Archive for the ‘Literatur’ Category

5239: Columbia Universität unterwirft sich Donald Trump.

Dienstag, März 25th, 2025

Der Banause Donald Trump

hasst die Wissenschaften. Er will sie zerstören oder an die Kandarre nehmen. Mit Geld. Die New Yorker Columbia Universität zählt zu den angesehensten Hochschulen der Welt und ist bekannt für ihre Protestkultur. Monatelang wurde dort

gegen den Gazakrieg

protestiert. Die Universitätsleitung holte Hundertschaften von Polizei dagegen auf den Campus. Die Präsidentin trat zurück. Trump blockierte Geldzuwendungen der öffentlichen Hand. Die Columbia Universität hat seit Monaten eine Übergangspräsidentin. Sie will den Protesten engere Grenzen setzen. Die Universität ist nicht mehr frei. Sie knickt gegenüber der Macht des Präsidenten ein. Andere US-Universitäten werden folgen. Das führt zu einem Niedergang der Hochschulen in den USA (Fabian Fellmann, SZ 24.3.25).

5236: Anselm Kiefer 80

Sonntag, März 23rd, 2025

Aus Anlass des 80. Geburtstags von Anselm Kiefer veranstalten das Van Gogh-Museum und das Stedelijk Museum in Amsterdam jeweils eine Sonderausstellung zu Ehren Kiefers. Er steht dafür, sich früh gegen das Verdrängen des nationalsozialistischen Terrors und Völkermords in Deutschland gewendet zu haben. Das gilt bis auf den heutigen Tag. Kiefer lebt seit 1992 in Frankreich. Bei einem ersten Treffen haben sich Emmanuel Macron und Friedrich Merz ihre Vorliebe für Anselm Kiefers Kunst bescheinigt. Der gilt als besonders „deutsch“. Fest verankert in der Romantik. Theoretisch weit ausgreifend bis in die Lyrik Ingeborg Bachmanns und Paul Celans. Außerhalb Deutschlands wird Kiefer mit Vincent Van Gogh in Verbindung gebracht. Höher geht es bald nicht. Kiefer scheut sich auch nicht, Motti wie „Where have all the flowers gone“ (Pete Seeger) zu verwenden. Er ist ein Künstler der Überwältigung im Verfall. Er sagt: „Künstler denken, sie sprechen nicht.“ (Alexander Menden, SZ 10.3.25).

5201: NS-Raubkunst im bayerischen Landtag

Donnerstag, Februar 27th, 2025

Der Ausschuß für Wissenschaft und Kunst des bayerischen Landtags hat zwei Anträge verabschiedet wegen des Verdachts auf NS-Raubkunst. Die Staatsgemäldesammlungen sollen damit lax umgehen. Gefordert wird eine „Neuausrichtung von Provenienzforschung und Restitution in Bayern“. Fördermittel sollen an die Einhaltung von Leitlinien geknüpft werden (SZ 27.2.25).

5163: Horst Janson ist tot.

Mittwoch, Januar 29th, 2025

Im Alter von 89 Jahren ist der Schauspieler Horst Janson gestorben. Gut aussehend, stark gebaut, mit kräftiger Stimme. Insbesondere bei den Frauen beliebt. 1958 hatte er schon in der Fernsehverfilmung der „Buddenbrooks“ mitgespielt. Sein Durchbruch gelang ihm ab 1973 im ZDF mit den 13 Folgen von  „Der Bastian“. Er spielte glaubhaft einen aufgeräumten Normalbürger. Nach einem Plot von Barbara Noack. Damit stand sein Markenzeichen fest. Er verkörperte einen neuen Typ Mann. 1968 hatte er im Fernsehen schon mit „Salto Mortale“ geglänzt. Janson galt und gilt als Sympathieträger. Der deutsche Robert Redford. Von 1980 bis 1990 war er dann neben Liselotte Pulver der „Horst“ in der „Sesamstraße“. Spätestens jetzt war er fast überall bekannt und beliebt (Harald Hordych, SZ 29.1.25).

