Archive for the ‘Gesellschaft’ Category

3249: Biathlon: Korruption und Doping jahrelang vertuscht

Freitag, Januar 29th, 2021

Ein im November 2018 in Auftrag gegebener Bericht der Internationalen Biathlon Union (IBU) besagt, dass im internationalen Biathlon jahrelang Korruption und Doping vertuscht worden sind. Verantwortlich dafür waren der norwegische Präsident Anders Besseberg (1992-2018) und die Generalsekretärin Nicole Resch (Deutschland). Insbesondere russische Machenschaften haben sie dabei jahrelang gedeckt. Dafür wurde

Geld gezahlt, es gab teure Uhren, kostenlose Jagdausflüge, Luxusurlaube und die Dienste von Prostituierten.

Präsident Besseberg habe bei „allem, was er tat, konsequent russische Interessen bevorzugt“. „Das von Herrn Besseberg proklamierte Engagement für sauberen Sport war eine Farce.“ Frau Resch soll vor den Olympischen Spielen in Sotschi 2014 abnorm hohe Blutwerte beim Russen Jewgeni Ustjugow ignoriert haben. Ustjugow gewann später gedopt mit der Staffel Gold. In Österreich und Norwegen laufen Strafverfahren gegen Besseberg und Resch. Der gegenwärtige IBU-Präsident Ole Dahlin zeigte sich über das Fehlverhalten seines Vorgängers schockiert (SZ 29.1.21).

3248: Margitta Gummel gestorben

Freitag, Januar 29th, 2021

1968 gewann sie in Mexiko für die DDR die Goldmedaille im Kugelstoßen der Frauen mit der damaligen Weltrekordweite von 19,61 m. Die Athletin von der SC DHfK Leipzig wurde zur Sportlerin des Jahres. 1972 holte sie noch einmal Silber. 1966, 1969 und 1971 unterlag sie nur knapp ihrer Dauerrivalin Nadeschda Tschichowa aus der UdSSR. Nach dem Ende ihrer Karriere diente sie dem Sport als Verbandsfunktionärin und war Mitglied im DDR-NOK. Nach der Wiedervereinigung gehörte sie bis 1993 dem deutschen NOK an. Margitta Gummel ist im Alter von 79 Jahren nach langer Krankheit gestorben (SZ 28.1.21).

3247: „Passen Sie auf auf unser Land.“

Donnerstag, Januar 28th, 2021

Anlässlich des Jahrestags der Befreiung des KZ Auschwitz hat im Bundestag die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Charlotte Knobloch, 88, gesprochen. Sie war früher Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland. Knoblochs emotionale Rede hat viele innerhalb und außerhalb des Bundestags ergriffen. Die Präsidentin knüpfte an persönliche Erfahrungen an und sprach konkrete Mahnungen aus.

Sie selbst hatte auf dem Land in Mittelfranken bei Bekannten der Familie in „unsagbarer Einsamkeit“ überlebt. Ihre von ihr geliebte Großmutter wurde in Theresienstadt ermordet. Von ihr hatte sie die Grundlagen des jüdischen Glaubens gelernt. Von ihrem Vater die Liebe zu Deutschland. Die Eltern hatten sich unter dem Druck der Nazi-Repression getrennt. Knobloch sprach deutlich davon, dass 76 Jahre nach der Befreiung von Auschwitz heute wieder der Antisemitismus Hochkonjunktur hat. Es finden sich auf den Anti-Corona-Demonstrationen Menschen mit Davidsternen und der Aufschrift „Ungeimpft“, ein schwerer Missbrauch der Shoah.

Charlotte Knobloch appellierte an die Bundestagsabgeordneten „Passen Sie auf auf unser Land.“ Dann wandte sie sich kurz an die AfD-Fraktion: „Sie haben ihren Kampf vor 76 Jahren verloren.“ Dafür bekam sie spontan Beifall. Außer von der AfD-Fraktion (Viktoria Spinrad, SZ 28.1.21).

3246: Felix Stephan bedauert den Rückgang der Literaturkritik.

Mittwoch, Januar 27th, 2021

Der WDR hat massive Streichungen in seinem Literaturprogramm angekündigt. Vier Literatursendungen stehen vor einer ungewissen Zukunft. Felix Stephan beklagt das (SZ 26.1.21):

„Das wäre tragisch genug: dass der WDR seine Rolle als ‚Business Angel für Intellektuelle‘, wie Frank Schirrmacher die Rolle des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Deutschland beschrieben hat, leichtfertig und ohne jede öffentliche Diskussion aufgibt. Dass er mit den Rezensionen auch eine weiterführende Schule für republikanisches Dasein beseitigt, die Kunstkritik natürlich immer auch ist, eine Probebühne für Formanalyse und Begriffskritik.“

