Archive for the ‘Wirtschafts- und Finanzpolitik’ Category

746: Grüne Optionen 2017

Sonntag, November 23rd, 2014

Die SZ interviewt Kathrin Göring-Eckkardt zu den Optionen der Grünen im Jahr 2017 (22./23.11.14).

SZ: Könnten Sie sich vorstellen, Sigmar Gabriel 2017 zum Kanzler zu wählen?

Göring-Eckardt: Vorstellen kann ich mir vieles.

SZ: Welche politischen Voraussetzungen müssten dafür erfüllt sein?

Göring-Eckardt: Herbst 2017: Die Grünen haben mit ihrem Zukunftsprogramm für Deutschland als einzige eine erfolgreiche programmatische Idee für die kommenden vier Jahre. Union und SPD buhlen um uns, um Schwarz-Grün oder Rot-Grün. Wir entscheiden uns nach langen Verhandlungen. Der Ausstieg aus der

Kohleverstromung

wird verabredet, die Wirtschaftspolitik wird sich künftig an ökologischen Kriterien orientieren,

Gentechnik und

Massentierhaltung

ein Riegel vorgeschoben.

Migration und

Integration

werden zum zentralen Thema, ebenso wie

Datenschutz und Digitalisierung.

Die Frauenquote kommt konsequent. Wir wählen den oder die, die oder der das mit uns verabredet haben.

SZ: Für wie wahrscheinlich halten Sie es, dass der nächste Kanzler Gabriel heißt?

Göring-Eckardt: Nichts ist unmöglich.

742: Schwere Krankheiten durch genmanipulierte Pflanzen

Freitag, November 21st, 2014

Argentinien verdient Milliarden durch genmanipulierte Sojabohnen. Nahe den Feldern sind sehr viele Menschen schwer erkrankt, manche schon gestorben (Peter Burghardt, SZ-Magazin 47, 21.11.14).

738: Serbien in Europa

Mittwoch, November 19th, 2014

Serbien hat traditionell gute Beziehungen zu Russland. Das liegt einmal an der in beiden Staaten vorherrschenden griechisch-orthodoxen Religion. In der Geschichte waren Russland und Serbien häufig Bündnispartner. Serbien hat die Loslösung des Kosovo niemals akzeptiert, die zum Schutz der Muslime dort vorgenommen wurde. Darin wird es von Moskau nach wie vor unterstützt. Gegen die EU. Serbien hängt am Gashahn des russischen Gazprom-Konzerns und am Ölhahn des russischen Lukoil-Konzerns. Trotzdem ist es Beitritts-Kandidat der EU. Der Nachbar Bulgarien, der ebenfalls im Fokus russischen Interesses steht, ist bereits EU-Mitglied.

Serbien ist es nicht gelungen, Kredite aus Moskau zu erhalten. Oder die zollfreie Einfuhr der in Serbien produzierten Fiat-Autos nach Russland, des größten Exportartikels des Landes. Von 2007 bis 2013 hat Serbien Russland Waren im Werte von vier Milliarden Euro geliefert, in die EU im gleichen Zeitraum aber für 33 Milliarden exportiert. Die Investitionen aus EU-Staaten überstiegen die aus Russland um das Vierfache. Brüssel und Washington gewährten Serbien seit 2000 über vier Milliarden kostenlose Hilfen. Und Serbien hat im Juli 2014 trotz Drucks aus Moskau nicht mit dem Bau der South Stream-Pipeline begonnen, mit der Russland beim Export in die EU die Ukraine umgehen will (Florian Hassel, SZ 18.11.14).

732: Putins völkischer Nationalismus

Montag, November 17th, 2014

Bei Günther Jauch hat die ARD Wladimir Putin am 16.11. die Propaganda-Plattform gegeben, die viele der Verunsicherten sich schon so lange gewünscht hatten. Ich finde das gut; denn nun kann keiner mehr behaupten, in unseren Medien würde Putin nicht gut genug zu Geltung gebracht. In dem Interview erwies sich Putin genau als der völkische Nationalist, als der er von kundigen Analytikern schon seit langem wahrgenommen wird. Ihm geht es um „Auslands-Russen“ und „Russentum“, was einige der deutschen Beobachter an „Auslands-Deutsche“ und „Deutschtum“ in einer bestimmten Phase des 20. Jahrhunderts erinnert haben dürfte. Das sind gewiss nicht die Kategorien, in denen Politik heute betrieben werden darf.

Aber Putin ging in seiner argumentativen Not noch weiter und beschuldigte die Ukraine der Ethno-Politik. Das ist durch das Wahlergebnis bei der Präsidentschaftswahl glänzend widerlegt. Die Rechtsextremisten sind sämtlich an der Fünf-Prozent-Hürde gescheitert. Putin wird seine an den zaristischen Nationalismus des 19. Jahrhunderts angelehnte großrussische Politik weiterführen. Seine Kanonenboote und Kampfbomber werden sich an den Grenzen des gerade noch Erlaubten bewegen. Und die Russen lassen sich davon betören.

