Archive for the ‘Gesellschaft’ Category

1629: Rentenpolitik: langfristige Konzepte fehlen.

Freitag, Juli 14th, 2017

1. Nach 2020 wird die Bevölkerung in Deutschland schnell altern. 2045 kommen bereits 55 über 65-Jährige auf 100 20- bis 64-Jährige.

2. Der Beitragssatz von heute 18,7 Prozent steigt auf 23,6 Prozent, das Rentenniveau vor Steuern sinkt von 48 auf 41,7 Prozent.

3. Die Entwicklung geht nach 2045 weiter.

4. Deswegen sollten in der nächsten Legislaturperiode die grundlegenden Entscheidungen für eine langfristige Rentensicherheit fallen.

5. Die „Rente ab 63“, die „Mütterrente“ und die Angleichung der DDR-Renten kosten sehr viel Geld.

6. Die Renteneintrittsgrenze muss an die weiter steigende Lebenserwartung (nach oben) angepasst werden.

7. Die Rentenbezugsdauer hat sich seit 1960 auf 20 Jahre verdoppelt und wird sich mit der Lebenserwartung weiter verlängern.

8. Die SPD hat die am weitesten gehenden Überlegungen zur Rente angestellt. Sie will das Rentenniveau durch eine „Haltelinie“ sichern, nach der es bis 2030 nicht unter 48 Prozent sinkt.

9. Die Linke fordert eine Mindestrente von 1050 Euro, allerdings hat sie keine Finanzierung genannt.

10. Die von der CDU vorgeschlagene Rentenkommission hat wohl die meisten Chancen. Ob ihr dann Lösungen wie

1957 und 1989

gelingen, darf bezweifelt werden (Franz Ruland, SZ 14.7.17).

1628: Verwirrungen im Feminismus und in den Gender Studies

Freitag, Juli 14th, 2017

1. Die feministische Zeitschrift „Emma“, ein Flaggschiff des Feminismus, kämpft u.a. gegen das Kopftuch in Deutschland und gegen die Prostitution. Ist das nicht verständlich?

2. Feministische Analysen ergaben, dass die „Emma“ über die Krawalle in der Kölner Silvesternacht 2015 „rassistisch“ berichtete, weil sie männliche Menschen aus Nordafrika „problematische muslimische Männer“ nannte.

3. Das Bundesverfassungsgericht hat den Eilantrag einer muslimischen Juristin abgewiesen, die in ihrem Referendariat ihr Kopftuch anbehalten wollte.

4. In traditionellen feministischen Kreisen wird der Islam als Hauptträger patriarchalischer Verhältnisse in Deutschland identifiziert.

5. Kritiker der „Emma“ behaupten, dass sich die Zeitschrift damit kaum noch vom „rechtskonservativen“ „Tichys Einblick“ des Journalisten Roland Tichy unterscheide.

6. Wer Muslime ausgrenze, spiele den Rechtspopulisten von Pegida in die Hände, sagen Kritiker.

7. Noch absurder geht es in den „Gender Studies“ zu, wo die Lektüre von Roland Barthes verboten wird, weil in einem Text das Wort „Neger“ vorkommt, oder wo der Frauenfeind und Rassist Immanuel Kant tabu ist (Heide Oestreich, taz 8./9.7.17).

8. „Genitalverstümmelung“ darf so nicht mehr genannt werden, weil es für Afrikaner zu drastisch klingt.

9. Der „problematische muslimische Mann“ darf nicht als solcher benannt werden, weil auch der nicht-muslimische Mann „problematisch“ ist.

10. Meredith Haaf behauptet in der SZ (13.7.17), dass an Frankreichs Stränden Frauen von Ordnungskräften gezwungen worden seien, ihre Burkinis auszuziehen. Das bestätige ich als jemand, der seit Jahrzehnten pro Jahr drei Wochen in der Normandie am Strand ist, nicht. Dort breiten sich die Burkini-Mädels seit Jahren regelmäßig und systematisch aus.

Ja, dann mal immer munter weiter so.

1627: Kia Vahland: Die Documenta 14 manipuliert durch Nichtinformation.

Mittwoch, Juli 12th, 2017

Mittlerweile habe ich mit einigen gesprochen, die schon auf der Documenta waren. Die meisten von ihnen wirkten verunsichert. Das kam mir bekannt vor; denn genau so habe ich es bisher bei allen Documenten seit 1968 erlebt. Ist das vielleicht Absicht?

