Archive for the ‘Gesellschaft’ Category

4831: Israel beherrscht militärisch den Gaza-Streifen noch nicht.

Dienstag, Mai 28th, 2024

Der Gazakrieg dauert seit dem 6. Oktober 2023. Und obwohl es schon zahlreiche Kriegsverbrechen begangen hat, beherrscht Israel militärisch die Lage noch nicht gänzlich. Das ist daran zu erkennen, dass die Hamas erstmals seit langem wieder Raketen auf Tel Aviv gefeuert hat. Die Lage erscheint bei der israelischen Uneinsichtigkeit aussichtslos.

4830: Starker Anstieg der Pflegefälle

Dienstag, Mai 28th, 2024

Die Pflegefälle sind 2023 unerwartet hoch gestiegen. Um 360000 statt, wie erwartet 50000. Für die Pflegeversicherung gibt es ein akutes Problem. Die Ursachen sind noch nicht voll aufgeklärt. Es scheint so zu sein, dass nun die ersten Babyboomer pflegebedürftig werden. Damit haben wir erstmals zwei Generationen, in denen Pflegebedürftigkeit auftritt. Die Finanzierung dieses Mehrbedarfs ist noch nicht gesichert (SZ 28.5.24).

4828: Hildegrad Knef hat uns zur Selbstironie verholfen.

Sonntag, Mai 26th, 2024

Als 1963 Hildegard Knefs Album „Eins und eins, das macht zwei“ erschien, hatte sie schon eine große Filmkarriere hinter sich. Sie spielte sowohl in Helmut Käutners „Unter den Brücken“ (1944) als auch in Wolfgang Staudtes „Die Mörder sind unter uns“ (1946). Und in „Die Sünderin“ (1951) machte sie sich weithin unbeliebt. In Hollywood kriegte sie keine Rollen, sondern sang zwei Jahre am Broadway. Dann kam sie nach Deutschland zurück und veröffentlichte bis Ende der siebziger Jahre 20 Alben. Gegen Spießertum, Falschheit und Verzweiflung. Das konnten wir gut gebrauchen (Johannes Wächter, SZ 18./19./20.5. 24).

4827: Internationaler Booker Prize für Jenny Erpenbecks „Kairos“

Sonntag, Mai 26th, 2024

Der Internationale Booker Prize wird verliehen für ins Englische übersetzte Literatur. In diesem Jahr geht er an Janny Erpenbeck für „Kairos“. Darin erzählt sie die Geschichte der Wiedervereinigung und zugleich die scheiternde Liebe zwischen dem Schriftsteller Hans, Mitte fünfzig, und der Studentin Katharina, 19, in Berlin. Die 1967 in Ostberlin in einer Intellektuellenfamilie geborene Erpenbeck ist als Schriftstellerin schon mehrfach ausgezeichnet worden.

Den Independant Foreign Fiction Prize, der inzwischen mit dem Booker Prize fusioniert wurde,  bekam sie 2015 für „Aller Tage Abend“. Erpenbeck teilt ihren Preis mit ihrem Übersetzer Michael Hofmann. Der hatte durch seine Neuübersetzung von Hans Falladas „Jeder stirbt für sich allein“ 2010 dafür gesorgt, dass Fallada wieder groß rauskam. Erpenbecks Debüt feierte sie 1999 mit „Geschichte vom alten Kind“. „Heimsuchung“ erschien 2008. Sie überzeugt durch Einfallsreichtum, detaillierte Kenntnisse und Sprachkraft. „Kairos“ stellt die entscheidenden Fragen zu Freiheit, Loyalität, Liebe und Macht. Erpenbeck kennt sich aus mit DDR-Mentalität.

Bei allem berechtigten Lob für Jenny Erpenbeck sollten wir die zentrale Kritik an ihr nicht übersehen. Sie wird formuliert von dem streitlustigen Historiker Ilko-Sascha Kowalczuk, wo er sagt: „Ist es wunderlich, dass in ihren Statements und Büchern nie jene vorkommen, die 1989/90 gewonnen haben, die befreit wurden, die endlich ankommen konnten?“ (Marie Schmidt; SZ 23.5.24)

Kowalczuk hat 2023 und 2024 die dicke, zweibändige Biografie von Walter Ulbricht veröffentlicht. Ich fürchte, dass den heute in Westdeutschland kaum einer mehr kennt.

4826: Aktivisten besetzen Räume der Humboldt-Universität.

Samstag, Mai 25th, 2024

Propalästinensische Aktivisten haben Räume der Humboldt-Universität in Berlin besetzt. Sie streben ein Gespräch mit der Hochschulleitung an. Die Berliner CDU und die Gewerkschaft der Polizei verurteilen das Verhalten scharf. Es geht um Räume des Sozialwissenschaftlichen Instituts. 320 Personen haben eine unangemeldete Versammlung abgehalten. 23 Demonstranten wurden zur Aufnahme ihrer Personalien kurzzeitig festgenommen. 25 Strafermittlungsverfahren wurden eingeleitet (SZ 24.5.24).