Für Russland allerdings ist diese Politik nicht gut. Sie gefährdet die ökonomische Wohlfahrt und vor allem die soziale Gerechtigkeit und ist bei Russlands Nachbarn zu Recht äußerst unbeliebt. Russland ist tatsächlich keine „Mittelmacht“, aber es könnte zu einer werden.

731: Lichtgestalt Middelhoff

Montag, November 17th, 2014

Thomas Middelhoff ist zu drei Jahren Haft ohne Bewährung verurteilt worden und wurde gleich im Gerichtssaal wegen Fluchtgefahr verhaftet (SZ, Die Welt, FAZ, FAS vom 15.11. bzw. 16.11.14)). Der Fall ist symptomatisch und wirft ein besonderes Licht auch auf jene anderen Ehrenmänner, die sich ebenso gerne als Lichtgestalten beschreiben lassen. Ihre Zahl ist Legion, und ich lasse ihre Namen hier wohlweislich weg. Natürlich war notorische Hybris im Spiel. Aber das ist nicht entscheidend. Wir sollten uns merken, dass solche Figuren nicht als Vorbilder taugen, vielfach sind sie einfache BWLer. Rainald Goetz hat in seinem 2012 erschienenen Roman „Johann Holtrop“, den ich mit Vergnügen gelesen habe, Thomas Middelhoff als Modell genommen. Seither erschienen alle Nachrichten über Middelhoff als Fortsetzungskapitel des Romans. Mit Vermögensverwaltern, Fenstersprüngen und Armbanduhren (Andreas Rosenfelder, Die Welt 15.11.14)

728: Jean-Claude Juncker

Mittwoch, November 12th, 2014

Über die Wahl von Jean-Claude Juncker zum EU-Kommissionspräsidenten hatte ich mich gefreut. Ein echter Europäer. Überzeugter Christdemokrat. Gut vernetzt mit den europäischen Sozialdemokraten. Aus einem kleinen Land, von dem nicht die Gefahr droht, dass es die anderen 27 EU-Mitgliedsstaaten dominieren will. Mit viel Erfahrung. So dass ich Sachpolitik erwartet hatte, bei der die europäischen Interessen gewahrt würden. Auch in der Ukraine, auch in Syrien. Jemand, der Europa gegenüber den USA behaupten könnte. Das hatte ich erwartet.

Nun stellt sich heraus, dass Jean-Claude Juncker der Spiritus Rector des luxemburgischen Steuer-Spar-Modells ist. Völlig legal natürlich. Mit dem die üblichen Konzerne Steuern sparen:

Eon,

Deutsche Bank etc.

Vielfach national und international beklagt. Die damit der öffentlichen Hand in ihren Ländern Mittel entziehen. Für die dann wieder die Ärmsten und Schwächsten aufkommen müssen mit ihren Steuern. Für die es keine Steuer-Spar-Modelle gibt. Sozial ungerecht. Furchtbar. Die europäischen Sozialdemokraten haben bereits einen EU-Sonderermittler verlangt (Bastian Brinkmann, Christoph Giesen, Frederik Obermaier, Bastian Obermayer, Klaus Ott, Cerstin Gammelin, SZ 6.11.14).

Wir dürfen die Hoffnung auf Besserung trotzdem nicht aufgeben. Für ein funktionierendes Europa in dieser Welt. Wir müssen versuchen, täglich neu zu beginnen. Es immer wieder versuchen. Vielleicht ist dann unsere Beständigkeit ein Element für eine allmählich verbesserte Politik ohne Steuer-Spar-Modelle.

723: Kanzler der Einheit ?

Donnerstag, November 6th, 2014

Als ich gestern Abend in der ARD bei „Anne Will“ die Diskussion über Joachim Gaucks Fragen an die Linken angesichts der Wahlen in Thüringen sah, wurde mir schlagartig wieder bewusst, was für ein Glück es für die Deutschen bedeutet, dass 1989/90 Helmut Kohl und nicht Oskar Lafontaine Bundeskanzler war (als Ergebnis der Bundestagswahl 1987). Die Diskussion gestern zeigte wieder deutlich, dass wir mit Lafontaine die Einheit Deutschlands wohl gar nicht bekommen hätten.

720: Die Neuordnung des Bundesgebiets kommt nicht.

Montag, November 3rd, 2014

Ich kenne nur wenige Menschen, die sich freiwillig mit dem Bund-Länder-Finanzausgleich beschäftigen. Obwohl sie dann sehen könnten, dass fünf Bundesländer im Zuge der Konsolidierungshilfen zwischen 2011 und 2019 800 Millionen Euro daraus bekommen.

Bremen 300 Millionen,

das Saarland 260 Millionen,

Berlin,

Sachsen-Anhalt und

Schleswig-Holstein je 80 Millionen.

Dafür müssen sie bis 2020 ihre Schulden, die nicht konjunkturabhängig sind, die „strukturellen Defizite“, ganz abbauen. Für mich sind alle Bemühungen, öffentliche Schulden abzubauen, politisch vorrangig.

