Archive for the ‘Innenpolitik’ Category

4672: „Strike Germany“ ist ein typisches Signal.

Samstag, Januar 20th, 2024

„Strike Germany“ ist ein Boykottaufruf gegen deutsche Kulturinstitutionen wegen der deutschen Israelpolitik. 1.000 Unterzeichner davon sind bekannt. Die meisten davon kennt keiner, sie wollen wohl auch bekannt werden. Unterzeichnet haben auch die Literaturnobelpreisträgerin Annie Erneaux, die Wissenschaftlerin Judith Butler und die ehemalige Documenta-Leiterin (sic !) Caterine David. Die zählen ja zu den klassisch Verdächtigen. Erneaux gehört zur traditionellen französischen Linken, die Deutschland ohnehin kritisch gegenübersteht. Butler macht sich als Wissenschaftlerin unmöglich. „Was zum Beispiel wäre genau gewonnen, wenn die deutschen Kulturinstitutionen tatsächlich ihre Pforten schließen müssten, weil niemand mehr dort auftreten möchte?“ (Felix Stephan, SZ 18.1.24) Ein betrüblich undemokratisches Verständnis von Öffentlichkeit kommt hier zum Vorschein. Bekämpft wird auch die Antidiskrimnierungsklausel (ADK) des Berliner Kultursenators Joe Chialo (CDU). Er sagt: „Die Kunst ist frei, die Kulturförderung jedoch nicht regellos.“ (Jörg Häntzschel, SZ 19.1.24) Die rote Linie sei jedoch überschritten, wenn das Existenzrecht Israels in Frage gestellt werde.

Da hat er recht.

Was würden die israelkritischen Herrschaften wohl sagen, falls sie keine staatlichen Subventionen mehr bekommen würden?

4671: Reform des öffentlich-rechtlichen Rundfunks

Freitag, Januar 19th, 2024

1. Der achtköpfige Zukunftsrat unter Führung von Julia Jäkel (früher: Gruner & Jahr) hat in neunmonatiger ehrenamtlicher Arbeit einen „Bericht des Rates für die Entwicklung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks“ vorgelegt.

2. Dieser Bericht ist wichtiger, als viele Konsumenten ahnen. Er könnte ARD, ZDF und Deutschlandradio positiv verändern.

3. Vorgeschlagen wir eine „stärkere Orientierung am Gemeinwohl und an der Demokratie“.

4. Gefordert wird mehr Unterscheidbarkeit im Dialog mit den Bürgern.

5. „Zentrales zentral, Regionales regional“.

6. Nur noch eine ARD-Anstalt mit mehreren Unterabteilungen (für Regionales).

7. Die einzelnen Abteilungen bekommen einen Medienrat, der jeweils einen fachlich kompetenten Verwaltungsrat beruft.

8. Kein Intendantenprinzip mehr.

9. Die Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs des öffentlich-rechtlichen Rundfunks (KEF) arbeitet künftig „ex post“, nach den Ergebnissen.

10. Alle bedachten Reformen beinhalten insgesamt ein großes Sparpotential. Vielleicht führt das zu geringeren Rundfunkbeiträgen.

11. Im Ganzen geht aus dem Bericht berechtigterweise eine große Wertschätzung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks hervor. Da brauchen wir uns über Randbemerkungen von fränkischen Luftikussen keine großen Sorgen zu machen.

12. Der Bericht trägt zur Transparenz und Verständlichkeit bei.

13. Er kann zu einem langwierigen, positiven Diskussionsprozess führen.

14. Wir Rundfunkkonsumenten in Deutschland sind darauf angewiesen ( Cornelius Pollmer, SZ 19.1.24).

4670: Bischöfe rufen zu Demos gegen Rechtsextremismus auf.

