Archive for the ‘Wissenschaft’ Category

5486: Universität Rotterdam lädt Eva Illouz aus.

Mittwoch, November 5th, 2025

Die Universität Rotterdam hat die israelische Soziologieprofessorin Eva Illouz erst eingeladen. Dann wieder ausgeladen. Sie lehrt in Jerusalem und Paris. Sollte im „Liebeslabor“ in Rotterdam referieren. Ihr Buch „Was ist sexuelles Kapital?“ (2021) zeigt sie als große Expertin. Man fühle sich bei Illouz „unbehaglich“, hieß es aus Rotterdam. Dabei handelt es sich bei Frau Illouz um eine scharfe Netanjahu-Kritikerin.

Sie schreibt über ihn anlässlich des Gaza-Kriegs: „Netanjahu hat sich schändlich verhalten, und zwar in einem Maße, dass die Abneigung, die er wie kein anderer hervorzurufen weiß, sich nun auf Israel selbst ausgeweitet hat. Er weigerte sich, Verantwortung für die Politik zu übernehmen, die die Hamas zu ihrem Verbrechen veranlasste; er weigerte sich, Verantwortung dafür zu übernehmen, dass die Warnsignale vor den Angriffen ignoriert wurden. Er verstärkte seine korrupte Praxis, Loyalisten an die Spitze von Armee und Geheimdiensten zu berufen; er führte einen Krieg der die unverhältnismäßige Zahl palästinensicher Todesopfer, die internationale öffentliche Meinung und die Verzweiflung der Familien israelischer Geiseln ignorierte, Netanjahu verdient es, von der Geschichte sehr hart beurteilt zu werden. Wegen seiner Politik wird Israel große Schwierigkeiten haben, seinen Status und sein Image wieder herzustellen. Während ein Waffenstillstand im Gange ist, wird es viel mehr als einen Waffenstillstand brauchen, um Israel wieder besser aussehen zu lassen als einen Schurkenstaat.“

Illouz beklagt den heftigen Antisemitismus unter Akademikern und Künstlern; „Gerade dort, wo man sich mit Ideen und Idealen beschäftigt, ist die Gefahr groß, auf Propaganda hereinzufallen. Oft fehlt einfach die Praxis der Kritik, darum haben wir so viele historische Beispiele, wo europäische Intellektuelle dem Stalinismus verfielen. Und bis heute eben dem Antisemitismus.“ (Nils Minkmar, SZ 3.11.25)

Dem ist nichts hinzuzufügen.

5485: Endlager-Suche kommt voran.

Dienstag, November 4th, 2025

Die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) gibt in einem Zwischenbericht Folgendes bekannt: Die Suche nach einem Endlager macht Fortschritte. Weite Teile Süddeutschlands kommen dafür nicht in Frage. In Norddeutschland sind noch viele potentielle Regionen offen. Rund 25 Prozent der Bundesfläche kommen für ein Endlager in Frage. Die Untersuchung dazu soll bis Ende 2027 abgeschlossen sein. Dann will die BGE einen Vorschlag machen. Der Salzstock in Gorleben ist am Widerstand der Region gescheitert (SZ 4.11.25).

5481: Der Mindestlohn steigt.

Donnerstag, Oktober 30th, 2025

Die Bundesregierung hat eine Verordnung beschlossen, wonach der Mindestlohn erhöht wird. Im nächsten Jahr auf 13,90 Euro, 2017 auf 14,60. Derzeit liegt er bei 12,82. Das hatte die Mindestlohnkommission vorgeschlagen. Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) sagte, die Erhöhung sei „ein wichtiger Schritt für mehr Gerechtigkeit und Anerkennung derer, die unser Land Tag für Tag am Laufen halten“ (SZ 30.10.25).

5476: Internationale Journalisten bekommen keinen Zugang zu Gaza-Steifen.

Freitag, Oktober 24th, 2025

Auch nach der vereinbarten Waffenruhe in Gaza bekommen internationale Journalisten dorthin weiter keinen Zutritt. Vor dem höchsten israelischen Gericht in Jerusalem wurde zwar ein Antrag des Auslandspresseverbands auf Genehmigung verhandelt. Das Gericht lässt der Regeieung aber weitere 30 Tage Zeit, eine Position vorzulegen. Journalisten können Gaza nur im Schlepptau der israelischen Armee besuchen (SZ 24.10.25).

Ein unhaltbarer Zustand.

5475: Bundesverfassungsgericht stärkt das Selbstbestimmungsrecht der Kirchen.

Freitag, Oktober 24th, 2025

Vor dreizehn Jahren hatte eine Konfessionslose erfolgreich damit begonnen, sich auf eine Referentenstelle bei der Diakonie einzuklagen. Vor dem EuGH und dem Bundesarbeitsgericht. Das hat das  Bundesverfassungsgericht inzwischen gekippt. Zwar können sich anscheinend weder die katholische noch die evangelische Kirche heute erlauben, auf die Einstellung von Konfessionslosen oder einer anderen Glaubensgemeinschaft Angehörenden als Pfleger, Kindergartenmitarbeiter und Ärzte zu verzichten. Anders sieht es aber bei Seelsorgern und Mitarbeitern von Bildungswerken aus. Denn hier geht es um herausgehobene Positionen für die christliche Botschaft und die Glaubwürdigkeit. So sieht es das Bundesverfassungsgericht (Annette Zoch, SZ 24.10.25).

5474: Götz Alys großes Alterswerk „Wie konnte das geschehen?“

Mittwoch, Oktober 22nd, 2025

Götz Aly hat bisher schon größte Verdienste um die Erforschung des Nationalsozialismus. In seinem Alterswerk fasst er seine Erkenntnisse nochmals schlüssig zusammen.