„Die Zeitschriften und Blogs der ganz rechten Infosphäre bauen ihre Literaturkritik kontinuierlich aus, und sie unterbreiten den freien Kritikern, die von den öffentlich-rechtlichen Medien stempeln geschickt werden, Angebote. Die antiglobalistische, völkische, deutschblütige Rechte hat genau verstanden, dass ein Land morgen von jenen geführt wird, die heute den Kanon formulieren.“

„Auf Youtube wimmelt es von völkischen Diskussionsrunden, die über die Verbindungen zwischen Hannah Arendt und Renaud Camus (dem Erfinder der Umvolkungs-These, eine Frechheit, W.S.) philosophieren; der Sloterdijk-Schüler Marc Jongen ist nicht nur AfD-Abgeordneter, sondern auch Obmann des Ausschusses für Kultur und Medien im Bundestag; in Radebeul ist der völkische Dichter Jörg Bernig als Kulturamtsleiter im vergangenen Jahr nur mit Ach und Krach verhindert worden. Die Rechten drängen in den kulturellen Raum, wo immer sie können, auf nationaler, regionaler, kommunaler Ebene, in den sozialen Netzwerken in Wort und Schrift, um ihre Sprache und ihre Begriffe zu platzieren.“

„Es wird bald das preiswerte Argument zu hören sein, die Sparmaßnahmen seien der ostdeutschen CDU zu verdanken, die eben erst die Erhöhung des Rundfunklbeitrags blockiert hat und zwar ausdrücklich, weil ihr die Berichterstattung nicht gefiel. Aber erstens gibt es kein Gesetz, das dem WDR vorschreibt, ausgerechnet da zu sparen, wo sich Deutschlands geistiges und ideelles Schicksal mit entscheidet – in der Literaturkritik. Und zweitens fehlte das Geld auch vorher schon an allen Ecken und Kanten.“

„Mehr als eine halbe Milliarde Euro zahlt der öffentlich-rechtliche Rundfunk allein für Renten, während junge Kritiker beim Radio heute kaum mehr ernsthafte Honorare erhalten.“

3245: Die Frau von morgen in der SPD: Manuela Schwesig

Mittwoch, Januar 27th, 2021

Bei der Bekämpfung der Corona-Pandemie agieren zwei SPD-Politiker in der ersten Reihe: der Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach und die Ministerpräsidentin Manuela Schwesig. Mit dem Ende der Pandemie wird Lauterbach sich zurückziehen. Schwesig verfolgt andere Ziele. Die frühere Bundesfamilienministerin kann in Mecklenburg-Vorpommern relativ gute Pandemie-Zahlen vorweisen. In den Konferenzen mit der Bundeskanzlerin hat sie früh aufbegehrt. Sie zeigt Freude an der Macht. Das fehlt der SPD-Spitze mit Norbert Walter-Borjans und Saskia Esken. Und Olaf Scholz findet nicht in seine Rolle als Kanzlerkandidat. Manuela Schwesig, 46, entspricht der Sehnsucht der SPD nach einer starken Führungsfigur. Ihre Krebserkrankung 2019 hat sie überwunden. Und die Frau hat einen eigenen Kopf.

Ihr großes Handicap ist die Gründung einer Stiftung, die sich von Nord Stream 2 finanzieren lässt und unter dem Deckmantel von Klima- und Umweltschutz agiert. Schwesig verteidigt das Gas-Pipeline-Projekt gemeinsam mit Angela Merkel gegen US-Störmanöver. In Meckpomm winkt sie mit Arbeitsplätzen. Sie strebt eine weitere Zusammenarbeit mit dem russischen Autokraten Wladimir Putin an. Sie zeigt Flagge, wo Olaf Scholz sich nicht einmal traut, in der Debatte um Kampfdrohnen für die Bundeswehr klar Position zu beziehen. Manuela Schwesig erweckt den Eindruck, als könne sie den Zustand der SPD überwinden, bei dem wir alle nicht wissen können, was die Partei will (Mike Szymanski, SZ 27.1.21).

3244: Merkel räumt Fehler bei der Virus-Bekämpfung ein.

Mittwoch, Januar 27th, 2021

Auf dem virtuellen Weltwirtschaftsforum „Davos Agenda“ hat Bundeskanzlerin Angela Merkel Fehler bei der Bekämpfung des Corona-Virus eingeräumt. Der Kampf gehe zu langsam vor sich und habe in Deutschland entscheidende Mängel bei der Digitalisierung offenbart. Wir fragen uns, warum Angela Merkel nicht mit einem besseren Zustand des Landes in ihren politischen Herbst schreitet. Hätte sie in den fünfzehn Jahren ihrer Regierungszeit daran nichts ändern können? Dass zu viel Bürokratie unser Land plagt, ist nicht gerade neu. Wir gelangen zu dem Ergebnis, dass Frau Merkel viele Änderungen gar nicht versucht hat. Ein trauriges Ergebnis (Stefan Braun, SZ 27.1.21).

