Archive for the ‘Literatur’ Category

3293: Öffnet die Buchläden !

Montag, März 1st, 2021

In den drei Bundesländern Berlin, Brandenburg und Sachsen-Anhalt sind die Buchläden geöffnet. In den anderen 13 nicht. Das sollten sie aber bald, weil sie dringend gebraucht werden, auch wenn viele Bundesbürger das nicht einsehen. Manche Entscheidungen sind nicht einfach verständlich. Warum dürfen Weinläden geöffnet sein, Tabakläden aber nicht? Buchläden sind bisher nicht als signifikante Ansteckungsherde bekannt geworden. Manche Buchhändler kommen ohnehin gerade so über die Runden. Und manchmal nur durch die Buchpreisbindung, die dafür sorgt, dass viele Verlage und Buchläden noch nicht eingegangen sind.

Keine andere Branche ist von der Paketdienst-Ökonomie so bedroht wie der Buchhandel. Ihm werden von Amazon die Bedingungen diktiert. Den Online-Markt für Antiquariate hat die Firma sich bereits unter den Nagel gerissen. Der Plattform ZVAB (Zentrales Verzeichnis antiquarischer Bücher) können sich nur noch wenige Antiquariate und ihre Kunden entziehen. Unser Staat sollte dieser bedenklichen Entwicklung entgegentreten. Hauptsächlich durch die Öffnung der Buchläden (Kurt Kister, SZ 27./28.2.21).

3290: Resilienz ist nicht immer gut.

Samstag, Februar 27th, 2021

Wir übersetzen

Resilienz

mit Widerstandsfahigkeit, Beständigkeit und verbinden damit regelmäßig positive Konnotationen. Das sieht die Jenaer Soziologin Stefanie Graefe, die darüber forscht, anders. In einem Interview mit Novina Göhlsdorf (FAS 21.2.21) sagt sie auf die Frage

FAS: Sie kritisieren, dass Resilienz als Programm entpolitisiert. Inwiefern?

Graefe: Wer resilient ist, erkennt an, dass die Welt schwierig ist, ist aber nicht unterzukriegen. Er findet sich damit ab, dass sich an den Ursachen für existierende Probleme nichts ändern lässt. Was sich ändern lässt, ist das eigene Erleben und die persönliche mentale und emotionale Widerstandsfähigkeit. Mit Verweis auf Resilienz können gesellschaftliche Missstände somit individualisiert und psychologisiert werden. Strukturelle Gründe dieser Missstände werden ausgeblendet, Fragen nach der Verteilung von Macht, nach ungleichen materiellen Voraussetzungen oder der Verantwortung von Krisenursachen gar nicht mehr gestellt.

3274: Klaus Theweleit: Warum mordete Tobias R. aus Hanau.

Mittwoch, Februar 17th, 2021

Klaus Theweleit hatte uns 1977 seine „Männerphantasien“ geliefert. 2015 erschien von ihm

„Das Lachen der Täter. Breivik und andere.“

Seine Erkenntnisse wendet er auf den Mörder von Hanau, Tobias R., an (taz 13./14.2.21).

1. Das Ziel des Mörders: die Elimination dessen, was ihn „bedroht“. Das war das gleiche bei den Mördern in Hanau, Halle, München, Utoya, Christchurch, Charleston, Philadelphia etc.

2. Für Tobias R. mussten rund zwei Dutzend Völker von Marokko bis zu den Philippinen vernichtet werden.

3. Die Morde von Einzeltätern in den letzten Jahrzehnten waren stets sorgfältig vorbereitet.

4. Der Tätertyp ist der des „einsamen Wolfs“, der es nicht geschafft hat, tragfähige persönliche und soziale Bindungen aufzubauen.

5. Tobias R. hatte seit 18 Jahren keine Beziehung mehr zu einer Frau.

6. In der Vorstellung der Täter steuern geheime Zirkel die Welt: Juden, Muslime, Kulturmarxisten.

7. Der Täter selbst ist ein „Auserwählter“.

8. Tobias R. hat neun Menschen ermordet. Fünf von ihnen mit deutschen Pässen, aber mit folgenden „Herkünften“: kurdisch, türkisch, bosnisch, rumänisch, bulgarisch, polnisch, darunter drei Roma.

