Mehrere bayerische Landkreise haben einen Inzidenzwert von über 500. Der oberbayerische Landkreis Miesbach wies mit 715,7 den höchsten Wert auf. Und die Behörden wissen nicht, warum. Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hatte diese Woche gesagt, es gebe nicht ein bundesweites, sondern auch ein bayernweites Nord-Süd-Gefälle bei den Impfquoten. In Landkreisen mit besonders hohen Inzidenzen liegt die Impfquote teils über dem bayerischen Schnitt. Für Hotspots mit einer Inzidenz von mehr als 300 und einer Auslastung der Intensivstationen von mehr als 80 Prozent gelten von Sonntag an die schärfsten Regeln der Coronaampel in Bayern (tift., FAZ 6.11.21).
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3628: Bayern hat die höchsten Inzidenzwerte.
Samstag, November 6th, 20213627: Uwe Seeler 85
Samstag, November 6th, 20211954 war Deutschland gerade überraschend Fußballweltmeister geworden. Ein Baustein bei der Wiedergewinnung des Selbstbewusstseins nach den Massenverbrechen in der Nazizeit. Da tauchte schon der nächste Stern am Fußballhimmel auf, der damals 18-jährige Uwe Seeler vom HSV. Ein einfacher und bodenständiger Junge, aber ein gewaltiger und torgefährlicher Stürmer. Bekannt für seine Kopfbälle und Volleyschüsse. Ein Rekord-Torschütze. Er hätte sich gebärden können wie ein Star. Aber das tat er nicht. Als er verlockende Angebote aus dem Fußball-Italien erhielt, nahm er sie nicht an, sondern blieb beim HSV. Der demgemäß um 1960 eine Erfolgsphase einlegte. Auf Augenhöhe mit Real Madrid und dem FC Barcelona.
Mit Seeler reüssierte auch wieder die deutsche Fußballnationalmannschaft (1958 in Schweden, 1966 in England, 1970 in Mexiko). Ihr Schlachtruf war „Uwe, Uwe, Uwe“. 1965 schon war Uwe Seelers Autobiografie „Alle meine Tore“ erschienen. Fußball war damals noch Volkssport. Und nicht von russischen Oligarchen und arabischen Prinzen gekauft. Wer heute noch oben mitspielen will, muss sich den Gesetzen der Finanzmärkte unterwerfen. Das gab es zu Uwe Seelers Zeiten (bis 1972) nicht.
Beim Tode von Seelers Gegner Gordon Banks im WM-Finale 1966, dem Torwart der siegreichen englischen Mannschaft, sagte 2019 der Schriftsteller Don Mullan: „Wir lebten in einer Zeit, in der Sporthelden gewöhnliche und zurückhaltende Menschen gewesen sind, deren Bescheidenheit der Treibstoff unserer Träume war.“ Inzwischen ist der Film von Reinhold Beckmann und Ole Zeisler erschienen: „Uwe Seeler. Einer von uns.“ Seeler kann nicht mehr alle Termine selbst wahrnehmen. Manchmal geht er am Stock. Mit seiner Frau Ilka ist er seit 1959 verheiratet (Holger Gertz, SZ 5.11.21).
3626: Die Kriminalität in Deutschland nimmt kontinuierlich ab.
Samstag, November 6th, 2021Der periodische Sicherheitsbericht von Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) und Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) besagt, dass in Deutschland die Kriminalität
seit 15 Jahren
kontinuierlich abnimmt. Fast überall. Insbesondere bei der Gewaltkriminalität und bei Eigentumsdelikten. Zur Polizeigewalt konstatiert die Studie das Einstellen der Verfahren als Regelfall (FAZ 6.11.21).
3625: Monika Hohlmeier (CSU) hat Masken angeboten.
Samstag, November 6th, 2021Die CSU-Europaabgeordnete Monika Hohlmeier (CSU) hat im Mai 2020 Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) per SMS Masken der Schweizer Firma Emix angeboten. Es ständen noch 168,6 Millionen Euro aus, die Emix nach der Lieferung von Masken gehörten. Der Minister erwiderte, er mische sich nicht ein. Frau Hohlmeier ist die Tochter von Franz-Josef Strauß (SZ 5.11.21).
3624: Jenny Erpenbecks „Kairos“ – ein Liebesroman zum Ende der DDR
Freitag, November 5th, 2021Die 1967 in Ostberlin geborene Jenny Erpenbeck stammt aus einer Schriftsteller- und Künstlerfamilie (Fritz Erpenbeck, Hedda Zinner, Doris Kilias, John Erpenbeck) der DDR. Sie hat schon mehrfach bemerkenswerte Literatur hervorgebracht („Die Geschichte vom alten Kind“, „Heimsuchung“, „Gehen, ging, gegangen“), die regelmäßig von der Kritik sehr gelobt wurde. Ihr gilt infolgedessen unsere Aufmerksamkeit.
