Archive for the ‘Außenpolitik’ Category

2622: USA unterstützen völkerrechtswidrige Annektionspolitik Israels.

Mittwoch, November 20th, 2019

Die USA halten die israelische Siedlungspolitik auf der Westbank nicht mehr für völkerrechtswidrig. Sie setzen sich damit weiter vom Kurs internationaler Partner (Nato, EU, Deutschland) ab. Diese Politik gefährdet den Frieden. Die Atommächte USA und Israel betreiben eine Politik der Gewalt. Und sie provozieren die atomare Aufrüstung Irans, ihres Gegners in der Region.

Im Westjordanland und in Ost-Jerusalem leben heute mehr als 600.000 israelische Siedler in 200 Siedlungen. Der UN-Sicherheitsrat hatte in seiner Resolution 2334 im Jahr 2016 einen vollständigen Siedlungsstopp in den besetzten Palästinensergebieten beschlossen. Daran hält sich Israel nicht. Die Regierung Trump hatte den israelischen Anspruch auf die Golanhöhen ebenso anerkannt wie Jerusalem als Hauptstadt Israels. Sie verlegt die US-Botschaft dorthin. Die Palästinenser betrachten Ost-Jerusalem als die Hauptstadt ihres künftigen unabhängigen Staates.

Die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini: „Alle Siedlungsaktivitäten sind nach dem Völkerrecht illegal und unterhöhlen die Tragfähigkeit der Zwei-Staaten-Lösung und die Perspektiven für einen dauerhaften Frieden.“

Unter der gegenwärtigen Administration sind die USA nicht mehr die geeignete Führungsmacht des Westens. Die EU muss hier eine eigene Friedensordnung schaffen (GT 20.11.19).

2618: Carl von Ossietzky (1889-1938) – ein Opfer des Nationalsozialismus

Sonntag, November 17th, 2019

Als Chefredakteur der „Weltbühne“ wurde Carl von Ossietzky (1889-1938) im November 1931 von der Klassenjustiz der Weimarer Republik zu 18 Monaten Haft verurteilt, weil seine Zeitschrift die

illegale Aufrüstung der Reichswehr nachgewiesen hatte.

Bei der Machtergreifung der Nazis blieb er in Deutschland. Wir wissen nicht genau, ob er das Exil ablehnte oder ob ihm die Nazis mit ihrer Verhaftung nach dem Reichstagsbrand am 27. Februar 1933 zuvorkamen. Ossietzky kam ins Konzentrationslager Esterwegen und wurde hier allmählich zu Tode gebracht. All diese nicht unbekannten Details sind enthalten in der neuen Biografie von

Werner Boldt: Carl von Ossietzky (1889-1938). Pazifist und Demokrat, KZ-Häftling und Friedensnobelpreisträger. Bremen (Donat) 2019, 256 Seiten, 16,80 Euro.

Ossietzky wurde in einfachen Verhältnissen in Hamburg geboren und entwickelte sich bald zu einem überzeugten und überzeugenden Pazifisten und demokratischen Sozialisten. Nach Siegfried Jacobsohns Tod übernahm er bald von Kurt Tucholsky (1890-1935) die Chefredaktion der „Weltbühne“ (ursprünglich „Schaubühne“) und macht sie zum führenden Blatt der intellektuellen Linken. Schon in der Weimarer Republik wurde er politisch verfolgt. Er verabscheute den Krieg. Dass er 1933 in Deutschland blieb, hielt sein Kollege Kurt Tucholsky für „völlig sinnlos“. Die beiden überzeugenden Pazifisten waren ganz verschiedene Menschen. Kurz vor den Olympischen Spielen 1936 wurde Ossietzky, schon todkrank, aus dem KZ entlassen. Er erhielt den Friedensnobelpreis und starb am 4. Mai 1938, geschwächt von der KZ-Haft, in einer Berliner Klinik (Cord Aschenbrenner, SZ 11.11.19). Er ist bis heute ein Vorbild.

2617: Die Grünen sind mit sich zufrieden.

Sonntag, November 17th, 2019

Auf ihrem Parteitag in Bielefeld, wo vor zwanzig Jahren ebenfalls auf einem Parteitag Außenminister Joschka Fischer von einem Farbbeutel getroffen wurde, zelebrieren die Grünen ihren Erfolg. Mit Recht. Die Wahlergebnisse der beiden Vorsitzenden waren beeindruckend. Der Erfolg blieb den Grünen, bis auf Thüringen, in der letzten Zeit treu. Sie sind eine ökologische Bank. Auf diesem Gebiet seit Jahrzehnten ausgewiesen. Das ist auf anderen Politikfeldern nicht der Fall, kann aber noch kommen. Die Vorsitzende Annalena Baerbock verlangte in richtiger Einschätzung der Lage etwa eine „europäische Armee“ (bub, FAS 17.11.19; Helene Bubrowski/Rüdiger Soldt, FAS 17.11.19). Da kann sie in einer Wärmepumpen-Partei lange drauf warten.