Kia Vahland (SZ 11.7.17) kritisiert die Macher um Kurator Adam Szymczyk scharf. Sie gäben sich zwar selbstsicher mit ihrem Satz

„Wir hoffen, dass die Documenta 14 einer von vielen Schritten sein wird auf dem Weg in eine Welt, in der wir leben wollen.“

Aber sie bezögen sich nicht in die allfällige Kritik an der Welt ein. Und auf den Führungen würde nichts erklärt, sondern der Besucher nach seiner Meinung gefragt. Scheindemokratisch. Denn ohne Hintergrundinformationen sei es schwierig, sich ad hoc eine fundierte Meinung zu bilden.

„Man kann auch durch Nichtinformation manipulieren. Wer alle Autoritäten abschafft, inszeniert sich selbst als letzte Instanz. So funktionierte die antiautoritäre Erziehung der Siebzigerjahre. Vom Hausmeister über die Lehrerin bis zum Pfarrer und der Polizistin standen Funktionsträger im Verdacht, Kinder zu dressieren. Übrig blieben als einzige Orientierungsgrößen nur die antiautoritären Erzieher, deren Weltbild nun konkurrenzlos datstand.“

„Die samische Künstlerin Máret Anne Sara protestiert in der alten Hauptpost von Kassel mit einem Vorhang ausgekochter Rentierschädel gegen die Weisung der norwegischen Regierung, ganze Herden zu schlachten. Womöglich ist den Samen großes Unrecht geschehen, als sie die für sie so wichtigen Rentiere verloren – nur würde man, um sich selbst ein Urteil zu bilden, gerne auch die Begründung der norwegischen Regierung kennen.“

 

1626: Linke Gewalt

Dienstag, Juli 11th, 2017

Manche Dinge sind so banal, dass wir uns manchmal kaum noch trauen, sie auszusprechen. So ist es mit der

linken Gewalt.

Ich schreibe ihnen hier ein paar Slogans auf, deren Autoren wir genau kennen, wo wir uns dann nicht wundern dürfen, dass einige von deren Fans das als Gewaltaufruf verstehen, gerade die kleinkariertesten. Es geht meistens gegen das

„Schweinesystem“:

„Kein Mensch ist illegal.“/“Keine Macht für niemand.“/“Macht kaputt, was euch kaputt macht.“/“Verbrannte McDonalds zeugen von unseren Heldentaten.“

Genügt das? Ich bin ja wohl nicht der einzige, der diese Aufrufe kennt. An einigen Plätzen in Göttingen könnte ich Ihnen zeigen, wie sie dort wirken. Aber vielleicht wollen Sie das gar nicht wissen.

Das kommt nämlich dazu, das links-liberale Milieu, wo es heißt: „Gewalt geht gar nicht, aber man muss doch verstehen, …“ Häufig ist das links-liberale Milieu gekennzeichnet durch ordentliche Beamtengehälter, Immobilien, Vermögen, politischen oder gesellschaftlichen Einfluss. Vielfach finden wir in diesem Milieu Ökologen und Pazifisten, von denen dann einige, wenn der Mob durch Hamburg zieht, an der Gardine stehen

und klammheimliche Freude

empfinden. Das hatten wir doch in Göttingen schon mal.

Inzwischen ist die linksextremistische Szene in Europa nicht zuletzt durch das Internet sehr gut vernetzt. Das wissen wir doch, oder hätten es wissen können. Dort wird jahrelang geplant. Meistens aus mit Steuergeldern subventionierte Zentren wie der „Roten Flora“. Können wir das hinnehmen?

Der Staat muss sein Gewaltmonopol wahrnehmen.

Am Ende noch etwas, das so klar ist wie Kloßbrühe, die Tatsache nämlich, dass die national und international wichtigsten kommunistischen und anarchistischen Führer

Theoretiker, Propheten und Propagandisten der Gewalt

waren. Sie sahen in der Gewalt das zentrale und positive Mittel zum Fortschritt. Hier nur eine kleine Auswahl:

Karl Marx (1818-1883),

Friedrich Engels (1820-1895),

Michail A. Bakunin (1814-1876),

Pjotr A. Kropotkin (1842-1921),

Wladimir I. Uljanow (Lenin) (1870-1924),

Josef W. Dschugaschwili (Stalin) (1878-1953),

Mao Tse Tung (1893-1976),

Pol Pot (1925-1998),

Fidel Castro (1926-2016),

Che Guevara (1928-1967),

darunter veritable Massenmörder wie Stalin, Mao und Pol Pot. Warum sollten deren Anhänger friedlich agieren?

