Archive for the ‘Geschichte’ Category

4547: Schweden im November in der Nato

Mittwoch, Oktober 25th, 2023

Nachdem die Türkei die Blockade des schwedischen Nato-Beitritts aufgegeben hat, kann nach Mitteilung des Generalsekretärs Jens Stoltenberg der Beitritt im November erfolgen. Vorgesehen ist er auf einem Außenminister-Treffen (SZ 25.10.23).

4545: Motto des Deutschen Evangelischen Kirchentags: „Mutig, stark, beherzt“

Dienstag, Oktober 24th, 2023

Der nächste Deutsche Evangelische Kirchentag findet vom 30.4. bis 4.5.2025 in Hannover statt. Unter dem Motto „Mutig, stark, beherzt“. Das gab die Kirchentagspräsidentin Anja Siegesmund bekannt. Das Motto ist an eine Stelle im ersten Korintherbrief angelehnt. „Der Kirchentag ist das größte zivilgesellschaftliche Ereignis der Bundesrepublik.“ Hannovers Oberbürgermeister Belit Onay sagte: „Wir sind eine Stadt der religiösen Vielfalt.“ (SZ 24.10.23)

4544: Christiane Benner IG-Metall-Vorsitzende

Dienstag, Oktober 24th, 2023

Die 55-jährige Christiane Benner ist mit 96,8 Prozent der abgegebenen Stimmen für vier Jahre zur IG-Metall-Vorsitzenden gewählt worden. Ein sehr gutes Ergebnis. Damit wird die IG Metall zum ersten Mal von einer Frau geführt. Benners Vorgänger Jörg Hofmann, 67, war nach zwei Amtszeiten aus Altersgründen nicht mehr angetreten (SZ 24.10.23).

4543: Greta Thunberg solidarisiert sich gegen Israel mit den Palästinensern.

Montag, Oktober 23rd, 2023

W. S.: Das konnte man kommen sehen.

4542: Armin Nassehi: Der Antisemitismus ist von hier.

Montag, Oktober 23rd, 2023

Der Soziologe Armin Nassehi belegt, dass der Antisemitismus nicht nur aus der muslimischen Welt kommt, sondern ein ur-europäisches Phänomen ist. Alles andere sei „dummes Gerede“. Die deutsche Linke bezeichnet die Kritik am islamischen Antisemitismus häufig als „Rassismus“. Ein alter Trick. Nassehi zitiert aus Richard Wagners

„Das Judentum in der Musik“.

Die Linke verachtet Israel dafür, dass es für etwas steht, das sie selbst verachtet: eine marktwirtschaftliche Ordnung, pluralistische Offenheit, für eine liberale westliche Toleranz, für die Koalition mit Amerika. Nur vor diesem Hintergrund kann man Terrororganisationen wie Hamas, Hisbollah oder PLO als linke Befreiungsbewegungen sehen. Israel ist immerhin zu Selbstkritik und Selbstkorrektur prinzipiell in der Lage. Das vermögen autokratische Anrainer nicht. Das ist der derzeitige geostrategische Weltkonflikt.

Übrigens kämpft Wladimir Putin gegen das Jüdische in der Ukraine in Gestalt seines Präsidenten Wolodimir Selenskij (Zeit 12.10.23).

4540: Wim Wenders „Anselm. Das Rauschen der Zeit“

Sonntag, Oktober 22nd, 2023

In seinem neuen Dokumentarfilm

„Anselm. Das Rauschen der Zeit“ (93 Minuten)

porträtiert Wim Wenders den „Großkünstler“ Anselm Kiefer hauptsächlich in seinem großen Atelier bei Paris, einem riesigen Themenpark. Besucht werden auch andere Orte der Kieferschen Produktivität. Wenders und Kiefer sind beide Jahrgang 1945 und Freunde. Das ist vermutlich nicht immer gut. Kiefer hat Zeit seines künstlerischen Lebens stets gegen das deutsche Vergessen (des Nationalsozialismus) gekämpft. Mit großen Formaten und ungewöhnlichen Stoffen.Und ohne nachzulassen.