9. Die Opfer sollen Juden, Schwarze, Muslime, „Ungläubige“ sein.

10. Wissenschaftliche Begriffe wie Schizophrenie und Narzissmus reichen heute nicht mehr aus, die mörderischen Phänomene voll zu erfassen. Das genügt nicht für die paar Hundert Killer.

11. Die Analytiker hängen noch an den alten Bezeichnungen wie Chrakter, Persönlichkeit, Individuum, Mensch.

12. Wir haben es heute mit Segment-Ichs zu tun, die sich aus vielerlei Spaltungen zusammensetzen.

13. Der Einzelne ist ein Split-Ego. Gerade damit werden die Killer nicht fertig. Sie verlangen die Wiederherstellung der nicht haltbaren Einheitlichkeit des Subjekts.

14. Dazu nehmen sie Nation, Rasse, Natur, Geschlecht.

15. Getötet werden müssen diejenigen, die mit der realen Uneinheitlichkeit leben können.

16. Die Killer leben in einer weitgehend halluzinativ wahrgenommenen Welt.

17. Die Bedrohung kommt aus dem Inneren und der Entwicklung eines „Fragmentkörpers“. Es ist kein Körper herangewachsen, der beziehungsfähig ist.

18. Vermindert sind die Beziehungsfähigkeit, die Liebespotenz und die Zuneigungsenergie.

19. Die Welt wird zwanghaft hierarchisch geordnet, Gleichheitsforderungen bedrohen körperlich.

20. Es herrscht die Angst, verschlungen zu werden, den Boden unter den Füßen zu verlieren, schwindlig zu werden.

21. Die äußeren Ursachen der Bedrohung sind die Fremden, die Farbigen, das Verschlingende des weiblichen Körpers.

22. „Natürlich ist dann ein ‚rechter‘ Körper in Meck-Pomm oder Hessen bedroht, wenn ein Iraner illegal die bayerische Landesgrenze überschreitet.“

23. Je stärker die inneren Ängste, desto bedrohlicher die Außenwelt: nur Feinde. Wenn solche Wahrnehmung bestimmend wird, kann oder muss womöglich geschossen werden.

24. Eine Zeitung: „Den Sicherheitsbehörden war R. bis zum Mittwochabend nicht aufgefallen.“

3263: Die Medien-Intellektuellen in der Bundesrepublik

Sonntag, Februar 7th, 2021

Der kürzlich gestorbene Historiker Axel Schildt hat zum Ende seines Lebens ein dickes Buch vorgelegt:

Medien-Intellektuelle in der Bundesrepublik. Göttingen (Wallstein) 2020, 896 Seiten.

Die meisten von uns werden es wohl nicht lesen. Schildt ist es aber gelungen, ein farbiges Bild deutscher Intellektueller zu zeichnen. Er hat sich anscheinend schon sehr lange mit dem Thema beschäftigt. Er zeigt u.a., welch großen Einfluss (ökonomisch und publizistisch) der öffentlich-rechtliche Rundfunk auf die westdeutschen Intellektuellen gehabt hat. Kennzeichnend war zudem der lange und stetige Zustrom von DDR-Intellektuellen bis 1961. Eine große Rolle haben auch nach allen Seiten offene Verleger wie Ernst Rowohlt (1887-1960) gespielt. Es ist hier nicht möglich, auch nur annähernd alle Facetten des Buches darzustellen. Ich möchte mich deswegen darauf beschränken, einige wichtig Gruppen zu benennen.

Am Anfang der Bundesrepublik hatten die, gelinde gesagt, Erzkonservativen noch einen großen Einfluss: Ernst Jünger („Der Kampf als inneres Erlebnis“ 1922), Martin Heidegger („Sein und Zeit“ 1926), Carl Schmitt („Der Begriff des Politischen“ 1927). Sie fanden Nachfolger in den fünfziger Jahren: Arnold Gehlen („Die Seele im technischen Zeitalter“ 1957), Helmut Schelsky („Die skeptische Generation“ 1957).

