Archive for the ‘Innenpolitik’ Category

4923: Gefangenenaustausch – moralisch eklig, menschlich richtig

Sonntag, August 4th, 2024

Der Gefangenenaustausch zwischen dem Westen und Russland ist eklig. Weil auch der russische Tiergarten-Mörder Wadim Krasikow freikam, ein Agent der russischen Inlandsgeheimndienstes FSB, wie inzwischen zweifelsfrei von Moskau bestätigt wurde. Die Kritik daran ist verständlich. Befürchtet werden Nachfolgetaten. Aber seit wann kümmert sich Russland um Moral? Im Gegenteil sperrt es Menschen aus dem Westen mit konstuierten Vorwürfen ein, um genügend „Material“ für Austausche parat zu haben. Russland wollte seinen Mann freibekommen. Und wir unsere unschuldig eingesperrten Landsleute und russische Widerständler.

Üblicherweise werden sie in russischer Haft allmählich ermordet. Der bekannteste Fall war jetzt Wladimir Kara-Mursa, auf den schon zwei Giftanschläge verübt worden waren. Russische Staats-Agenten verfügen quasi über unbegrenzte Ressourcen. Auch deswegen war der Austausch richtig. Olaf Scholz (SPD) ist zu loben. Das Leben von Menschen zählt mehr als Prinzipien des Rechtsstaats (Detlef Esslinger, SZ 3./4.8.24).

4921: CDU diskutiert Schuldenbremse.

Donnerstag, August 1st, 2024

Die wirtschaftliche Lage ist so, dass jetzt auch die CDU über die Schuldenbremse diskutiert. Auf Druck der Länder-Ministerpräsidenten. Friedrich Merz scheint beweglich. Nach Artikel 115 ist die Neuverschuldung auf 0,35 Prozent der Wirtschaftsleistung begrenzt. Unverkennbar ist der gegenwärtige Investitionsstau. Der muss weg. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer ist für einen Sondertopf für die kommunale Infrastruktur. Die CDU kommt zur Vernunft (SZ 1.8.24).

4920: Das Bundesverfassungsgericht genehmigt Verkleinerung des Bundestags.

Mittwoch, Juli 31st, 2024

Der Ampel aus SPD, Grünen und FDP ist es gelungen, ein Gesetz zur Wahlrechtsänderung (mit dem Ziel der Verkleinerung des Bundestags) vorzulegen, das vom Bundesverfassungsgericht für verfassungsmäßig erklärt worden ist. Ein Erfolg, den es so vorher noch nicht gegeben hatte. Die Zahl der Abgeordneten wird auf 630 beschränkt. Heute haben wir 733 Abgeordnete. Künftig fallen Überhang- und Ausgleichsmandate weg. Die Zahl der Abgeordneten für die einzelnen Parteien bemisst sich nach der

Zahl der Zweitstimmen

(überwiegend war das ja bisher auch schon so). Es hatte eine Aufblähung des Bundestags bis auf 800 oder gar 900 gedroht. Das widerspricht dem Sinn eines Parlaments.

Das Bundesverfassungsgerichts hat aber ebenso unmissverständlich klargemacht, dass die Streichung der

Grundmandatsklausel,

verfassungswidrig ist, wonach eine Partei auch dann in den Bundestag einzieht, wenn sie keine fünf Prozent der Stimmen (5-Prozent-Klausel) erhalten hat, aber drei Direktmandate, wie die Linke 2021. Davon betroffen fühlt sich auch die CSU. Auch wenn sie sich damit ein überproportional großes Gewicht im Bund sichert. Damit will das Bundesverfassungsgericht kleine Parteien schützen. Zu Recht und zum Wohl der Demokratie.

Wahlrecht ist Machtrecht. Es entscheidet über die Verteilung der Macht in der Politik. Vielleicht könnte die 5-Prozent-Klausel  auch zu einer 4-Prozent-Klausel umgewandelt werden. Denn jede Sperrklausel hat demokratische Kosten, weil sie Wählerstimmen im Nirgendwo verschwinden lässt. Den Wählerinnen und Wählern sollte demonstriert werden, dass ihre Stimme zählt (Wolfgang Janisch, SZ 31.7.24).

4919: Mütterrente hilft gegen Altersarmut.

Mittwoch, Juli 31st, 2024

Die Mütterrente erhöht das Einkommen von ärmeren Rentnerinnen deutlich. Sie wird Frauen gezahlt, die vor 1992 Kinder bekommen haben. Ansonsten hätten die betreffenden Rentenerinnen acht Prozent weniger. Das zeigt eine DIW-Studie. Aber auch Frauen, die nicht von Altersarmut bedroht sind, profitieren. Die Mütterrente kostet pro Jahr einen niedrigen zweistelligen Milliardenbetrag (SZ 31.7.24).

4918: Wachsender Widerstand in der SPD gegen US-Raketen

Dienstag, Juli 30th, 2024

In der SPD wächst der Widerstand gegen die Stationierung von US-Mittelstreckenraketen in Deutschland. Sie würden das Eskalationsrisiko mit Russland erhöhen. So äußern sich nach Rolf Mützenich nun Norbert Walter-Borjans, Gernot Erler, Ernst-Ulrich von Weizsäcker und Ralf Stegner. Damit wächst der

Widerstand gegen Olaf Scholz.