Am besten wäre es, die Grünen würden in eine Bundesregierung unter der Kanzlerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) eintreten. Vertreter des internationalen Großkapitals („Blackrock“) sind als Unions-Kanzlerkandidaten nicht geeignet. Meine Stimme kriegten sie dann in keinem Fall. Natürlich müsste das Wahlergebnis dafür passen. Und die SPD könnte in der Opposition versuchen, sich weiter zu regenerieren.

2611: AKK für Reformagenda

Donnerstag, November 14th, 2019

Die CDU-Vorsitzende und Bundesverteidigungsministerin, Annegret Kramp-Karrenbauer, hat auf dem Wirtschaftsgipfel der SZ für 2020 eine sozialpolitische Reformagenda angekündigt. Die Sicherungssysteme müssten auf den Prüfstand. Das gelte sowohl für die Haltelinien zur Rentenhöhe als auch die Lebensarbeitszeit und die Pflegeversicherung. „Wir haben ein Sicherungssystem aufgebaut, das heute an die Grenzen des Machbaren und Möglichen stößt.“ Wir müssten neu bewerten, „wie wir mit den Herausforderungen des Generationenpakts umgehen und der Rentenversicherungen“. Auch außenpolitisch steckte AKK das Terrain neu ab. Sie suchte ausdrücklich den Schulterschluss mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron. AKK unterstrich, dass der globale Wettbewerb nur mit unseren europäischen Verbündeten gemeinsam gewonnen werden könne (Cerstin Gammelin, SZ 14.11.19).

2610: Niederlande: 100 km/h auf Autobahnen

Donnerstag, November 14th, 2019

Die niederländische Regierung hat beschlossen, auf Autobahnen eine Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h einzuführen. Sie versucht damit, die europäischen Grenzwerte für Stickoxide einzuhalten. Sie sah sich gezwungen zu handeln, weil sonst Tausende Bau- und Infrastrukturmaßnahmen gestoppt worden wären. Ministerpräsident Mark Rutte sprach von einer „beschissenen“ Maßnahme, die nötig sei, um Arbeitsplätze zu retten. Der Autohändler-Verband kritisierte das Tempolimit (SZ 14.11.19).

2605: Das deutsche Missverständnis

Samstag, November 9th, 2019

Nato und EU haben sich – entgegen mancher plausibler Erwartungen – als Projekte des Friedens und der Stabilität erwiesen. Dass es ausgerechnet die USA – unter Trump – sind, die ihrer eigenen europäischen Nachkriegsordnung überdrüssig werden, haben viele nicht erwartet. Die Sicherheitslage in Europa unterscheidet sich substanziell nicht von der im Kalten Krieg. Warum sollte sie? Auch die seinerzeitige Ordnung war schon für den Westen gut. Das 20. Jahrhundert war das amerikanische Jahrhundert.

Dabei haben es die Europäer nicht belassen. Sie haben den Schutz durch die Nato verlängert. „Die Erweiterung von EU und Nato diente vor allem der Erweiterung und Festigung der Grundprinzipien der Demokratie – sicherheitspolitisch ein Geniestreich.“ (Stefan Kornelius, SZ 9./10.11.19) Natürlich sind Linke und Grüne hier anderer Meinung. Die Linken sind gegen die Nato, das waren sie schon als SED. Es ist insofern skandalös, dass ein Mann wie Gregor Gysi, ein klassischer Vertreter der DDR-Nomenklatura, uns im Bundestag belehren will. Und die Grünen sind in der Tradition ihrer Alt-Kommunisten von den K-Gruppen noch nicht so weit.

Die Deutschen unterliegen bei der Beurteilung der außenpolitischen Lage weithin einem Trugschluss. „Wachstum, Export, Wohlstand, innere Stabilität können auf die eigene Rechnung gehen, Abwehr der modernen Bedrohungen nicht.“ „Vor allem die Deutschen lebten zu lange in der Vorstellung, die Welt werde sich schon nach ihrem Einheimischenmodell entwickeln: umgeben von Freunden, aller Sorgen entledigt. Drei Dekaden nach dem Epochenbruch wird schmerzlich bewusst, dass Ordnungsmodelle niemals auf Dauer bestehen. Frieden und Sicherheit lassen sich nicht ersitzen, auch wenn der glückliche Weg der Geschichte dieses Land vom Frontstaat im Kalten Krieg in die Mitte eines friedlichen Europas geführt hat.“

2603: Appell von 11.000 Wissenschaftlern zur Klimapolitik

Donnerstag, November 7th, 2019

Dazu schreibt Patrick Illinger (SZ 7.11.19) folgenden Kommentar:

„Zum Selbstverständnis seriöser Wissenschaftler gehört es, in politischen Fragen zurückhaltend zu bleiben. Man liefert die Daten, die Fakten, den Sachstand. Wie damit umzugehen ist, bleibt der Gesellschaft überlassen. Was also geht vor, wenn plötzlich mehr als 11.000 Wissenschaftler in einem alarmierenden Appell politisches Engagement fordern? Ganz einfach: Die Experten sind verzweifelt.

