Archive for the ‘Gesellschaft’ Category

1411: Die USA sind immer und an allem schuld.

Sonntag, Dezember 18th, 2016

Angesichts des ungeheuren menschlichen Elends in Syrien, von dem wir aber schon seit sehr langem wissen, interviewt Julia Encke den Militärhistoriker Sönke Neitzel (Universität Potsdam) für die FAS (18.12.16).

FAS: Man hat den Eindruck, dass diejenigen, die Barack Obama heute Untätigkeit vorwerfen, denselben Obama verdammt hätten, hätte er sich für ein militärisches Engagement entschieden.

Neitzel: Das ist genau die

Doppelmoral.

Egal, was Washington tut, es wird immer empört verurteilt. Wenn die Vereinigten Staaten interveniert hätten, hätte es geheißen: Skandal! Es ist doch schon im Irak gescheitert. Wo ist eure Strategie? Wenn sie nicht eingreifen, wird kritisiert, dass sie untätig zuschauen.

1410: Trumps Israel-Botschafter

Sonntag, Dezember 18th, 2016

Donald Trump hat David Friedman zum künftigen US-Botschafter in Israel ernannt. Friedman hat z.B. eine Wohnung in Jerusalem. Er möchte, dass die US-Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem umzieht. Das steht im Widerspruch zur Israel-Politik der USA, der EU und Deutschlands. David Friedman unterstützt die israelische Besiedelung im Westjordanland. Als Präsident der „Amerikanischen Freunde von Bet El“ unterstützt er israelische Siedler dort mit Millionenbeträgen. Das ist völkerrechtswidrig.

Gute Nacht Friedensprozess in Israel und im Westjordanland!

Immerhin hatte sich der von Trump ernannte designierte Verteidigungsminister James Mattis gegen Siedlungen auf der Westbank und für eine Zweistaatenlösung ausgesprochen (Jochen Stahnke, FAZ 17.12.16).

 

1409: Gene bestimmen Verhalten.

Sonntag, Dezember 18th, 2016

Alle seriösen Verhaltensstudien, die wir kennen, zeigen, dass unser Verhalten hauptsächlich von unseren Genen abhängig ist. Wir kommen nicht als weißes Blatt Papier auf die Welt, das dann nur von Pädagogen und durch Erziehung beschrieben wird. „Der Einfluss der Eltern ist zum Zeitpunkt der Zeugung am größten, dann nämlich, wenn sie ihr Erbgut und die damit verbundenen Lasten und Vorteile an die nächste Generation weitergeben.“ Das zeigte zuletzt die Mammutarbeit der Genetikerin

Tinca Polderman

von der Universität Amsterdam (veröffentlicht in „Nature Genetics“). Poldermans Team hat so gut wie jede Zwillingsstudie der vergangenen 50 Jahre ausgewertet. In die Analyse flossen Daten von mehr als 14,5 Millionen Zwillingspaaren ein (Sebastian Herrmann, SZ 17./18.12.16).

Der Hauptgrund dafür, dass sich diese Erkenntnis in Deutschland so schwer durchsetzen lässt, liegt in der Erbtheorie der Nazis, die damit ihre Morde rechtfertigten. Es ist an der Zeit, dass wir uns wissenschaftlich nicht mehr weiter von der Nazi-Ideologie ins Bockshorn jagen lassen.

1408: Fourcade droht mit Boykott.

Sonntag, Dezember 18th, 2016

Der fünfmalige Biathlon-Weltcup-Gesamtsieger und zweimalige Olympiasieger

Martin Fourcade

hat dem Biathlon-Weltverband mit einem Athleten-Boykott gedroht, falls er nicht energisch gegen die 31 gedopten Russen im Biathlon vorgeht. Die 31 Namen befinden sich im Mc Laren-Report. Fourcade sagte dem norwegischen Fernsehsender NRK: „Ich hoffe, sie haben die Eier, sie zu sperren. Wenn nicht, müssen wir Athleten selbst aktiv werden.“ In dieser Saison hat Fourcade sechs von sieben Einzelrennen gewonnen (FAZ 17.12.16).

