Archive for the ‘Außenpolitik’ Category

4192: Zum Holocaust: „Versöhnung ist Quatsch“.

Sonntag, Februar 5th, 2023

In einem Interview von Alexander Cammann und Christian Staas (Zeit, 19.1.23) mit der Leiterin des Zentrums für Antisemitismusforschung an der TU Berlin,

Stefanie Schüler-Springorum,

und dem israelischen Historiker,

Natan Sznaider (nicht zu verwechseln mit Timothy Snyder),

heißt es am Ende:

„Zeit: Und was bleibt 2023 vom Pathos der Versöhnung?

Schüler-Springorum: Das Bedürfnis nach Versöhnung ist Quatsch, sooft es auch beschworen wurde.

Sznaider: Da sind wir uns einig, ich bin auch gegen Versöhnung: Die Vergangenheit kann nicht wiedergutgemacht werden.“

W.S.: Das könnte uns alle vom Zwang der Versöhnung befreien!

4191: Was haben wir aus der Korona-Pandemie gelernt ?

Samstag, Februar 4th, 2023

Es wird gerne gesagt, dass Krisen immer auch Chancen enhielten. Das ist weithin Gerede. Wir Menschen stehen dem selbst im Wege. Durch unsere Mobilität tragen wir zur Verbreitung von Seuchen bei. Der Klimawandel führt dazu, dass Erreger neue Gebiete erobern. Wir Menschen züchten, töten und verarbeiten Tiere, so dass Keime beste Bedingungen haben, vom Tier auf den Menschen überzugehen. Einsicht?

Beispiel Nerzfarmen. Sie sind da für Modeaccesoires. Beispielsweise Pelzjacken. So könnte es geschehen sein, dass Übertragungen von Säugetier zu Säugetier vorgekommen sind. Hier fehlt es an Forschung. Massentierhaltung führt zu Mutationen. Auch zu Korona-Infektionen kann es durch Nerzfarmen gekommen sein. Die Nerzfarmen dienen dem Luxus. Sie sind verbreitet hauptsächlich in Skandinavien. Vermutlich werden Pelztierfarmen dem nächsten globalen Virus erneut ein ideales Reservoir zur Verbreitung bieten. „Lehren aus der Pandemie? Wohl kaum – wenn es nicht mal gelingt, diese überflüssige wie gefährliche Zucht zu unterbinden.“ (Werner Bartens, SZ 4./5.2.23).

4190: Massenstreik in Großbritannien

Freitag, Februar 3rd, 2023

Staatsbedienstete haben am Mittwoch den größten Massenstreik seit langem in Großbritannien durchgeführt. Sie kämpfen für Lohnerhöhungen über der Inflationsrate. Schulen blieben geschlossen, der Bahnbetrieb stand still. Das Militär wurde in Bereitschaft versetzt, um bei Grenzkontrollen zu helfen. Gestreikt haben bis zu einer halben Million Lehrer, Lokführer und Universitätsbedienstete (SZ 2.2.23).

4189: Die Geschäfte der Banken mit Steueroasen müssen beendet werden.

Mittwoch, Februar 1st, 2023

Täglich wächst die weltweite soziale Ungleichheit. Die Milliardäre bekommen täglich durchschnittlich 2,7 Milliarden Dollar hinzu. 1,7 Milliarden der Armen leben in Ländern, in denen die Inflation höher ist als der Lohnzuwachs. Helfen würden höhere Steuern für Firmenbesitzer und Wohlhabende. Franklin Delano Roosevelt erhöhte 1935 die Unternehmensteuer drastisch. Danach herrschte mehr Gerechtigkeit. Heute fallen die Firmensteuern. Betrugen sie im Durchschnitt in den sechziger Jahren noch rund 30 Prozent, sind sie heute auf 18 Prozent gefallen. Hauptsächlich verschieben Banken Gewinne in Steueroasen. Allein in Deutschland dürfte der jährliche Schaden dadurch 30 Milliarden Euro betragen. Das kleine Luxemburg erhält jährlich 62 Milliarden Dollar an Direktinvstitionen aus dem Ausland. Fünfmal mehr als Frankreich.