Freitag, Januar 19th, 2024

Die Bischöfe aller evangelischen Landeskirchen in Ostdeutschland haben bei einem zweitägigen Treffen in Schwerin zu Demos gegen Rechtsextremismus aufgerufen. „Forderungen nach einer Vertreibung von Menschen mit Migrationshintergrund weisen wir als Kirche klar und entschieden zurück.“ Auch die Diakonie ruft zur Beteiligung an den einschlägigen Demos auf. Die Demonstrationen gegen rechts in Schwerin, Rostock, Potsdam, Berlin, Erfurt, Magdeburg und Leipzig werden ausdrücklich begrüßt (SZ 19.1.24).

4668: Cannabis-Legalisierung vor dem aus.

Mittwoch, Januar 17th, 2024

Die von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) vorgesehene Legalisierung des Konsums von Cannabis und des Besitzes von bis zu 25 Gramm steht vor dem aus. Das Bundeskriminakamt hat der Annahme widersprochen, dass dadurch die Polizei entlastet würde. Auch aus der SPD kommt erbitterter Widerstand, vor allem von Innen- und Verkehrspolitikern (SZ 17.1.24).

4667: Missbrauch bei Pfadfindern

Dienstag, Januar 16th, 2024

Der Verband christlicher Pfadfinderinnen und Pfadfinder (VCP) hat eine wissenschaftliche Untersuchung über sexuellen Missbrauch (1977-2020) in Auftrag gegeben. Ergebnis: 64 Fälle. Der Verband rechnet aber mit mehr. „Wir wollen mit der Kultur des Schweigens und Wegsehens brechen.“, sagte die Präventionsbeauftragte, die Psychologin Louisa Kreuzheck. Elf der gemeldeten Taten sind strafrechtlich verfolgt worden. Das Ergebnis ist nicht immer bekannt. Der protestantisch geprägte VCP hat 20.000 Mitglieder (SZ 16.1.24).

4666: Bauern und Grüne sind einander fremd.

Dienstag, Januar 16th, 2024

Deutsche Bauern fühlen sich heute gegängelt, von Vorschriften, der Bürokratie, den Zwängen der Landwirtschaftspolitik. Und die Sehnsucht nach einfachen Lösungen ist groß. Abgelehnt wird die Ampelkoalition und darin besonders Wirtschaftsminister Robert Habeck. Stadt und Land stehen sich gegenüber, Grüne in der Stadt, Bauern auf dem Land. Die Landwirtschaftsminister der Union mochten auch nicht gut sein, immerhin vermittelten sie aber den Eindruck, dass sie welche von den Bauern seien. Landwirtschaftsminister Cem Özdemir ist ein guter Minister, trotzdem wächst die Fremdheit zwischen ihm und den Bauern.

Diese empfinden die Grünen häufig als herablassend vom Tierwohl bis zum Wolfsschutz. Wer das konservative landwirtschaftliche Milieu für mehr Ökologie, Klima- und Artenschutz gewinnen will, muss behutsamer vorgehen. Dabei sind nachhaltige Landwirtschaft und Klimaschutz zum Wohle aller. Der Wandel dahin wird kommen müssen (Joachim Käppner, SZ 16.1.24).

4665: Grundrente bewirkt weniger als erwartet.

Dienstag, Januar 16th, 2024

Die am 1.1.2021 eingeführte Grundrente bewirkt weniger als erwartet. Die SPD wollte damit mehr als einer Million Menschen mit kleinen Renten helfen. Eine Untersuchung des DIW ergibt nun, dass lediglich 1,1 Millionen die Grundrente erhalten. Die Bundesregierung hatte mit 1,3 Millionen gerechnet. Den Zuschlag bekommen damit nur 4,3 Prozent der 21 Millionen Rentner (SZ 16.1.24).

4663: Mark Rutte soll neuer Nato-Generalsekretär werden.

