Archive for the ‘Wissenschaft’ Category

2625: „Extinction Rebellion“-Mitbegründer Hallam relativiert den Holocaust.

Sonntag, November 24th, 2019

Der „Extinction Rebellion“-Mitbegründer Roger Hallam, 53, sagt zum Holocaust: „For me it’s just another fuckery in human history.“ Letzte Woche distanzierte sich der Ullstein Verlag von seinem Autor. Sein Buch „Common Sense“ werde nicht erscheinen. Der deutsche Sprecher von „Extinction Rebellion“, Tino Pfaff, sagte: „Für uns als Bewegung ist das ein absoluter Tiefpunkt.“ Hallams Relativierung des Holocaust sei kein einmaliger Ausrutscher: „Er will mediale Empörung erzeugen und damit letztlich Aufmerksamkeit und Empörung bezüglich der dramatischen Klimakatastrophe hervorrufen.“ Hallams Aussage läuft parallel zur Bemerkung des AfD-Vorsitzenden Alexander Gauland: „Hitler und die Nazis sind nur ein Vogelschiss in unserer über 1000-jährigen Geschichte.“ (Andrian Kreye, SZ 22.11.19)

Wir haben hier wieder ein Beispiel dafür vor uns, dass Rechts- und Linksextremisten, obwohl sie von ihrem Ursprung und ihren Zielen verschieden sind, doch politisch häufig in das gleiche Horn blasen. Der Fanatismus auf einem Feld behindert meistens auch die klare Erkenntnis auf anderen. „Extinction Rebellion“ ist diskreditiert. Bedauerlich für den Kampf gegen den Klimawandel.

2623: Feiertage in Deutschland

Donnerstag, November 21st, 2019

1. Während Bundesländer wie Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Hamburg zehn (10) Feiertage haben, ist für Bayern an 13 Tagen frei, sofern sie in einer katholischen Gemeinde leben, wo Mariä Himmelfahrt (15. August) gefeiert wird. In Augsburg gibt es noch das hohe Friedensfest.

2. Der christliche Hintergrund bei den Feiertagen ist den meisten nicht bewusst.

3. Sechs (6) der insgesamt neun (9) gesetzlichen Feiertage, die in den 16 Bundesländern gleich sind, haben einen christlichen Ursprung.

4. 37 Prozent der Bevölkerung sind heute konfessionslos.

5. 65 Prozent der Bevölkerung sprechen sich dagegen aus, dass gesetzliche Feiertage anderer Religionen eingeführt werden.

6. 61 Prozent der Bevölkerung plädieren für gleich viele gesetzliche Feiertage in allen Bundesländern.

7. In Hamburg, Bremen, Niedersachsen und Schleswig-Holstein ist der Reformationstag am 31. Oktober seit 2018 wieder gesetzlicher Feiertag.

8. Als mögliche neue Feiertage stehen zur Diskussion der 17. Juni als Datum des Volksaufstands in der DDR 1953, der 8. Mai als Tag der Befreiung vom Faschismus und der 18. März als Gedenken an die Märzrevolution 1848.

9. Der internationale Frauentag ist von 2019 an am 8. März frei.

10. Feiertage bdeuten für Unternehmen insgesamt Miliardenverluste.

11. Vieles wird durch Vor- und Nacharbeit in Form von Überstunden und Sonderschichten kompensiert.

12. An Feiertagen müssen Ärzte, Pfleger, Busfahrer, Kellner, Feuerwehrleute und die Bediensteten des Hotel- und Gaststättengewerbes ohnehin arbeiten.

13. Fällt ein Samstag aus, sind die Folgen für den Einzelhandel durchaus schmerzhaft; denn der Samstag ist der verkaufsstärkste Tag.

14. Bayern und Baden-Württemberg haben die meisten Feiertage und sind trotzdem die wirschaftsstärksten Bundesländer!

15. Feiertage haben eine positive soziale und gesundheitliche Wirkung (bis auf die Weihnachtsfeiertage).

16. Feiertage fördern das Gemeinschaftsgefühl auf politischer und persönlicher Ebene.

17. Feiertage entschleunigen und ermöglichen „soziale Synchronisation“.

18. Der Geschäftsführer der Agenturgruppe MSM digital hat für seine Mitarbeiter in Lübeck, Berlin und Hamburg die katholischen Feiertage Fronleichnam, Mariä Himmelfahrt, Allerheiligen und den Dreikönigstag importiert (Nicole Grün, SZ 2./3. 11.19).

2622: USA unterstützen völkerrechtswidrige Annektionspolitik Israels.