Nun haben sich 140 Staaten darauf geeinigt, dass für Unternehmen eine globale Mindeststeuer von 15 Prozent gelten soll. Das könnte sogar dazu führen, dass die Unternehemnssteuer in einzelnen Staaten weiter sinkt, bis sie ebenfalls nur noch 15 Prozent beträgt. Vielfach wird Vermögen in geheimen Briefkastenfirmen in Steueroasen geparkt. Spitzenverdiener hinterziehen durchschnittlich pro Jahr 171 Milliarden Dollar an Steuern. Der eigentliche Steuerraub findet in den Metropolen New York, London, Zürich, Amsterdam und Luxemburg statt. Das Vermögen wird nur in die kleinen Steueroasen verschoben. Die von amerikanischen und europäischen Banken bestellt worden sind. Sie nehmen das Geld zurück, nachdem es anonymisiert wurde. Großbritannien organisiert rund die Hälfte der weltweiten Steuerflucht, die Niederlande und die Schweiz 15 Prozent. Europa und die USA könnten die Steuerflucht sofort beenden, wenn sie einseitig beschließen würden, dass ihre Banken kein Geld mehr in die Steueroasen transferieren dürfen. Die Steueroasen dienen der Steuerhinterziehung nur zur Tarnung (Ulrike Herrmann, taz 28.1.-3.2.23).

4187: Netanjahu gefährdet den Frieden.

Dienstag, Januar 31st, 2023

Benjamin Netanjahu war schon immer ein Freund der USA. Aber nicht der Demokraten, sondern der Republikaner, deren Entwicklung hochgeährliche Elemente (Donald Trump) enthält. Bei den Demokraten gilt Netanjahu als toxisch. Auch wegen der drei gegen ihn anhängigen Gerichtsverfahren. An die Macht ist Netanjahu dieses Mal nur mithilfe von religiösen Fanatikern und Rechtsextremisten gekommen, eine unmögliche Koalition. Die Gewalteskalation der letzten Wochen zeigt uns, welche Richtung die israelische Entwicklung nimmt. Das Atomprogramm mit Iran ist praktisch tot. Und wie die russische Belohnung für die kriegswichtigen iranischen Kampfdrohnen im Ukrainekrieg aussieht, wissen wir noch nicht. Wenn wir nach Syrien schauen, ist Schlimmstes zu befürchten. Netanjahu verknüpft seine innenpolitischen Interessen mit der außenpolitischen Bedrohung. Und die Israelis wählen das auch noch. Die Besetzung der palästinensischen Gebiete durch Israel ist eine völkerrechtswidrige Annexion. Israel sucht Partner gegen Iran. Und Iran sucht Partner gegen Israel (Stefan Kornelius, SZ 31.1.23).

Das läuft auf einen großen Krieg hinaus.

4186: Debatte über die Wehrpflicht

Dienstag, Januar 31st, 2023

Nachdem Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) die Aussetzung der Wehrpflicht vor 12 Jahren als Fehler bezeichnet hatte, setzt die Vorsitzende des Verteidigungsausschusses, Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP), sich dafür ein, eine systematische Debatte über die Wehrpflicht zu führen. Dafür hat sie schon Zustimmung bekommen. Mit Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine habe sich die Lage geändert. „Im Spannungs- und Verteidigungsfall kann sie (die Wehrpflicht) wieder aktiviert werden.“ Es gehöre aber zur Ehrlichkeit dazu, den Menschen zu erklären, was das bedeuten würde. Es würde z.B. viel Geld kosten. Frauen müssten verpflichtet werden. Es fehlt mittlerweile an Kasernen. Für den Verteidigungsexperten Carlo Masala benötigen wir eine Freiwilligenarmee wegen des Erfordernisses von hochspezialisierten Berufssoldaten. Die Wehrbeauftragte, Eva Högl (SPD), sagt, man solle verschiedene Modelle diskutieren. Heute schon fehlten Soldatinnen und Soldaten (IR, SZ 31.1.23).

