Der US-Filmstar Scarlett Johansson, 36, hatte den Filmkonzern Disney verklagt. Dieser hatte den Action Film „Black Widow“ mit Johannson in der Hauptrolle parallel zum Filmstart zugleich in seinem Online-Streamingdienst Disney + herausgebracht. Johansson ist vertragsgemäß an den Kinoeinnahmen beteiligt und befürchtete nun deren Schmälerung. Jetzt haben sich beide Seiten außergerichtlich geeinigt. Die Vereinbarung hat ein Volumen von 40 Millionen Dollar. Da verdient Frau Johansson ordentlich (theu., FAS 3.10.21).
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3579: Scarlett Johansson verdient.
Sonntag, Oktober 3rd, 20213552: Jean-Paul Belmondo ist tot.
Dienstag, September 7th, 2021Im Alter von 88 Jahren ist in Paris der Kino-Weltstar Jean-Paul Belmondo gestorben. Mit ihm hatte in Jean-Luc Godards Film „Außer Atem“ („A Bout de Souffle“) 1959 die „Nouvelle Vague“ begonnen. Und mit seiner Filmpartnerin, der US-Amerikanerin Jean Seberg, die im Leben so unglücklich war. Ich erinnere mich noch, wie ich 1961 diesen Film in der politischen Jugendarbeit gesehen habe und (tief im Unbewussten) begriff, dass hier etwas Neues erschien.
Fritz Göttler und Tobias Kniebe (SZ 7.9.21) schreiben: „Er ist ein Autodieb. Er betrachtet Frauen und sagt Sachen wie ‚hübsches Fahrgestell‘ oder ’nicht meine Blutgruppe‘ (in der deutschen Synchronisation, W.S.). Anschließend klaut er ihnen das Geld. Er erschießt einen Polizisten.“ Diese „Mischung aus Arschlochgehabe und einer darunterliegenden, meist versteckten Sensibilität, die Belmondo auszeichnet, passt perfekt zum rebellischen Gestus in den frühen Filmen Godards“. Zu Seberg sagt Belmondo im Film: „Ich liebe ein Mädchen, das einen wunderschönen Nacken hat, einen wunderschönen Mund, wunderschöne Stimme, wunderschöne Hände, wunderschöne Stirn, wunderschöne Fesseln, aber schade – sie ist feige.“ Jean-Paul Belmondo verkörperte in den ersten „Nouvelle Vague“-Filmen diesen spielerischen Nihilismus. Heute ist der wohl gar nicht mehr politisch korrekt.
Belmondo spielte mit und neben Jeanne Moreau, Catherine Deneuve, Claudia Cardinale, Sophia Loren, Ursula Andress. Dabei hatte ihm ein Schauspiellehrer gesagt, mit dem Gesicht würde er auf der Bühne und im Film nie die Mädchen küssen. Belmondo arbeitet neben Jean-Luc Godard mit den berühmtesten Regisseuren zusammen wie Jean-Pierre Melville, Claude Sautet, Francois Truffaut. In diesem intellektuellen Milieu spielte er als ehemaliger Amateurboxer die Stunts selbst. Die Franzosen nannten ihn zärtlich „Bébel“. 2001 erlitt er einen Schlaganfall, kämpfte sich 2009 aber noch einmal auf die Leinwand zurück. Göttler und Kniebe schreiben: „Und so kann man sich vorstellen, dass diese herrliche Klettertour nun weiter in die Unendlichkeit führt, wo nach jedem Balkon immer noch ein weiterer kommt, ewig jung und unermüdlich, in die Unsterblichkeit.“
3549: „Gottbegnadete“ in der Bundesrepublik
Samstag, September 4th, 2021Im Deutschen Historischen Museum in Berlin gibt es zur Liste der „Gottbegnadeten. Künstler des Nationalsozialismus in der Bundesrepublik“ eine Ausstellung (bis 5.12.21). Die „Gottbegnadeten“ wurden im Kriegsjahr 1944 von Hitler und Goebbels benannt, damit sie vom Arbeits- und Kriegsdienst freigestellt werden konnten und so dem „Heldentod“ entgingen. Auf dieser Liste wurden 114 Bildhauer und Maler erfasst. Darunter
Werner Peiner, Hermann Gradl, Hermann Kaspar, Paul Mathias Padua, Wilhelm Gerstel, Paul Plontke und Georg Kolbe.