Mittwoch, November 20th, 2019

Die USA halten die israelische Siedlungspolitik auf der Westbank nicht mehr für völkerrechtswidrig. Sie setzen sich damit weiter vom Kurs internationaler Partner (Nato, EU, Deutschland) ab. Diese Politik gefährdet den Frieden. Die Atommächte USA und Israel betreiben eine Politik der Gewalt. Und sie provozieren die atomare Aufrüstung Irans, ihres Gegners in der Region.

Im Westjordanland und in Ost-Jerusalem leben heute mehr als 600.000 israelische Siedler in 200 Siedlungen. Der UN-Sicherheitsrat hatte in seiner Resolution 2334 im Jahr 2016 einen vollständigen Siedlungsstopp in den besetzten Palästinensergebieten beschlossen. Daran hält sich Israel nicht. Die Regierung Trump hatte den israelischen Anspruch auf die Golanhöhen ebenso anerkannt wie Jerusalem als Hauptstadt Israels. Sie verlegt die US-Botschaft dorthin. Die Palästinenser betrachten Ost-Jerusalem als die Hauptstadt ihres künftigen unabhängigen Staates.

Die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini: „Alle Siedlungsaktivitäten sind nach dem Völkerrecht illegal und unterhöhlen die Tragfähigkeit der Zwei-Staaten-Lösung und die Perspektiven für einen dauerhaften Frieden.“

Unter der gegenwärtigen Administration sind die USA nicht mehr die geeignete Führungsmacht des Westens. Die EU muss hier eine eigene Friedensordnung schaffen (GT 20.11.19).

2621: Der überlebensnotwendige Dialog der Gesellschaft

Dienstag, November 19th, 2019

1. 78 Prozent der Deutschen glauben, dass man in der Öffentlichkeit mit Kommentaren zu einigen Themen vorsichtig sein müsse. Das gilt es, unabhängig von der eigenen Position, ernst zu nehmen.

2. Viele Menschen glauben an „Sprechverbote“ und daran, dass der „Meinungskorridor“ schmaler geworden ist.

3. Das ist, wie die Rechtsprechung zeigt, kein rechtliches, sondern ein gesellschaftspolitisches und moralisches Problem.

4. Der Ursprung dieses Konflikts liegt in der US-Bürgerrechtsbewegung der sechziger Jahre des 20. Jahrhunderts.

5. Daraus erwuchs das Phänomen der „Political Correctness“ (von links).

6. Heute stehen dafür in erster Linie Gender-Aktivitäten (LGBTQ*).

7. In Universitäten gibt es heute „Safe Spaces“ und korrektes Mensa-Essen, das auch religiöse Minderheiten berücksichtigt.

8. Selbstverständlich müssen heute Bernd Lucke und Thomas de Maizière Vorträge (auch in Universitäten) halten dürfen.

9. Die rechte Strategie ist geschickt: „Ihre Protagonisten erobern Terrain für die eigene Sache, indem sie sich gegen Kritik immunisieren (Denkverbote!) und zugleich den Raum nach rechts öffnen (Das wird man doch noch sagen dürfen!). Das Ergebnis: So offen so rechts wie derzeit ist in Deutschland jahrzehntelang nicht mehr diskutiert worden, bis hin zur Verharmlosung des Nationalsozialismus als vermeintlicher ‚Vogelschiss‘ in der deutschen Geschichte.“ (Holger Stark, Die Zeit 30.10.19)

10. Im Netz kursieren Mordlisten, wie der Mord an Walter Lübcke in Kassel gezeigt hat.

11. Verstärkt wird der ideologische Kampf durch das Internet (und seine Filterblasen).

12. Der Soziologe Armin Nassehi glaubt, dass jede Gesellschaft auch Tabus und Konsense braucht, auf die sich die Mehrheit verständigt hat und die als Leitplanken dienen.

13. Der radikale Meinungspluralismus öffnet nicht nur Räume, er schließt auch welche.

14. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier: „Gerade in der Summe, in der täglichen Kanonade von Angriffen werden aus vielen kleinen Verletzungen die klaffenden Wunden, an denen unsere Debattenkultur heute krankt und erodieren kann.“

15. „Die Meinungsfreiheit ist ein mächtiges Werkzeug, vielleicht das mächtigste in einer Demokratie überhaupt. Aber sie erfordert Reife im Umgang mit ihr. Wir haben erst begonnen zu lernen, wo die Grenzen liegen, die nötig sind, um jenen Dialog zu schützen, der für eine freie Gesellschaft überlebensnotwendig ist.“ (Holger Stark, Die Zeit 30.10.19)

2620: Die Universitäten behandeln den wissenschaftlichen Nachwuchs schlecht.

