Archive for the ‘Gesellschaft’ Category

4019: Dominik Graf 70

Dienstag, September 6th, 2022

Der Filmregisseur Dominik Graf streift in seinen Filmen gerne durch die Filmgeschichte. Wie in seinem „Fabian oder der Gang vor die Hunde“ (2021) nach Erich Kästner. Bei Graf gibt es Anarchie, Spontaneität, Lust auf den Augenblick. Das macht seine Filme so glaubwürdig. Der Sohn der Schauspieler Selma Urfer und Robert Graf  hat an der Hochschule für Fernsehen und Film in München studiert. Sein Abschlussfilm „Der kostbare Gast“ (1979) gewann gleich einen Bayerischen Filmpreis. Nun wird Dominik Graf 70 Jahre alt.

Er hat einiges getan, um die seinerzeit dominierenden Filme des jungen bzw. neuen deutschen Films ab 1962 (Kluge, Reitz, Herzog, Schlöndorff, Wenders) zu überwinden. Deren Filme waren ihm zu sehr „Belehrungskino“. Das kam gewiss auch von dem deutschen Fimförderungssystem. Dominik Graf war sich für Fernseharbeit nicht zu schade, sogar für Krimis nicht. In seinen Filmen tauchen Schimanski, Hanns von Meuffels, Batic und Leitmayer auf. Es sind nicht die schlechtesten Krimis. „Ich selbst war als Regisseur niemals so glücklich wie in jenen Momenten, in denen ich vermeintliche Krimi-Genre-Konfektionsware bedienen und die Serienfilme auf die Straßen, in die Polizeibüros und gleichzeitig (gemeinsam mit dem Drehbuchautor) auf den Kopf stellen durfte.“ (Fritz Göttler, SZ 6.9.22)

4018: Daniel Barenboim ist krank.

Dienstag, September 6th, 2022

Daniel Barenboim, der im nächsten jahr 80 Jahre alt wird, ist seit frühester Jugend ein Weltkünstler. Aus seinem Riesenwerk ragen die Einspieleung von Ludwig Beethovens 32 Klaviersonaten heraus sowie als Dirigent das Werk Richard Wagners. Barenboim ist seit 1992 Musikchef der Staatsoper Unter den Linden in Berlin und dient damit Deutschland in unnachahmlicher Weise. Den geplanten, vierteiligen „Ring des Nibelungen“ musste er jetzt absagen. Er hat Christian Thielemann gebeten, die Serie zu übernehmen. Regisseur ist Dmitri Tscherniakov, dessen eigenwillige Wagner-Interpretationen bekannt sind. Er sieht in dem „Ring“ das Konzept, das eine Befreiung der Welt von den Göttern beschreibt. Aktueller denn je. Vielleicht kann Daniel Barenboim im nächsten Jahr den „Ring“ schon wieder selbst dirigieren (Reinhard J. Brembeck, SZ 6.9.22).

4017: Boykott gegen Kardinal Woelki

Dienstag, September 6th, 2022

Führende Geistliche und Laienvertreter des Erzbistums Köln haben mit einem Boykott gegen Kardinal Rainer Maria Woelki protestiert. Sie sagten in so großer Zahl ihre Teilnahme am Diözesanpastoralrat ab, dass dieser nicht mehr beschlussfähig war. Grund ist der Umgang Woelkis mit Opfern von sexuellem Missbrauch. Der Vorsitzende des Diözesanpastoralrats, der Solinger Oberbürgermeister Tim Kurzbach (SPD), bezeichnete die Situation als „unerträglich“. Der Boykott ist „eine neue und noch nie dagewesene Eskalation“ (SZ 6.9.22).

4016: Das Scheitern des Dialogs über Antisemitismus auf der Documenta

Montag, September 5th, 2022

Julia Alfandiari und Meron Mendel von der Bildungsstätte Anne Frank in Frankfurt berichten von ihren Erfahrungen mit dem Antisemitismus-Dialog auf der Documenta (SZ 5.9.22).

