Archive for the ‘Kunst’ Category

3354: Caroline Fourest hat Angst.

Montag, April 12th, 2021

Die französische Feministin Caroline Fourest (vgl. hier 3316: Caroline Fourest über linke Sprach- und Gedankenpolizei) bekennt in einem Interview mit Georg Blume (Zeit 31.3.21), dass sie Angst hat vor den Umtrieben in der linken Identitätspolitik:

1. „Ich komme .. von der Linken, einer universalistischen, laizistischen, demokratischen Linken. Aber ich habe es heute mit einer dogmatischen, fanatischen Linken zu tun, die sich mit religiösen Fundamentalisten zusammentut.“

2. „Zum Beispiel in Brüssel, als ich gegen das Tragen des Ganzkörperschleiers sprach. Linksextremistische und islamistische Gruppen störten gemeinsam die Veranstaltung und forderten meine ’symbolische Steinigung‘.“

3. „In den USA und Kanada hat die studentische Jugend eine Radikalität entwickelt, die keinen Widerspruch mehr duldet. Mehr noch: Widerspruch wird von ihr als Demütigung und Beleidigung empfunden, sodass man der Person, die widerspricht, das Wort verbietet.“

4. „Es gibt weltweit einen neuen Totalitarismus, der sowohl von rechts wie von links kommt.“

5. Geht es nach ihm, „dürfen Künstler nicht mehr Bilder gegen den Rassismus malen, wenn sie weiß sind. Das ist Wahnsinn.“

6. „Ich komme ja vom dekonstruktivistischen Feminismus. Jacques Derrida, der Vater der Dekonstruktion, hat mich inspiriert. Natürlich müssen wir auch heute noch die Mechanismen des Patriarchats dekonstuieren. Natürlich müssen wir weiter die Überreste des kolonialen Unterbewusstseins dekonstruieren.“

7. „In den USA ist im Namen der Religionsfreiheit alles erlaubt. In Frankreich glauben wir, dassv wir unsere Freiheit vor jeder religiösen Einflussnahme schützen müssen. Der religiöse Puritanismus in den USA ist bis heute eine nicht versiegende Quelle identitären Denkens.“

3352: Müssen wir Philip Roth canceln ?

Sonntag, April 11th, 2021

Im Zusammenhang mit einer Biografie über ihn ist in den USA die Debatte aufgekommen, ob wir den großen US-Erzähler und -Romancier Philip Roth (1933-2018) canceln müssen. Von ihm haben wir nicht nur „Der menschliche Makel“ (2000), sondern auch „Goodbye, Columbus“ (1959), „Portnoys Beschwerden“ (1969), „Mein Leben als Mann“ (1974), „Mein Leben als Sohn“ (1991), „Sabbaths Theater“ (1995), „Mein Mann, der Kommunist“ (1998) und die „Short Novels“ (2006-2010).

In seinen Büchern beschäftigte sich Philip Roth mit den Nachkommen europäischer Juden in den USA. Er schrieb häufig autobiografisch. Die meisten seiner Protagonisten sind Männer, Juden und Schriftsteller. In „Portnoys Beschwerden“ ging Roth ungezügelt obszön vor und sezierte das Leben eines Psychotherapie-Patienten. Harold Bloom hielt „Sabbaths Theater“ für Roths größtes Werk. Den Literaturnobelpreis hat er trotzdem nicht bekommen. Als den 2016 Bob Dylan erhalten hatte, sagte Philip Roth, im nächsten Jahr würden ihn Peter, Paul and Mary kriegen.

Was Roth bei den Fans der politischen und sexuellen Korrektheit zu schaffen macht, ist sein angeblicher Lebenstraum „Tagsüber in der Bibliothek, nachts bei den Frauen“. Roths Freund Steven Zipperstein, Professor für jüdische Kultur und Geschichte in Stanford, der ebenfalls eine Roth-Biografie vorbereitet, sagt im Interview mit Sarah Pines (Literarische Welt 10.4.21), dass er Roth bescheinigt habe: „Ich glaube, du liebst Frauen zu sehr.“ Das scheint heute gar nicht mehr erlaubt zu sein.

Auf Roths Beerdigung 2018 sprachen Frauen. Seine Ex-Frau Claire Bloom, eine Schauspielerin, hatte in ihrer Autobiografie „Leaving a Doll’s Hause“ (1996) versucht, Philip Roth als spießigen Choleriker darzustellen. Die Frauen in Roths Büchern sind außergewöhnlich stark. Steven Zipperstein: „Roth ist als Autor zu überragend, um irrelevant zu werden.“

3346: Kirik Douglas wollte Senta Berger küssen.