Die genannten Sozialdemokraten befürchten, dass Deutschland zum Ziel eines atomaren Erstschlags durch Russland werden könnte. Sie kritisieren auch die unzulängliche Berichterstattung durch die

Medien.

Nach einem Beschluss der USA und der Bundesrepublik sollen 2026 stationiert werden Marschflugkörper vom Typ „Tomahawk“, Luftabwehrraketen vom Typ „SM-6“ und Hyperschallwaffen. Die CDU/CSU ist für die US-Waffen, findet die Kommunikation des Bundeskanzlers aber unzulänglich.

Die russische Bedrohung resultiert vor allem aus den in Kaliningrad stationierten russischen „Iskander“-Raketen (Georg Ismar, SZ 30.7.24).

4916: Scholz will Kanzler bleiben.

Montag, Juli 29th, 2024

Olaf Scholz (SPD) will Bundeskanzler bleiben. „Ich werde als Kanzler antreten, erneut Kanzler zu werden.“ Das teilte er auf der Sommer-Pressekonferenz mit. Über die SPD: „Wir sind alle fest entschlossen, gemeinsam in den nächsten Bundestagswahlkampf zu ziehen und zu gewinnen.“ In den Vordergrund hob Scholz die Abschiebung von Straftätern aus Afghanistan und Syrien. Die Migration müsse stärker gesteuert werden. „Dürfen wir uns aussuchen, wer nach Deutschland kommt? Die Antwort lautet: Ja.“ (SZ 25.7.24)

Plausibel. Aber wie soll das mit Versagern wie Rolf Mützenich und Ralf Stegner klappen?

4915: Schweiz stoppt deutsche Züge mit Verspätung.

Montag, Juli 29th, 2024

Die Schweiz lässt unpünktliche Züge der Deutschen Bahn an der Grenze nicht mehr weiterfahren. Damit soll vermieden werden, dass sich die Verspätungen im Schweizerischen Schienennetz fortsetzen. Von Januar bis März 2024 wurden demnach elf Prozent der Züge auf der Strecke München-Zürich angehalten. Auf der Strecke Freiburg-Basel sogar 12,4 Prozent (SZ 29.7.24).

4913: Islamisches Zentrum Hamburg verboten

Donnerstag, Juli 25th, 2024

Das Bundesinnenministerium hat das Islamische Zentrum Hamburg (IZH) verboten. Die Gruppierung sei eine extremistische, verfassungsfeindliche Organisation des Islamismus. Von dem Verbot betroffen sind auch IZH-Teilorganisationen in mehreren Städten. Das iranische Außenministerium bestellte daraufhin den deutschen Botschafter in Teheran ein (SZ 25.7.24).

4912: Absicherung des Bundesverfassungsgerichts

Mittwoch, Juli 24th, 2024

Es ist der Ampelkoalition aus SPD, Grünen und FDP gelungen, gemeinsam mit der CDU/CSU-Fraktion noch vor der nächsten Bundestagswahl eine stärkere Absicherung des Bundesverfassungsgerichts im Grundgesetz zu finden.

Ausgezeichnet!

Damit soll die Unabhängigkeit und Funktionsfähigkeit des Gerichts entscheidend gestärkt werden. Feststehen die zwölfjährige Amtszeit der Richter, der Ausschluss einer Wiederwahl sowie die Altersgrenze von 68 Jahren. Die Bindungswirkung der Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts wird auf die Ebene der Verfassung gehoben. Deswegen bedarf es im Bundestag und Bundesreat der Zwei-Drittel-Mehrheit. Bei einer drohenden Blockade können die beiden Kammern gegenseitig füreinander einspringen (zwei Senate mit ja acht Mitgliedern). Ein einfaches Gesetz reicht nicht mehr. Das Gericht regelt seine inneren Angelegenheiten selbst. Der Vorschlag ist unter Mitwirkung des Bundesjustizministeriums zustande gekommen.

Die beteiligten Fraktionen sind ihrer staatspolitischen Verantwortung gerecht geworden. Die elementaren Reflexe der demokratischen Selbsterhaltung funktionieren. Extreme Kandidaten haben keine Chance mehr. Etwaig widerstrebende Positionen werden zur Balance gebracht. Die Zwei-Drittel-Regelung prägt die DNA des Gerichts und könnte noch stärker abgesichert werden (SZ 24.7.24; Wolfgang Janisch, SZ 24.7.24).

4910: EU-Parlamentarier kritisieren ARD und ZDF.

Dienstag, Juli 23rd, 2024

Mitglieder des Europäischen Parlaments kritisieren in einem offenen Brief ARD und ZDF. Sie seien in deutschen Fernseh-Talkshows praktisch unsichtbar. „Das ist erschreckend, unzureichend und wird ihrem Programmauftrag unserer Ansicht nach nicht gerecht.“ Das schrieben Abgeordnete der Grünen, von SPD, CSU, CDU und FDP. Politische Talkshows seien zentrale Orte der öffentlichen politischen Auseinandersetzung (SZ 23.7.24).