Bei ihrem neuen Roman „Kairos“ (nach dem Gott des glücklichen Augenblicks) handelt es sich um einen Liebesroman und Untergangsroman der DDR. Dabei kommt Jenny Erpenbeck neben ihren großen literarischen Fähigkeiten ihre exakte Kenntnis der DDR-Gesellschaft und Berlins zugute. Mehr als irgendwo sonst erkennen wir, warum so viele Mitglieder der Intelligenzia und Nomenklatura den Untergang der DDR als Verlust empfinden und ihn betrauern. Erpenbeck: „Was mich immer interessiert hat, auch in diesem Buch, ist diese Parallelität zwischen privaten und politischen Beziehungsstrukturen: die Mechanismen von Macht, die Zuweisung von Schuld.“ Dazu nimmt sie „Tiefenbohrungen“ vor.
Katharina, 19, und Hans, 53, verlieben sich 1986 heftig ineinander. Das gründet sich auf eine große sexuelle Anziehung. Katharina steht am Anfang ihrer Karriere, während Hans im Taumel des realen Sozialismus schon lange ein praktizierender Zyniker geworden ist, der seine Familie bedenkenlos betrügt. Er entwickelt sich immer mehr zu einem „ausgewachsenen Arschloch“. Aber sympathisch sind beide Protagonisten in der Befangenheit ihrer Perspektiven nicht. Das schildert Erpenbeck aus der Innensicht. Am Beispiel der Rollen von Ernst Busch, Hanns Eisler und Heiner Müller wird klar, welche Funktionen diese Künstler für die Selbstwahrnehmung der DDR hatten.
Anfangs überlagert der sexuelle Sturm alles, den Jenny Erpenbeck meisterhaft und glaubwürdig schildert. Überhaupt wirkt ihr Schreiben an keiner Stelle bemüht oder belehrend. Die Zeitgeschichte sickert langsam in die Liebesgeschichte ein. Das eifersüchtige und misstrauische Regime mit seiner „inneren Emigration“ verleitet Hans allmählich zum Kontrollwahn. Stasi-Mitarbeiter war er auch. Katharina wird immer mehr zu seinem Anhängsel. Ihre Liebe endet 1992, also schon in einem Deutschland, in dem sich alles zu verändern beginnt. Mit der vertrauten Welt, der Heimat, verschwindet die Liebe. Die Milieus der Protagonisten werden abgewickelt, im Fall von Hans der DDR-Rundfunk. Die Betroffenen sind in der Seele krank geworden.
Für die „Washington Post“ und den „New Yorker“ kommt Jenny Erpenbeck für den Literatur-Nobelpreis in Frage. Aber da sind statt weißer Frauen aus Deutschland wohl erst mal andere dran.
(Volker Weidermann, Zeit 7.10.21; Thomas Winkler, taz 19.10.21; Erik Heier, tip Berlin 18/2021)
3623: Julian Assange Ehrenmitglied des deutschen PEN-Zentrums
Donnerstag, November 4th, 2021Julian Assange ist zum Ehrenmitglied des deutsche PEN-zentrums ernannt worden. Das sei geschehen aus Sorge um seine Gesundheit und seine Haftbedingungen in London. „Wir fordern die zuständigen Behörden in England auf, Assange nicht an die USA auszuliefern, wo ihm bis zu 175 Jahre Haft drohen, sondern ihn sofort (…) aus dem Gefängnis zu entlassen. Seine fortdauernde Haft ist einzig politisch begründet und daher weder hinnehmbar noch berechtigt. Sie widerspricht dem Recht auf Meinungsfreiheit.“ (dpa, SZ 3.11.21)
3622: Fritz Keller erhebt schwere Vorwürfe gegen Rainer Koch (DFB).