Kommentar W.S.: Die Abschaffung der Wehrpflicht war falsch. Das damalige Modell war gerechter. Durch das Recht auf Kriegsdienstverweigerung können wir allen Interessen dienen. Seinerzeit drohten in einzelnen Verbänden keine Militaristen und Rechtsextremisten. Bei einer Wehrpflichtarmee ist das Verständnis der Bevölkerung für die Armee größer. Gesellschaft und Armee bilden eher eine Einheit.

4184: Petr Pavel neuer tschechischer Präsident

Montag, Januar 30th, 2023

Der ehemalige Vorsitzende des Militärausschusses der Nato (bis 2018), Petr Pavel, 61, ist mit großer Mehrheit zum tschechischen Präsidenten gewählt worden. Er erreichte 58,32 Prozent der Stimmen, sein Konkurrent, der Populist Andrej Babis, der ehemalige Ministerpräsident und heutige Oppositionsführer, 41,67 Prozent. Die Wahlbeteiligung lag mit 70,25 Prozent so hoch wie noch nie. Pavel will „Wahrheit, Anstand, Respekt und Demut“ wieder in die Politik einführen. Der ehemalige Fallschirmjäger Pavel war ursprünglich auch einmal Mitglied der kommunistischen Partei, verficht aber seit Jahrzehnten einen pro-westlichen Kurs. Babis war häufig der Korruption beschuldigt und lag in einem Dauerstreit mit der EU-Kommission (Viktoria Großmann, SZ 30.1.23).

4183: Daniel Brössler über Hans-Georg Maaßen (CDU)

Montag, Januar 30th, 2023

Für Daniel Brössler ist bei dem ehemaligen Präsidenten des Bundesamtes für Verfassungsschutz, Hans-Georg Maaßen (CDU), die Grenze zum Verfassungswidrigen seit langem überschritten. Jetzt kommt bei dem noch der „eliminatorische Rassismus gegen Weiße“ dazu. Insofern liege Parteichef Friedrich Merz mit seiner Feststellung, dass Maaßen nicht Mitglied der CDU bleiben könne, richtig. Ein Parteiausschlussverfahren ist allerdings riskant. Egal wie nah am Antisemitismus Maaßen agitiert. Aber um der Klarheit Willen muss sich die CDU trauen, Maaßen abzuservieren. Schaden hat er schon genug angerichtet (SZ 30.1.23).

4179: Die Wirtschaft wächst.

Mittwoch, Januar 25th, 2023

Nach dem Jahreswirtschaftsbericht wächst das Bruttoinlandsprodukt 2023 voraussichtlich um o,2 Prozent. Im Oktober war noch mit einer Schrumpfung um 0,4 Prozent gerechnet worden. 2024 wird ein Wachstum von 1,8 Prozent erwartet. Der Chef des Münchner Ifo-Instituts, Clemens Fuest, führt das auf die gute Entwicklung bei den Energiepreisen zurück. Das hat Folgen für das Konsumklima. Es hat sich zum vierten Mal in Folge verbessert, wie die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) mitteilte (SZ 25.1.23).

4178: Erdogan gegen Schwedens Nato-Mitgliedschaft

Mittwoch, Januar 25th, 2023

Der türkische Präsident Erdogan ist weiter gegen die Nato-Mitgliedschaft Schwedens. Vorwand ist die Kundgebung eines islamfeindlichen Proviokateurs in Stockholm, der einen Koran verbrannt hatte. Tatsächlich dürfte der Grund in der türkischen Wahrnehmung liegen, dass Schweden die PKK unterstützt (SZ 25.1.23).