5157: „Neue Sachlichkeit“ – aktuell wie je

Sonntag, Januar 26th, 2025

1925 veranstaltete Gustav Friedrich Hartlaub  in Mannheim die erste Ausstellung zur „Neuen Sachlichkeit“ (Max Beckmann, Otto Dix, George Gross, Christian Schad u.a.). Mit 124 Bildern. Meistens von Männern. 2025 wird das Ganze in Mannheim  rekonstruiert. Mit viel mehr Frauen. Anita Rée, Lotte Laserstein, Jeanne Mammen, Ilona Singer, Kate Dien-Bitt u.a. Gefeiert wurde und wird das neue Gebot der Künstlichkeit. Die dargestellten Menschen erscheinen erschöpft und ernüchtert. „Realistisch“. Die Rekonstruktion kommt in dem Moment, wo wir Jens Biskys „Die Entscheidung“ lesen. Wo die Sehnsucht nach Rationalität (auch und gerade in der Politik) stark ist. Offenbar sind wir noch keinen Schritt weiter als 1925.

Schirmherr Frank-Walter Steinmeier: „Und auch heute können wir daraus lernen, die Dinge so zu sehen, wie sie sind: sachlich.“ Schon Hartlaub unterschied 1925 zwischen „Rechten“ und „Linken“. Bei den Nazis wurden die „Rechten“ (Franz Radziwill, Georg Schrimpf, Alexander Kanold) Professoren. Die „Linken“ wie George Grosz mussten emigigrieren. Ihre Werke erschienen 1937 als „entartete Kunst“. Kurt Tucholsky schrieb dazu: „Wir hatten geglaubt, der Zeit entrinnen zu können. Aber man kann das nicht. Sie kommt nach.“ „Gegenwartsüberforderung, Utopieverlust, Emotionskontrolle, Kriegsangst, Spiel mit Identitäten. Das sind die großen Themen der Neuen Sachlichkeit – und das sind großen Themen unserer aktuellen Zwanzigerjahre. Kein Wunder also, dass die wahre Kunst der Stunde hundert Jahre alt ist. Aber vielleicht, so sollten wir als gebrannte Kinder sachlich fragen, könnte statt Kälte auch Wärme eine mögliche Haltung zu den Dingen sein.“ (Florian Illies, Die Zeit 12.12.24)

5153: Deutscher Film für den Oscar nominiert.

Freitag, Januar 24th, 2025

Der Film des in Hamburg lebenden iranischen Regisseurs Mohammad Rasoulof „Die Saat des heiligen Feigenbaums“ ist für Deutschland in der Kategorie „Bester internationaler Film“ für den Oscar nominiert. Der Film dreht sich um die Massenprotestte in Iran nach dem Tod von Gina Mahsa Amiri 2022. Er wurde nach der Flucht des Regisseurs überwiegend in Deutschland produziert (SZ 24.1.25).

5152: RBB verliert im Fall Gelbhaar vor Gericht.

Donnerstag, Januar 23rd, 2025

Das Landgericht Hamburg hat es dem RBB untersagt, weiter konkrete Vorwürfe gegen den Grünen-Politiker Stefan Gelbhaar zu erheben. Das verletze ihn in seinen Persönlichkeitsrechten. „Je schwerer der Vorwurf, desto stichhaltiger müssen die Verdachtsmomente sein.“ Gelbhaar war u.a. sexueller Belästigung von Frauen vorgeworfen worden. Er hatte seine Kandidatur für den Bundestag verloren. Eine der Anklägerinnen, die sogar eine eidesstaatliche Erklärung abgegeben hatte, existiert anscheinend gar nicht. Sieben Frauen halten ihre Anschuldigungen aufrecht. Das Gericht sieht gerade in einer Zeit kurz vor einer Wahl keine ausreichende Grundlage für die RBB-Berichterstattung. Gegen das Urteil will der RBB keine Beschwerde einlegen. RBB-Chefredakteur David Biesinger sagte: „Uns ist als RBB in der Recherche ein Fehler unterlaufen. Journalistische Standards sind nicht vollumfänglich eingehalten worden.“ (AVOS, SZ 23.1.25).

