Archive for the ‘Medien’ Category

3524: Briefwahl kann entscheiden.

Samstag, August 14th, 2021

Die Parteien kümmern sich vermehrt um die Briefwahl. Diese hat regelmäßig zugenommen. Ursprünglich war sie gar nicht möglich. 1990 lag der Briefwahlanteil bei 9,4 Prozent, 2017 bei 28,6 Prozent. 2021 kann es sein, dass zum ersten Mal mehr Stimmen per Briefwahl abgegeben werden als im Wahllokal. Besonders  Olaf Scholz (SPD) setzt auf die Briefwahl. Der 72-Stunden-Schlussspurt vor der Bundestagswahl nimmt in seiner Bedeutung ab. Eine gute, die Briefwahl berücksichtigende Kampagne könnte zwei bis drei Prozent Stimmanteile bringen. Am 29. August und am 12. September gibt es im Fernsehen die Auseinandersetzungen der drei Spitzenkandidaten Armin Laschet (CDU/CSU), Annalena Baerbock (Grüne) und Olaf Scholz (SPD). Die große Bedeutung der Briefwahl wirft auch demokratietheoretische Fragen auf.

Fall 1: Wenn Armin Laschet bis zur Bundestagswahl am 26. September sein Image noch verbessert, könnte das bei hohem Briefwahlanteil nichts mehr nützen.

Fall 2: Winfried Kretschmann gewann vor zehn Jahren die Landtagswahl in Baden-Württemberg ganz knapp. Dabei könnte der Atom-Unfall in Fukushima eine Rolle gespielt haben, der sich vierzehn Tage vor der Wahl ereignete, aber nur weil relativ wenig Briefwahlstimmen abgegeben wurden.

Durch die Stimmen an den Urnen holte die AfD 2017 13,9 Prozent, an Briefwahlstimmen 9,6 Prozent. Deswegen meckert sie auch ständig über die Briefwahl. Auch Linke und SPD schnitten bei der Briefwahl schlechter ab. CDU/CSU, Grüne und FDP profitierten von der Briefwahl. Im Westen der Republik und in Städten wählen die Bürger häufiger die Briefwahl, im Osten und auf dem Land weniger. Bei der Bundestagswahl 2017 war der Briefwähleranteil in Sachsen-Anhalt am geringsten (17,9 Prozent), in Bayern am höchsten (37,3 Prozent). Bei der Bundestagswahl 2021 werden wahrscheinlich wenige Prozentpunkte über die Kanzlerschaft entscheiden. Deswegen kann es sich keine Partei mehr erlauben, nicht um die Gunst der Briefwähler zu werben (Rober Rossmann, SZ 13.8.21).

3518: Scarlett Johansson verklagt Disney.

Sonntag, August 8th, 2021

Kino-Weltstar Scarlett Johansson verklagt Disney. Sie hat schon mit sehr vielen Regie-Stars gedreht. U.a. mit Woody Allen  („Match Point“ 1996). Ihre Klage hat in Hollywood ein Beben ausgelöst. Johansson hatte in dem Blockbuster „Black Widow“ mitgespielt. Üblicherweise bekommt sie dann eine Gage und eine Beteiligung am Kassenerfolg. Diese sieht sie jetzt gefährdet, weil der Streifen nicht nur im Kino, sondern auch auf Disneys Streamingdienst Disney Plus gestartet wird. Disney nutze die Pandemie als Vorwand, um Filme gleich online anzubieten und dadurch viel mehr Abonnenten zu gewinnen.

Disneys Antwort: Johansson habe ohnehin schon 20 Millionen Gage bekommen. Ihre Klage sei „eine gefühllose Missachtung der schrecklichen und dauerhaften Auswirkungen der Covid-19-Pandemie“. Disney befindet sich in einem Kampf ums Überleben und auch um sehr viele Arbeitsplätze. Johansson geht es möglicherweise gar nicht ums Geld. Sie gehört zu den wenigen, die sich eine Auseinandersetzung mit Disney leisten können. Ihre Zusammenarbeit endet mit „Black Widow“. Das Urteil in dieser Causa wird wahrscheinlich wegweisend für Hollywood (David Steinitz, SZ 31.7.21).