1407: Alan Poseners Abendland

Samstag, Dezember 17th, 2016

In der „Welt“ (17.12.16) beschäftigt sich Alan Posener mit dem „Untergang des Abendlands“. Er schreibt:

„Die USA und Europa sind zusammen die größte Wirtschaftsmacht der Erde. Die Nato das stärkste Militärbündnis. Die kapitalistische Demokratie immer noch die mit Abstand effizienteste Art, den Wohlstand zu erhöhen und die Bürger an der Politik zu beteiligen. Der Freihandel nachweislich dem Protektionismus überlegen. Multikulturelle Gesellschaften seit jeher resilienter als monokulturelle. Die Jugend ist für Europa und für die offene Gesellschaft. Hingegen die Feinde:

Russland

eine Kleptokratie, von Korruption und Alkoholismus zersetzt.

China

eine rasch alternde Gesellschaft, in der die Klassengegensätze rapide zunehmen.

Der radikale Islam

unfähig, ohne die Produkte des Westens zu leben, von Jeeps über Plastiksprengstoff bis hin zu Smartphones, von Hass und Lebensüberdruss zerfressen.

Die Flüchtlingswelle mag Europa destabilisieren, sie ist aber der lebende Beweis, dass der Westen nicht tot ist: Er ist im Gegenteil das Traumland der Mehrheit der Menschen.“

Das ist auch mein Abendland.

1406: Der „weiße“ Feminismus wehrt sich.

Mittwoch, Dezember 14th, 2016

Die französische Philosophin und frühere Ministerin Elisabeth Badinter steht für den „matriarchalistischen“, den „weißen“ Feminimus, den ihre Kritikerinnen für „kolonialistisch“ halten. Joseph Hanimann hat Badinter für die SZ (12.12.16) interviewt. Sie antwortet:

1. „Der einst selbstbewusste, stolze Feminismus ist einem Opfer-Feminismus amerikanischer Prägung gewichen. Man will die Frauen nicht mehr nur vor wirklicher Männergewalt schützen, sondern auch vor anzüglichen Männerblicken, zweideutigen Bemerkungen, fragwürdigen Gesten. Dieser Feminismus hat vorläufig gesiegt; denn in unserer Gesellschaft ist das Opfer der Held.“

2. „Ein universaler Feminismus, der für alle Frauen dieselben Rechte und Freiheiten fordert, und sich nicht auf Diskussionen über Schleier oder sonstige alte Zöpfe einlässt, ist für mich der einzig vertretbare Feminismus.“

3. „Verschleierungszwang geht davon aus, dass offenes Haar und körperbetonte Kleidung unanständig sind und die Begierde der Männer wecken, dass es also an den Frauen liegt, wenn Männer ihren Sexualtrieb nicht beherrschen können. Das ist für mich nicht akzeptabel.“

4. SZ: Die tunesische Philosophin Soumaya Mestri schreibt, der klassische Feminismus sei von „weißem Denken“ geprägt und müsse „entkolonialisiert“ werden.

Badinter: Solche Positionen sind umgekehrter Rassismus, der in gewissen muslimisch-arabischen Kreisen heute zu Verachtung und Hass gegenüber den Weißen verleitet.

5. „Es ist tatsächlich denkbar, dass wir uns auf dem Weg zu einer umgekehrten Geschlechterungleichheit bewegen. Ein Beispiel ist die Übermacht der Frauen beim Kinderkriegen. Eine Frau kann heute von ihrem Partner gegen seinen Willen ein Kind bekommen und hat dann das Recht weitgehend auf ihrer Seite, etwa bei der Kindergeldzahlung. Ich nenne das die ‚faktische Ungleichheit‘. Diese Allmacht auf dem Gebiet der Fortpflanzung sollte eingeschränkt werden.“

1405: Gleiches Gehalt für gleiche Arbeit ?