 

 

1625: „Bild“ veröffentlicht Täterfotos.

Dienstag, Juli 11th, 2017

Die meisten von uns lesen die „Bild“-Zeitung gar nicht. Deswegen können sie nicht wissen, dass die „Bild“-Zeitung am 10.7.17 fünf Täterfotos aus dem Kreis des kriminellen Mobs bei den Hamburger Krawallen vom Wochenende veröffentlicht hat. Prompt sind beim

Deutschen Presserat,

dem Selbstkontrollorgan der deutschen Medien, bereits zwei Beschwerden darüber eingegangen. Grundsätzlich gelten in Deutschland im Blick auf die Persönlichkeitsrechte strenge Regeln für öffentliche Fahndungsaufrufe. Es muss um „nicht unerhebliche Straftaten“ gehen.

Ein Richter entscheidet.

Bei der ZDF-Sendung „Aktenzeichen xy – ungelöst“ werden nur solche Täter gesucht, für die ein richterlicher Beschluss zugrundeliegt.

Die linken Chaoten sollten einmal überlegen, was so viel Rechtsstaatlichkeit für die Menschen bringt. In Russland, China, Indien, Brasilien etc. gibt es das nicht. Viele dieser Staaten sind Mitglieder der Vereinten Nationen (UN).

Den „Bild“-Aufruf hatte die Polizeigewerkschaft auf Twitter weiterverbreitet. Die Polizei dagegen bekundete, damit nichts zu tun zu haben. Die Sprecherin des Deutschen Presserats sagte: „Wir halten die Berichterstattung aber durchaus für diskussionswürdig.“ „Bild“-Chef Julian Reichelt erklärte auf Facebook, wenn einer der Gezeigten auf sein Recht am eigenen Bild pochen wolle, könne er sich gerne an die Rechtsabteilung wenden. Die Zeitung werde die Daten aber nicht vertraulich behandeln, sondern der Polizei übergeben (SZ 11.7.17).

In diesem Fall habe ich Verständis für die „Bild“-Zeitung.

1624: Luther verkauft sich nicht.

Montag, Juli 10th, 2017

1. Die Besucherzahlen im Reformations-Jubiläums-Jahr bleiben hinter den Erwartungen zurück.

2. Vielleicht hängt das damit zusammen, dass die „Luther-Dekade“ schon so lange läuft.

3. Die Mitgliederzahlen der protestantischen Kirchen gehen ständig zurück, auf Grund der steigenden Einkommen schlägt sich das im Kirchensteueraufkommen noch nicht nieder.

4. Es wurde von der Kirche, dem Bund, von Sachsen-Anhalt relativ viel Geld für das Jubiläum ausgegeben, annähernd eine halbe Milliarde Euro.

5. Auf dem Kirchentag war nur Barack Obama ein Renner.

6. Das Jubiläum findet vor allem in einer der am stärksten entkirchlichten Gegenden der Welt statt, auf dem Gebiet der ehemaligen DDR.

7. Vielleicht hat die große Zahl der Veranstaltungen dazu beigetragen, den Eindruck zu vermitteln, Luther sei schon durch.

8. Wissen wir, was die Kirche mit dem Luther-Jubiläum eigentlich will? (Ralph Bollmann, FAS 9.7.17)

9. Die Ausstellung des Deutschen Historischen Museums im Martin-Gropius-Bau in Berlin mit dem Titel „Luther-Effekt“ fand ich persönlich ziemlich mau.

10. Als ich kürzlich mit einer Gruppe Göttinger Protestanten die Lutherstätten in Eisleben und Mansfeld besuchte, wo neben Wittenberg und der Wartburg noch die besten Zahlen geschrieben werden, hatte ich den Eindruck, dass wir von einigen Einheimischen wie Exoten betrachtet wurden, die „wegen dem Luther“ kommen.

1623: Gerd Koenen über Befreiungsbewegungen

Montag, Juli 10th, 2017

Gerd Koenen, geb. 1944, war bis 1982 führendes Mitglied des KBWs. Sein Leben danach hat er dem Studium des Kommunismus gewidmet und einige Bestseller geschrieben wie

„Utopie der Säuberung“,

„Das rote Jahrzehnt“ und

„Vesper, Ensslin, Baader“.