3517: Warum manchmal Kunst nicht zurückgegeben wird.

Samstag, August 7th, 2021

Der 1878 geborene erfolgreiche jüdische Textilfabrikant Robert Graetz war auch Kunstsammler. 1919 bezog er eine Villa in Berlin-Grunewald. Dort befand sich seine etwa 250 Kunstwerke umfassende Sammlung. Sie enthielt Werke von Otto Dix, Max Pechstein, Paula Modersohn-Becker, Karl Schmidt-Rottluff u.a. Eines war das Porträt von Alfred Kerr, dem berühmten Kunstkritiker, 1907 von Lovis Corinth gemalt. 1933 musste Familie Kerr aus Deutschland fliehen. Darüber hat Judith Kerr das Buch „Als Hitler das rosa Kaninchen stahl“ geschrieben.

Robert Graetz konnte sein Villa 1935 nicht mehr halten. Er baute sie in ein Mehrfamilienhaus um. Viele seiner Kunstwerke gab er an eine Berliner Spedition, um sie bei der geplanten Ausreise mitzunehmen. Wahrscheinlich zählte auch das Kerr-Porträt von Corinth dazu. Graetz wurde 1942 kurz vor seiner geplanten Flucht deportiert und ermordet. Seine Bekannte Gertrud Kahle wurde nach der Beschlagnahme sämtlichen Vermögens ebenfalls nach Theresienstadt gebracht. Sie überlebte, beging aber 1945 in Berlin Selbstmord. Die Kinder von Robert Graetz machten nach 1945 Schadensersatz für die vom Deutschen Reich entzogenen Kunstwerke geltend. Die Behörden verlangten Dokumente, Beweise, Unterlagen. Aber wie wollen sie die von jemand vorlegen, von dem nicht einmal das Todesdatum bekannt ist? Die Wiedergutmachungsbehörde wies den Anspruch auf Rückgabe 1954 zurück.

Am 5. Februar 1956 veröffentlichte der Theaterkritiker Friedrich Luft in der „Welt“ den Beitrag „Ein Bild will nach Berlin. Das Kerr-Porträt von Lovis Corinth wird angeboten.“ Das Bild wurde von den Erben Gertrud Kahles auf den Markt gebracht und kurz darauf vom Schiller-Theater für 10.500 Mark erworben. Robert Graetz Erben machten geltend, dass unklar sei, wie es in den Besitz der Erben Kahles gekommen sei. Am Ende erhielten die Erben Graetz‘ 28,5 Prozent des Kaufpreises von den Erben Kahles, also 3.000 Mark. Auf Grund einer Übertragung vom Schiller-Theater auf das Berliner Stadtmuseum ist das Bild seit 1974 in dessen Besitz.

Die Erben von Robert Graetz verlangten nun von der

„Beratenden Kommission im Zusammenhang mit der Rückgabe NS-verfolgungsbedingt entzogenen Kulturguts, insbesondere aus jüdischen Besitz“

die Empfehlung der Rückgabe des Gemäldes. Die Erben Kahles hatten in den fünfziger Jahren behauptet, dass Graetz das Bild Gertrud Kahle geschenkt habe. Das Bild soll von der Spedition beim Frachtkontor Fritz Kahle eingelagert worden sein, dem geschiedenen Mann von Gertrud Kahle. Dieser habe es für seine Kinder unterschlagen. Über den Wahrheitsgehalt der Aussagen wissen wir nichts. Die Erben von Robert Graetz konnten der Kommission keine Unterlagen vorlegen, die die Einlieferung des Gemäldes und des anderen Besitzes zu einer Einlagerung beweist. Deswegen hat die Kommission entschieden, für das „Porträt Alfred Kerr“ keine Rückgabeempfehlung an die Graetz-Erben auszusprechen.