3243: Gunnel Lindblom gestorben

Mittwoch, Januar 27th, 2021

Die schwedische Schauspielerin und Regisseurin Gunnel Lindblom ist im Alter von 89 Jahren gestorben. Sie war in Göteborg geboren und ausgebildet worden und begann in den fünfziger Jahren am Stadttheater von Malmö mit

Ingmar Bergman

zu arbeiten. Dann war sie in seinen Filmen zu sehen. Etwa „Das siebente Siegel“ (1957) und „Wilde Erdbeeren“ (1957). Ihren Durchbruch hatte sie

1963 in „Das Schweigen“.

Die Sexszenen des Films ohne moralische Bemäntelung führten zu einem kassenträchtigen Skandal. Von den Siebzigerjahren an führte Lindblom selbst Regie im Theater, in der Oper und im Film. 2018 wurde ihr der Ehrenpreis des Stockholmer Filmfestivals verliehen (KHIL, SZ 27.1.21).

3242: Verbände fordern Soforthilfe für Arme.

Dienstag, Januar 26th, 2021

36 Gewerkschaften und Verbände fordern angesichts der Pandemie ein Anhebung der Regelsätze von Hartz IV und Altersgrundsicherung auf mindestens 600 Euro und sofortige zusätzliche Corona-Hilfen für arme Menschen. Zu den Unterzeichnern gehören die Gewerkschaft Verdi, die GEW, die Awo, der Sozialverband VdK und die Diakonie (SZ 26.1.21).

3241: Der Westen kritisiert Russland scharf.

Montag, Januar 25th, 2021

Die USA und die EU kritisieren die Gewalt-Exzesse beim Kampf von Moskaus Sicherheitskräften gegen Unterstützer des Kreml-Kritikers Alexej Nawalny scharf. Im Zuge dessen waren 3.512 Menschen verhaftet worden. Davon 1.396 in Moskau und 525 in Petersburg. In etwa 100 Städten hatten Russen gegen die Verurteilung Nawalnys zu 30 Tagen Haft protestiert. Davon allein ca. 40.000 in Moskau. Auch Nawalnys Ehefrau Julia Nawalnaja war verhaftet worden. Der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell sagte, dass er den unverhältnismäßigen Einsatz von Gewalt und die Einschränkung von Internet- und Telefonverbindungen mit Sorge beobachte. Die EU will alsbald über weitere Schritte im Umgang mit Russland beraten.

Inzwischen werden auch wieder Rufe nach weiteren Sanktionen gegen Moskau laut. Die Strafmaßnahmen müssten Oligarchen und Freunde Wladimir Putins treffen, erklärten im Ausland lebende Oppositionelle um

Michail Chodorkowski.

Der frühere Schachweltmeister

Garri Kasparow

sagte „Jagt sie, verfolgt ihre Geldströme.“ Die EU solle die Sanktionsmöglichkeiten im Kampf gegen Menschenrechtsverletzungen nutzen, die sie sich vor kurzem selbst gegeben habe. Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses des Deutschen Bundestags, Norbert Röttgen (CDU), unterstrich, dass

Korruption

zum System Putin gehöre. „Sie macht einige wenige unermesslich reich und ganz viele arm in Russland. Dieses System deckt Nawalny auf, und das ist für das System lebensgefährlich.“ FDP-Chef Christian Lindner forderte ein Moratorium für den Weiterbau der deutsch-russischen Ostsee-Pipeline

Nord Stream 2.

Kommentar W.S.: Dieses Moratorium ist ja wohl das Wenigste, das wir tun müssen. Die Grünen verlangen es schon seit langem. Und Norbert Röttgen auch.

(SZ 25.1.21)

3240: Minister Scheuer (CSU) blockiert Maut-Ermittler.

Montag, Januar 25th, 2021

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) behindert die Arbeit des Sonderermittlers Jerzy Montag, der von FDP, Grünen und Linken eingesetzt worden war, um in der Maut-Affäre Scheuers elektronisches Postfach zu durchsuchen. Er soll herausfinden, ob Scheuers Abgeordneten-Postfach als geheimer Kommunikationskanal genutzt worden war. So steht es im Zwischenbericht des Maut-Untersuchungsausschuss des Bundestags. Am Donnerstag soll Scheuer dort vernommen werden. Oppositions-Abgeordnete sprechen von „schwarzen Löchern in den Akten“. Der FDP-Obmann Christian Jung sagte: „Wir vermuten, dass beim Thema Maut heimliche Kommunikation über private Accounts oder den MdB-Account gelaufen ist.“

Der Untersuchungsausschuss arbeitet das Scheitern der PKW-Maut auf. Der EU-Gerichtshof hatte das CSU-Prestigevorhaben 2019 gestoppt. Scheuer ist in Bedrängnis, weil er Verträge zur Maut abgeschlossen hatte, bevor Rechtssicherheit bestand. Den Steuerzahler könnte das teuer zu stehen kommen. Die Betreiber fordern Schadensersatz in Höhe von 560 Millionen Euro vom Bund (Markus Balser, SZ 25.1.21).