Archive for the ‘Wirtschafts- und Finanzpolitik’ Category

927: Griechische Tragödie

Dienstag, Mai 12th, 2015

Ex-Außenminister Joschka Fischer schreibt in seiner Kolumne (SZ 12.5.15) über Griechenland:

„Griechenland muss einem leidtun. Zuerst, nach 2009, wurde es zum Experimentierfeld für eine die Wirtschaftskrise des Landes noch verstärkende Austeritätspolitik der Troika aus

EU-Kommission, Europäischer Zentralbank und Internationalem Währungsfonds.

Dann haben die Griechen eine Regierung gewählt, die offensichtlich wild entschlossen ist, das Land endgültig in den Abgrund zu stoßen.“

Und das zu einer Zeit, wo selbst die Konservativen in Berlin und Brüssel die negativen politischen Folgen ihrer Austeritätspolitik im europäischen Süden erkannt hatten und diese behutsam zu ändern bereit waren. Der Einsatz für die Ärmsten der Armen fand ja in Europa weithin Sympathie, wenn er auch wirtschafts- und finanzpolitisch nicht abgesichert war. Die griechische Regierung hat noch nicht den Unterschied zwischen den Forderungen aus der Opposition heraus und nüchternem Regierungshandeln begriffen. Dazu kommt das Bündnis mit einer rechtsradikalen Partei.

„Steckt da am Ende eine gemeinsame nationalistische Plattform in der Innen- und Außenpolitik dahinter, die man insgesamt teilt? Ein Wechsel der Bündnisse gar? Ich hoffe, dass dies nicht zutrifft, denn es wäre gleichermaßen schlimm für Griechenland und Europa. Meine Skepsis wurde allerdings verstärkt durch

zwei schwere außenpolitische Fehler,

die Tsipras gleich zu Beginn seiner Amtszeit unterliefen: sein Flirt mit Russlands Präsident Putin und der Versuch, Deutschland in der Euro-Gruppe zu isolieren, was niemals funktionieren konnte.“

Es geht darum, Griechenland wieder auf die Beine zu helfen und das Land im Euro zu halten und Europa politisch und wirtschaftlich weiterzuentwickeln. Das wird sehr, sehr schwer.

900: Einwanderung aus Nicht-EU-Staaten

Montag, April 20th, 2015

Nach einer Ende März vorgelegten Studie der Bertelsmann-Stiftung sinkt die Zahl der Menschen im erwerbsfähigen Alter von heute 45 Millionen auf 29 Millionen im jahr 2050. Danach ändern weder eine

stark steigende Erwerbsquote von Frauen

noch ein höheres Renteneintrittsalter

oder eine Ausweitung der Jahresarbeitszeit

daran etwas, dass im Jahr 2050 viele Arbeitskräfte fehlen. Die Studie empfiehlt, dass wir uns vor allem um qualifizierte Menschen aus Nicht-EU-Staaten bemühen, weil die derzeit hohe Zuwanderung aus Ländern der EU deutlich nachlassen werde. Deutschland benötigt bis 2050 jährlich zwischen

276000

und 491000

Einwanderer aus Nicht-EU-Staaten. Der Bertelsmann-Stiftungs-Vorstand Jörg Dräger plädierte für ein Einwanderungsgesetz.

876: Energiepolitik – nicht verlässlich

Montag, März 16th, 2015

Karl-Heinz Büschemann schreibt (SZ 12.3.15):

„Die großen Energiekonzerne bieten ein Bild des Jammers. Eon legte am Mittwoch die Bilanz für 2014 vor und präsentierte 3,2 Milliarden Euro Verlust. RWE hat am Tag zuvor schlechte Zahlen geliefert, und der Vorstandschef jammert, das Tal der Tränen sei noch nicht durchschritten. Bei EnBW und Vattenfall ist die Lage angespannt. Die früheren Giganten der Energieversorgung müssen rigoros sparen und Arbeitsplätze streichen. Die Zukunft dieser einstigen Gelddruckmaschinen ist unsicher wie nie zuvor.

Richtig ist: Ein Teil der Probleme der Stromkonzerne geht auf deren eigene Fehler zurück. Eon hat Milliarden in ausländischen Investitionen versenkt. Und alle Konzernchefs haben lange nicht begriffen, dass neue Zeiten gekommen sind, dass die erneuerbaren Energien auf dem Vormarsch sind und die Ära der Großkraftwerke von Eon und RWE zu Ende geht.