Für Eigentumswechsel in jenem Zeitraum müssen nicht die Erben beweisen, dass das Kunstwerk verfolgungsbedingt entzogen wurde – das Museum muss beweisen, dass das Kunstwerk ohne Verfolgungsdruck zu einem angemessenen Preis veräußert wurde (Beweislastumkehr). Und vor allem, dass der Veräußerer frei über den Kaufpreis verfügen konnte. Es steht die Vermutung im Raum, dass der Vergleich auf Grundlage der falschen Annahme einer Schenkung von Graetz an Kahle geschlossen wurde. Der Kommisionsvorsitzende, der ehemalige Verfassungsgerichtspräsident Hans-Jürgen Papier, hatte die Entscheidung in einem Aufsatz gerechtfertigt. Dabei hatte er auch auf die bis heute mangelhafte Verfahrensordnung der Kommission verwiesen. „Die aktuellen Ereignisse zeigen, dass der zukünftige Umgang mit Raubkunst im Koalitionsvertrag Niederschlag finden muss.“ (Julien Reitzenstein, Welt 31.7.21)

3516: Die demokratische Regression

Freitag, August 6th, 2021

Armin Schäfer und Michael Zürn erläutern uns in einem Buch

Die demokratische Regression. Die politischen Ursachen des autoritären Populismus. Berlin (Suhrkamp) 2021, 247 S., 16 Euro.

Ihren Ausgangspunkt nehmen sie bei Branko Milanovics „Elefantenkurve“, der zufolge die Globalisierung zwar hunderte Millionen Menschen aus der absoluten Armut befreit hat, aber nur die neue Mittelschicht in den ostasiatischen Schwellenländern und die Allerreichsten dieser Welt massiv profitieren konnten.

Sie halten dem Populismus durchaus zugute, dass er sich bezieht auf die „Schieflage zugunsten der Bessergestellten“ in den westlichen Gesellschaften, wo in den Parlamenten Beamte und Unternehmer dominieren. An die Stelle von Parlamentsmehrheiten seien in letzter Zeit allerdings Zentralbanken, Verfassungsgerichte und internationale Organisationen getreten, die den „dreifachen Liberalismus“ aus individuellen Rechten, internationalen Regeln und freien Märkten durchsetzten. Der Populismus sei insofern aus einer Krise der Repräsentation hervorgegangen und nehme für sich in Anspruch, den Volkswillen zu kennen und zu repräsentieren. Auch daraus erkläre sich ihr antidemokratischer Charakter.

Bei Trump, Bolsonaro, Maduro, Modi, Putin, Orban, Erdogan und Kaczynski.

Mittlerweile gefährde der Antiinternationalismus die Wohlstandseffekte der Globalisierung und Bedingungen für das Gedeihen der Demokratie. „In dieser Grauzone der Regimetypen wird zwar gewählt, aber die Wahlen verlaufen mitnichten immer korrekt, und Rechtsstaatlichkeit, die Kontrolle der Exekutive durch Legislative und Judikative, Medienpluralismus, Minderheitenschutz und umfassende Menschenrechte sind nicht garantiert, sodass der Unterschied zwischen Demokratie und Autokratie bis zur Unkenntlichkeit relativiert sein kann.“

Schäfer und Zürn schlagen die Direktwahl der Europäischen Kommission vor. Und die Förderung unterrepräsentierter Bevölkerungsgruppen wie etwa Frauen aus dem Dienstleistungsprekariat mit Migrationshintergrund. Abstrakt wird es da, wo die Autoren die „Anerkennung und Berücksichtigung von Komplexität“ und die „Förderung von Ambiguitätstoleranz“ verlangen. Es sei nicht vergessen, dass rund ein Viertel der AfD-Wähler einen Hochschulabschluss hat und drei Viertel von ihnen auf Beamte, Angestellte und Selbständige entfallen, also diejenigen Bevölkerungsgruppen, deren politische Privilegierung die Autoren zu Recht beklagen (Karsten Fischer, FAZ 31.7.21).

3515: „Weltspiegel“ ins Nachtprogramm ?