An der Spitze stand Arno Breker, der seit 1938 an der Berliner Kunsthochschule lehrte und mit zahlreichen Werken während des Dritten Reiches präsent war. So z.B. in der „Großen Deutschen Kunstausstellung (GDK) im „Haus der Deutschen Kunst“ in München. Er modellierte 1939 einen Kopf von Richard Wagner, der auf der GDK 1941 zu sehen war. Er gab dem Kunstgeschmack der NS-Elite symbolische Form. 1955 wurde der Wagner-Kopf neben der Villa Wahnfried in Bayreuth aufgestellt. In den siebziger Jahren bekam Breker weitere Porträtaufträge für Bayreuth. Für Winifred Wagner, die Freundin Adolf Hitlers, für Cosima Wagner, deren Porträt 1979 im Festspielpark aufgestellt wurde.
Die Nazi-Künstler durchliefen 1947/48 wie vorgeschrieben eine „Entnazifizierung“, fanden aber beim vermögenden Bürgertum und in Industriekreisen bald ein Käuferpublikum. Sie werden in der Ausstellung zu ihrem Selbstverständnis 1970 befragt. Zwei Gemälde von Paul Mathias Padua in einer Frankfurter Kunstausstellung 1974 waren der Anlass zu einer Befragung des Künstlers durch Marianne Koch, die gerade 90 geworden ist, in der Bremer Talkshow „3 nach 9“. Dieser Maler lebte u.a. von Porträtaufträgen von Franz Josef Strauß und den Komponisten Boris Blacher und Werner Egk.
Der Begriff „Künstler des Nationalsozialismus“ ist etwas unscharf. Er unterscheidet nicht zwischen den politisch im Sinne des Nationalsozialismus Arbeitenden und denjenigen, die nach 1933 ihre künstlerische Berufspraxis „nur“ fortführten. Wilhelm Gerstel hatte mit seinen Schülern Fritz Cremer, Gustav Seitz und Waldemar Grzimek solche, die sich mit ihren Werken als Bildhauer in die antifaschistische Linke hineinbewegten. Einen wirklichen „Neuanfang“ hat es nach 1945 in Deutschland nicht gegeben. Das hat die kürzlich eröffnete Ausstellung „Documenta. Politik und Kunst“ ebenfalls im Deutsche Historischen Museum gezeigt (Wolfgang Ruppert, taz 31.8.21).
3548: Mikis Theodorakis ist tot.
Freitag, September 3rd, 2021Im Alter von 96 Jahren ist in Athen der weltberühmte griechische Komponist und Liedermacher Mikis Theodorakis gestorben. In Griechenland war er ein Volksheld. Er hat auch Oratorien und Opern komponiert, bekannt wurde er aber durch den Sirtaki für „Alexis Sorbas“ (Anthony Quinn) in dem gleichnamigen Film. Dafür hatte er die Bouzouki zum Leitinstrument erhoben. „Ich bin in einem ungeheuren Musikmeer aufgewachsen. Darin waren auch Lieder, die meine Mutter sang, Lieder aus Kleinasien, Lieder meines Volkes.“ Im Bürgerkrieg nach 1945 schloss er, der mit dem Kommunismus sympathisierte, sich den Linken an. Dafür musste er auf einer KZ-Insel büßen. Während der Obristen-Diktatur 1967-1974 floh er nach Frankreich, wo er schon studiert hatte. Theodorakis war der Botschafter eines freien Griechenlands. Unterstützt wurde er von der Sängerin Maria Farantouri und der Schauspielerin Melina Mercouri. Theodorakis hat auch Klassiker des altgriechischen Theaters vertont: Sophokles „Elektra“, Euripides „Medea“, die „Lysistrata“.
„Bis zu seinem Tod an diesem Donnerstag lebte Theodorakis zurückgezogen in dem Haus mit dem Blick auf den Parthenon, das er erwarb, als die Wohnungen dort noch bezahlbar waren. Das letzte Konzert mit Mikis Theodorakis in Athen fand am 24. Juni 2019 im alten Olympiastadion, dem Kallimarmaro, statt. Theodorakis saß ganz vorne, und dazwischen stand er auf und dirigierte, so wie er es immer gemacht hatte, mit weil ausgebreiteten, hoch erhobenen Armen, als wollte er auch die Gestirne einfangen.“ (Reinhard Brembeck, Christiane Schlötzer, SZ 3.9.21)
3539: Georg Stefan Troller wird 100.