Ein Teil der Malaise ist der Energiepolitik in Deutschland anzulasten, die kaum noch zu verstehen ist. Diese Energiepolitik ist richtig, weil sie den Ausstieg aus der Atomenergie betreibt und alternative Energie fördert. Und sie ist falsch, weil sie hektisch ist und für die Unternehmen nicht mehr berechenbar. Es fehlt ein Konzept; das aber braucht die größte Industrienation Europas in Zeiten zunehmender Globalisierung.

Heute kriegt die Politik nicht einmal mehr den Bau einer Stromtrasse hin, die den Windstrom aus dem Norden in den Süden der Republik bringt. Horst Seehofer, der störrische Ministerpräsident Bayerns, sperrt sich gegen die Energiewende der Kanzlerin. Die heutige Energiepolitik erinnert in ihrer Kleinteiligkeit an die alten Zeiten, in denen es noch ein Bayernwerk, eine Preussag oder eine Veba gab. Die Preise für die Verbraucher sind hoch, die Versorgungssicherheit ist gesunken.

Die Bundesregierung muss zu einer pragmatischen Energiepolitik finden. Sie darf die Stromversorgung weder der partei- noch der landespolitischen Zankerei überlassen, noch darf sie dieses wichtige Gebiet den ideologischen Kämpfern ausliefern, für die alles gut ist, was von der Sonne kommt. Bei der Energiepolitik gilt wie bei allen Eingriffen des Staates in die Wirtschaft: Sie kann nicht nur Ziele verfolgen, die den großen Konzernen gefallen. Sie muss aber verlässlich sein und den Konzernen eine gewisse Planungssicherheit geben; die gibt es im Moment nicht. Das macht aus Eingriffen gefährliche Operationen.“

853: Gabriel in der Zwickmühle

Dienstag, Februar 24th, 2015

Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel ist in der Zwickmühle. Wegen der geplanten Freihandelsabkommen mit Kanada (CETA) und den USA (TTIP). Und er befindet sich nicht mehr in der Opposition, sondern ist Vizekanzler und Wirtschaftsminister. Gabriel, der in seiner Zeit als SPD-Vorsitzender kaum Fehler begangen hat, möchte den Abschluss beider Abkommen. Aber er muss Rücksicht nehmen auf die Partei-Linken und die Gewerkschafter in der SPD. Letztere sind national und international bekannt für ihre vernünftige Sozial- und Tarifpolitik. Im Gegensatz zu manchen europäischen Kollegen.

Gabriel hat den Teufel an die Wand gemalt. Falls TTIP scheitere, drohe Europas wirtschaftlicher Abstieg. Dann werde Asien das Ruder im Welthandel in die Hand nehmen. Insbesondere China. Das klingt überzeugend. Und doch hat Sigmar Gabriel auf zwei großen Kongressen über die Freihandelsabkommen nun in zwei Punkten Nachbesserungen angemahnt.

1. sollen die privaten Schiedsgerichte durch einen öffentlich-rechtlichen Investitionsgerichtshof ersetzt werden.

2. soll das Abkommen auch für „Schwellenländer“ offen sein. Das zielt auf Russland.

EU-Handelskommissarin Cecilia Malmström hält nichts von neuen Verhandlungen. Dann könne auch die Gegenseite mit neuen Forderungen kommen. Malmström hat Gabriel aber nicht widersprochen. Auf den Handelsgerichtshof sind mittlerweile auch

Frankreich,

Schweden,

die Niederlande,

Dänemark und

Luxemburg

eingeschwenkt. Gabriel wertet das als Befreiungsschlag. Aber zur Skepsis besteht Grund. In manchen Punkten sind die USA beinhart. Die deutschen Unternehmer und Arbeitgeber sind für das Freihandelsabkommen. Sie sehen mehr Wachstum, mehr Arbeitsplätze, mehr Einkommen, mehr Wohlstand. Wer könnte schon dagegen sein.

Aber die Bedenken der Gewerkschafter, ein privater Schiedsgerichtshof bei Investitionsentscheidungen werfe demokratische Grundwerte und Rechtstaatsprinzipien über Bord, sind ebenso nicht von der Hand zu weisen.