Freitag, April 9th, 2021

Im Vorgriff auf ihren 80. Geburtstag im Mai ist die hoch-renommierte Schauspielerin Senta Berger (z.B. Kriminalrätin Dr. Eva Prohacek) von Katja Nicodemus für die „Zeit“ (8.4.21) interviewt worden. Nicodemus greift dazu auf Bergers Autobiografie „Ich hab ja gewusst, dass ich fliegen kann.“ (2006) zurück. Darin hat Senta Berger auch über Hollywood berichtet, wo sie von 1961 bis 1969 gearbeitet hatte.

Berger: „Eine wirklich absurde Situation habe ich mit Kirk Douglas erlebt, der ja aus einer russisch-jüdischen Emigrantenfamilie kommt. Er versuchte, mich gegen meinen Willen zu küssen, und als ich meinen Kopf wegdrehte, sagte er: ‚Your people killed my people.‘ Das fand ich eine unglaubliche Zusammenführung. Darüber hätte man vielleicht mal mit der Psychoanalytikerin Margarete Mitscherlich sprechen müssen. Über diese erotische Anziehung, die ein ‚war baby‘ offensichtlich hatte. Über die Faszination der Erniedrigung, die man ihm zufügen könnte.“

3338: Angelica Domröse 80

Samstag, April 3rd, 2021

Bekannt geworden ist sie vielen von uns als Paula in Heiner Carows „Die Legende von Paul und Paula“ (1973), dem Kultfilm der DDR. Nach einem Drehbuch von Ulrich Plenzdorf. Es ist der Lieblingsfilm Angela Merkels. Angelica Domröse, eine schöne Frau, spielt darin eine alleinerziehende Mutter auf der Suche nach Liebe. Auf den Pfaden der Nouvelle Vague. Deswegen wird sie häufig mit Brigitte Bardot und Jean Seberg verglichen. Ihr ebenfalls durch diesen Film prominent gewordener Partner ist Winfried Glatzeder. Die beiden waren nie ein Paar.

Angelica Domröse ist 1941 in Berlin-Weißensee geboren und in einem original proletarischen Milieu vaterlos aufgewachsen. Sie wurde Stenotypistin. Aber sie gelangte auf die Bühne und in den Film. Über Helene Weigel landete sie beim Berliner Ensemble. Von 1967 bis 1979 gehörte zum Ensemble der Berliner Volksbühne. Sie spielte unter Benno Besson, Manfred Wekwerth, Manfred Karge, Matthias Langhoff. 1970 war sie in Wolfgang Luderers „Effie Briest“ die Effie.

1976 unterzeichnete Angelica Domröse die Petition gegen die Ausweisung Wolf Biermanns. Deshalb musste sie 1980 mit ihrem Mann, dem Schauspieler Hilmar Thate, die DDR verlassen und konnte nicht wieder voll an ihre Erfolge anschließen. Sie gehörte bis 1993 zum Ensemble des Schillertheaters. In Filmen Michael Hanekes und Helmut Dietls trat sie auf. 2003 nahm sie sich selbst in ihrer Autobiografie „Ich fang mich selbst ein.“ schonungslos ins Visier. Eine große Schauspielerin (Maria Wiesner, FAZ 3.4.21; Christine Dössel, SZ 3./4./5.4.21).

3337: Joseph Beuys 100 – die Legende

Freitag, April 2nd, 2021

Im Mai wäre Joseph Beuys (1921-1986) einhundert Jahre alt geworden. Er hat sein ganzes Leben so an seiner Legende gestrickt, dass die einen ihn heute für einen „Erlöser“ halten, die anderen für einen Scharlatan. 2021 wird in zahlreichen Ausstellungen Joseph Beuys‘ gedacht. Manche sehen in ihm den größten Erweiterer des Kunstbegriffs in viele Richtungen („Jeder Mensch ist ein Künstler“, Kunst als Aktion, als Prozess), für andere hat er den „teuersten Sperrmüll aller Zeiten“ produziert.

Joseph Beuys hat die Grünen mitbegründet und für sie 1980 für den Bundestag kandidiert. Trotzdem schreibt Hanno Rauterberg (Zeit 25.3.21): „Beuys war nicht der, als der er jetzt gefeiert wird. Er war nicht links, kein Systemsprenger und erst recht kein Kämpfer der Aufklärung.“ Er fühlte sich wohl im Geseiere der Esoterik, im Nebel der Begriffe, schätzte anthroposophische Kernsätze und passte gut unter die Aluhut-Träger einer „Querdenken“-Demonstration.