In Deutschland fand er zunächst wenig Anerkennung, um so mehr dafür in den USA, in Großbritannien und Frankreich. Da war das Vergessen nicht so erfolgreich. Kiefer bewegte sich auf den Pfaden der deutschen Romantik. Deren Protagonisten waren der Meinung, dass die Vergangenheit zum Sprechen gebracht werden kann. Das fasziniert Wenders, der eigentlich auch Maler hatte werden wollen. Wenders folgt Kiefer auf dessen Fahrrad durch die riesigen Räume. Er sieht in ihm ein Genie. Einmal steht Anselm Kiefer, wie gemalt von Caspar David Friedrich, auf einem Hügel und schaut ins diesige Tal. Mehr Verbundenheit geht nicht.

Die beiden Freunde hatten das Filmprojekt schon seit langem angebahnt. Wenders zeigt Kiefers Entwicklung als Weg der Erkenntnis und der ästhetischen Reife. Er bedient damit ein romantisches Klischee. Die professionelle Kritik sieht den Film eher kritisch. So schreibt Sophie Jung (taz 11.10.23): „Wim Wenders hat mit diesem Film ein Monument für Anselm Kiefer gedreht, so pathetisch und einseitig ein Monument eben ist. Ein recht verstaubtes Monument übrigens.“ Philipp Bovermann (SZ 11.10.23): „Kiefer hat sich keinen Gefallen getan, sich für dieses eitle Beweihräucherungswerk zur Verfügung zu stellen.“

4538: Russland finanziert Rechte.

Samstag, Oktober 21st, 2023

Im Parlamentarischen Kontrollgremium des Deutschen Bundestags teilte der Präsident des Bundesverfassungschutzes, Thomas Haldenwang, mit, dass nach einer Arbeitshypothese des BfV sich Russland und rechtsextreme deutsche Kreise vernetzen. Dabei geht es auch um Finanzierung. Wahrscheinlich auch um die Finanzierung von Parteien am äußersten rechten Rand des Parteienspektrums (SZ 17.10.23).

4537: Serbien und Kosovo müssen sich verständigen.

Samstag, Oktober 21st, 2023

Der Westbalkan (Serbien, Kosovo, Montenegro, Bosnien, Nordmazedonien) gehört zu Europa. Seine Staaten sollten so bald wie möglich in die EU integriert werden. Die EU muss das aber wollen. Auch die politischen Hintersassen in Deutschland, welche die strategische Bedeutung dieses Schritts noch nicht verstanden haben. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und Bundeskanzler Scholz haben Serbien und Kosovo aufgefordert, sich zu verständigen. Sonst gibt es kriegersiche Lösungen wie im Nahen Osten. Von der Leyen: „Es ist wichtig für Serbien und Kosovo, miteinander zu kooperieren.“ (SZ 17.10.23)

4536: Taiwan sieht sich im Fadenkreuz chinesischer Aggression.

Freitag, Oktober 20th, 2023

Der taiwanesische Außenminister Joseph Wu fordert Europa auf, aus dem russischen Vernichtungskrieg gegen die Ukraine zu lernen. „Wenn wir Russland in der Ukraine nicht stoppen, dann mag das Putin ermutigen, noch expansiver vorzugehen und die alte imperiale Herrlichkeit wiederherzustellen.“ Xi Jinping plane das Gleiche mit Taiwan. Hongkong war erst der Anfang. Den Menschen dort sei das letzte Stück Freiheit genommen worden. Taiwan befinde sich jetzt im „Fadenkreuz der chinesischen Autokratie“. Die Welt müsse zusammenarbeiten, um zu verhindern, dass sich der Vernichtungskrieg Russlands in der Ukraine im Indo-Pazifik wiederhole (SZ 20.10.23).