4825: AfD aus rechter ID-Fraktion ausgeschlossen (ich bin vom Bodensee zurück)

Freitag, Mai 24th, 2024

Alle AfD-Abgeordneten sind aus der rechten ID-Fraktion im Europäischen Parlament ausgeschlossen worden. Das teilte deren Vorsitzender Marco Zanni mit. Es heiß, „eine Reihe von Vorfällen, an denen Herr Maximilian Krah und damit auch die deutsche Delegation beteiligt waren“ habe dem Zusammenhalt und dem Ruf der Gruppe geschadet. Der Versuch der AfD, lediglich Krah ausschließen zu lassen, ist gescheitert. Damit kommen verschiedene Nachteile auf die AfD zu. Zur ID-Fraktion gehören neben der italienischen Lega auch die französische Partei RN von Marine le Pen und die österreichische FPÖ (SZ 24.5.24).

4824: Melanie Möller bleibt unabhängig.

Mittwoch, Mai 15th, 2024

Melanie Möller ist Professorin für klassische Philologie an der Freien Universität Berlin. Sie hat sich bei allen Anpassungszwängen in der Alma Mater ihre Unabhängigkeit bewahrt. So schreibt sie etwa:

„Und dass Frauen in früheren Jahrhunderten unterdrückt, verdrängt oder vergessen wurden oder auch einfach weniger geschrieben haben, das macht Ovid, Shakespeare oder Kleist heute nicht weniger lesenswert.“ (Die Zeit, 2. Mai 24)

4823: Ute Daniel über die Weimarer Republik und uns

Dienstag, Mai 14th, 2024

Im Gespräch mit Moritz Baumstieger (SZ 13.5.24) macht die Braunschweiger Historikerin Ute Daniel folgende Aussagen über die Weimarer Republik:

„Die Weimarer Republik wurde von Anfang an von vielen nicht gewollt. Sie wurde als Kind der Besatzungsmächte gesehen. Das hatte Auswirkungen auf die Politiker in Weimar – ich sage das rein männlich, weil es keine Frauen an politisch entscheidenden Stellen gab. Sie trauten sich mit wenigen Ausnahmen nicht, Gegendiskurse zu dieser Negativerzählung zu vertreten, also zu sagen: ‚Wir haben den Krieg verloren und nun gigantische Einschränkungen durch den Versailler Vertrag. Das ist nicht gut – aber es ist die Realität. Wir müssen damit umgehen, es hilft nichts, sich nach einer Vergangenheit zu sehnen, in der diese Probleme nicht bestanden.'“

„Die Justiz, vor allem die Richter und Staatsanwälte, hatten damals wenig Motivation, die rechtsradikalen Täter zu verfolgen – sie dachten oft genau so wie sie. Das ist heute anders.“

Zum Thema „Systemmedien“ sagt sie:

„Das ist eine Achillesferse der Medien. Nähe zur Politik ist für Journalisten eine Voraussetzung, um mehr zu wissen als andere und berichten und kommentieren zu können. Die Grenze zu guten Beziehungen ist aber fließend – und dann wird es gefährlich. Ich sehe aber letztlich keine Alternative dazu. Der politische Journalismus muss Einblicke hinter die Kulissen haben.“

„Ich sage gerne, Demokratie scheitert nicht am Gegenwind – sondern am fehlenden Rückenwind. Und Rückenwind, das wäre bereits eine Art, über Probleme zu reden, die weniger aufgeregt ist. Wir sollten die Palette von Möglichkeiten, mit der wir reagieren können, in den Vordergrund stellen. Und somit die Alternativen zu denen aufzeigen, die nur Hass erzeugen wollen. Das ist ja der Trick, von dem alle rechtsradikalen Bewegungen leben: Hass erzeugen, und zwar Hass gegen das ganze System.“

„Wir müssen, denke ich, lernen auszuhalten, dass die Situation schwierig und potenziell gefährlich ist. Ich glaube, dass sich auch die AfD wieder entzaubern wird. Aber bis dahin ist es noch eine gewisse Durststrecke.“

4822: Islamisten demonstrieren erneut.

Montag, Mai 13th, 2024

Zwei Wochen nach der umstrittenen Kalifats-Demonstration haben erneut 2300 Islamisten in Hamburg demonstriert. Sie folgten wiederum einem Auf von „Muslim Interaktiv“. „Nach jetzigem Kenntnisstand wurden durch die Einsatzkräfte keine strafrechtlich relevanten Verstöße festgestellt“, sagte ein Polizeisprecher (SZ 13.5.24).

4821: Häuser und Wohnungen könnten teurer werden.

Sonntag, Mai 12th, 2024

Kaufpreise runter, Mieten rauf. So lässt sich die Lage am deutschen Wohnungsmarkt im ersten Quartal 2024 zusammenfassen. Und bald könnten auch Eigenheime wieder teurer werden, erwartet der Verband deutscher Pfandbriefbanken (VDP). Seit dem Hoch Mitte 2022 seien die Preise um neun Prozent gefallen. Die Mieten dürften wegen des Wohnungsmangels weiter steigen (SZ 10.5.24).