Es lässt sich denken, dass über die Gestaltung des Bund-Länder-Finanzausgleichs jeweils schwerer politischer Streit ausbricht. Die saarländische Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) hatte im Zuge dessen eine Neuordnung des Bundesgebiets in Erwägung gezogen (Kristian Frigelj, Jochen Gaugele, Martin Greive, „Die Welt“ 25.10.14).

Und obwohl 2019 der Solidarpakt II für den Aufbau Ost und der Länder-Finanzausgleich auslaufen, dürfen wir relativ sicher sein, dass es keine Neuordnung der Bundesländer geben wird. Das liegt an den Geberländern, Sachsen hat schon protestiert, die anderen Geber wie Bayern und Hessen sehen es ähnlich. 1996 war eine Zusammenlegung Berlins und Brandenburgs in einem Volksentscheid abgelehnt worden. Und generell: bei all solchen Neuordnungs-Vorschlägen hat sich bisher stets die Ablehungsfront mit all ihren kleinkarierten Bedenken durchgesetzt. Was würde etwa Bremen machen ohne Radio Bremen? So ist die ARD-Strukturreform ebenfalls gescheitert. Am schärfsten werden die Veränderungsvorschläge jeweils von den Schwächsten und Schuldenreichsten abgelehnt, z.B. Bremen.

Aber würden Neustrukturierungen des Bundesgebietes wirklich finanziell viel bringen? Oder ginge es „nur“ um die Einsparung von Dienstwagen?

Werner Rutz hat 1995 Vorschläge für eine Neuordnung des Bundes gemacht. Einmal mit einer Acht-Länder-Variante. Zum zweiten mit einem Vorschlag für sechs Länder:

1. Nordwestdeutschland (Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Hamburg und Bremen),

2. Nordostdeutschland (Mecklenburg, Brandenburg, Berlin, Sachsen-Anhalt),

3. Mitteldeutschland (Sachsen, Thüringen),

4. Bayern,

5. Südwestdeutschland (Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Saarland) und

6. Nordrhein-Westfalen.

 

710: Die Ukraine hat frei den Westen gewählt.

Dienstag, Oktober 28th, 2014

Das Ergebnis der Wahlen in der Ukraine wird erst am 29.10. erwartet. Aber jetzt ist schon klar, dass die Kräfte, die eine Assoziierung mit dem Westen wollen, gewonnen haben (Kathrin Kahlweit, SZ 28.10.14). In freien Wahlen. In Führung liegt die

Volksfront von Ministerpräsident Arsenij Jazenjuk mit 21,7 Prozent vor der

Präsidentenpartei von Pjotr Poroshenko mit 21,4 Prozent und der

Selbsthilfe des Lemberger Bürgermeisters Andrij Sadowij mit elf Prozent.

Diese drei Parteien haben also 54,1 Prozent der Stimmen gewonnen.

Die Nationalisten unter Oleh Ljaschko haben nur sieben Prozent bekommen, die Vaterlandspartei von Ex-Ministerpräsidentin Julia Timoshenko nur knapp über fünf Prozent. Die Rechtsexremisten sind nicht in der Rada vertreten. Hier zeigt sich, dass die Behauptung von der Macht der „Faschisten“ nur eine billige russische Propagandalüge ist. Russland hat die Krim zudem völkerrechtswidrig annektiert. Ob es mit dem Donbass (Donezk, Lugansk) glücklich wird, steht dahin. Die Koalitionsverhandlungen haben bereits begonnen. Für eine verfassungsändernde Mehrheit benötigen Poroshenko und Jazenjuk den Lemberger Bürgermeister Sadowij.

700: Fallender Ölpreis drückt Russland.

Sonntag, Oktober 19th, 2014

Die russische politische Schwäche hat uns schon die Anexion der Krim und die Besetzung des Donbas gebracht. Nun gerät Russland noch weiter unter Druck. Weil der Ölpreis fällt. Im Sommer 2014 brachte das Barrel noch 105 Dollar, jetzt nur noch 80. Mit weiter fallender Tendenz. Weil es an Überangebot an Öl auf dem Weltmarkt gibt.

45 Prozent des russichen Staatshaushalts stammen aus dem Öl. Schätzungen zufolge hängen bis zu zwei Drittel der russischen Wirtschaft vom Ölgeschäft ab. Damit verschaffte sich Wladimir Putin bisher die Loyalität mächtiger Oligarchen und die Zustimmung der Bevölkerung, der ein wachsender Lebensstandard wichtiger ist als bürgerliche Freiheiten, die in Russland wohl noch nicht recht bekannt sind. Um die Staatsausgaben zu decken, braucht Moskau eine Ölpreis von mindestens 100 Dollar.

In den achtziger Jahren des 20. Jahrhunderts, als Putin noch KGB-Offizier war, förderte Saudi-Arabien so viel Öl, dass der Weltmarktpreis kollabierte. Kurz darauf brach der Ölexporteur Sowjetunion zusammen. Heute nimmt Saudi-Arabien die Überproduktion von Öl gerne hin, weil damit sein Konkurrent Iran hart getroffen wird, dessen Staatseinnahmen zu mehr als der Hälfte vom Öl abhängen (Hubert Wetzel, SZ 17.10.14).