Klarer kann es nicht werden. Die kriegstreibenden Mächte sind Russland und China, alte kommunistische Diktaturen.

4535: Kehlmanns neuer Roman „Lichtspiel“

Donnerstag, Oktober 19th, 2023

In seinem neuen Roman

Lichtspiel. Hamburg (Rowohlt) 2023, 480 Seiten, 26 Euro,

beschäftigt sich Daniel Kehlmann („Die Vermessung der Welt“) ausführlich mit der deutschen Filmgeschichte. Stars wie Fritz Lang, Greta Garbo, Leni Riefenstahl und Heinz Rühmann treten auf.

Vor allem aber der österreichische Regisseur Georg Wilhelm Pabst (1885-1967), dessen Rolle bei Unkundigen weithin unterschätzt wird. Er war ein Hauptvertreter der „Neuen Sachlichkeit“ und der Entdecker Greta Garbos. die neben Asta Nielsen schon in seinem Stummfilm „Die freudlose Gasse“ (1925) auftrat. Pabst hatte die Regie bei „Geheimnisse einer Seele“ (1926), sozusagen der Standortbestimmung der Psychoanalyse seinerzeit, und bei „Die Büchse der Pandora“ (1929). Bertolt Brecht „Dreigroschenoper“ richtete er 1931 für das Kino ein. In „Westfront 1918“ (1930) und „Kameradschaft“ (1931) setzte er sich mit dem Ersten Weltkrieg auseinander. Er galt als der „rote Pabst“ und wird von uns Filmfans hoch geschätzt. Nach 1933 hatte er es schon nach Frankreich und Hollywood geschafft, ohne dort ökonomisch zu reüssieren, als er 1939 nach einem Besuch bei seiner Familie Deutschland nicht mehr verlassen konnte. Fortan machte er nach einem hoch verlockenden Angebot von Joseph Goebbels Propagandafilme für die Nazis, filigran und hochdifferenziert. So etwa „Komödianten“ (1941) und „Paracelsus“ (1943). Auch nach 1945 machte er weiter Filme. So etwa den Widerstandsfilm „Es geschah am 20. Juli“ (1955).

Eine Person also, die für Daniel Kehlmann sehr viel Stoff bietet. Sowohl zum Beschreiben als auch zur Analyse. Leider bleibt er dabei zum Teil wie in einer Nummernrevue hängen. Einige Personen bekommen keine psychologische Tiefe. In einer Rede zur Literatur hatte Kehlmann über ihre Offenheit geschrieben: „um historische Figuren in erzählender Prosa (sei) immer ein Flackern, eine Unsicherheit, eine Grundverwirrung, die wir im Theater oder im Film nicht erleben“. Der Film erzählt auch, dass Pabst seinen hochbegabten Sohn nicht fördert, um ihn zu einem gehorsamen Hitlerjungen zu machen. Wahrscheinlich will Kehlmann uns hier die Gefährdung von Kunst und Künstlern in der Diktatur zeigen, die der Autor selbstverständlich genau kennt. So schreibt er etwa in einem Interview mit Felix Stephan (SZ 7./8.10.23) über Heinz Rühmann, einen der ganz großen Stars des deutschen Films: „Rühmann ist ein interessanter Fall, weil er zwar Kompromisse eingegangen ist, aber keine indiskutablen. Man kann ihn beim besten Willen keinen Nazi nennen, aber er hat unter den Nazis Filme gedreht. Er hat sich von seiner jüdischen Frau scheiden lassen, es aber so eingerichtet, dass sie versorgt und in Sicherheit war. Es ist nicht einfach, ihm Vorwürfe zu machen. Aber ich möchte wiederum auf keinen Fall sagen: Wir Nachgeborenen dürfen uns kein Urteil erlauben. Wir müssen uns sogar unbedingt ein Urteil bilden.“

Das stimmt.

(Carsten Otte, taz 9.10.23; Cornelius Pollmer, SZ 11.10.23)