren Statements und Büchern nie jene vorkommen, die 1989/90 gewonnen haben, die befreit wurden, die endlich ankommen konnten?“ (Marie Schmidt; SZ 23.5.24)

Kowalczuk hat 2023 und 2024 die dicke, zweibändige Biografie von Walter Ulbricht veröffentlicht. Ich fürchte, dass den heute in Westdeutschland kaum einer mehr kennt.

4826: Aktivisten besetzen Räume der Humboldt-Universität.

Samstag, Mai 25th, 2024

Propalästinensische Aktivisten haben Räume der Humboldt-Universität in Berlin besetzt. Sie streben ein Gespräch mit der Hochschulleitung an. Die Berliner CDU und die Gewerkschaft der Polizei verurteilen das Verhalten scharf. Es geht um Räume des Sozialwissenschaftlichen Instituts. 320 Personen haben eine unangemeldete Versammlung abgehalten. 23 Demonstranten wurden zur Aufnahme ihrer Personalien kurzzeitig festgenommen. 25 Strafermittlungsverfahren wurden eingeleitet (SZ 24.5.24).