Archive for the ‘Innenpolitik’ Category

3672: Winterhoff schließt Praxis.

Dienstag, Dezember 7th, 2021

Der Kinderpsychiater und Bestsellerautor Michael Winterhoff schließt seine Praxis in Bonn. Der 66-jährige teilte mir, er wolle „jüngeren Kollegen Platz machen und den Ruhestand“ antreten. Vor vier Monaten hatten SZ und WDR von fragwürdigen Diagnosen Winterhoffs berichtet. Patienten wurden mit Medikamenten ruhiggestellt. Kinder und Jugendliche erhielten über Jahre Neuroleptika, die eigentlich nur für akute Notfälle vorgesehen sind. Sie verursachen schwere Nebenwirkungen. Viele der Patienten waren in Jugendhilfe-Projekten untergebracht. Die Erziehungsberechtigten wussten häufig nichts von der Art der Behandlung. Mehrere frühere Patienten haben Strafanzeige gegen Winterhoff gestellt. Die Staatsanwaltschaft ermittelt (STAD, SZ 7.12.21).

3671: Bellingham (BVB) kritisiert Schiedsrichter Felix Zwayer.

Montag, Dezember 6th, 2021

Jude Bellingham, 18, (Borussia Dortmund) hat nach dem Spiel gegen den FC Bayern München (2:3) Schiedsrichter Felix Zwayer kritisiert. Bevor Bellingham im Sommer 2020 zu Borussia Dortmund kam, hatte er 40 Spiele für Birmingham City in der zweiten englischen Liga absolviert. Er sagte: „Du gibst einem Schiedsrichter, der schon in Spielmanipulationen verwickelt war, das größte Spiel in Deutschland. Was erwartets du?“ Kritik an Zwayers Eignung und moralischer Integrität. Er war 2004 in die Affäre um den bestechlichen Schiedsrichter Robert Hoyzer verwickelt. Am Rande.

Mittlerweile ermittelt der DFB-Kontrollausschuss „die sportstrafrechtliche Relevanz“. Schiedsrichter-Beobachter Marco Haase hat Strafanzeige wegen „Beleidigung, übler Nachrede und Verleumdung“ gegen Bellinham erstattet. BVB-Chef Joachim Watzke meinte, Bellinhams Satz sei „nicht falsch, auch wenn er ihn nicht sagen muss. … Aber das ist dann auch der Emotionalität geschuldet, die man einem 18-jährigen zugestehen muss. Jude hat niemanden beleidigt, sondern ein Faktum geschildert.“ (Philipp Selldorf, SZ 6.12.21)

3670: Horst Eckel ist tot.

Sonntag, Dezember 5th, 2021

Der letzte Weltmeister von 1954, Horst Eckel, ist im Alter von 89 Jahren gestorben. Er hat 32 Länderspiele absolviert und gehörte in der Nationalmannschaft zum Kern vom 1. FC Kaiserslautern: Werner Kohlmeyer, Werner Liebrich, Horst Eckel, Ottmar Walter, Fritz Walter. 1951 und 1953 wurde man Deutscher Meister. 1954 gab es im Endspiel die deftige 1:5 Niederlage gegen Hannover 96. Horst Eckel galt in der Mannschaft als Assistent und Helfer von Fritz Walter, dem großen Spielgestalter. Bescheiden sein Leben lang. Auf dem zweiten Bildungsweg wurde er Lehrer für Sport und Werken. Regelmäßig besuchte er Jugendstrafanstalten und Gefängnisse und wirkte mit an der Integration. 2017 war sein letzter 54er-Spielkamerad, Hans Schäfer vom 1. FC Köln, gestorben. Manche aus der Weltmeistermannschaft hatten nach dem Titel, einem nationalen Mutmacher,  ihr Leben kaum noch in den Griff gekriegt. 1974 starb bereits Werner Kohlmeyer. Alkohol, Verlorenheit, Aushilfsjob in der Pförtnerbude. Der Held von Bern, Helmut Rahn (Rotweiß Essen), hat seine Geschichte an den Theken und Tresen des Ruhrpotts zu häufig erzählt. bevor er die innere Emigration wählte (Roland Zorn, FAZ 4.12.21; Holger Gertz, SZ 4./5.12.21).

3669: Gottfried von Cramm – ein charmanter Star

Sonntag, Dezember 5th, 2021

Er trug einen berühmten Namen und war einer der besten Tennisspieler der dreißiger Jahre. Aber er war noch viel mehr als das. Jens Nordalm hat ihm eine Biografie gewidmet:

Der schöne Deutsche. Das Leben von Gottfried von Cramm. Hamburg (Rowohlt) 2021, 288 Seiten, 24 Euro.

Er war eine Art Roger Federer der Vorkriegszeit. Elegant, höflich, erfolgreich. Und bisexuell. Zweimal war er verheiratet und hatte Affären mit Männern. Dafür wurde er 1937 von den Nazis für sieben Monate ins Gefängnis gesteckt. 1939 verpasste er Wimbledon, weil er vorbestraft war. 1940 wurde er zur Wehrmacht eingezogen und an die Ostfront geschickt.

Nach 1945 wollte Gottfried von Cramm sein Leben zurück. Partiell gelang ihm das im Tennis. Und sein Ruf wurde bei uns Tennisfreunden gepflegt (witt., FAS 5.12.21).

3668: Klaus Rainer Röhl ist tot.