Das Handeln der Weltgemeinschaft steht in krassem Widerspruch zu den Erkenntnissen der Klimaforschung, dass sich Wissenschaftler gezwungen sehen, ihre akademische Komfortzone zu verlassen. Sie sehen die Erde auf ein Zeitalter zusteuern, in dem die Lebensgrundlagen von Milliarden Menschen bedroht sind. Doch die Weltgemeinschaft geht damit um, als sei es ein Luxusproblem, das sich mit ein paar politischen Kniffen lösen lässt, siehe deutsches Klimapaketchen.

Unproblematisch ist es natürlich nicht, wenn Wissenschaftler protestieren. Sie wirken plötzlich selbst wie Lobbyisten im üblichen Kräftemessen der Politik. Doch Nichtwissenschaftler sollten die Appelle der Fachleute richtig deuten. In einem brennenden Haus ist es schließlich auch angemessen, wenn der Professor aus dem Erdgeschoss ‚Feuer!‘ ruft. Vor allem dann, wenn er ein Experte für Brandschutz ist.“

2602: Die Linke hat 1989 nicht verstanden.

Mittwoch, November 6th, 2019

Angesichts des 30. Jubiläums des Mauerfalls wird viel über die Vorgänge damals diskutiert. Stefan Reinecke (taz 2./3.1..19) zeigt uns, dass die gesamte politische Linke 1989 (mit der Wiedervereinigung) nicht gewollt und nicht verstanden hat:

„Nach dem 9. November zeigte sich das geistige Kleingärtnertum der politischen Linken. Sie war fasziniert von Revolten gegen Autokraten – in dem Moment, in dem eine Revolution vor ihrer Haustür passierte, war sie schnell irgendwie beleidigt. Eine Epoche ging zu Ende. Die radikale Linke nahm übel, weil die Ossis genau das wollten, was sie ablehnte: Parlamentarismus und Kapitalismus. Viele Sozialdemokraten und Grüne klammerten sich an ihre eingravierte Überzeugung, dass es zwei deutsche Staaten geben müsse, und mäkelten, dass Kohl wieder alles falsch mache. Aber Kassandra gewinnt keine Wahlen.“

„Eine präzise Metapher für den kulturellen und sozialen Dünkel der Linksliberalen gegenüber den Ostlern, die im Konsumrausch auch noch die falsche Partei wählten, prägte Otto Schily. Nach der Märzwahl 1990 in der DDR, die mit einem Triumph der Konservativen endete, hielt er als Wahlkommentar stumm eine Banane in die Kamera. Dieses Bild assoziierte das DDR-Volk mit Affen und fasste die herzenskalte Stimmung vieler Westlinker knapp zusammen. Man war von den Neubürgern leicht angewidert.“

2598: Soll die CDU mit der AfD sprechen ?

Sonntag, November 3rd, 2019

Dazu befragt Robin Alexander (Die Welt 2.11.19) die nordrhein-westfälische CDU-Politikerin Serap Güler, deren Eltern 1963 als „Gastarbeiter“ aus der Türkei nach Deutschland gekommen sind.

Welt: Michael Heym, Vizefraktionsvorsitzender der CDU in Thüringen, hat nach der Landtagswahl gefordert, dass die CDU auch mit der AfD sprechen soll. Was sagen Sie dazu?

Güler: Ich habe damit ein tiefergehendes Problem. Wir haben gerade über Alexander Gauland und Andreas Kalbitz gesprochen. Ich glaube, die meisten Zitate, die Menschen wie mich ausschließen, kann Ihnen nach wie vor Björn Höcke liefern. Und wenn, wenn, wenn man dann noch erwägt, mit dieser Person eine Koalition einzugehen, dann nehme ich das auch als Angriff auf meine Person und auf meine Geschichte in diesem Land wahr. Das kann ich nicht gutheißen, das kann ich nicht rechtfertigen. Da habe ich eine ganz klare Haltung. Auch dann, wenn sie sich gegen einen Parteikollegen richtet.

2596: Die AfD ist rassistisch.

Samstag, November 2nd, 2019

Die 17-jährige Benigna Munsi ist in Nürnberg zum „Christkind“ gewählt worden. Das war für den AfD-Kreisverband München-Land Anlass für einen Post: „Nürnberg hat ein neues Christkind. Eines Tages wird es uns wie den Indianern gehen.“ Munsis Vater ist Inder, die Mutter Deutsche. Gepostet hatte den „Beitrag“ ein Redakteur des AfD-Kreisverbands eigenmächtig. Die AfD-Kreisvorsitzende sagte, der Kommentar entspreche nicht den Werten der AfD. Er ist inzwischen gelöscht. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) hat entsetzt auf den Kommentar reagiert: „Hier begegnet uns die hämische Fratze des Rassismus, den die AfD als ihre Geisteshaltung immer gerne leugnen möchte.“ (dpa, SZ 2./3.1..19)