Archive for the ‘Außenpolitik’ Category

5507: Joschka Fischer über Konrad Adenauer und Daniel Cohn-Bendit

Freitag, November 21st, 2025

Die SZ (Thomas Bärnthaler und Gabriele Herpell, 21.11.25) interviewt Ex-Außenminister Joschka Fischer, 77. Er macht – wie immer – bemerkenswerte Äußerungen. Hier u.a. zu Konrad Adenauer und Daniel Cohn-Bendit:

„Das wirklich Positive, auf das wir uns berufen können, ist die alte Bundesrepublik beginnend mit Adenauer, dann Brandt und all die anderen Kanzler bis heute. Die wird jetzt angegriffen von der AfD, von Neonazis. Aber Adenauer hat damals die entscheidenden Linien gezogen. Die Westbindung. Die Aussöhnung mit Frankreich. Der Beitritt zur NATO. Adenauer hat Europa begonnen, die Aussöhnung mit Israel angestoßen. All diese Dinge sind heute in anderem Rahmen sehr aktuell. Er hat, wenn Sie so wollen, der Bundesrepublik West – … – eine neue Identität gegeben. Das war eine enorme Leistung.“

„Ich habe viel von meinem Freund Daniel Cohn-Bendit gelernt, der in seiner fröhlichen Art immer sagte, er sei ein Kind der Normandie. Er war Jahrgang 1945, im April geboren, wurde also irgendwann nach der Landung der Amerikaner in der Normandie gezeugt. …“

Wir können die Anlysen und Hinweise von Joschka Fischer auch heute noch sehr gut gebrauchen!

5505: Kein Bürgergeld mehr für Ukrainer

Donnerstag, November 20th, 2025

Ukrainer, die seit dem 1. Apeil 2025 nach Deutschland kommen, erhalten kein Bürgergeld mehr. Sondern n ur noch Asylbewerberleistungen. „Sie werden danit den Menschen gleichgestellt, die aus anderen Ländern und aus anderen Grünen als Geflüchtete zu uns kommen“, so das Arebeitsministerium. Nach dem Asylbewerberleistungsgesetz beträgt der Satz für Alleinstehende 441 Euro im Monat, beim Bürgergeld 563 Euro (SZ 20.11.25).

5503: Ukraine kauft 100 französische Kampfjets.

Dienstag, November 18th, 2025

Die Ukraine kauft 100 französische Kampfjets vom Typ „Rafale“. Damit will es die eigene Luftabwehr und andere Verteidigungsfähigkeiten stärken. Die Ausbildung der Piloten dafür ist anspruchsvoll und dauert relativ lange. Emmanuel Macron Macron betonte, dass man damit die ukrainische Verteidigungsfähigkeit entscheidend stärken möchte (SZ 18.11.25).

5502: Trump senkt Zölle auf Lebensmittel.

Montag, November 17th, 2025

Aufgrund in letzter Zeit ständig gestiegener Lebensmittelpreise in den USA senkt Präsident Trump die Zölle auf 200 Produkte wie Kaffee, Rindfleisch und Bananen. Zuletzt hatten die Demokraten bei regionalen Wahlen mehrere Siege errungen. Trump kündigte die Zahlung von 2000 Dollar für Amerikaner mit niedrigem Einkommen an. Der Kongressabgeordnete Richard Neal von den Demokraten sagte dazu, die Republikaner würden Probleme beheben, die sie selbst erst geschaffen hätten (SZ 17.11.25).

5500: BBC-Krise und Trumps Gewaltpolitik

Sonntag, November 16th, 2025

Der Generaldirektor und die Nachrichtenchefin der BBC sind wegen eines verfälschenden Schnitts eines Fernsehbeitrags über den Sturm auf das Kapitol 2021 zurückgetreten. Die BBC hat sich bei Trump entschuldigt. Das ist nachvollziehbar. Die Krise der BBC geht weiter. Viele Konservative und die Anhänger von Nigel Farage wollen den Sender ohnehin abschaffen. Genau diejenigen, die den falschen und wirtschaftlich schädlichen Brexit durchgesetzt haben. Auch in Deutschland hat es ja hin und wieder solche Initiativen gegeben (z.B. „Adenauer-Fernsehen 1960). Eine andere Tatsache ist Trumps Gewaltpolitik. Er sagte 2021 etwa: „Und wir kämpfen. Wie die Hölle werden wir kämpfen. Und wenn ihr nicht wie die Hölle kämpft, werdet ihr kein Land mehr haben.“ Fünf Menschen starben seinerzeit am Kapitol (SZ 15./16.11.25).

Es sieht also nicht gutaus in Großbritannien und den USA.

5499: Andreas Voßkuhle: Wie wir die AfD zurückdrängen

Sonntag, November 16th, 2025

Andreas Voßkuhle war von 2010 bis 2020 Präsident des Bundesverfassungsgerichts, heute ist er Direktor des Instituts für Staatswissenschaft und Rechtsphilosophie an der Universität FReiburg. Außerdem hat er mit der Journalistin Julia Jäkel und den ehemaligen Ministern Thomas de Maizière und Peer Steinbrück die „Initiative für einen handlungsfähigen Staat“ gegründet, der seinen ersten Bericht 2025 vorgelegt hat. In der SZ (13.11.25) schreibt er darüber, wie wir die AfD zurückdrängen können. Einfach wird das nicht:

Ausgangspunkt seiner Darlegungen ist die Überzeugung, dass die Wähler der AfD nicht alle über einen Kamm geschert werden können. Aus wissenschaftlichen Untersuchungen zieht Voßkuhle

10 Milieus

heran und betrachtet sie im Hinblick auf ihre AfD-Nähe. Dabei nimmt er drei von ihnen besonders in den Blick:

das „prekäre Milieu“, das „nostalgisch bürgerliche Milieu“ und die „adaptiv-pragmatische Mitte“.