Dienstag, November 19th, 2019

Den 48.000 Professoren an deutschen Universitäten stehen 300.000 Menschen gegenüber, die das Statistische Bundesamt als Doktoranden und wissenschaftliches Personal erfasst. 93 Prozent von ihnen sind befristet beschäftigt. Etwa die Hälfte dieser Arbeitsverträge läuft weniger als ein Jahr. Folgen kann darauf eine Projektverlängerung, ein Anschlussvertrag, Elternzeit. Auf eine Lebenszeit-Professur gelangen die Berufenen im Durchschnitt erst mit 42 Jahren. Eine höchst fragile Konstruktion. Für den wissenschaftlichen Nachwuchs. Ganz anders sehen das die Universitäten. In einer „Bayreuther Erklärung“ fordern sie das Bekenntnis zu befristeten Arbeitsverträgen.

Und so klar es ist, dass nicht alle Nachwuchswissenschaftler Professoren und Beamte auf Lebenszeit werden können, so klar ist es, dass das bisherige System Nachteile hat, der Wissenschaft schadet und ausgesprochen ungerecht ist. Denn mehr als Qualifikation zählt die Protektion. Wir können sagen: die Korruption. Denn die politisch stärksten Institute bzw. deren taktische Zusammenschlüsse setzen sich durch. Sie kungeln. Dabei bleiben manche hochqualifizierten Nachwuchswissenschaftler auf der Strecke.

Das empfinden viele von ihnen als Hohn. Sie werden zur gesellschaftlichen Elite gezählt, ihre berufliche Situation ist aber prekär. Die Phase bis zur Professur ist eine Art Dauerschwebezustand (Anna-Lena Scholz, Die Zeit 30.10.19).

Dieser Zustand schadet der Wissenschaft.

2619: Bundesregierung will Lücken im Mobilfunknetz schließen.

Montag, November 18th, 2019

Bei der Digitalklausur in Meseberg hat die Bundesregierung beschlossen, dass die Lücken im Mobilfunknetz in Deutschland schnellstens geschlossen werden sollen. Dazu werden aus dem Sondervermögen Digitale Infrastruktur in den nächsten Jahren 1,1 Milliarden Euro fließen. Auf diese Weise sollen etwa Masten dort errichtet werden, wo es sich für Unternehmen nicht lohnt. Gegründet wird eine bundeseigene Mobilfunk-Infrastrukturgesellschaft (MIG). Bei den Handynetzen hinkt Deutschland hinterher. In einem Drittel des Landes können Mobilfunknutzer den schnellen Mobilfunkstandard nicht anwenden (MBAL, SZ 18.11.19).

2618: Carl von Ossietzky (1889-1938) – ein Opfer des Nationalsozialismus

Sonntag, November 17th, 2019

Als Chefredakteur der „Weltbühne“ wurde Carl von Ossietzky (1889-1938) im November 1931 von der Klassenjustiz der Weimarer Republik zu 18 Monaten Haft verurteilt, weil seine Zeitschrift die

illegale Aufrüstung der Reichswehr nachgewiesen hatte.

Bei der Machtergreifung der Nazis blieb er in Deutschland. Wir wissen nicht genau, ob er das Exil ablehnte oder ob ihm die Nazis mit ihrer Verhaftung nach dem Reichstagsbrand am 27. Februar 1933 zuvorkamen. Ossietzky kam ins Konzentrationslager Esterwegen und wurde hier allmählich zu Tode gebracht. All diese nicht unbekannten Details sind enthalten in der neuen Biografie von

Werner Boldt: Carl von Ossietzky (1889-1938). Pazifist und Demokrat, KZ-Häftling und Friedensnobelpreisträger. Bremen (Donat) 2019, 256 Seiten, 16,80 Euro.

Ossietzky wurde in einfachen Verhältnissen in Hamburg geboren und entwickelte sich bald zu einem überzeugten und überzeugenden Pazifisten und demokratischen Sozialisten. Nach Siegfried Jacobsohns Tod übernahm er bald von Kurt Tucholsky (1890-1935) die Chefredaktion der „Weltbühne“ (ursprünglich „Schaubühne“) und macht sie zum führenden Blatt der intellektuellen Linken. Schon in der Weimarer Republik wurde er politisch verfolgt. Er verabscheute den Krieg. Dass er 1933 in Deutschland blieb, hielt sein Kollege Kurt Tucholsky für „völlig sinnlos“. Die beiden überzeugenden Pazifisten waren ganz verschiedene Menschen. Kurz vor den Olympischen Spielen 1936 wurde Ossietzky, schon todkrank, aus dem KZ entlassen. Er erhielt den Friedensnobelpreis und starb am 4. Mai 1938, geschwächt von der KZ-Haft, in einer Berliner Klinik (Cord Aschenbrenner, SZ 11.11.19). Er ist bis heute ein Vorbild.

