1621: Fritz Benscher (1904-1970)

Beim Nachkriegsrundfunk in Deutschland gab es eine Reihe von außergewöhnlichen „Machern“, die unverwechselbar, wie sie waren, die Struktur des Rundfunks geprägt haben. Dass darunter auch Holocaust-Überlebende waren, zeigt das Buch von

Beate Meyer: Fritz Benscher – Ein Holocaust-Überlebender als Rundfunk- und Fernsehstar in der Bundesrepublik. Göttingen (Wallstein) 2017, 272 S., 24,90 Euro.

U.a. hatte Benscher in den fünfziger Jahren beim Bayerischen Rundfunk (BR) Auftritte mit Dieter Hildebrandt und Klaus Havenstein. Benscher stammte aus Hamburg. Seine ersten Stationen am Theater war Oldenburg 1921. 1924 ging Benscher zurück nach Hamburg zum Radio, das er von der Pike auf lernte. Sein Metier war die leichte Unterhaltung, die Operette, der Liederabend. Als Conferencier wurde er zu einem Publikumsliebling. 1933 engagierte er sich im Jüdischen Kulturbund in Hamburg. Schließlich konnte er nicht mehr auftreten und arbeitete als Sargtischler.

1943 begann seine Reise durch die Konzentrationslager Theresienstadt, Auschwitz und Dachau. Darüber sagte er später:

„Wie ich vorher an allen bekannten Theatern war, so war ich hernach in allen großen und bekannten KZs.“

Nach 1945 kam Benscher zum Fernsehen. Beim BR. Er kreierte mit „Nimm’s Gas weg“ die allererste Autofahrersendung. Die Sendung lief bis zu seinem Tod 1970. Als Hamburger brachte Fritz Benscher den Bayern das Hanseatische nahe. Beate Meyers Buch zeigt die zwei Pole in Benschers Charakter. Einerseits der alerte Entertainer, andererseits der Mann, der kaum Freundschaften pflegen konnte und der Geselligkeit aus dem Wege ging. Seine Ehe mit der Schauspielerin Annemarie Moser ab 1953 war wohl sehr schwierig. Benscher verbot ihr zu arbeiten. Sie wurde seine „Assistentin“ und schrieb sogar Texte für ihn.

Beate Meyer schreibt: „Es gab die Überlebenden, die nach der Befreiung auf Grund der erlittenen Qualen und Verletzungen nicht mehr in der Lage waren, ihren Beruf weiterzuführen. Und es gab die, die sich voller Elan für ein neues, demokratisches Deutschland engagierten, die an das Projekt Reeducation glaubten, aber dann nach etwa zehn Jahren auch durch den Kalten Krieg und die gesellschaftliche Restauration desillusioniert waren und zusammenbrachen. … Bei ihm waren es zwölf Jahre.“ (Frank Keil, taz 27.6.17)

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