Freitag, August 27th, 2021Einer der Großen im deutschen Journalismus, der am 10. Dezember 1921 in Wien geborene Georg Stefan Troller, wird bald 100 Jahre alt. Wer sich je einmal auf seine Präsentationen eingelassen hatte, stand fortan in seinem Bann, auch dem seiner Stimme. Er bestimmte das „Pariser Journal“ beim WDR und „Personenbeschreibung“ beim ZDF in den sechziger und siebziger Jahren. Im Vorlauf zu seinem Geburtstag wurde Troller von seinem Freund, dem Schriftsteller Peter Stefan Jungk, der in Paris lebt, in seinem Landhaus in der Normandie interviewt (Literarische Welt, 14.8.21).
Jungk: Ich weiß, du bist kein Freund der Psychoanalyse. Was sagt dir deine Selbstanalyse?
Troller: Ich habe mein Leben lang versucht, ein neuer Mensch zu werden – Transformation, Wandlung – das war mein Um und Auf. Ich wollte nicht der kleine, verhasste typische Jude sein, den man auf der Straße anspucken konnte. Dazu gehört, dass ich nie mit jüdischen Frauen geschlafen habe, die ich als meine Schwestern empfand, oder als mich selbst.
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Jungk: Dein Vater hatte etwas Despotisches an sich, scheint mir.
Troller: Man durfte vor ihm nie von Sexualität sprechen. Als er mich einmal mit einem Buch von Sigmund Freud erwischte, es war „Der Witz und seine Beziehung zum Unbewussten“, hat er mir das Buch aus der Hand gerissen: „Wir befassen uns nicht mit diesem Schmutzzeug.“ Dabei ging es doch bloß um jüdische Witze.
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Jungk: Deine Stimme macht ja 50 Prozent der Wirkung aus!
Troller: Das wollte ich nie wahrhaben. Aber es war wirklich so, dass meine Texte, mein Kommentare, meine Interview-Fragen ihr eigenes Gewicht einbrachten. Ich hatte seinerzeit in der Schule bei „Faust“-Lesungen im Klassenzimmer das Gretchen zu lesen, weil meine Stimme so mädchenhaft klang. Und dann kam ich nach Amerika, arbeitete als erstes in einem Konfektionsladen, und da gab es viele schwarze Frauen. Eine von ihnen sagte zu mir: „Oh Mister – Ihre Stimme ist so schön! Sie sollten zum Radio gehen!“ Das war das erste Mal, dass ich so etwas zu hören bekam.
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Jungk: Aber du hast diese Gefühle nie mit deiner jüdischen Herkunft verbunden?
Troller: Das Judentum hat mich immer etwas fremd gelassen. Das heißt nicht, dass ich mich zu einer anderen Religion bekehrt hätte, aber zu einer Art Pantheismus. Alles ist göttlich. Auch die menschliche Seele. Ich glaube allerdings nicht an Seelenwanderung, das kann ich mir nicht vorstellen. Wir haben unsere Chance gehabt in dieser Welt. Das Göttliche mitgespürt zu haben, ist es schon wert, gelebt zu haben. Es war schön, wenn Mutter einem nachrief, als man mit den Männern zur Synagoge ging: „Bet‘ dir alles Gute aus!“ Das ist doch ergreifend.
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3538: Erich Kästners „Fabian“ im Film
Donnerstag, August 26th, 2021Erich Kästner (1899-1974) hat nicht nur „Emil und die Detektive“ (1929) geschrieben und „Das doppelte Lottchen“ (1949), sondern auch „Fabian. Die Geschichte eines Moralisten“ (1931) (in der geschärften Version: „Fabian oder der Gang vor die Hunde“). Hier gibt er mehr von sich selber preis. Eine große Portion Realitätssinn und Bitterkeit ist typisch für Erich Kästner. Er stand für die „innere Emigration“ und musste sich etwa von Walter Benjamin für seine „linke Melancholie“ tadeln lassen, wobei wir nicht genau wissen, welcher Melancholie sich Benjamin selbst verpflichtet sah, als Kommunist wahrscheinlich der sowjetischen, die konnten wir dann bis 1991 noch genießen. Und tatsächlich hat Erich Kästner (unter dem Pseudonym Berthold Bürger) den „Münchhausen“ (1942) mit Hans Albers geschrieben, einen Film der Nazi-Propaganda. Alles nicht so einfach.