Er gehört nicht zu den flotten Sprüchemachern, sondern ist ein seriöser Historiker. Einerseits erkennt er manche Defizite im Kapitalismus, andererseits ist er illusionslos im Hinblick auf gesellschaftliche Alternativen, weil er sie zu genau studiert hat. Das zeigt ein Interview Koenens mit Anna Dreher und Tahier Chaudry (SZ 8./9.7.17).

SZ: Wäre es nicht Zeit für eine neue Befreiungsbewegung?

Koenen: Befreiung wovon? Dass man die Dinge zum Besseren wenden könnte, wenn man diese und jene ‚Ausbeuterklassen‘ in einer Revolution wegfegt, war eine magische Vorstellung, die sich von der Französischen bis zur Russischen Revolution von 1917 fortgesponnen hat. Tatsächlich war das ein Marsch ins Nichts, bei dem immer neue Gruppen von ‚Feinden‘, von Überflüssigen oder Widerständigen sozial oder physisch vernichtet wurden. Das Ergebnis war schlimmer, als jede Alternative es hätte sein können.

1622: Kriminelle, linke Gewalt beim G 20-Gipfel: wie üblich !

Sonntag, Juli 9th, 2017

1. Wie seit langem geplant, haben kriminelle, linke Gewalttäter angefeuert von Parolen aus dem Schanzenviertel den G 20-Gipfel dazu genutzt, ihre Lust an der Gewalt, an der Zerstörung und am Chaos auszuleben.

2. Sie sind unter den Demonstranten eine Minderheit (ca. 2000 Personen), aber sie beherrschen die Szene.

3. Sie werden ggf. von linken Anwälten nach „alten“ Vorbildern („anwaltlicher Notdienst“) verteidigt und umfassend beraten.

4. In Hamburg erhielten die deutschen Kriminellen wohl zum ersten Mal große Unterstützung aus dem Ausland.

5. Es geht gegen das „bürgerliche System“, also gegen uns (die Unternehmer, Handwerksmeister, Betriebsräte, Lehrer, Psychotherapeuten, Geistlichen, Hochschullehrer et alii), die manchmal auch als Establishment bezeichnet werden.

6. Dieses Mal im Einsatz: Gehwegplatten von Baugerüsten, Präzisionszwillen mit Stahlgeschossen, Laserpointer gegen Hubschrauberpiloten („versuchter Totschlag“), Molotowcocktails, brennende Autos (auch vom DRK), geplünderte Supermärkte, zerstörte Bars, Cafès, Geschäfte, Geldautomaten, Barrikaden aus Holzbohlen, Fernsehern, Einkaufswagen und brennenden Leihrädern der DB u.a.

7. Zwischenbilanz bei den Sicherheitskräften (Polizei, Bundespolizei, Spezialkräfte beispielsweise aus Österreich) etwa 250 verletzte Personen.

8. Kommentar eines Rädelsführers: „Wir als Autonome und ich als Sprecher der Autonomen haben gewisse Sympathien für solche Aktionen, aber doch bitte nicht im eigenen Viertel, wo wir wohnen. Also warum denn nicht irgendwie in Pöseldorf oder Blankenese? Also da gibt es auch bei uns großes Unverständnis, dass man im Schanzenviertel die eigenen Geschäfte zerlegt. Die Geschäfte, wo wir selbst, weil wir da wohnen, auch einkaufen.“ Ja, da hätte man den Neuen im „Schwarzen Block“ vorher noch Bescheid geben müssen, welche Geschäfte zerlegt werden dürfen und welche nicht.

9. Die Linke reagiert, wie nicht anders zu erwarten, mit der üblichen Verwirrung. Ihre Vorsitzende Katja Kipping: „Die Polizeiführung lässt ihre Hundertschaften mit schwerem Gerät durch die Straßen der Hansestadt marodieren und schikaniert Menschen, wie es wagen, Bier zu trinken oder im Zelt zu schlafen.“ Es bleibt dabei, dass unsere Kommunisten noch nicht voll in der Demokratie angekommen sind.