Er nahm Fußwaschungen vor. Ganz im Reich des Aberglaubens. Die 7.000 Bäume, die Joseph Beuys auf der Documenta in Kassel 1982 pflanzte, kommentierte der Künstler mit dem Satz: „Die Bäume sind nicht wichtig, um dieses Leben auf der Erde aufrechtzuerhalten, nein, die Bäume sind wichtig, um die menschliche Seele zu retten.“ Bis in die sechziger Jahre hinein nahm Beuys an den Kameradschaftstreffen seiner Stuka-Fliegerkameraden teil. Über die Bundesrepublik sagte er: „Diese Gesellschaft ist letztlich noch schlimmer als das Dritte Reich.“

Joseph Beuys wurzelte in der deutschen Romantik. In seiner Jugend war er begeisterter Nationalsozialist. 1941 meldete er sich für zwölf Jahre zur Luftwaffe. Dort soll er die Lehren Rudolf Steiners verinnerlicht haben, auch dessen spezielle Lehren zu Inkarnationen und höheren Wesen, wie sie in Waldorfschulen verbreitet sein sollen. Er begeisterte sich für Urvölker, Schamanen und keltische Symbole (Peter Richter, SZ 27./28.3.21). 1944 wurde er über der Krim abgeschossen. Daraus machte er den Mythos vom „Absturz über der Tundra“. Vielleicht ist das, wie Niklas Maak meint, „essentialistischer Kitsch“ (FAS 14.2.21). Möglichgerweise ist Joseph Beuys der deutscheste aller Künstler – auch, weil man oft nicht sagen kann, ob er in seinem Werk etwas Irrationales, Dunkles, potentiell Gewalttätiges kritisch reflektiert, gebannt oder doch gefeiert wird.

Scharfe Kritiker wie Frank Gieseke und Albert Markert sagen, Beuys sei „in dem Zug sitzen geblieben, in den er 1933 eingestiegen ist, und hat gewartet, bis die Gleise modernisiert wurden“. Für Peter Riegel steht Joseph Beuys ganz im Bann von Rudolf Steiner. Auch da, wo es um einen Volksgeist und die Auserwähltheit der Kelten und Germanen geht. Beat Wyss schrieb: „Im Künstlerhabitus hat Beuys Ideen und Symbole verinnerlicht, die er als Hitlerjunge eingeimpft bekam.“ Ihm gelinge die Verschmelzung von „völkischem Wandervogel“ und „Achtundsechziger-Rebell“.

Nach 1945 hatte der in Kleve geborene Joseph Beuys seinen Lebensschwerpunkt in Düsseldorf. Dort studierte und arbeitete er, seit 1961 als Professor (Catrin Lorch, SZ 27./28.3.21). Er sammelte auch unter den Studierenden viele Fans um sich und gebärdete sich wie ein charismatischer Führer. Dabei blieb sein Demokratiebegriff antiparlamentarisch. Angeblich ging es ihm um die Erneuerung der Gesellschaft. Zur Wissenschaft hatte er auf Grund seiner esoterischen Basis ein gestörtes Verhältnis. Kunst verstand er auch als „Heilung“, er stand der Homöopathie nahe.

Andreas Veiel, der 2017 einen Film über Joseph Beuys gedreht hat, meinte sehr dezidiert. „Ich finde bei ihm nichts Völkisches.“ Auch Hanno Rauterberg meint, dass er kein Rassist und Chauvinist sei. Beuys selbst schrieb 1972: „Ich will ja nicht zur magischen oder mythischen Welt zurück, sondern ich will anhand dieser Bilder Geschichtsanalysen betreiben.“ Möglicherweise muss Beuys heute viel stärker als bisher historisch gesehen werden. Es gibt einige Filme über sein Werk, die uns dabei behilflich sein können.

3335: Zum 150. Geburtstag von Heinrich Mann: ein Vergleich

Mittwoch, März 31st, 2021

Tilman Krause schöpft aus seiner reichen Kenntnis der Familie (Heinrich und Thomas) Mann (Literarische Welt 27.3.21), wenn er anlässlich des 150. Geburtstags von Heinrich Mann die beiden Schriftsteller vergleicht:

Thomas Mann erlaubte kurz vor seinem Tod 1956 die Publikation seiner Tagebücher. Dadurch kam nicht zuletzt die Homosexualität des „Groß-Schriftstellers“ ans Tageslicht. Mit dem Nachlass Heinrich Manns hatte er selbst 1950 Probleme gehabt, weil darin sehr viel Pornografisches zum Vorschein kam, „nackte Weiber“, wie es in den Tagebüchern hieß. Das berühmte Brüderpaar war sehr gegensätzlich. Heinrich Mann schrieb: „Mein Hauptinteresse war und ist es noch heute und in anderer Weise – die Frau.“