Außerdem gefährdet die Privatisierung von Kultur und Medien europäische Standards auf diesen Feldern. Denken wir nur an den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Für Sigmar Gabriel eine wahre Zwickmühle (Michael Bauchmüller, SZ 24.2.15; Christoph Hickmann, SZ 24.2.15).

851: Kretschmann: Kosovaren, Seehofer und die Windkraft

Montag, Februar 23rd, 2015

Josef Kleinberger und Tanjev Schultz (SZ 23.2.15) interviewen den baden-württembergischen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann (Grüne).

SZ: Ihre Partei argumentiert gern moralisch. Sie selbst sind Christ. Zerreißt es Sie nicht, wenn Sie die beschleunigte Abschiebung der Menschen aus Kosovo fordern?

Kretschmann: Ich stehe da vor keiner Zerreißprobe. Um Ungerechtigkeiten auf der Welt zu beseitigen ist Moral notwendig, jedoch nicht hinreichend. In der Politik sind realistische Lösungen gefragt. So kann es nicht sein, dass in der EU fünf Länder 70 Prozent der Flüchtlinge aufnehmen. Und ein Land wie die Niederlande macht die Türen zu.

SZ: Wo ist denn die deutsche Politik mit Hilfsmaßnahmen? Wo sind die Rettungsboote im Mittelmeer?

Kretschmann: Deutschland nimmt fast die Hälfte der Flüchtlinge auf, die nach Europa kommen. Baden-Württemberg hat sich bereit erklärt, ein Sonderkontingent von bis zu 1000 schutzbedürftigen jungen Frauen und Mädchen aus Syrien und Nordirak aufzunehmen. Das wird gerade organisiert. Genug ist es ja nie. Aber mit Rummoralisieren löst man Krisen und Probleme nicht.

SZ: Wenn man Sie so hört, müssten Sie doch eigentlich den Satz von Horst Seehofer unterschreiben: „Wir sind nicht das Sozialamt für die ganze Welt.“

Kretschmann: Das sind aber die falschen Worte, solche Sätze finde ich bedenklich. Sie schüren Ressentiments, denen wir vorbeugen sollten. Mit einer solchen Polemik gewinnt man keine Menschen dafür, mehr für die Entwicklung von Ländern wie Kosovo zu tun.

SZ: Diese Politik des Gehörtwerdens: Täuscht der Eindruck, dass Ihnen das Zuhören oft auf die Nerven geht?

Kretschmann: Wenn der 17. Besserwisser kommt, wird es manchmal schon schwer. Gerade die Windkraftgegner tun manchmal so, als hätte ich mich noch nie mit Windkraft beschäftigt. Trotzdem: Ich lobe das Engagement unserer Bürger. Diese Leute sind halt auch aufmüpfig. Man kriegt das nur im Paket: das Engagement und die Aufmüpfigkeit.

842: Geregelte Einwanderung: 6 Punkte

Dienstag, Februar 17th, 2015

Herbert Brücker ist Professor für Volkswirtschaft an der Universität Bamberg und leitet den Forschungsbereich Internationale Vergleiche und Europäische Integration am Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesarbeitsagentur. Er benennt (SZ 14./15.2.15) sechs Punkte für eine geregelte Einwanderung in Deutschland:

„1. sollte ein Einwanderungsgesetz die Schwelle für die erwerbsbezogene Zuwanderung erheblich senken. Ziel sollte auch für Zuwanderer aus Drittstaaten eine Quote von rund 50 Prozent sein. Die einschlägigen Prognosen zeigen, dass der deutsche Arbeitsmarkt künftig gerade bei mittleren Qualifikationen Engpässe haben wird. Wir müssen also auch für diese Fachkräfte die Zutrittsschwelle senken.“

„2. sollten wir die Zuwanderung nicht zu detailliert steuern. Punktesysteme können gute Instrumente zur Zuwanderungssteuerung sein, wenn sie einfach, transparent und pragmatisch sind. Wenn sie aber detailliert den Zugang nach einzelnen Berufen regeln, ist das problematisch. Es sollte reichen, wenn die Zuwanderer über eine qualifizierte Berufsausbildung verfügen und einen Arbeitsvertrag vorweisen, der mindestens tarifliches Lohnniveau garantiert.“