Erst in den sechziger Jahren kriegten Vertreter der linken „kritischen Theorie“ Gehör: Siegfried Kracauer („Von Caligari zu Hitler“ 1946), Theodor W. Adorno („Dialektik der Aufklärung“, gemeinsam mit Max Horkheimer, 1947), Jürgen Habermas („Strukturwandel der Öffentlichkeit“ 1962). Es meldeten sich die schon aus den zwanziger Jahren bekannten Vertreter der „konservativen Revolution“ zurück: Hans Zehrer („Der Mensch in dieser Welt“ 1948), Friedrich Sieburg („Die Lust am Untergang“ 1954), Paul Sethe („Zwischen Bonn und Moskau“ 1956).

Treibende Kräfte in der sehr vielfältigen „Gruppe 47“ meldeten sich zu Wort: Alfred Andersch („Sansibar oder der letzte Grund“ 1957), Hans Magnus Enzensberger („Einzelheiten“ 1962), Martin Walser („Ein fliehendes Pferd“ 1978). Es kamen nur wenige Frauen vor: Margret Boveri („Der Verrat im 20. Jahrhundert“ 4 Bde. 1956-1960), Marion Gräfin Dönhoff („Namen, die keiner mehr nennt“ 1963), Hannah Arendt („Eichmann in Jerusalem“ 1963).

Ein beeindruckendes Panorama!

3256: „Netzwerk Wissenschaftsfreiheit“ warnt vor linkem Mainstream.

Donnerstag, Februar 4th, 2021

Mehr als 70 Forscherinnen und Forscher haben ein „Netzwerk Wissenschaftsfreiheit“ (mit eigener Homepage) gegründet, in dem vor linkem Mainstream in der Wissenschaft gewarnt wird. Dazu zählen solche „umstrittenen“ Wissenschaftler wie die Migrationsforscherin Sandra Kostner, der Jurist Reinhard Merkel und die Historiker Jörg Baberowski und Andreas Rödder. Anscheinend stören sie sich an Quoten, Gendersternchen, Cancel Culture usw. Sie sorgen sich um die Vergabe von Drittmitteln und die Begutachtung von Aufsätzen. „Selbst-Konformierung“ soll vermieden werden (Paul Munzinger, SZ 4.2.21).

3246: Felix Stephan bedauert den Rückgang der Literaturkritik.

Mittwoch, Januar 27th, 2021

Der WDR hat massive Streichungen in seinem Literaturprogramm angekündigt. Vier Literatursendungen stehen vor einer ungewissen Zukunft. Felix Stephan beklagt das (SZ 26.1.21):

„Das wäre tragisch genug: dass der WDR seine Rolle als ‚Business Angel für Intellektuelle‘, wie Frank Schirrmacher die Rolle des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Deutschland beschrieben hat, leichtfertig und ohne jede öffentliche Diskussion aufgibt. Dass er mit den Rezensionen auch eine weiterführende Schule für republikanisches Dasein beseitigt, die Kunstkritik natürlich immer auch ist, eine Probebühne für Formanalyse und Begriffskritik.“

„Die Zeitschriften und Blogs der ganz rechten Infosphäre bauen ihre Literaturkritik kontinuierlich aus, und sie unterbreiten den freien Kritikern, die von den öffentlich-rechtlichen Medien stempeln geschickt werden, Angebote. Die antiglobalistische, völkische, deutschblütige Rechte hat genau verstanden, dass ein Land morgen von jenen geführt wird, die heute den Kanon formulieren.“

„Auf Youtube wimmelt es von völkischen Diskussionsrunden, die über die Verbindungen zwischen Hannah Arendt und Renaud Camus (dem Erfinder der Umvolkungs-These, eine Frechheit, W.S.) philosophieren; der Sloterdijk-Schüler Marc Jongen ist nicht nur AfD-Abgeordneter, sondern auch Obmann des Ausschusses für Kultur und Medien im Bundestag; in Radebeul ist der völkische Dichter Jörg Bernig als Kulturamtsleiter im vergangenen Jahr nur mit Ach und Krach verhindert worden. Die Rechten drängen in den kulturellen Raum, wo immer sie können, auf nationaler, regionaler, kommunaler Ebene, in den sozialen Netzwerken in Wort und Schrift, um ihre Sprache und ihre Begriffe zu platzieren.“