Wie konnte das geschehen? Deutschland 1933 bis 1945. Frankfurt am Main 2025, 768 Seiten, 34 Euro.

Alys größtes Verdienst besteht darin, uns zu zeigen, dass und warum so viele Menschen bei diesen Verbrechen mitgemacht haben. So sah es ja zunächst gar nicht aus. Die Nazis bekamen vor allem die Jugend. Aber sie kümmerten sich auch um die Landwirtschaft, den Mieterschutz, den Einzelhandel und die Renten. Unaufgeregt und fast unbemerkt. Es gelang ihnen sogar, die Gewerkschaften zu integrieren. Beispielsweise auch Journalisten, was für die Propaganda ungeheuer wichtig war. Als Rechtfertgung für alle ihre Massenverbrechen diente den Nazis weithin der Versailler Vertrag und damit ein im Volk sehr unbeliebter Vorgang. Von Anfang an gab es in Deutschland seit 1933 Aufrüstungspolitik. Die hätte womöglich zum Konkurs geführt. wenn nicht 1939 mit dem deutschen Überfall auf Polen der Zweite Weltkrieg begonnen worden wäre. Die Nazis konnten sich auf die „kleinen Leute“ stützen. Umfassend. Nur so sind die Großverbrechen der Nazis zu verstehen und zu begreifen. Deshalb gab es 1945 auch so viele Nazis. Von denen sich viele erst sehr spät aus dieser Ideologie lösten. Manche gar nicht. Das sehen wir heute an der AfD. Götz Aly erklärt uns das. Dann verstehen wir uns selber besser (Jens Bisky, Die Zeit 9.10.2025).

5472: Defizite bei Neuntklässlern

Dienstag, Oktober 21st, 2025

Neuntklässler in Deutschland haben wachsende Defizite in Mathematik und Naturwissenschaften. Jeder dritte verfehlt in Testaufgaben die Mindeststandards für den Schulabschluss  in Mathematik. Das ergibt der Bildungstrend des Instituts für Qualitätsentwicklung im Bildungsweaen (MSA). Das  ist ein Anstieg von zehn Prozent im Vergleich mit 2018. So erreicht fast jeder zehnte Schüler den Bildungsabschluss in Mathematik für den Hauptschulabschluss nicht. Von denjenigen, die einen MSA anstreben, scheitern 25 Prozent in Chemie, 16 Prozent in Physik und zehn Prozent in Biologie. Das ist unabhängig von sozialen und familiären Hintergründen (SZ 11.10.25).

5465: Gottfried Benn/Nele Benn. Briefwechsel 1930-1956. Mit Ausblicken auf ihr Briefnetzwerk 1917-1956.

Freitag, Oktober 17th, 2025

Herausgegeben von Holger Hof und Stephan Kraft (Klett-Cotta, Wallstein Verlag), 2025. Briefe S. 7-344 Apparat S. 345-592, Personen S. 687-696, Werke S. 697-700.

Gottfried Benn schob seine 1915 geborene Tochter Nele nach dem frühen Tod seiner ersten Frau Edith Osterloh 1923 ab an Ellen Oevergaard, eine Dänin, die er zufällig im Zug getroffen hatte. Nele wuchs in Dänemark auf und wurde eine bekannte Journalistin in Kopenhagen, heiratete zweimal und bekam Kinder. Sie starb 2012. Im Briefwechsel tauchen auch andere Prominente auf wie Gertrud Hindemith.

Nele schrieb am 17.11.1947 an Gottfried: „Liebster Papa, Klaus Mann ist in Kopenhagen. Ich habe ihn deinetwegen aufgesucht. Er war sehr, sehr nett. Wir rauchten Zigaretten und plauderten, und er erzählte mir von seiner großen Bewunderung für Dich. …“

Gottfried schrieb anlässlich seines 70. Geburtstags am 2. Mai 1956 (am 7. Juli 1956 starb er bereits) am 24. März 1956 an Nele: „… Da Ilse sich schon ein feines neues Kleid gekauft hat, bleiben wir vielleicht doch hier. Herr Oelze und Herr Niedermayer wollen natürlich kommen, aber das strengt mich alles so an u. macht mich müde. …“

5461: Die Bahn verzichtet auf Preiserhöhungen.

Dienstag, Oktober 14th, 2025

Die Deutsche Bahn verzichtet in diesem Winter im Fernverkehr auf Preiserhöhungen. Die Kosten für Spar- und Flexpreise und für Bahncards werden nicht erhöht. Auch nicht für Sitzplatzreservierungen und für Stornierungen. Damit soll ein Zeichen für Stabilität gesetzt werden. Das hängt natürlich mit dem schlechten Zustand des Schienennetzes und der Unpünktlichkeit zusammen. Der Preis für das Deutschlandticket steigt ab Januar von 58 auf 63 Euro. Die Bahn steuert eine Pünktlichkeitsquote von 70 Prozent an (SZ 11./12.10.25).

5459: Die SPD hat es nicht leicht.

Montag, Oktober 13th, 2025

Einerseits muss sie die Arbeiterstimmen zurückgewinnwn, die sie an die AfD verloren hat. Andererseits muss sie die woken Milieus in Kunst, Kultur und Universität halten. Das ist nicht einfach. Und der Frieden in der Koalition soll ebenfalls erhalten bleiben. Die Pflegekraft auf dem Land und die Philharmonie-Intendantin in der Stadt müssen beide gewonnen werden. Dafür sind Bärbel Bas und Lars Klingbeil das richtige Führungs-Duo.