„3. sollte das Gesetz verhindern, dass Zuwanderer von Sozialleistungen abhängig werden. Die Steuerung nach Qualifikation senkt dieses Risiko. Es ist auch sinnvoll, für die große Mehrheit der Zuwanderer das Aufenthaltsrecht zunächst auf mehrere Jahre zu befristen, und erst dann, wenn die Migranten gezeigt haben, dass sie sich längerfristig erfolgreich in den Arbeitsmarkt integrieren, ein Daueraufenthaltsrecht gewähren.“

„4. brauchen wir auch einen beschränkten Arbeitsmarktzugang für geringer Qualifizierte. … Es gibt dort keine großen Verdrängungseffekte: Die Beschäftigungsquote von Ausländern ist seit 2010 um mehr als 6 Prozentpunkte, die von Deutschen um 4,5 Prozentpunkte gestiegen.“

„5. bedarf es des Ausbaus einer Infrastruktur, vor allem Sprachkurse auf jedem Niveau.“

„6. muss das Asylrecht stärker mit dem Einwanderungsrecht verbunden werden. Angesichts der globalen Krisen mit 51 Millionen Flüchtlingen wird die humanitäre Migration weiter zunehmen. Die Aufnahme von Asylbewerbern und Flüchtlingen ist eine ethische Frage. Sie entzieht sich einem Nützlichkeitskalkül, kann aber ökonomisch sinnvoll gestaltet werden.“

841: Weiß die SPD, was sie will ?

Mittwoch, Februar 11th, 2015

Die SPD regiert für ihre Verhältnisse in der großen Koalition gut mit. Sie hat Großprojekte wie die Rente mit 63 und den Mindestlohn durchgesetzt. Vorhaben, bei denen niemand bezweifelt, dass sie sozial wünschenswert sind. Fragwürdig ist hier ja allenfalls die Finanzierung bzw. die Belastung der Sozialkassen. Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel kann mit den Unternehmen und ihren Verbänden. Außenminister Frank-Walter Steinmeier macht sich in der internationalen Friedensdiplomatie verdient. Das Verhältnis zu Bundeskanzlerin Angela Merkel ist ziemlich gut.

Trotzdem dümpelt die SPD bei 25 Prozent (gegenüber 42 der Union). Das kann an der Rolle des Juniorpartners in der großen Koalition liegen. Aber keiner weiß es so genau.

Allerdings belastet der Fall Sebastian Edathy die Partei. Und die Rolle, die der Abgeordnete Michael Hartmann dabei spielt. Der Fraktionsvorsitzende Thomas Oppermann, der seinerzeit die SPD breit über Edathy unterrichtet hatte, könnte gefährdet werden. Denn im Gegensatz zum damaligen Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) ist Oppermann nicht zurückgetreten.

Es gibt auch inhaltliche Unklarheiten bei der SPD. Und einen „Geist von Nauen“ von der dortigen Klausurtagung spürt niemand. Vier Punkte sind es vor allem, die das Profil der SPD unscharf erscheinen lassen.

1. TTIP: Zieht die Partei mit Wirtschaftsminister Gabriel mit?

2. Pegida: Der Pegida-Besuch von Gabriel verstört die SPD-Linken.

3. Europapolitik: Was hält die SPD von Griechenlands neuem politischen Kurs?

4. Steuern: Im Wahlkampf wollte die SPD sie noch erhöhen (Christoph Hickmann, SZ 6.2.; 7./8.2. und 10.2.15).

837: Jürgen Trittins Öko-Materialismus

Donnerstag, Februar 5th, 2015

Drei Thesen findet Rudolf Hickel (SZ 3.2.15) in Jürgen Trittins Buch

Stillstand – made in Germany: Ein anderes Land ist möglich! Gütersloh 2014, 255 Seiten, 19,99 Euro.

1. Ökologisch nachhaltiges und erfolgreiches kapitalistisches Wirtschaften sind miteinander vereinbar.

2. Wünsche nach einer Wirtschaft ohne Wachstum sind naiv.

3. Ein Umbau der Produktionsstrukturen – wie von den Grünen in der Agrarwirtschaft vorgeschlagen – bringt Verbesserungen.

Sehr vernünftig!