Montag, Januar 15th, 2024

Der niederländische Ministerpräsident Mark Rutte hat die Wahlen krachend gegegn Geert Wilders verloren. Nun soll er Nato-Generalsekretär werden. Als Nachfolger des Norwegers Jens Stoltenberg, der das Amt zehn Jahre innehatte. Und Rutte ist ein guter Kandidat. Die Bundesregierung unterstützt ihn, ohne es öffentlich zu machen. CDU und CSU stützen Rutte ebenfalls. „Die Nato ist bei ihm in den besten Händen.“ Wir hatten schon drei niederländische Nato-Generalsekretäre: Dirk Stikker (1961-1964), Joseph Luns (1971-1984) und Joop de Hoop Scheffer (2004-2009). Unsere Erfahrungen mit ihnen sind gut. Rutte ist geschmeidig genug, um mit Ungarn und der Türkei fertig zu werden. Und er wäre „schussfest“ gegenüber Donald Trump, das ist das Wichtigste. Eigentlich wollte die Nato endlich eine Frau an die Spitze stellen. Aber die Dänin Mette Frederiksen fiel in Washington durch. Und die Estin Katja Kallas gilt als zu hart gegenüber Moskau (das muss man sich einmal vorstellen, dass jemand als zu hart gegenüber den russischen Verbrecherregime gelten kann). Im Juli 2024 feiert die Nato ihr 75. Bestehen. Da ist Mark Rutte der richtige Genralsekretär (Matthias Nass, Die Zeit 28.12.23).

4662: Andrea Nahles kritisiert Sparpläne der Bundesregierung.

Montag, Januar 15th, 2024

Die Chefin der Bundesagentur für Arbeit, Andrea Nahles, kritisiert die Sparpläne der Bundesregierung. Dadurch werde es „länger dauern, wieder eine auskömmliche Rücklage für Krisenzeiten aufzubauen.“ Nahles verweist auf die Finanzkrise 2008/09 und auf die Corona-Pandemie. „Da kann man nur beten, dass die nächste Krise auf sich warten lässt.“ Im Gegensatz zu Friedrich Merz (CDU) verteidigt Andrea Nahles das Bürgergeld (SZ 15.1.24).

4661: Die AfD verbieten ?

Sonntag, Januar 14th, 2024

1. Es mehren sich die Stimmen, die ein Verbot der AfD verlangen.

2. Das Verbotsverfahren gegen die NPD war 2003 und 2017 gescheitert.

3. U.a. war die NPD zu „winzig“. Das ist bei der AfD gerade nicht der Fall.

4. In Umfragen erzielt die AfD im Bund über 20, in Thüringen über 30 Prozent.

5. Das führt bei einigen zu der Frage, ob die AfD für ein Verbotsverfahren nicht zu groß ist.

6. Wehrhafte Demokratie besteht gerade darin, die Demokratie nicht ihren Feinden zu überlassen.

7. Mehrere Verfassungsrechtler halten sogar ein Verbotsverfahren gegen einzelne AfD-Landesverbände für möglich.

8. Die Landesverbände in Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt gelten beim Verfassungsschutz als „gesichert rechtsextrem“.

9. Das Hauptproblem der AfD besteht in der „Menschenwürde“, die unserer Verfassung nach unabhängig von Herkunft, Rasse, Lebensalter oder Geschlecht gilt. Die AfD will eine „ethnisch homogene Gesellschaft“.

10. Antisemitismus und Rassismus sind mit dem Grundgesetz nicht vereinbar.

11. Die AfD will die „Vertreibung“ von Deutschen mit Migrationshintergrund.

12. Das steht eher nicht im Parteiprogramm, sondern auf anderen Kanälen.

13. Der AfD müsste eine geschlossen verfassungswidrige Ideologie nachgewiesen werden.

14. Der Beweis dafür kann Jahre dauern.

15. Vor den drei Landtagswahlen im Herbst 2024 und der Bundestagswahl im Herbst 2025 wird das kaum möglich sein.

16. Ein Verbotsantrag würde die AfD radikalisieren und ihre Opferrolle verstärken (Wolfgang Janisch, SZ 14./15.1.24).