1. Die Documenta hätte eine Sternstunde des Dialogs erleben können.

2. Nach dem Lumbung-Prinzip, welches das indonesische Kuratoren-Kollektiv Ruangrupa ausgerufen hatte.

3. Eine Gruppe junger Frauen fragte, ob es überhaupt noch politisch vertretbar sei, auf der Documenta zu sein.

4. Bald war zu hören: „Die Anne Frank hat hier nichts zu suchen. Habt ihr nicht schon genug Schaden angerichtet?“

5. Eine Kasseler Seniorengruppe: Gebe es nicht ohnehin schon ein großen Einfluss der Juden in unserer Gesellschaft?

6. Erstaunlicherweise gibt es anscheinend wenig Wissen über den Antisemitismus.

7. Es wurde behauptet, die Bildungsstätte Anne Frank betreibe Zensur.

8. Deutschland lasse sich von „seinen“ Juden geißeln.

9. Ein Kunst-Student: „Wenn sich Israel im Nahen Osten so verhält, sollte man sich nicht über solche Bilder wundern.“

10. „Vielleicht hätten wir uns lieber ganz von Kassel fernhalten sollen.“

11. Es ist kein Zufall, dass auf der Anklagebank in Taring Padis „People’s Justice“ neben den westlichen Geheimdiensten, den reichen Weltkonzernen, den Kriegsherren und Diktatoren aller Couleur auch die Figur des ewigen Juden nicht fehlen durfte.

12. Fest ist die Vorstellung verankert, dass Antisemitismus gar nicht objektiv existiert, sondern nur als Vorwurf vorgeschoben wird.

13. Ein Dialog braucht ein gemeinsames Verständnis darüber, dass es nicht nur und nicht hauptsächlich um verletzte Gefühle geht.

14. Von diesem Minimalkonsens sind wir noch weit entfernt.

15. Ruangrupa: „Liebe Besucher*innen, wir bedauern, dass die historischen Bilder und Zeichnungen (…) für einige Besucher*innen nicht verständlich sind und es daher zu Fehlinterpretationen gekommen ist.“

W.S.: Die erste Documenta-Leitung bevorzugte unter dem Vorwand der Zensur das Prinzip des Wegsehens, Ruangrupa ist nicht kompetent genug. Und auf der Documenta haben sich viele Antisemiten getummelt. So darf es nicht weitergehen.

4015: Kein Gas mehr über Nord Stream 1

Montag, September 5th, 2022

Die russischen Erpressungsversuche sehen vor, dass kein Gas mehr über Nord Stream 1 nach Deutschland geliefert wird. Als fadenscheinige Begründung wird ein Ölaustritt in einer Kompressorstation genannt. Die Bundesnetzagentur bezweifelt das (SZ 5.9.22).

4014: Weniger Bundestagsabgeordnete

Sonntag, September 4th, 2022

Die Fraktionen des Deutschen Bundestags sind sich einig darin, dass die Zahl der Bundestagsabgeordneten verkleinert werden muss. Sie sind sich nur nicht einig darin, wie. Der Bundestag hat eine Regelgröße von 598. Tatsächlich hat das hohe Haus auf Grund von Überhang- und Ausgleichsmandaten 736 Mitglieder. SPD, Grüne und FDP wollen die Sitze vorrangig nach dem Zweitstimmenergebnis verteilen. Auf Grund von Erststimmen sollen Mandate nur noch nach dem Verhältnis der Zweitstimmen vergeben werden. CDU und CSU halten es für verfassungswidrig, wenn in einem Wahlkreis mit der Mehrheit der Stimmen direkt gewählte Bewerberinnen und Bewerber nicht automatisch in den Bundestag einziehen. Das Bundeswahlgesetz bestimmt, dass der Bundestag in personalisierter Verhältniswahl gewählt wird. Das Bundesverfassungsgericht hatte geurteilt, dass Ausgleichsmandate nur in einem gewissen Umfang mit dem Grundgesetz vereinbar sind. Nach dem bisherigen Wahlrecht ziehen alle direkt gewählten Abgeordneten ins Parlament ein. Eine Kappung der Direktmandate würde sich vorwiegend zu Ungunsten der Union und vor allem der CSU auswirken (Boris Herrmann, Paul-Anton Krüger, SZ 31.8.22).

4013: Annalena Baerbock darf nicht „stoibern“.