Donnerstag, August 5th, 2021

Den „Weltspiegel“ in der ARD gibt es nun seit fast 60 Jahren. Und ich war ziemlich von Anfang an mit einiger Verve als Zuschauer dabei. Deswegen bin ich darauf ähnlich fixiert, wie Jörg Lau („Die Zeit“ 15.7.21) es schildert. Über 100 Reporter aus 30 ARD-Studios rund um die Welt klären uns über die Politik der Welt auf. Und die Sendezeit vor der „Tagesschau“ trägt dazu bei, dass nicht nur Medienfexe und Akademiker das Magazin sehen. In einer Zeit voller internationaler Großkrisen. Lange Zeit kam der „Weltspiegel“ nach der „Lindenstraße“. Ins Leben gerufen wurde die Sendung von Journalisten wie Peter von Zahn, Peter Scholl-Latour, Lothar Löwe, Gerd Ruge und Klaus Bölling. Hochverdiente, für ihre Seriosität bekannte Journalisten.

Die Marktanteile stimmen auch heute noch. Rund zwei Millionen Zuschauer regelmäßig sind keine Kleinigkeit. Nun soll die Sendung auf den späten Montagabend nach den „Tagesthemen“ verlegt werden. Dafür fehlt vielen Nutzern jegliches Verständnis. Es würde den kompletten Austausch des Publikums bedeuten. Denn die heutigen Seher, zwei Drittel ohne höheren Bildungsabschluss, sind montags spät schon auf dem Weg ins Bett, weil sie am nächsten Morgen arbeiten müssen. Dem „Weltspiegel“ droht ein Tod auf Raten. Wir wollen doch nicht noch mehr Sport vor der „Tagesschau“. Der „Weltspiegel“ ist bisher ein Gegenmittel gegen vorgefasste Meinungen und Filterblasen. Das Programm ist eine Versicherung gegen Vorurteile. Wie sollen wir Donald Trump, den Brexit oder die zahlreichen russischen politischen Repressionen verstehen? Da müssen uns kundige Journalisten informieren. Es gibt heute auf der Welt schon genug Behinderung von seriösem Journalismus. Da sollte sich die ARD als einer unserer Anker für freie Meinungsbildung nicht selbst schwächen. Es läuft heute in der Welt ein postfaktischer Mehrfrontenkrieg gegen den Anspruch, dass es überhaupt eine verbindliche Wahrheit gebe. Gegen die billigen Hetzer der AfD hilft nur seriöser Nachrichtenjournalismus, der genug Zeit hat, seine Erkenntnisse auch auszubreiten.

3514: Erfreuliche Zahlen bei der F.A.Z.

Mittwoch, August 4th, 2021

Im Geschäftsjahr 2020 und in den ersten Monaten dieses Jahres haben sich die Geschäftszahlen der FAZ positiv entwickelt. Mit 225,7 Millionen Euro wurden die Erwartungen 2020 übertroffen. Mit dem dynamischen Wachstum des Digitalgeschäfts verband sich eine beachtliche Resilienz des Printgeschäfts. Daher konnte die FAZ zum 1. Juli 2021 die Gehälter der Mitarbeiter erhöhen und zusätzlich im Dezember wie im Juni 2021 eine Corona-Sonderprämie ausschütten. Eine rege Nachfrage findet auch das Bezahlangebot F+. Insgesamt zählte die FAZ zur Jahresmitte mehr als 180.000 digitale Abonnenten. Gerne gehört werden die Themenpodcasts wie „Einspruch“, „Digitec“, „Wissen“, „Gesundheit“. Nutzern von Smartphones stellt die FAZ Audioinhalte für das Auto über Apple CarPlay und Android zur Verfügung. In den kommenden Monaten wird die Zeitung weitere digitale Produkte auf den Markt bringen.

Auf das Digitalgeschäft entfallen schon 35 Prozent des Unternehmensergebnisses.

Insgesamt wird dadurch das Bedürfnis vieler Leser nach Qualitätsjournalismus gerade in bewegten Zeiten belegt.