Donnerstag, November 4th, 2021Beim DFB herrscht üblicherweise Chaos. Ungeklärt ist nach wie vor, wofür der Medienberater
Kurt Diekmann
360.00 Euro erhalten hat. Er soll die Entmachtung der ehemaligen Präsidenten Reinhard Grindel und Fritz Keller medienbezogen begleitet haben. Nun erhebt Ex-Präsident Fritz Keller schwere Vorwürfe gegen den von manchen als heimlichen Drahtzieher betrachteten Vize-Präsidenten
Rainer Koch
und seine Mitstreiter (Ex-Generalsekretär Friedrich Curtius, Ex-Schatzmeister Stephan Osnabrügge). Sie hätten einen „Selbstbedienungsladen“ installiert. Ihnen fehle die menschliche, insbesondere charakterliche Eignung. „So gefährdet man die Reputation des DFB, auch die Anerkennung als gemeinnütziger Verband und die damit verbundenen steuerlichen Vorteile. Am Ende ist es das Geld, das dem Amateurfußball verloren geht.“ Rainer Koch gehe „jeglicher moralischer Kompass“ ab (Johannes Aumüller, Thomas KIstner, SZ 4.11.21).
3620: Israel hat die vierte Corona-Welle binnen weniger Wochen gestoppt.
Mittwoch, November 3rd, 2021In Israel hat die Corona-Drittimpfung die Wirksamkeit des Impfens der bisher zweimal Geimpften um 93 Prozent erhöht. Geprüft wurden die Daten von 728.321 Israelis, die bereits zum dritten Mal geimpft wurden, im Vergkleich mit einer gleich großen Gruppe von zweimal Geimpften. Von den doppelt Geimpften mussten 231 Personen wegen Covid ins Krankenhaus, von den dreimal Geimpften 29. Das Durchschnittsalter der Teilnehmer betrug 51 Jahre. Der Impfstoff stammte von Biontech/Pfizer. In der Gruppe der unter 40-Jährigen waren die schweren Verläufe so selten, dass sie nicht abgeschätzt werden konnten. Die Zahl der Neuinfektionen und Hospitalisierungen geht zurück. Anfang September wurden täglich etwa 10.000 Neuinfektionen registriert, jetzt 600. Durch die dritte Impfung ebbt die vierte Corona-Welle ab. 42 Prozent der Bevölkerung haben bereits eine Dritt-Impfung erhalten.
Das Problem bleiben diejenigen, die sich bisher nicht impfen lassen.
Das sind vor allem ultraorthoxe Juden und arabische Israelis. Die Regierung hat angeordnet, dass bei denjenigen, deren letzte Dosis mehr als sechs Monate zurückliegt, der grüne Pass erlischt, der die Voraussetzung ist für einen Restaurant- oder Konzertbesuch (Alexandra Föderl-Schmidt, SZ 3.11.21).
3619: Warum sich das Corona-Virus in Russland so schnell verbreitet.
Mittwoch, November 3rd, 2021Die vierte Corona-Infektionswelle trifft Russland hart. Täglich gibt es etwa 1.000 Todesopfer. Wissenschaftler schätzen die tatsächliche Opferzahl drei mal so hoch ein. Kliniken sind überlastet. Es fehlt an Sauerstoff. Besonders in entlegenen Regionen. Inzwischen ist das Militär eingesprungen und hat fast 350 Tonnen flüssigen Sauerstoff in 27 Regionen geliefert. Das staatliche Raumfahrtunternehmen Roskosmos verschiebt Raketentests, um den dafür notwendigen Sauerstoff zu spenden. Der Kreml hat allen Russen eine Woche Zwangsurlaub verordnet. In Nowgorod wurde der bereits um eine Woche verlängert. Alle Geschäfte, die keine Lebensmittel verkaufen, Schulen, Kindergärten, Restaurants und Cafés bleiben geschlossen.
Erst ein Drittel der Bevölkerung ist vollständig geimpft. Die Hälfte der Russen möchte sich nicht impfen lassen, weil sie misstrauisch gegenüber dem staatlichen Vakzin ist. Kein Politiker hat sich öffentlich impfen lassen, auch Wladimir Putin nicht, obwohl er sonst mit freiem Oberkörper zum Tiger geht. Von der allmächtigen russischen Propaganda werden die westlichen Impfstoffe schlechtgeredet, was das Vertrauen in das Impfen generell nicht erhöht. Präsident Putin demonstrierte Leichtfertigkeit, indem er ohne Maske bei öffentlichen Massenveranstaltungen auftrat. Und eine Bevölkerung, die es seit Jahrhunderten gewohnt ist, von Propaganda und Agitation belogen zu werden, hat kein Vertrauen in die öffentliche Berichterstattung (Silke Bigalke, SZ 3.11.21).
3618: Breitner: Bei mir würden Ungeimpfte nicht einmal mittrainieren.
Dienstag, November 2nd, 2021Der Fußball-Ex-Weltmeister Paul Breitner (früher FC Bayern München) erklärte in der SZ (2.11.21) seine Abscheu vor Ungeimpften. Für sie habe er „null Verständnis“. Bei ihm hätten solche Spieler nicht einmal mittrainiert.