„Es wird bald das preiswerte Argument zu hören sein, die Sparmaßnahmen seien der ostdeutschen CDU zu verdanken, die eben erst die Erhöhung des Rundfunklbeitrags blockiert hat und zwar ausdrücklich, weil ihr die Berichterstattung nicht gefiel. Aber erstens gibt es kein Gesetz, das dem WDR vorschreibt, ausgerechnet da zu sparen, wo sich Deutschlands geistiges und ideelles Schicksal mit entscheidet – in der Literaturkritik. Und zweitens fehlte das Geld auch vorher schon an allen Ecken und Kanten.“

„Mehr als eine halbe Milliarde Euro zahlt der öffentlich-rechtliche Rundfunk allein für Renten, während junge Kritiker beim Radio heute kaum mehr ernsthafte Honorare erhalten.“

3243: Gunnel Lindblom gestorben

Mittwoch, Januar 27th, 2021

Die schwedische Schauspielerin und Regisseurin Gunnel Lindblom ist im Alter von 89 Jahren gestorben. Sie war in Göteborg geboren und ausgebildet worden und begann in den fünfziger Jahren am Stadttheater von Malmö mit

Ingmar Bergman

zu arbeiten. Dann war sie in seinen Filmen zu sehen. Etwa „Das siebente Siegel“ (1957) und „Wilde Erdbeeren“ (1957). Ihren Durchbruch hatte sie

1963 in „Das Schweigen“.

Die Sexszenen des Films ohne moralische Bemäntelung führten zu einem kassenträchtigen Skandal. Von den Siebzigerjahren an führte Lindblom selbst Regie im Theater, in der Oper und im Film. 2018 wurde ihr der Ehrenpreis des Stockholmer Filmfestivals verliehen (KHIL, SZ 27.1.21).

3237: Placido Domingo 80

Samstag, Januar 23rd, 2021

1975 sang der damals 34-jährige Placido Domingo in Hamburg Giuseppe Verdis Otello. Den bildungsfernen und emotional wenig gefestigten Soldaten. Er heiratet einem Patrizier gegen dessen Willen seine Tochter weg. Später erliegt er seiner Eifersucht und erwürgt die Frau. Eine der ganz großen Partien der Opernwelt. Placido Domingo hat den Otelleo noch etwa 200 mal gesungen. Er hatte 150 Partien im Repertoire und absolvierte 1988 seinen 2000. Bühnenauftritt. Und er hat zwei Opernhäuser geleitet. Er wechselte vom Tenor- ins Bariton-Fach und wurde vor Anna Netrebko und Jonas Kaufmann der erfolgreichste und beliebteste Opernsänger der Welt. Sagenumwoben der Auftritt mit Luciano Pavarotti und José Carreras als die „Drei Tenöre“. Den Otello hat er 1986 in der Verfilmung von Franco Zeffirelli gesungen. Überschattet wird sein Weltruhm in jüngster Zeit von Vorwürfen sexueller Belästigung. Das teilt Placido Domingo mit anderen Künstlern von Weltformat (Reinhard J. Brembeck, SZ 21.1.21).

3236: Wikipedia 20 Jahre alt: immer weniger Frauen

Donnerstag, Januar 21st, 2021

Der Grundgedanke von Wikipedia ist, dass hier nicht nur einige Wenige Beiträge schreiben können, sondern alle. Durch seine Einträge, Lemmata genannt, hat Wikipedia eingeführte Enzyklopädien verdrängt wie den Brockhaus und die „Enzyklopädia Britannica“. Inzwischen liegen 53,73 Millionen Beiträge in fast 300 Sprachen vor. Die deutschsprachige Wikipedia ist die weltweit viertgrößte Ausgabe. Wikipedia insgesamt ist mittlerweile die meistgelesene Enzyklopädie der Welt. Allerdings geht die Zahl der Autorinnen seit Jahren zurück. Während 2006 noch 8.614 Editorinnen tätig waren, waren es 2018 nur noch 5.262. Wikipedia ist weiß, westlich, männlich. Frauen schreckt oft der aggressive, rechthaberische und teils offen misogyne Umgangston ab.

