Archive for the ‘Gesellschaft’ Category

4851: Zerreißprobe in Israel

Dienstag, Juni 11th, 2024

Benny Gantz zieht sich aus dem israelischen Kriegskabinett zurück und verlangt

Neuwahlen.

Das hat das Land in eine Krise geführt. Die Rechtsradikalen in der Regierung haben Ansprüche erhoben auf die Mitgliedschaft im Kriegskabinett. Aber daraus wird wohl nichts. Wahrscheinlich wird es aufgelöst. Gantz gehört zur Arbeitspartei, hat aber einen exzellenten Ruf als Soldat. Er ist der Hauptgesprächspartner für Washington. Bei der Neuregelung kommt wohl Verteidigungsminister Joav Gallant (Likud) eine Schlüsselrolle zu. Israel hat sich ja außen- und militärpolitisch durch das verquere Netanjahu-Regime immer weiter isoliert. Insofern sind

Neuwahlen

angebracht. Netanjahu muss weg! Ansonsten hat Israel nur noch die Mittel der brutalen Gewalt (SZ 11.6.24).

4850: Die Ampel bleibt im Amt, weil sie nicht anders kann.

Montag, Juni 10th, 2024

Bei den Europawahlen haben die SPD und die Grünen krachend verloren. Die FDP hat sich gehalten. Die Wähler wollen die Ampel nicht. Sie bleibt trotzdem im Amt, weil sie nicht anders kann. Sonst würde es eventuell noch schlimmer. In den fünf ostdeutschen Bundesländern ist die AfD stärkste Kraft. Ohne ihre Skandale hätte sie vermutlich noch mehr Stimmen bekommen. Ja, es ist so, und es bleibt dabei, dass unsere Ossis (mit vielen Ex-Kommunisten) noch nicht so weit sind. Da helfen alle Ausreden nichts. In Frankreich hat Emmanuel Macron verloren. In Deutschland hat die Union gewonnen. Das ist aber kein Grund, übermütig zu werden. Die Meinungsführermedien mögen Friedrich Merz nicht.

4849: Reform von ARD, ZDF und Deutschlandradio

Sonntag, Juni 9th, 2024

ARD, ZDF und Deutschlandrdio haben seit längerem einen Zukunftsrat eingerichtet, um die Krise des öffentlich-rechtlichen Rundfunks zu überwinden. Deren Sprecher sind Julia Jäkel, die Ex-Chefin von Gruner & Jahr, und Roger de Weck, der Ex-Chef des Schweizerischen Fernsehens. Anscheinend werden ihre Vorschläge ihnen nicht weit genug umgesetzt. Ich führe hier deren weiter bestehenden Kritikpunkte auf:

1. Wir brauchen weniger Sender, weniger Sendungen, weniger Studios, weniger Gehälter.

2. Besonders wichtig sind Reformen in den Verwaltungen und im technischen Apparat.

3. Die ARD leidet darunter, dass sie keine schlagkräftige Leitung hat.

4. Noch nicht einmal die „Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs des öffentlichen Rundfunks“ kann valide Angaben über die Kosten von Rundfunkorchestern machen.

5. Die finanzielle Überprüfung muss verstärkt werden.

6. Wir brauchen mehr „organisierte Regionalitä“.

7. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk darf nicht noch werbeabhängiger werden.

8. Die Programme müssen sich mehr unterscheiden.

9. Weniger Wiederholungen !

10. Die geplanten Verbesserungen müssen bis 2030 angegangen werden; sonst ist es zu spät.

(Interview von Claudia Tieschky mit Julia Jäkel und Roger de Weck, SZ 8./9.6.24)

4848: Manfred Wolke ist gestorben.

Samstag, Juni 8th, 2024

Manfred Wolke wurde 1968 in Mexiko Box-Olympiasieger im Weltergewicht. Ein Vertreter der überragenden DDR-Boxer. Wir Boxfans bewunderten ihn für seine rationalistische Kampfesweise, bei der die Deckung nicht vernachlässigt wurde. Wolke war 1943 geboren in Babelsberg als jüngstes von zehn Kindern. Nun ist er mit 81 Jahren gestorben. Als Trainer hatte er mit Henry Maske (Olympiasieger 1988 in Seoul) und Axel Schulz noch beeindruckende internationale Erfolge. Er erinnert uns auch die hoch erfolgreichen DDR-Boxtrainer Fritz Sdunek und Ulli Wegner (Holger Gertz, SZ 4.6.24).

4847: Heinrich August Winkler belehrt die SPD.

Freitag, Juni 7th, 2024

Der bekannte und sehr angesehene Historiker Heinrich August Winkler (seit 1962 Mitglied der SPD) rät der SPD angesichts der russischen Bedrohung, sich stärker am Kurs von Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius zu orientieren: stärkere Unterstützung der Ukraine, mehr Abschreckung und mehr Geld für die Bundeswehr. „Mehr Pistorius und weniger Scholz im Wahlkampf wäre, glaube ich, ein sehr viel realistischeres Konzept.“ Die SPD dürfe sich nicht von Umfragen leiten lassen. Schon im März 2024 hatte Winkler gemeinsam mit anderen Historikern der SPD eine gefährliche Realitätsverweigerung vorgeworfen. So sei zum Beispiel das Festhalten an der Schuldenbremse ein Sicherheitsrisiko (SZ 7.6.24).

Heinrich August Winkler hat ganz und gar recht.

4846: Gerhard Schröder bekommt sein Büro nicht zurück.