5122: NS-Raubkunst ist noch nicht zurückgegeben: ein Skandal

Sonntag, Dezember 29th, 2024

600.000 Kunstwerke wurden von den Nazis aus jüdischem Besitz geraubt. Zurückgegeben ist davon das Wenigste. Ein Skandal. 2024. Zehntausende davon hängen in öffentlichen Museen. Hauptsächlich in Deutschland. Erst die „Washingtoner Prinzipien“ aus den neunziger Jahren verpflichteten die Räuber zur Zurückgabe. Geschehen ist fast nichts. Viele jüdische Familien fühlen sich doppelt bestohlen: Erst durch die Nazis, dann durch die Bundesrepublik, welche die Rückgabe nicht schaffte. Auch der Ampelkoalition ist es nicht gelungen. Künftig sollen Schiedsgerichte auf Wunsch der Beraubten entscheiden. Hoffentlich funktioniert das. Anscheinend ist es bequemer, die Kunst zu behalten und mit dem Unrecht zu leben. Ungeheuerlich (Jörg Häntzschel, SZ 27.12.24).

5118: Hannelore Hoger ist tot.

Samstag, Dezember 28th, 2024

Mit Hannelore Hoger ist uns eine Schauspielerin gestorben, welche die Provinz hinter sich gelassen hatte und uns die Welt zeigte. Einmalig. Geboren 1942 in Hamburg studierte sie dort Schauspiel. Ihr Vater war Inspizient am Ohnesorg-Theater. Hoger war dann an Theatern in Ulm, Bremen, Stuttgart, Köln und Berlin. Stets zeigte sie mehr, als in ihre Rollen eingeschrieben war. Das machte der Intellekt. 1960 schaffte sie in Brendan Behans „Die Geisel“ den Durchbruch. Dann kam ihre Affäre mit Alexander Kluge. „Die Artisten in der Zirkuskuppel ratlos“ (1968), „Die Patriotin“ (1979). Kluge nahm sie mit zu Adorno. 1984 besetzte sie Hans-Christoph Blumenberg in „Tausend Augen“. 1992 war sie in die „Zweite Heimat“ von Edgar Reitz zu sehen. Dann kamen 38 Folgen „Bella Block“ von 1993 bis 2018. Eine Person der Emanzipation. Wir vergessen sie nicht (Bert Rebhandl, FAZ 28.12.24).

5093: Botho Strauß 80

Dienstag, Dezember 3rd, 2024

Bis in die neunziger Jahre war Botho Strauß einer der am meisten gespielten Autoren auf deutschen Bühnen. Nun wird er 80 Jahre alt. Begonnen hatte er 1967 als Redakteur der Zeitschrift „Theater heute“. 1970 ging er als Dramaturg zu Peter Stein an die Berliner „Schaubühne“. 1972 inszenierte Claus Peymann Straußens erstes Stück in Hamburg. Es folgte Stück auf Stück. Mit Erfolg. Wie z.B. „Paare,Passanten“ 1981. Bis Strauß 1993 im „Spiegel“ den „Anschwellenden Bocksgesang“ veröffentlichte, sich als Nationalist outete und seine Abkehr von 1968 und 1989 bekundete. Da blieben ihm auch nicht mehr alle seine Haus-Regisseure treu. Bis auf Ausnahmen wie Luc Bondy. Der Bocksgesang ist allerdings auch die düstere Vorahnung vieler schlimmer Entgleisungen der Gegenwart, vom Ende der Aufklärung. Strauß´Stücke verschwanden von den Bühnen. In seinem neuesten Buch schleicht sich ein „verwirrter alter Dramatiker“ ins Theater (Egbert Tholl, SZ 2.12.24).