Thomas Mann, verliebt in den Maler Paul Ehrenberg, wurmte es, wie unbekümmert Heinrich sich zu seinem Hauptinteresse bekennen konnte. Homosexualität zog um 1900 den „sozialen Tod“ nach sich. „Die strenge Selbstdisziplin, mit der Thomas Mann als pseudoheterosexueller Patriarch einer ansehnlichen Familie ‚vorstand‘ und mit der er ein ‚holdes Weib errungen‘ hatte, das zudem aus besten Münchener Kreisen stammte, diese Selbstdisziplin speiste auch sein Werk. Es gibt schlechterdings nichts Misslungenes, Hingehauenes, Halbgares bei Thomas.“ 1929 erhielt er den Literatur-Nobelpreis.

Heinrich hingegen startete mit „Im Schlaraffenland“. „Das hatte nicht den ironisch abgemischten Innerlichkeitston von ‚Buddenbrooks‘, aber es war doch ebenso auf der Höhe der Zeit, die unter dem Einfluss des naturalistischen französischen Romans stand.“ Danach rutschte er von der Satire in die Kolportage ab und erzählte Sexgeschichten.

Im Ersten Weltkrieg sprach sich Heinrich klar für die Demokratie aus, während Thomas insbesondere in seinen „Betrachtunbgen eines Unpolitischen“ (1918) für die Monarchie zu votieren schien. Er sah in Heinrich einen „Zivilisationsliteraten“. Dieser wiederum heiratete eine Prostituierte, Nelly Kröger. In der Familie Thomas Mann galt sie als „das Weib“ „betrunken, laut und frech“. Im Exil in den USA war Heinrich auf den monatlichen Wechsel von Thomas angewiesen. Die Amerikaner lasen ihn nicht. Sonst hätten sie seine Stalin-Elogen zur Kenntnis nehmen müssen. „Unbekümmert preist er die Sowjets. Unbekümmert konsumierte er nacktes Frauenfleisch, und als das nicht mehr ging, verabreichte er es sich täglich zeichnerisch. Nein, der Größere war er nicht.“

3333: Meyerhoff rät Frauen von handwerklich begabten Männern ab.

Montag, März 29th, 2021

Der Schauspieler und Schriftsteller Joachim Meyerhoff rät in einem Interview mit Sven Michaelsen (MrIcon, Supplement der „Welt“, April 2021) auf die Frage

„Sollte ein Mann einen Autoreifen wechseln können oder reicht es, die Nummer eines Pannendienstes im Handy zu haben?“ das Folgende:

Unbedingt den Pannendienst anrufen. Bloß nicht selbst den Reifen wechseln. Kreuzschraubenschlüssel: ein absolutes No-Go! Ich würde tatsächlich so weit gehen, Frauen grundsätzlich zu raten, sich von handwerklich begabten Männern fernzuhalten.

3332: Humboldt-Forum zeigt Benin-Bronzen.

Samstag, März 27th, 2021

In seiner Dauerausstellung zeigt das Humboldt-Forum in Berlin Originale der Benin-Bronzen. Der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbestz, Hermann Parzinger, trat Spekulationen entgegen, dass eine Rückgabe des gesamten Berliner Bestandes an Kunstwerken des 1897 von britischen Truppen eroberten Königreichs Benin an Nigeria geplant oder sogar schon beschlossen sei. Eine fortwährende Präsenz der Werke in den Museen der Welt sei ausdrücklicher Wunsch auch der nigerianischen Kulturpolitiker (kil., FAZ 27.3.21).

3316: Caroline Fourest über linke Sprach- und Gedankenpolizei

Dienstag, März 16th, 2021

1. Caroline Fourest, 45, hat für „Charlie Hebdo“ gearbeitet, sie ist häufiger Gast in französischen Talkshows zum Thema Meinungsfreiheit und Laizismus und gilt als Expertin für linke Identitätspolitik.

2. Wenn es um die Frage geht, wer Amanda Gormans Gedichte übersetzen darf, nur eine junge, schwarze Amerikanerin oder auch andere.

3. Caroline Fourest definiert sich selbst als lesbische Feministin, Anhängerin des Universalismus und Antirassistin. Motor ihrer Arbeit sei Widerstand gegen das Pariarchat und Homophobie. Fourest definiert sich über ihre Berufe, sie ist auch Regisseurin. Seit langem beschäftigt sie sich mit dem Rechtsextremismus und religiösem Fanatismus.