832: Grexit in Kauf nehmen

Samstag, Januar 31st, 2015

Die griechischen Schuldenmacher und Korrutionsspezialisten wollen jetzt frech werden. Das soll wohl eine Provokation sein. Wie sich der griechische Finanzminister Jannis Varoufakis beim Besuch des Eurogruppen-Chefs, Jeroen Dijsselbloem aus den Niederlanden, benommen hat, das ist eines Kommunisten würdig. Griechenland hat die Zusammenarbeit mit Europa weithin aufgekündigt. Da freut sich der deutsche Lohnsteuer- und Einkommenssteuer-Zahler. Unser Mann, Jeroen Dijsselbloem, blieb ruhig, höflich. In der Sache beinhart. Bravo!

Natürlich hat Angela Merkel versucht zu beschwichtigen. Das muss sie auch um unseres so wertvollen Projekts Europa willen. Aber das reicht nicht mehr.

Wir müssen wohl Grexit in Kauf nehmen. Und dann sehr viel tun für Italien, Spanien, Portugal, Frankreich und Irland, um einen Domino-Effekt zu vermeiden.

Machen Sie keinen Urlaub mehr in Griechenland. Die Griechen sollen ihren Toten doch wieder Rente zahlen. Aber nicht von unserem Geld.

Die neuen Freunde Griechenlands in Moskau sind wohl wirtschaftlich zu schwach. Und der NATO-Partner Türkei hat für Griechenland vor allem eins, Hass.

827: Links und rechts in der Politik

Mittwoch, Januar 28th, 2015

Das Zusammengehen der Linksextremisten mit den Rechtsextremisten bei der Regierungsbildung in Griechenland ist uns Anlass, einmal wieder über die Begriffe links und rechts in der Politik nachzudenken. Denn so unverständlich ist die Zusammenarbeit der Extremisten keineswegs.

1. Manche Politiker wie etwa Heiner Geisler (CDU) behaupten seit langem, die Begriffe rechts und links in der Politik seien nicht mehr verwendbar, sondern inhaltsleer. Das sind meistens Wahlkämpfer, die auf der anderen Seite des politischen Spektrums Stimmen gewinnen möchten. Ihnen gehen wir nicht auf den Leim.

2. Die Linken aller Richtungen behaupten seit langem, Hannah Arendts Totalitarismus-Begriff sei nicht auf Kommunismus und Faschismus anwendbar, dabei werde Gleichmacherei betrieben. Das ist Unfug. Die Totalitarismus-Theorie ermutigt uns, die extremistischen Positionen zu vergleichen. Das ist kein Gleichsetzen. Die Ziele von Kommunismus und Faschismus sind vollständig verschieden, die Methoden (einheitliche Ideologie, Diktatur, Einheitspartei etc.) nicht, sie ähneln sich sehr. Die Linken liegen falsch.

3. Linksextreme und Rechtsextreme sind heute häufig dadurch verbunden, dass sie wirtschaftspolitische Geisterfahrer sind. Bei der Verteilung von Gütern und Dienstleistungen und bei der Umverteilung (über Steuern) überziehen sie das Konto und fahren die Volkswirtschaft an die Wand. So in der DDR.

4. In Europa sind die Extremisten durch ihren Antiamerikanismus („Ami go home.“) und partiell durch ihren Antisemitismus (wie bei der Linken) verbunden. Sie sind antiwestlich eingestellt. Das war bis zum Godesberger Parteitag 1959 auch bei der SPD der Fall. Adenauers West-Integrationspolitik wurde bekämpft. Erst mit dem Atlantiker Willy Brandt, der seine Lektion in Norwegen gelernt hatte, wurde die SPD ganz westlich.

5. Die Extremisten (wie „Linke“, Pegida und Front Nationale) sind nicht in der Lage, die Putin-Politik in Europa zu verstehen, deswegen sympathisieren sie mit ihm.

6. Wenn  wir die Begriffe links und rechts nüchtern betrachten, ergeben sich Erkenntnisse:

a) Rechts sein heißt zu bewahren, auf individuelle Begabung und Leistung zu setzen, an der Sozialstruktur festzuhalten, die Gesellschaft mehr oder weniger für gerecht zu halten.

b) Links sein heißt, die Gesellschaft für ungerecht zu halten, sie verändern zu wollen, eine Verteilung und Umverteilung von oben nach unten anzustreben, manchmal das Privateigentum abschaffen zu wollen.

Also: Wählen Sie selbst!