Jeden Tag kommen ca. 350 bis 400 neue Artikel hinzu. Aber als Donna Strickland 2018 den Physik-Nobelpreis bekam, gab es zu ihr keinen Wikipedia-Eintrag. Anscheinend werden Frauen dort schlechter behandelt als Männer. Fünf von sechs geposteten Biografien handeln von Männern. Wikipedia unterscheidet sich aber grundlegend von Facebook. Dort ist man vollgestopft mit Werbung, schert sich nicht um Datenschutz und bietet narzisstischen Usern eine Basis. Die Algorithmen schüren Hass und Hetze. Wikipedia ist insofern die einzige große Website, die sich der Übermacht der Kommerzialisierung und der Vermachtung des Netzes erfolgeich widersetzt hat.

Wikipedia-Gründer Jimmy Wales: „Wikipedia entstand in einer Ära, als viele, ich eingeschlossen, das Gefühl hatten, die meisten Menschen seien grundsätzlich gut und Communitys können Erstaunliches erschaffen, wenn man ihnen die Gelegenheit gibt.“

Die Zeitschrift „Nature“ verglich 2005 Wikipedia mit der „Enzyklopädia Britannica“. Und siehe da: Die Fehlerquote war ungefähr gleich. 85 Prozent der Wikipedia-Beiträge stammen von Menschen mit akademischem Abschluss. Seit 2020 arbeitet die Weltgesundheitsorganisation (WHO) mit Wikipedia bei der Corona-Bekämpfung zusammen. Im großen Online-Meer des Netzes stellt Wikipedia etwas dar wie einen „Seriositäts-Anker“. Allerdings hält sie am generischen Maskulinum fest und nimmt auch bei ihren Kategorien keine Rücksicht auf die Geschlechteridentität. Nach Ansicht der Wikipedia-Chefin Katherine Maher sollte die Plattform demnächst einen „Code of Conduct“ vorlegen für den respektvollen Umgang miteinander. Wikipedia müsse eine Gemeinschaft werden, die alle willkommen heiße – und in der Artikel über Physikerinnen nicht einfach abgelehnt würden, weil ein männlicher Mentor sie für irrelevant halte (Alex Rühle, SZ 14.1.21; Simon Hurtz, SZ 14.1.21; Denis Gießler, taz 15.1.21).

3232: Trans-Community gegen J.K. Rowling

Montag, Januar 18th, 2021

Die „Harry Potter“-Schreiberin J.K. Rowling ist eine Weltbestseller-Autorin. Seit einiger Zeit wird sie hasserfüllt von der Trans-Community bekämpft. Denn sie hatte sich über den Ausdruck „people who menstruate“ mokiert. Es könne auch weiterhin von „Frauen“ die Rede sein. Außerdem verteidigte Rowling die konventionellen Zutrittsbestimmungen für Damentoiletten.

Unerhört?

Jetzt ist Rowling mit ihrem Krimi „Böses Blut“, den sie unter dem Pseudonym Robert Galbraith veröffentlicht hatte, wieder ins Visier der Trans-Community geraten. Dabei handelt es sich um den fünften Teil einer 2013 begonnenen Krimiserie. Darin muss der Privatdetektiv Cormoran Strike einen 40 Jahre alten Fall aufklären. Der Roman umfasst über 1.200 Seiten. Verdächtig ist der heterosexuelle Serienkiller Dennis Creed, der in Frauenkleidern auftritt und sehr rational agiert. Von einem Crossdresser oder einer Transfrau kann keine Rede sein.

Für den „Daily Telegraph“ besteht allerdings Rowlings Moral darin, dass einem Mann in Frauenkleidern niemals zu trauen sei. Auf Twitter gab es die entsprechenden Reaktionen: Rowling sei eine Ratte und eine transphobe Bitch. Ihr neuer Roman zeige die Skrupellosigkeit, mit der sie Trans-Personen in Gefahr bringe. Und das nur, um mehr Bücher zu verkaufen (Ronald Düker, Die Zeit 7.1.21).