Dienstag, Dezember 13th, 2016

Über die Lücke zwischen den Gehältern von Frauen und von Männern in Deutschland wird sehr viel bramarbasiert. Und es sind viele Nebelwerfer an der der Debatte beteiligt. Nun lässt die Tatsache hoffen, dass eine 45-jährige Journalistin, die seit neun Jahren für das ZDF-Magazin „Frontal“ arbeitet, das ZDF im April 2015 auf 70.000 Euro Entschädigung verklagt hat. Das zuständige Berliner Arbeitsgericht kann eventuell der Journalistin helfen, sich gegen die „Lohnlücke“ zu wehren, die nach Experten-Schätzungen zwischen 5,5 und 8 Prozent beträgt. Denn nach den Angaben von Birte Meier verdienen jüngere Männer beim ZDF wesentlich mehr als sie.

„Wie erfolgeich die Journalistin mit ihrer Klage sein wird, ist fraglich. Denn am ersten Verhandlungstag in Berlin wurde vor allem klar: Es ist eine Sache, weniger Geld zu verdienen. Und eine vollkommen andere, nachzuweisen, dass dahinter eine systematische Ungleichbehandlung steckt.“ (Verena Mayer, SZ 12.12.16)

Das ZDF betont, dass nach Tarifvertrag bezahlt wird. Danach werden bemessen

die ausgeübte Tätigkeit und

die spezifische Berufserfahrung.

Das ZDF hat beantragt, die Klage von Birte Meier abzuweisen.

Es bleibt also einzelnen Frauen nichts anderes übrig, als den Mut zu haben, vor Gericht zu ziehen und damit ihre Karriere aufs Spiel zu setzen. Der Anwalt von Birte Meier sieht das ZDF in der Pflicht, das sich als öffentlich-rechtliche Anstalt verpflichtet habe, Benachteiligungen von Frauen durch „besondere Maßnahmen“ zu beseitigen.

Wir hoffen weiter.

1404: Neues zu Leben und Tod von Carola Neher

Montag, Dezember 12th, 2016

Carola Neher war in den zwanziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts ein Star der Berliner Theater- und Kabarettszene. Verheiratet war sie mit dem Bühnenbildner Caspar Neher, dann mit dem Dichter Klabund (Alfred Henschke). Sie tendierte zur politischen Linken. Und wurde die Geliebte Bertolt Brechts. Das – nicht zuletzt – hielt das Interesse an ihrem ominösen Tod im

Archipel Gulag

bis heute aufrecht, wo sie 1942 an Typhus starb.

Nun bringt ein Buch über Carola Neher neue Erkenntnisse über die Schauspielerin ans Tageslicht.

Bettina Nir-Vered, Reinhard Müller, Irina Scherbakova, Olga Reznikova (Hrsg.): Carola Neher – gefeiert auf der Bühne, gestorben im Gulag. Kontexte eines Jahrhundertschicksals. Berlin (Lukas) 2016, 346 S.; 24,90 Euro.

Carola Neher floh mit ihrem damaligen Mann, Anatol Becker, 1933 vor den Nazis in die Sowjetunion. Dort wurde Becker als Trotzkist verhaftet, Neher stand dadurch in „Kontaktschuld“. 1936 wurde auch sie verhaftet und erlebte die Folterzellen der Lubjanka und das Butyrka-Gefängnisses. Sie wurde der Kollaboration mit dem Trotzkisten Erich Wollenberg beschuldigt, dem 1934 die Flucht aus der UdSSR gelungen war. Es versteht sich fast von selbst, dass die Vorwürfe gegen Carola Neher frei erfunden waren. Sie wurde zu zehn Jahren Haft verurteilt und trat ihren Leidensweg durch die sowjetischen Straflager an. Ihr Besitz wurde beschlagnahmt, ihr kleiner Sohn kam ins Heim. Er erfuhr erst 31 Jahre nach der Verhaftung seiner Mutter 1967, wer er wirklich war.

Brecht unternahm zaghafte Versuche, festzustellen, wo Carola Neher sich unter welchen Umständen befand. Er gab auf, als seine Kollegen Ernst Ottwalt, Sergej Tretjakow, Michail Kolzow und Wsewolod Meyerhold Opfer des stalinistischen Terrors wurden. Während Brechts Flucht mit seiner Frau Helene Weigel und Ruth Berlau durch die Sowjetunion mit der Transsibirischen Eisenbahn nach Wladiwostok und dann per Schiff nach Kalifornien war Carola Neher noch am Leben (Hans-Christoph Buch, SZ 12.12.16).