4. Bei einer Diskusssion über Verschleierung dekretierte eine Studentin, dass nur Muslime darüber diskutieren dürften, aber nicht Fourest als Weiße. „In den Augen dieser linken Identitären war alles, was mich ausmacht, auf meine Hautfarbe reduziert.“

5. Fourest hat ein Buch über diese Art von Cancel Culture geschrieben:

Generation beleidigt. Von der Sprachpolizei zur Gedankenpolizei. Über den wachsenden Einfluss linker Identitärer. Eine Kritik (Edition Tiamat), 200 S., 18 Euro.

6. „Die Identitären sind nicht die neuen Antirassisten, sondern vielmehr die neuen Rassisten.“

7. Fourest als linke, lesbische, feministische Aktivistin (fortschrittlich im Vergleich zu mir) möchte nicht hinnehmen, dass der Diskurs über Rassismus von Wächterinnen und Wächtern dominiert wird, die im Namen von Opfern oder vermeintlichen Opfern jede Diskussion abwürgen, unterstützt von einem anonymen Mob im Internet, der auf Reizworte reagiert wie ein Pawlowscher Hund.

8. Wo in Filmen nur Juden Juden spielen dürfen.

9. Nur Homosexuelle Homosexuelle.

10. „Da ist man dann nicht weit entfernt von einem DNA-Test beim Casting.“

11. „Die Kehrseite der Medaille ist die Inflation absurder und unverhältnismäßiger Kampagnen gegen Familienmütter, Prominente und Künstler.“

12. In den USA wurde ein Kindergeburtstag, der in einem japanischen Ambiente gefeiert wurde, als „Yellowfacing“ verurteilt.

13. „Zum Opfer wird, wer den Beleidigten als Opfer taugt.“

14. Rassismus ist in der Logik der Beleidigten ein Thema, das nur diejenigen öffentlich verhandeln dürfen, die Opfer von Rassismus sind.

15. Konsequent weitergedacht dürften nur Italiener noch Pizza backen.

16. Obwohl auch in Europa die Rechtspopuisten und die Rechtsextremisten stärker werden, richtet sich der Bannstrahl der linken Identitären nie gegen diese, sondern gegen liberal eingestellte Künstler und Privatpersonen.

17. Für Caroline Fourest steht fest: Die Empörung selbst ist das Ziel der identitären Kampagnen (Johanna Adorjan, SZ 12.3.21).

3311: Wolfgang Petersen 80

Samstag, März 13th, 2021

Wolfgang Petersens größter Film war „Das Boot“ (1981 nach einem Roman von Lothar-Günther Buchheim). Mit einem Großaufgebot an Stars: Jürgen Prochnow, Herbert Grönemeyer, Uwe Ochsenknecht, Heinz Hoenig, Günther Lamprecht, Jan Fedder, von denen einige hier den Karriere-Durchbruch schafften. Der Film lebte vom Mythos des deutschen U-Boot-Fahrers und schmückte diesen noch gekonnt aus. Deswegen wurde er ja ein so großer ökonomischer Erfolg. Er versöhnte die deutsche Gesellschaft mit dem Krieg. Der Film ebnete Petersen endgültig den Weg nach Hollywood. Der einzige Kritiker, der sich traute, den Film zu verreißen, war Fritz J. Raddatz (Die Zeit). Er sah in dem Film eine Trivialschnulze und einen „Kriegsfilm am Rande der Verherrlichung“. Damit hatte Raddatz zwar ganz und gar recht, stand aber allein.

Wolfgang Petersen gelangen in Hollywood u.a. „Enemy mine“ (1985 mit Dennis Quaid) und „Air Force One“ (1987 mit Harrison Ford). Er konnte Kriegs- und Gewaltfilme. In seinem Spätwerk findet sich 2016 „Vier gegen die Bank“ (mit Til Schweiger, Matthias Schweighöfer und Jan Josef Liefers). Ziemlich am Anfang der Karriere des Sohns eines Mariners stand 1977 mit dem „Tatort“ „Reifezeugnis“ ein unvergesslicher Film mit Nastassja Kinski und Christian Quadflieg (nicht „Will“, wie Dietmar Dath in der FAZ, 13.3.21, schreibt. Das war der Vater von Christian, den die meisten von uns aus Gustaf Gründgens „Faust“-Film, 1962, kennen). Wolfgang Petersen wird 80 Jahre alt.