10. Die Grünen wackeln, auch wie üblich. Die innenpolitische Sprecherin, Irene Mihalic: „Leider hat das Vorgehen der Einsatzleitung der Hamburger Polizei zur Eskalation der ohnehin angespannten Lage erheblich beigetragen.“ Den staatsmännischen Part übernehmen dann wie immer die Vorsitzenden Cem Özdemir und Kathrin Göring-Eckardt: „Diese Gewaltexzesse sind keine Protestform, sondern brutale und sinnlose Zerstörung, die auf dem Rücken der Polizisten und der Anwohner ausgetragen wird.“ Die Grünen bleiben Wackelkandidaten. Es genügt ja politisch nicht, nur Subventionen abzugreifen und die Drecksarbeit anderen zu überlassen.

11. Die Union unter der Führung von Angela Merkel und Innenminister Thomas de Maizière fährt eine ganz klar rechtsstaatliche Linie, die möglicherweise zudem noch davon gekennzeichnet war, die kriminelle Energie der Gewalttäter zu unterschätzen.

12. Für die SPD erklärt ihr Kanzlerkandidat Martin Schulz unmissverständlich: „Das ist sinnlose widerwärtige Gewalt. Ganz offensichtlich waren an den Krawallen nicht nur Chaoten aus Deutschland beteiligt. Das waren organisierte Gewalttäter aus ganz Europa. Wir haben es hier mit Mordbrennern zu tun – mit Gewalttätern, die Mordversuche vorbereiten und brandschatzend durch die Straßen zogen.“

13. Inzwischen sind wohl etwa 60 Haftbefehle vollstreckt. Das ist nun eine Sache der Gerichte.

14. Leider haben mehrere Hamburger Kirchengemeinden den Gewalttätern einen Teil ihrer Grundstücke zur Verfügung gestellt. Mit den üblichen flauen Gutmenschen-Sprüchen, die der Lage nicht gerecht werden.

15. Anwohner, die zu löschen versuchten, wurden mit Leuchtgranaten („Pyros“) angegriffen.

16. Eine sehr große Zahl von Schaulustigen hat versucht, mit ihren Handys die besten (nämlich gewalttättigsten) Szenen einzufangen. Die Schaulustigen behindern wie sonst auch die Arbeit der Polizei. Sie sollten stärker geächtet werden.

17. Das gesamte links-liberale Spießertum grenzt sich nicht klar genug von den Chaoten ab. Und seine allgemein gehaltenen Weltverbesserer-Sprüche ändern nichts daran, dass dieses Bürgertum sehr bourgeois wird, wenn es um ihr Vermögen und die Ausbildung ihrer Kinder in Privatschulen geht. Etc. Grässlich.

18. Die Gewalt beim G 20-Gipfel ist heute bereits Thema des Bundestagswahlkampfs 2017 (Michael Behrendt/Ulrich Exner/Denis Fengler/Florian Flade/Jakob Koch, Die Welt 8.7.17; Manuel Bewarder, Die Welt 8.7.17; Moritz Eichhorn/Frank Pergande, FAS 9.7.17; Peter Carstens, FAS 9.7.17; Anna Prizkau, FAS 9.7.17).

19. Der Kampf um die Deutungshoheit hat begonnen: Ich sehe CDU/CSU, SPD und FDP klar auf der rechtsstaatlichen Seite, die durchgehalten werden muss. Die Grünen wackeln, ihre Basis hat sich noch nicht weit genug von den „Genossen“ gelöst. Als Kommunisten-Nachfolge-Organisation ist die Linke generell imkompetent, insbesondere aber bei der Beurteilung von Gewaltkriminalität.

20. Bei all dem bleiben die G 20-Themen auf der Strecke (das Gipfel-Ergebnis ist mager). Wir könnten allemal mehr Klimaschutz vertragen, mehr freien Welthandel, mehr Frieden in Syrien, eine Domestizierung Nordkoreas etc. Und, bitte, eines noch: Den einen ist G 20 zu klein, weil z.B. die Afrikaner (außer Südafrika) weithin fehlen, den anderen zu groß, weil mit dem ganzen Tross (Sherpas) kein Verhandeln mehr möglich sei. Und manchmal vertreten die gleichen Leute beide Positionen gleichzeitig.

Ja, wie hätten Sie’s denn gern?

1621: Fritz Benscher (1904-1970)

Freitag, Juli 7th, 2017

Beim Nachkriegsrundfunk in Deutschland gab es eine Reihe von außergewöhnlichen „Machern“, die unverwechselbar, wie sie waren, die Struktur des Rundfunks geprägt haben. Dass darunter auch Holocaust-Überlebende waren, zeigt das Buch von

Beate Meyer: Fritz Benscher – Ein Holocaust-Überlebender als Rundfunk- und Fernsehstar in der Bundesrepublik. Göttingen (Wallstein) 2017, 272 S., 24,90 Euro.