Das Abonnementgeschäft der FAZ ist im zweiten Quartal 2021 um 10,1 Prozent auf 201.400 Exemplare gestiegen. Die Umsatzrendite erreichte ein Niveau wie in den neunziger Jahren. Das von FAZ und „Süddeutscher Zeitung“ (SZ) zur besseren Vermarktung überregionaler Anzeigen gegründete Gemeinschaftsunternehmen Republic hat seine Arbeit erfolgreich aufgenommen. Ziel der Gründung ist es, gemeinsam eine noch höhere Reichweite in der Zielgruppe der Entscheider zu erreichen (FAZ 31.7.21).

3513: Bayerischer Minister gegen das Impfen

Samstag, Juli 31st, 2021

Hubert Aiwanger ist Vorsitzender der „Freien Wähler“ in Bayern, Wirtschaftsminister und stellvertretender Ministerpräsident. Er ist nicht nur privat gegen das Impfen und selbst ungeimpft. Er ist sich nicht sicher, ob nicht doppelt Geimpfte durch Nachlässigkeit beim Testen das Virus weiterverbreiten. Er hat von „massiven Impfnebenwirkungen“ gehört. Er sprach von einer „Apartheidsdiskussion“  zulasten Ungeimpfter. Er will mit den „freien Wählern“ in den Bundestag und muss dazu die Fünf-Prozent-Hürde überspringen. Er sagt: „Die CSU hat offenbar Angst vor einem schlechten Bundestagsergebnis und greift deshalb ohne Not den eigenen Koalitionspartner an.“

Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) greift seinerseits Aiwanger und die „freien Wähler“ an. „Er wandelt auf einem schmalen Grat.“ Wer glaubt, „sich bei rechten Gruppen und Querdenkern anbiedern zu können, verlässt die bürgerliche Mitte und nimmt am Ende selbst Schaden.“ (Timo Frasch, FAZ 31.7.21)

Also große Uneinigkeit in der bayerischen Regierung. Wir bekommen den Eindruck, dass Markus Söder die ganze Mannschaft nicht mehr wirklich im Griff hat. Es rächt sich jetzt, dass die CSU sich über lange Zeit nicht klar genug von der AfD, Querdenkern und „freien Wählern“ abgegrenzt hat.

3511: Springer verkauft in Osteuropa.

Donnerstag, Juli 29th, 2021

Vor zwei Jahren trat der US-Investor KKR bei Springer („Bild“, „Welt“) mit ungefähr 50 Prozent ein. Die andere Hälfte halten Friede Springer und der Vorstandsvorsitzende Matthias Doepfner. Nun trennt sich Springer von fast allen journalistischen Aktivitäten in Osteuropa: Ungarn, Serbien, Slowakei, Estland, Lettland, Litauen. Es geht um mehr als 200 Digital- und Printprodukte mit mehr als 3.100 Mitarbeitern. Nur in dem recht großen Markt in Polen bleibt Springer aktiv.

Die abgegebenen Produkte übernimmt der Osteuropa-Partner von Springer, der Schweizer Verlag Ringier („Blick“). Springer will sich auf das Digitalgeschäft in den USA, Deutschland und Polen konzentrieren. Angestrebt wird eine Marktführerrolle. Diskutiert wurde vor allem über die „Welt“. Aber Friede Springer hat sich klar zu diesem Blatt bekannt. Die Samstagsausgabe (die ich wegen der „Literarischen Welt“ abonniert habe) wird gestrichen und durch die „Welt am Sonntag“ ersetzt, die samstags erscheinen soll. Warten wir es ab (Caspar Busse, SZ 29.7.21).

3509: Beim Impfen darf Druck sein.

Mittwoch, Juli 28th, 2021

Mittlerweile ist genug Anti-Corona-Impfstoff vorhanden. Um so mehr gilt das Motto: Impfen, impfen, impfen. Trotzdem scheuen viele vor einer Impfung zurück. Aus Angst, Trägheit, Unwissenheit oder anderen Gründen. Die Impfbereitschaft sinkt. 41 Millionen Deutsche sind vollständig geimpft, weitere 9,5 Millionen haben ihre erste Spritze erhalten. Für eine Herdenimmunität müssen aber 85 Prozent der Bevölkerunmg vollständig geimpft sein. Es müssen also noch etwa 20 Millionen Menschen überzeugt werden.