Freitag, Juni 7th, 2024

Das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg hat entschieden, dass Altkanzler (1998-2005) Gerhard Schröder (SPD) (80) sein Büro im Bundestag (auf Staatskosten; 400000 Euro pro Jahr) nicht zurückbekommt. Das hatte vorher schon das Verwaltungsgericht Berlin festgestellt. Zuletzt (bis 2022) hatte Schröder in einem Gebäude des Bundestags sieben Räume und fünf Mitarbeiter. Der Haushaltsausschuss des Bundestags hatte beschlossen, das Büro aufzulösen, weil Schröder keine Verpflichtungen im Kontext seines früheren Postens wahrnahm (Erfüllung öffentlicher Aufgaben). Schröder war zur Verkündung des Urteils persönlich im Gericht erschienen. Er ist, was mit dem Urteil nichts zu tun hat, ein persönlicher Freund des russischen Kriegsverbrechers Wladimir Putin (SZ 7.6.24; Andreas Rabenstein, GT 7.6.24).

4845: Rücktritt von Bischof Meister gefordert.

Donnerstag, Juni 6th, 2024

Missbrauchsbetroffene haben den Rücktritt des hannoverschen Landesbischofs Ralf Meister gefordert. Er habe „die Bedeutung des Themas sexualisierte Gewalt nicht erkannt“. Nach der Veröffentlichung der EKD-Missbrauchs- Studie im März war es in der evangelischen Kirche erstaunlich ruhig geblieben (Annette Zoch, SZ 15.5.24). Die Missbrauchs-Studie der deutschen katholischen Kirche war bereits vor sechs Jahren erschienen.

Die Betroffenen: „So ein Versagen gefährdet Betroffene, die in der Vergangenheit sexualisierte Gewalt in der Kirche erleben mussten. Es gefährdet auch Kinder und Jugendliche, die heute kirchliche Angebote wahrnehmen, weil Strukturen von Gewalt nicht erkannt und nicht aufgeklärt werden.“ Mehr als 200 Pastoren, Diakone und andere Kirchenmitarbeiter haben den Umgang der Kirchenleitung mit den Missbrauchsvorwürfen kritisiert. Bischof Ralf Meister hatte persönliche Fehler im Umgang mit Missbrauchsopfern eingeräumt. Die Kirchenleitung steht zu ihm (SZ 6.6.24).

Wer wie ich den Umfang des Missbrauchs nicht genau kennt, muss vorsichtig sein mit einem Urteil. Könnte es sein, dass tatsächlich sexueller Missbrauch in der evangelischen Kirche nicht so schwerwiegend ist?

4844: Mindestlohn: 16 Euro ?

Mittwoch, Juni 5th, 2024

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hat einen Mindestlohn von 15 Euro für angemessen gehalten. Nun schlägt die Denkfabrik „Dezernat Zukunft“ 16 Euro vor. Das würde der Wirtschaft nicht schaden. Die Erhöhung müsse schrittweise vorgenommen werden. Dann würde rund ein Viertel der Beschäftigten mehr verdienen (SZ 5.6.24).

4843: ANC verliert absolute Mehrheit.

Dienstag, Juni 4th, 2024

Südafrika ist der Staat mit der höchsten Korruption weltweit. Bei den Wahlen hat der ANC, der seit 30 Jahren regiert,  die absolute Mehrheit verloren. 40,21 Prozent hat er erreicht. Die Democratic Alliance (DA) bekam 21,78 Prozent. Jakob Zumas MK 14,58 Prozent. Die ganze Zeit machten Gerüchte von Wahlmanipulation die Runde. In Südafrika sind die Wirtschaftsdaten negativ. Der ANC wird nun eine Koalition bilden müssen (SZ 3.6.24).

4842: Literaturkritik nach identitätspolitischen Kriterien

Montag, Juni 3rd, 2024

Bei der Verleihung des „Internationalen Literaturpreises“ durch das „Haus der Kulturen der Welt“ (HKW) in Berlin 2023 kam ans Licht, was vermutlich schon bei manchen Preisverleihungen der Fall war. Dass der Preis nicht nach literarischen, sondern nach identitätspolitischen Kriterien vergeben wurde. Die Jurorinnen Juliane Liebert und Ronya Othmann machten darauf aufmerksam, dass nachdem die Punkte vergeben worden waren, eine Jurorin darauf verwiesen habe, dass die Autorin von „Über die See“, Marietta Navarro, eine

„weiße Französin“

sei. Sie zog daraufhin ihr Votum für Navarro zurück. Liebert und Othmann berufen sich auf ein HKW-Regelblatt, in dem steht:

„Die Einreichungen werden ohne Bevorzugung oder Vorurteile in Bezug auf Verlegerin, Herausgeberin, Autorin, Übersetzerin, Nationalität, ethnische Zugehörigkeit sowie politische und religiöse Ansichten bewertet.“

Nach der Meinung von Liebert und Othmann geht es bei der literarischen bewertung allein um Sprache, Originalität, um Voruteilsfreiheit in Bezug auf Identität und Ansehen des Autors, um Einzigartigkeit von Thema und Stimme. Damit verteidigen sie die Regeln des „Internationalen Literaturpreises“. Das teilten sie der Öffentlichkeit auch mit. 2024 wurden sie als Jurorinnen nicht wieder berufen (Nele Polatschek, SZ 25./26.5.24).

Ohne es belegen zu können, vermute ich, dass nicht-literarische Kriterien heute sehr häufig Jury-Entscheidungen zugrunde liegen. Das ist falsch und muss korrigiert werden.

Nachbemerkung: Eines ist ganz klar: dass ich der heute weithin geächteten Gruppe der alten weißen Männer zugehöre. Das tu ich sehr gerne. Bitte achten Sie darauf, wer uns so bezeichnet. Und wie schätzen Sie unsere Macht ein?