U.a. hatte Benscher in den fünfziger Jahren beim Bayerischen Rundfunk (BR) Auftritte mit Dieter Hildebrandt und Klaus Havenstein. Benscher stammte aus Hamburg. Seine ersten Stationen am Theater war Oldenburg 1921. 1924 ging Benscher zurück nach Hamburg zum Radio, das er von der Pike auf lernte. Sein Metier war die leichte Unterhaltung, die Operette, der Liederabend. Als Conferencier wurde er zu einem Publikumsliebling. 1933 engagierte er sich im Jüdischen Kulturbund in Hamburg. Schließlich konnte er nicht mehr auftreten und arbeitete als Sargtischler.

1943 begann seine Reise durch die Konzentrationslager Theresienstadt, Auschwitz und Dachau. Darüber sagte er später:

„Wie ich vorher an allen bekannten Theatern war, so war ich hernach in allen großen und bekannten KZs.“

Nach 1945 kam Benscher zum Fernsehen. Beim BR. Er kreierte mit „Nimm’s Gas weg“ die allererste Autofahrersendung. Die Sendung lief bis zu seinem Tod 1970. Als Hamburger brachte Fritz Benscher den Bayern das Hanseatische nahe. Beate Meyers Buch zeigt die zwei Pole in Benschers Charakter. Einerseits der alerte Entertainer, andererseits der Mann, der kaum Freundschaften pflegen konnte und der Geselligkeit aus dem Wege ging. Seine Ehe mit der Schauspielerin Annemarie Moser ab 1953 war wohl sehr schwierig. Benscher verbot ihr zu arbeiten. Sie wurde seine „Assistentin“ und schrieb sogar Texte für ihn.

Beate Meyer schreibt: „Es gab die Überlebenden, die nach der Befreiung auf Grund der erlittenen Qualen und Verletzungen nicht mehr in der Lage waren, ihren Beruf weiterzuführen. Und es gab die, die sich voller Elan für ein neues, demokratisches Deutschland engagierten, die an das Projekt Reeducation glaubten, aber dann nach etwa zehn Jahren auch durch den Kalten Krieg und die gesellschaftliche Restauration desillusioniert waren und zusammenbrachen. … Bei ihm waren es zwölf Jahre.“ (Frank Keil, taz 27.6.17)

1620: Die gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit

Mittwoch, Juli 5th, 2017

Der bekannte Soziologe Peter L. Berger (1929-2017) ist gestorben. Der in Wien Geborene floh mit seinen Eltern vor den Nazis nach Palästina. Seit 1946 studierte er in den USA und machte als Wissenschaftler Karriere. Gemeinsam mit seinem Kollegen Thomas Luckmann hatte er den „Sozialkonstruktivismus“ begründet. In dem Buch „Die gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit“ (1969). Darin sind zentrale Erkenntnisse verarbeitet.

Hauptsächlich der Dreischritt: EXTERNALISIERUNG – OBJEKTIVATION – INTERNALISIERUNG !

Wir bringen die Welt selbst hervor, konstruieren sie. Dann tritt sie uns wie objektiv entgegen. Schließlich verinnerlichen wir sie.

„Verdinglichung ist die Auffassung von menschlichen Produkten, als wären sie etwas anderes als menschliche Produkte.“ (S. 95)

„Auch der moderne Atheist, der dem Tod durch den Glauben an Evolution oder Revolution Sinn verleiht, integriert ihn in ein wirklichkeitsumfassendes, symbolisches System.“ (S. 108)

„Eine Theorie wird als praktisch ‚überlegen‘ demonstriert, nicht wegen ihrer inneren Qualitäten, sondern wegen ihrer Verwendbarkeit für die gesellschaftlichen Interessen ihrer Trägergruppe.“ (S. 129)

„Da man leichter etwas erfindet, was sich nie ereignet hat, als etwas vergisst, das sich ereignet hat, fabriziert man Ereignisse und fügt sie ein, wo immer sie gebraucht werden, um Erinnerung und neue Wirklichkeit aufeinander abzustimmen.“ (S. 171)

„Wie englische Verfassungsrichter erklärt haben, kann das Parlament alles erreichen, außer dass Männer Kinder zur Welt bringen.“ (S. 192)