Erich Kästner hat nicht gewollt, dass sein „Fabian“ verfilmt wurde, so hat es Regina Ziegler geschildert, die so erfolgreiche Filmproduzentin, deren Mann Wolf Gremm (geb. 1942) 1980 den ersten „Fabian“ (mit Hans-Peter Hallwachs) herausbrachte. 2021 ist Dominik Grafs (geb. 1952) „Fabian“ erschienen, ein ganz anderer Film und doch auch Kästners Geist verpflichtet. Dieser war politisch relativ illusionslos. Sein Roman hatte keinen Plot und schilderte doch das Scheitern eines aufgeklärten männlichen Zeitgenossen vom Ende der zwanziger Jahre. Ungebunden, sexuell sehr aktiv und politisch illusionslos. Er ist bei Kästner, Gremm und Graf kein Held (Elmar Krekeler, Die Welt 7.8.21).
Erich Kästner hat gesagt, dass jeder Tag für den, der ihn erlebt, das Sitzen in einem verkehrten Zug in die falsche Richtung bedeutet. Und weil es so viele Möglichkeiten gebe, und sich nur eine als Tatsache zeige, verwirkliche sich das Unwahrscheinliche. Kein hoffnungsfroher Optimismus. Aber falsch? Dominik Grafs Film ruft viel Gegenwärtiges auf. „Mein Gefühl war, es sollte ein Film sein, in dem man das Pflaster von Charlottenburg spürt, den Staub auf den Steinen, die Hitze und den Zigarettenrauch in den Kneipen.“ Nach Katja Nicodemus (Die Zeit, 5.8.21) spielt Tom Schilling den Fabian so, als sei er ein Blitzableiter, der nicht merke, dass er selbst getroffen sei. Das ist Erich Kästners gnadenloser Blick. Unabhängig von allen Ideologien und Beschönigungen der Welt. Neben Tom Schilling werden einige großartige Schauspieler wie Saskia Rosendahl, Albrecht Schuch, Meret Becker, Joachim Nimtz und Jeanette Hain ihren Rollen vollkommen gerecht. Der Film charakterisiert Berlin ähnlich wie „Babylon Berlin“ (Volker Kutscher) oder „Weltpuff Berlin“ (Rudolf Borchardt). Und der Regisseur sagt schließlich: „Die Stadt Berlin enthält im Film alle Zeiten, auch die Katastrophe, die geschehen wird und noch nicht geschehen ist.“ Das ist spannend.
3537: Jonathan Lethem über Berlin
Mittwoch, August 25th, 2021Wieland Freund interviewt in der Literarischen Welt“ (7.8.21) den US-amerikanischen Schriftsteller Jonathan Lethem über Berlin. Der sagt:
„Berlin hat eine mythische Kraft, nur leider wird die Stadt vor allem mit Filmen über Nazis assoziiert. Die habe auch ich zuerst kennengelernt, aber dann kamen ‚Emil und die Detektive‘, ‚Cabaret‘, ‚Berlin, Alexanderplatz‘. Das war verlockend, aber in der Vorstellung vermischt es sich natürlich mit dem, was nachher kam – fast wie in einem blödsinnigen Moralitätenspiel: Wenn du es zu bunt treibst, kommen die Nazis. Was ich sagen will: Man hat immer schon von Berlin geträumt, bevor man dort ankommt. Kennengelernt habe ich dann eine Stadt, die einerseits sehr 21. Jahrhundert ist, und in der man andererseits das Gefühl nicht los wird, auf einem Vulkan aus Geschichte zu stehen.“
3536: Peter Fleischmann ist tot.
Mittwoch, August 25th, 2021Der Filmregisseur Peter Fleischmann ist im Alter von 84 Jahren gestorben. Er war zuletzt völlig zu Unrecht in Vergessenheit geraten. Seine besten Filme sind „Herbst der Gammler“ (1967) und „Jagdszenen in Niederbayern“ (1969). Fleischmann war kein so selbstgefälliger Darsteller wie Rainer Werner Fassbinder, Wim Wenders, Volker Schlöndorff und Werner Herzog. Er sprach einen harmlos wirkenden pfälzischen Dialekt. Studiert hatte er in München und Paris und bei der „Nouvelle Vague“ (als Assistent von Jacques Rozier) gelernt. Seine erfolgreichen Filme wirkten unangestrengt und zogen uns dadurch gerade in ihren Bann. „Herbst der Gammler“ ist ein Dokumentarfilm, der glaubwürdig den Traum von der Freiheit verkörpert. „Jagdszenen in Niederbayern“ beruht auf einem Theaterstück von Martin Sperr. Es zeigt uns das verstockte Spießertum vom Dorf, auch wenn darin Angela Winkler und Hanna Schygulla spielen (Claudius Seidl, FAZ 14.8.21; Hans-Georg Rodek, Die Welt 14.8.21).