„Da nun ausreichend Vakzine vorhanden sind, ist es nicht einzusehen, dass Schnelltests weiterhin gratis zur Verfügung stehen. Testen war der zweitbeste Weg, solange nicht genügend Impfstoff vorrätig war, um zumindest die Verbreitung des Virus einzudämmen. Wer als Ungeimpfter ins Restaurant will, zum Shoppen oder zu einer Veranstaltung, der sollte für die oft notwendigen Tests zur Kasse gebeten werden.“

„Warum sollte die Solidargemeinschaft Kosten für Impfverweigerer übernehmen, die mit ihrem Verhalten sich und andere gefährden?“ Ein Schnelltest kostet 12,50 Euro, ein PCR-Test 35 Euro. Natürlich muss es Ausnahmen geben: für Kinder, Schwangere und all jene, die wegen Vorerkrankungen nicht geimpft werden können.

„Wer eine Impfung verweigert, sollte weniger Freiheiten bekommen und höhere Kosten tragen – denn er oder sie geht auch ein höheres Risiko ein, selbst zu erkranken oder andere anzustecken.“

„Jedem muss klar sein: Je mehr Menschen geimpft sind, desto weniger Infektionen, Krankenhauseinweisungen und Tote wird es geben und desto geringer wird die Gefahr, dass Deutschland in einen erneuten Lockdown steuert. So ist das in der Pandemie: Es kommt auf jeden Einzelnen, jede Einzelne an.“ (Alexandra Föderl-Schmid, SZ 28.7.21)

 

3500: Pogacar macht es wie Armstrong.

Mittwoch, Juli 21st, 2021

Antoine Vayer, 58, gilt im Radsport als Nestbeschmutzer. Er war in den Neunzigern Trainer bei Festina, heute ist er Lehrer für Physik und Sport an einer Gesamtschule in Frankreich. Er nimmt die Tour de France in einem Interview mit Jean-Marie Magro (SZ 19.7.21) kritisch in den Blick. Für ihn hat Tadej Pogacar (Slowenien) 2021 die Tour dominiert wie Lance Armstrong (USA) 1999.

„Pogacar verteidigt sich auf Pressekonferenzen wie Armstrong. Als wir letzteren befragten, wie seine Leistungen zu erklären seien, sagte er immer wieder, er sei der am meisten getestete Mensch der Welt. Exakt die Verteidigungsstrategie wie Pogacar. … Wir müssen aufhören, an diesen Unsinn zu glauben, es gebe außergewöhnliche Champions, die mit einem Peloton spielen, in dem bereits lauter außergewöhnliche Champions fahren. … Nach meinen Berechnungen liegt er (Pogacar, W.S.) zehn Watt über den anderen Favoriten. Zehn Watt, das ist monströs, da liegt eine Welt dazwischen. Ich habe so etwas noch nie gesehen.“

Tadei Pogacar und Primos Roglic kommen aus Slowenien, also „aus einem Land, in dem der Kampf gegen Doping noch trostloser ist als in den meisten Ländern Europas. Dazu arbeiten sie mit Leuten zusammen, denen ich die schlechtesten Zeugnisse überhaupt ausstelle.“

„1998 waren 99 Prozent des Pelotons gedopt. Das weiß ich, weil ich damals Trainer war. Sehr optimistisch würde ich schätzen, dass sich heute 90 Prozent an die Spielregeln halten. … Es gibt einige Parallelen zum Beginn der Neunziger. Damals kam Epo als neues Dopingmittel auf. Das, was Epo damals war, könnten die PFC und die synthetischen Hämoglobine heute sein. Wenn ich betrügen wollte, würde ich einen Arzt suchen, der damit umgehen kann, …“