2615: Berliner Verleger bei der Stasi

Samstag, November 16th, 2019

Nach Informationen der „Welt am Sonntag“ war der neue Verleger der „Berliner Zeitung“ bei der Stasi.

Holger Friedrich

machte sich zum Mauerfall-Jubiläum in einer „Berliner Botschaft“ Gedanken über die ostdeutsche Vergangenheit und den Journalismus der Zukunft. Auf der Website der „Berliner Zeitung“ meldete er sich nach Recherchen von „Spiegel“, „Manager-Magazin“ und „Welt“ selbst zu Wort. Als Unteroffizier der Nationalen Volksarmee (NVA) und inoffizieller Mitarbeiter der Stasi habe er in zwölf Spitzelberichten über 20 Personen berichtet. Er habe aus einer „Notsituation“ heraus gehandelt, weil er wegen „Republikflucht“ verhaftet worden sei. „Sofern ich gefragt wurde oder gefragt werde, gehe ich mit diesen Informationen offen um.“

Die Chefredaktion der „Berliner Zeitung“ teilte mit, man werde sich „sachlich und angemessen“ mit dem Fall auseinandersetzen und „wie bereits in der Vergangenheit unseren Beitrag zur Aufarbeitung der DDR-Geschichte leisten“. Der neue Herausgeber Michael Maier sprach davon, dass man der Geschichte von Holger Friedrich mit „einem hohen Maß an Transparenz“ begegnen werde. Mittlerweile hat der „Spiegel“ berichtet, dass die „Berliner Zeitung“ am 8. November über die Erfolgsstory einer ostdeutschen Diagnostikfirma berichtet habe, ohne kenntlich zu machen, dass Holger Friedich dort Aktionär sei und im Aufsichtsrat sitze. Das Unternehmen soll ihm eine Vergütung von 23.000 Euro gezahlt haben (Verena Mayer, SZ 16./17.11.19; wei, FAZ 16.11.19, Uwe Müller/Christian Meier, Welt 16.11.19).

2613: Rechtsextremismus und Frauenfeindlichkeit (Misogynie)

Freitag, November 15th, 2019

Der antisemitische Mörder von Halle ist auch Antifeminist. Das verbindet ihn mit dem norwegischen Massenmöder Anders Breivik, der 2011 in Oslo 77 Menschen tötete. Das gemeinsame Narrativ besteht darin zu behaupten, dass der Feminismus für die sinkenden Geburtenraten im Westen und die daraus erwachsende Masseneinwanderung verantwortlich sei.

Schon 1902 hatte Hedwig Dohm eine Aufsatzsammlung mit dem Titel „Die Antifeministen“ veröffentlicht. Darin ging sie den wachsenden Ansprüchen des Feminismus und dem Kampf dagegen nach. 1912 wurde der „Deutsche Bund zur Bekämpfung der Frauenemanzipation“ gegründet. Die Sozialwissenschaftlerin Herrad Schenk fasst unter Antifeminismus alle Einstellungen und Verhaltensweisen zusammen, die sich gegen die Frauenbewegung und deren Errungenschaften richten und somit eine anti-emanzipatorische Ideologie sind. Besonders anfällig dafür sind Männer, denen es nicht gelingt, mit Frauen zusammenzuleben. Vielfach Gestörte. Sie fühlen sich gekränkt. Und im Zeitalter der „sozialen Medien“ werden einige von ihnen zu Mördern (Julian Dörr, SZ 13.11.19).

2612: Gustl Mollath bekommt 600.000 Euro vom Freistaat Bayern.

Freitag, November 15th, 2019

Weil er sieben Jahre zu Unrecht in der Psychiatrie untergebracht war, bekommt Gustl Mollath vom Freistaat Bayern 600.000 Euro (im Wege eines Vergleichs) . Vorher hatte er schon 70.000 Euro bekommen, weil er als zwangseingewiesener vermeintlicher Wahn-Patient 2.747 Tage eingesperrt war. 2006 war Mollath – zu Unrecht – vorgeworfen worden, er habe Gewalt gegen seine Frau geübt. Mollaths Anwalt betonte in einer Würdigung des Urteils, dass der Mollath entstandene Schaden weit höher sei. So habe sein Mandant etwa sein Haus verloren, er habe kein Gehalt bezogen und keine Rentenansprüche erwerben können. Aber er sei emotional einfach nicht mehr in der Lage gewesen,länger auf eine Entscheidung zu warten (Olaf Przybilla, SZ 13.11.19).