1403: Künast klagt gegen Facebook.

Montag, Dezember 12th, 2016

Die Grünen-Politikerin und ehemalige Bundesministerin Renate Künast hat Strafanzeige gegen eine Falschmeldung auf Facebook gestellt. Dort war sie im Zusammenhang mit dem Mord an einer Freiburger Studentin mit einem Satz zitiert worden, der gar nicht von ihr stammte: „Der traumatisierte junge Flüchtling hat zwar getötet, man muss ihm aber jetzt trotzdem helfen.“ Als angebliche Quelle für das Zitat war die „Süddeutsche Zeitung“ (SZ) angegeben worden. Die will nun auch juristisch dagegen vorgehen. Als erster Verbreiter der Falschmeldung gilt ein schweizerischer Rechtsaußen-Populist.

Heribert Prantls Kommentar dazu: „Die Strafanzeige, die die Grünen-Politikerin Renate Künast gegen Facebook wegen eines dort verbreiteten erfundenen Künast-Zitat gestellt hat, ist .. richtig. Wenn Facebook zu Fake-Book, zur öffentlichen Lügenplattform, wird und sich Facebook nicht um rasche Löschung der öffentlichen Lügen bemüht, dann sollte Facebook mit Strafanzeigen zugeschüttet werden. Das erhöht den offensichtlich notwendigen Druck auf die Staatsanwaltschaften, lügnerischen und hetzerischen Missbrauch des Internets zu ahnden.“ (SZ 12.12.16)

1402: Propaganda gegen Angela Merkel

Sonntag, Dezember 11th, 2016

Markus Wehner schreibt in der FAS (11.12.16) über den propagandistisch-agitatorischen Komplex Wladimir Putins:

„Die Wirtschaft in den baltischen Staaten steht vor dem Zusammenbruch. Die finnische Regierung nimmt russischen Eltern ihre Kinder weg, wenn die Familien zurück nach Russland ziehen wollen. In der Ukraine gibt es Konzentrationslager für Regimegegner. Die Vereinigten Staaten entwickeln Chemiewaffen in Labors an der russischen Grenze, sie wollen Russland überfallen. Die Ukraine wird beim Nato-Gipfel von einer ehemaligen Pornodarstellerin vertreten. Und Pädophilie wird in Europa gesetzlich erlaubt.

Was haben diese Meldungen gemein? Sie sind falsch, frei erfunden. Sie wurden oder werden von russischen Medien verbreitet. Sie dienen dazu, die Vereinigten Staaten und die Europäische Union zu diskreditieren. Sie sind Teil eines Krieges, den Russland mit Hilfe von Desinformation gegen die liberalen Demokratien des Westens führt. Gesteuert wird dieser Krieg von der Präsidialverwaltung im Kreml. Die staatlichen und einige wenige nichtstaatliche Medien werden dafür wöchentlich instruiert.“

Dass diese Desinformationen wirksam sind, zeigte sich Anfang 2016 daran, dass 12 000 Russlanddeutsche gegen die Regierung Merkel und die angebliche Vergewaltigung eines russlanddeutschen Mädchens durch arabische Migranten demonstrierten, die es nie gegeben hatte!

Ist die EU auf diesen Propagandakrieg vorbereitet, der von Russland geführt wird? Eher nein. Jedenfalls besteht vor allem Uneinigkeit. Und die EU-„Außenministerin“ Federica Mogherini gilt nicht als Russlandkritikerin.

Sind z.B. die Bundestagswahlen 2017 gefährdet? Der tschechische Rundfunkfachmann Jakub Janda, der den russischen propagandistisch-agitatorischen Komplex erforscht, sagt dazu: „Putin wird den ganzen Werkzeugkasten der Propaganda und Desinformation nutzen, um im Wahlkampf gegen Angela Merkel vorzugehen.“ Damit folgt Putin den von Wladimir I. Lenin vorgegebenen Linien der Agitation und Propaganda. Allerdings auf dem technischen Niveau von Netzattacken und Cyberangriffen.