3529: „Tagesthemen“ ungefährdet
Donnerstag, August 19th, 2021Caspar Busse und Claudia Tieschky von der SZ interviewen (16.8.21) den zweiten Chefredakteur von ARD-aktuell („Tagesschau“, „Tagesthemen“), Helge Fuhst:
SZ: Herr Fuhst, von diesem Montag an läuft die neue Nachrichtensendung „RTL direkt“. Was die Kollegen in Köln vorhaben, klingt sehr nach „Tagesthemen“. Eine Gefahr für Sie?
Fuhst: Nein! Ich glaube an das Original! Die Formate sind doch sehr unterschiedlich: Wir senden fast doppelt so lang und oft, an sieben Tagen der Woche sind wir für die Menschen da. Eines der weltweit größten Korrespondentennetzwerke im In- und Ausland bietet einen wertvollen Blick auf unseren Alltag und die Themen unserer Zeit. Die Menschen vertrauen den „Tagesthemen“ seit mehr als vierzig Jahren. Zudem gilt auch für uns: Wettbewerb befeuert und schadet nicht.
…
SZ: Kurz nach „RZL direkt“ startet auch „Bild TV“. Macht Ihnen das mehr Sorge?
Fuhst: Nein, aber wir schauen uns selbstverständlich alle an. Dass Liveberichterstattung und Schnelligkeit, worauf „Bild TV“ setzt, noch wichtiger geworden sind, hat die ARD längst erkannt, wobei uns die publizistische Qualität ebenso wichtig ist. Das Livestream-Angebot der „Tagesschau“ und die Liveberichterstattung auf „Tagesschau 24“ wurden ausgebaut. Auch hier gilt zwar: Wettbewerb beflügelt das Geschäft. An unseren Relevanzkriterien für Nachrichten wird sich jedoch nichts ändern. Manch ein Thema überlassen wir gerne „Bild“.
…
SZ: Sind weitere Veränderungen geplant?
Fuhst: Wir entwickeln uns immer weiter. Dazu gehört, dass wir nahbarer werden, weniger staatstragend. Beispielsweise lassen wir die Moderatoren und Sprecher in den „Tagesthemen“ näher aneinanderrücken. Die Übergaben werden bildlich und sprachlich weiterentwickelt. Wir haben durch die zusätzliche Sendezeit werktags bereits jetzt mehr Interviews, und das – soweit es die Corona-Situation zulässt – künftig auch häufiger mit Gästen im Studio, oder unsere Moderatorinnen und Moderatoren treffen besondere Gesprächspartner vor Ort, wie zuletzt Ingo Zamperoni den US-Außenminister.
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3518: Scarlett Johansson verklagt Disney.
Sonntag, August 8th, 2021Kino-Weltstar Scarlett Johansson verklagt Disney. Sie hat schon mit sehr vielen Regie-Stars gedreht. U.a. mit Woody Allen („Match Point“ 1996). Ihre Klage hat in Hollywood ein Beben ausgelöst. Johansson hatte in dem Blockbuster „Black Widow“ mitgespielt. Üblicherweise bekommt sie dann eine Gage und eine Beteiligung am Kassenerfolg. Diese sieht sie jetzt gefährdet, weil der Streifen nicht nur im Kino, sondern auch auf Disneys Streamingdienst Disney Plus gestartet wird. Disney nutze die Pandemie als Vorwand, um Filme gleich online anzubieten und dadurch viel mehr Abonnenten zu gewinnen.
Disneys Antwort: Johansson habe ohnehin schon 20 Millionen Gage bekommen. Ihre Klage sei „eine gefühllose Missachtung der schrecklichen und dauerhaften Auswirkungen der Covid-19-Pandemie“. Disney befindet sich in einem Kampf ums Überleben und auch um sehr viele Arbeitsplätze. Johansson geht es möglicherweise gar nicht ums Geld. Sie gehört zu den wenigen, die sich eine Auseinandersetzung mit Disney leisten können. Ihre Zusammenarbeit endet mit „Black Widow“. Das Urteil in dieser Causa wird wahrscheinlich wegweisend für Hollywood (David Steinitz, SZ 31.7.21).