Gerade die letztere ist keineswegs reaktionär, fortschrittsfeindlich oder an Modernisierung nicht interessiert. Im Gegenteil. Trotzdem wird dort aus Enttäuschung häufig die AfD gewählt. Außerdem sind ja viele Wähler von der Union, der SPD und der FDP zur AfD abgewandert. Auch viele Facharbeiter. Als Beispiel nimmt Voßkuhle Torsten Müller aus NRW. Mit Frau und zwei Kindern wohnend in einem Reihenmittelhaus, 56 Jahre alt. Er war vier Jahre arbeitslos. Sehnt sich nach sozialer Sicherheit. Er hat den Eindruck, dass der Staat „kaputtgespart“ wird. Soziale Ungerechtigkeit herrscht. Deswegen wählt er AfD. Aus Enttäuschung. Ein AfD-Verbot hält er für einen Vorwand der Altparteien.

Voßkuhle macht drei Vorschläge:

1. Der Staat muss handlungsfähiger werden und Bürokratie abbauen.

2. Politiker und Angehörige des öffentlichen Dienstes müssen glaubwürdig Veränderungsbereitschaft ausstrahlen.

3. Wir brauchen mehr Begenungsstätten. Gerade auch auf dem Lande. Für direkte Kontakte der Menschen untereinander. Eine Stärkung der Vereine. Nach Meinung der Ethnologin Juliane Stückrad kommt es nicht auf das Fest an, das wir gemeinsam feiern, sondern auf die gemeinsame Vorbereitung des Festes. Und jeder ist willkomen (SZ 13.11.25).

Das Furchtbare ist, dass ich noch nirgends so gute Überlegungen zum Thema gelesen habe, trotzdem aber nicht glaube, dass sie zum Erfolg führen. Ich fürchte, dass die Borniertheit der AfD-Wähler heute schon groß ist, dass es kein Zurück mehr gibt. Auf Deutschland kommen schlimme Zeiten zu.

 

5496: Micha Brumlik ist gestorben.

Freitag, November 14th, 2025

Im Alter von 78 Jahren ist der bekannte Pädagoge und Philosoph Micha Brumlik gestorben. Er war eine der markantesten jüdischen Leitfiguren in Deutschland. Mit Einfluss weit über seine Fächer hinaus. Natürlich hatte auch er seine Hoffnungen auf Israel gesetzt. Aber schon weit vor Netanjahu wurden die enttäuscht, so dass Brumlik nach Deutschland zurückging. Er zählte zu den 68ern.Im Golfkrieg 1991 forderte er deutsche Abwehrraketen für Israel. Als u.a. die Grünen das ablehnten, trat er aus. Brumlik war ein unabhängiger Denker und Kämpfer gegen den Antisemitismus (Meron Mendel, SZ 13.11.25).

5495: Erinnerungspolitische Kehrtwende

Donnerstag, November 13th, 2025

Die Bundesregierung liefert unter Kultustaatsminister Wolfram Weimer eine erinnerungspolitische Kehrtwende. In seinem Konzept dominieren der Nationalsozialismus und die DDR-Diktatur. Das hat auch etwas für sich, weil dadurch die Singularität nationalsozialistischer Politik unterstrichen wird. Unterschlagen wird aber die Vorarbeit des deutschen Kolonialismus für den deutschen Faschismus. Das hatte Weimers Vorgängerin Claudia Roth (Grüne) noch ganz anders akzentuiert. Immerhin heißt es in einer Stellungnahme des Hauses des Kulturstaatministers: „Die Bundesregierung misst der Auseinandersetzung mit der deutschen Kolonialgeschichte große Bedeutung bei und wird sie in einem eigenen Konzept unterstützen.“ (SZ 13.11.25)

Wir dürfen die furchtbare deutsche Politik im 20. Jahrhundert nicht auf die leichte Schulter nehmen.

5494: Ende des Shutdowns vorbereitet

Mittwoch, November 12th, 2025

Der längste Shutdown der US-Geschichte geht seinem Ende entgegen. Acht demokratische Senatoren haben mit den Republikanern gestimmt. Dadurch wird die Finanzierung der Bundesbehörden bis zum 30 Januar 2026 gesichert. Der Shutdown hatte die Auszahlung von Sozialleistungen verzögert. Hunderttausende von Bundesbediensteten blieben ohne Gehalt. Der Flugverkehr war schwer beeinträchtigt (SZ 12.11.25).

5492: Annäherung im Wehrdienst-Streit ?

Dienstag, November 11th, 2025

Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) ist sich sicher, dass sich die schwarz-rote Koalition noch in dieser Woche über das neue Wehrdienstgesetz einigt. “ Es wird eine vernünftige Lösung geben.“ Uneinigkeit besteht in der Koalition und auch innerhalb der SPD darüber, was geschieht, wenn es nicht genug Freiwillige gibt. Dann müsste es ja in irgeneiner Form einen Pflichtdienst geben. Ein Losverfahren kommt nicht in Frage. Deutschland hat der Nato zugesagt, die Personalstärke der Bundeswehr von 182000 auf 260000 zu erhöhen (SZ 11.11.25).