Freitag, Dezember 3rd, 2021

Berühmt und reich wurde er durch die Zeitschrift „Konkret“. Ein „linkes“ Blatt. Bei dessen Start die Stasi mitfinanziert hatte. Diese Affinität zum realen Sozialismus blieb die ganze Zeit das Verhängnis Klaus Rainer Röhls und der ganzen „Friedensbewegung“. Der 1928 geborene Röhl wurde noch zur Wehrmacht eingezogen und hat in der Sowjetunion deren Verbrechen miterlebt. Das hat er nicht wie andere verdrängt. Es bestimmte sein Leben. Er wurde z.B. zum Bewacher des Konzentrationslagers Stutthof (bei Danzig) kommandiert. Nach 1945 pflegte Röhl sein „zwielichtiges Image“. Er wurde der Ehemann von Ulrike Maria Meinhof. Deren Töchter Anja und Bettina haben ihn später sexueller Übergriffe bezichtigt. Röhl war Hauptdarsteller in den Büchern von Stefan Aust. Er lobte Günter Grass, der von der Waffen-SS kam. Insgesamt blieb sein Leben  bis heute ein Rätsel (Nils Minkmar, SZ 3.12.21).

3667: Angela Merkels Musik zum Großen Zapfenstreich

Donnerstag, Dezember 2nd, 2021

Zum Großen Zapfenstreich hat sich Angela Merkel drei Musikstücke ausgesucht:

1. „Großer Gott wir loben dich/Herr, wir preisen deine Stärke/Vor dir neigt die Erde sich/Und bewundert deine Werke/Wie du warst vor aller Zeit/So bleibst du in Ewigkeit“ (Ignaz Franz 1768, Evangelisches Gesangbuch 331),

2. Hildegard Knef „Für mich soll’s rote Rosen regnen“,

3. Nina Hagen „Du hast den Farbfilm vergessen“.

Dazu schreibt Cornelius Pollmer: „Es ist eine Auswahl, die ein letztes Mal zeigt, dass Angela Merkel ihre Botschaften über Gesten in der Regel besser aussenden konnte, als mit Worten. Besonders das Lied von Hagen ist in diesem Sinne eine schöne letzte Aufnahme im Farbfilm dieser Kanzlerschaft. Demnächst wird Angela Merkel also mit dem Pritt-Stift loslegen: ‚Nun sitz ich wieder bei dir und mir zu Haus/Und such die Fotos für’s Fotoalbum raus.“ (SZ 2.12.21).

3666: Katja Kipping (Linke) wird Senatorin in Berlin.

Donnerstag, Dezember 2nd, 2021

Die langjährige Linken-Vorsitzende (2012-2021) Katja Kipping wird Sozialsenatorin in Berlin. Die 43-jährige Dresdenerin Kipping sitzt seit 2005 im Bundestag. In Berlin regieren seit 2016 SPD, Grüne und Linke gemeinsam. Die Parteien müssen noch zustimmen (SZ 2.12.21).

3665: Antisemitismus-Verdacht bei der Deutschen Welle (DW)

Mittwoch, Dezember 1st, 2021

Mitarbeiter der arabischen Redaktion der Deutschen Welle haben sich im Internet antisemitisch geäußert. Etwa wurde der Holocaust ein „künstliches Produkt“ genannt. Dies ergab eine umfangreiche Auswertung der SZ von sozialen Medien und arabischen Medien. Mit ihren Äußerungen konfrontiert, gaben die Mitarbeiter an, ihre Äußerungen seien aus dem Zusammenhang gerissen (SZ 1.12.21).

3664: Nord Stream 2 muss weg.

Mittwoch, Dezember 1st, 2021

Dazu schreibt Hubert Wetzel (SZ 1.12.21):

„Denn das Grundproblem der Pipeline bleibt: Von Russland wird Notd Stream 2 als Instrument gesehen, um den politischen Einfluss in Europa zu vergrößern, die renitenten Osteuropäer zu bestrafen und einen Keil zwischen Deutschland und die USA zu treiben. Die alte Bundesregierung mag diese Ziele nicht geteilt haben, aber sie hat Moskaus Spiel mitgespielt. Die neue Bundesregierung hätte die Gelegenheit, damit Schluss zu machen. Dazu müsste sie verhindern, dass die Pipeleine in Betrieb geht. Keine angenehme Entscheidung. Aber wenn Berlin sie nicht freiwillig trifft, wird sie irgendwann von Washington erzwungen – zu einem höheren Preis für Deutschland.“

3663: Lebenslänglich für IS-Mörder

Mittwoch, Dezember 1st, 2021

Das OLG Frankfurt einen 29-jährigen IS-Anhänger zu lebenslanger Haft verurteilt. Es sprach ihn des Völkermords und eines Kriegsverbrechens mit Todesfolge sowie der Körperverletzung mit Todesfolge schuldig. Er hatte die Tochter einer jesidischen Sklavin 2015 in Falludscha (Irak) dadurch bestraft, dass er sie bei etwa 45 Grad Celsius in praller Sonne eine Stunde lang ans Fenster band. Als er sie losband, war sie bereits nicht mehr ansprechbar und starb kurz darauf. Der Verurteilte muss der Mutter der Getöteten Schadensersatz in Höhe von 500.000 Euro zahlen. Was der mittellose Mann wohl kaum kann.

Die Mutter der Getöteten war nach dem Tod ihres Kinds weiterverkauft worden, hatte die IS-Schreckensherrschaft aber überlebt und war in Frankfurt als Kronzeugin aufgetreten. Die Ehefrau des Verurteilten war bereits im Oktober zu zehn Jahren Haft wegen Beihilfe durch Unterlassen verurteilt worden. Kurz nach dem Urteilsspruch sackte der Angeklagte im Gerichtssaal zusammen. 2018 war er nach Griechenland gegangen, das ihn an Deutschland auslieferte (Annette Ramelsberger, SZ 1.12.21).