Samstag, September 3rd, 2022

Bundesaußenministerin Annalena Baerbock (Grüne) spricht so über Außenpolitik, dass viele, die sich bsiher nicht dafür interessiert haben, nun zuhören. Das ist gut gegen die in Deutschland vorherrschende Ignoranz auf diesem Gebiet. Frau Baerbock darf sich nur nicht zu häufig zu Schachtelsätzen hinreißen lassen. Nach ihrer Aussage, dass alle Sanktionen gegen Russland so angelegt sein müssen, dass man sie über Jahre durchhalten kann, fügte sie hinzu: „Wir stehen so lange an eurer Seite, wie ihr uns braucht, dann will ich auch liefern, egal, was meine deutschen Wähler denken.“ Das brachte Alice Weidel (AfD) und die Putin-Claqueurin Sevim Dagdelen (Linke) auf die Palme. Und sie forderten Baerbocks Rücktritt. Das ist Unsinn und nur darauf gegründet, dass AfD und Linke grundsätzlich die falsche Außenpolitik machen (Paul-Anton Krüger, SZ 3./4.9.22).

4012: Olympia-Attentat München 1972: deutsches Komplettversagen

Samstag, September 3rd, 2022

Beim Olympia-Attentat 1972 wurden elf Israelis von palästinensischen Terroristen ermordet. Die deutschen Sicherheitskräfte versagten total. Danach liefen die Spiele weiter nach dem Motto des Antisemiten Avery Brundage „The games must go on.“. Die Generalausrede war, dass Terrorismus sich jederzeit überall ereignen könne. Die Deutschen wollten sich endgültig von 1936 absetzen. Das war ihnen wichtiger als der Schutz ihrer Gäste. Wahrscheinlich wäre eine israelische Spezialeinheit mit den acht Mördern fertiggeworden. Auf Grund deutscher Vorschriften durfte sie es nicht. Anouk Spitzer, die Tochter des ermordeten israelischen Fechttrainers André Spitzer, sagt: „Deutschland, das wenige Jahre vorher mit seiner Tötungsmaschinerie sechs Millionen Juden umgebracht hat, auf die deutsche Art, sauber und organisiert: Dieses Deutschland konnte nicht mit acht Terroristen fertigwerden? Wie kann das sein?“ (Holger Gertz, SZ 3./4.9.22).

4011: Kaczynskis Reparationsforderungen sind Wahlkampf.

Samstag, September 3rd, 2022

Deutsche Reparationen an Polen auf Grund der deutschen Verbrechen im Zweiten Weltkrieg sind seit Jahrzehnten in mehreren Erklärungen und Verträgen verbindlich geregelt. Und das Ausmaß des deutschen Terrors verkennen wir nicht. Die aktuellen Reparationsforderungen des PIS-Vorsitzenden Jaroslaw Kaczynski sind dagegen Wahlkampf. Er will angesichts der desaströsen PIS-Politik seine Kern-Wählerschaft auf dem Land mobilisieren. Die EU-Kommission will die Beseitigung des Rechtsstaats in Polen stoppen. Ein Hauptziel der PIS-Kampagne ist der Oppositionsführer Donald Tusk, der den Umfragen nach gute Chancen auf einen Sieg hat (Florian Hassel, SZ 2.9.22).

4010: Kommissarin Michelle Bachelet: Menschenrechtsverletzungen in Xinjiang

Freitag, September 2nd, 2022

Die

UN-Menschenrechtskommissarin Michelle Bachelet

ist gerade aus dem Amt geschieden. Kurz davor hat sie einen 50 Seiten umfassenden Bericht über die Lage der Menschenrechte in Xinjiang veröffentlicht. Dort gibt es schwerste Verstöße dagegen. Die Menschen kommen in Umerziehungslager und werden dort gefoltert und vergewaltigt. Die USA und das EU-Parlament sehen Anzeichen eines Genozids. Gestützt wird das Ganze durch Quellen aus China, Forschungsmaterial, Satellitenbilder und Interviews mit Zeuginnen und Zeugen. China bestreitet die Vorwürfe – natürlich. Aber die Menschenrechte sind universell, sie gelten auch in mächtigen Diktaturen (F. Müller, I. Pfaff, SZ 2.9.22).