Archive for the ‘Wirtschafts- und Finanzpolitik’ Category

1333: Die ökonomischen Probleme Frankreichs

Montag, Oktober 3rd, 2016

Im Rahmen eines Interviews zu Fragen der Globalisierung antwortet Michael Hüther, der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft, Köln, auf die Frage von Catherine Hoffmann (SZ 29.9.16)

„Wo genau liegen die ökonomischen Probleme Frankreichs?“

Frankreich hat drei grundlegende Probleme: Erstens war es nie so stark industrialisiert wie Deutschland, heute liegt der Anteil der Industrie an der Gesamtwirtschaft nur noch bei zehn Prozent. Zweitens wirkt sich der traditionelle Zentralismus als Belastung aus. Drittens steht die hohe Staatsquote mit fast 57 Prozent – bei uns liegt die Quote bei 44 Prozent – für Verkrustung und Reformunfähigkeit.

 

1332: Die Steuern sollten moderat steigen.

Freitag, September 30th, 2016

Die ersten Wahlgeschenke in Form von kleinen Steuerentlastungen (Finanzminister Schäuble, CDU) werden bereits angekündigt. Da ist es angezeigt, darauf hinzuweisen, dass wir demnächst keine Steuersenkungen benötigen, sondern moderate Steuererhöhungen. Aus zwei Gründen:

1. die krisenhafte Entwicklung des Kapitalismus (Immobilienkrise, Bankenkrise, Eurokrise etc.),

2. die Alterung der Gesellschaft.

Um die Renten der geburtenstarken Jahrgänge zu finanzieren, brauchen wir mehr Steuern, nicht weniger. Die gesamtwirtschaftliche Steuerquote liegt heute bei

23 Prozent,

sie ist in den letzten Jahren gestiegen, liegt aber immer noch niedriger als in den siebziger – und neunziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Die deutschen Steuern liegen unter dem Durchschnitt der OECD-Staaten. Wir müssen aber die Belastung durch Sozialabgaben berücksichtigen. Die gesamte Steuer- und Abgabenbelastung ist in Deutschland deswegen überdurchschnittlich hoch.

Für die „taz“ (28.9.16) hat Hannes Koch den Steuerexperten des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Stefan Bach, interviewt.

taz: Bei der FDP, Union und AfD heißt es, besonders die Mittelschicht werde geschröpft. Der sogenannte „Mittelstandsbauch“ müsse beseitigt werden. Halten Sie das für gerechtfertigt?

Bach: Teilweise ja. Während die hohen Einkommen und Vermögen in den vergangenen 20 Jahren entlastet wurden, stieg der Beitrag der mittleren Einkommen an. Allerdings ist der Mittelstandsbauch weniger fett, als viele denken. Denn dieser Begriff beschreibt ja nur die Grenzsteuersätze, also das, was man auf einen Mehrverdienst bezahlt. Die Durchschnittsbelastungen der Mittelschichtbürger sind eher gering. Daher würden von der Senkung vor allem die Besserverdienenden profitieren – sie zahlen den Großteil der Einkommenssteuer. Und das kostet sehr schnell sehr viel Geld.

taz: Und wäre es plausibel, den hohen Einkommen und Vermögen einen größeren Beitrag abzuverlangen?

Bach: Ja, da geht wieder was. Seit den 1980er Jahren haben wir die Steuersätze für große Einkommen, Kapitalerträge und Firmengewinne gesenkt. Die Regierungen sahen sich dazu gezwungen, um die Abwanderung von Investitionen und Finanzanlagen im Zuge von Globalisierung und Steuerwettbewerb zu unterbinden. Aber mittlerweile ändern sich die Zeiten. Steueroasen werden trockengelegt, viele Länder tauschen Informationen über Auslandskapital aus. Steuerflucht für die Reichen wird schwieriger. Daher könnte der Staat bei diesen wieder mehr Einnahmen generieren, ohne nennenswerte Schäden anzurichten.

1330: Union geht 2017 mit Merkel ins Rennen.

Dienstag, September 27th, 2016

Einige Wahlergebnisse der CDU aus der letzten Zeit waren für die Partei nicht gerade zufriedenstellend. Darauf heben besonders ihre Gegner ab, denen es meistens nicht viel besser geht, siehe SPD. Sellering in Meck-Pomm hat sich zum „Sieg“ geschlichen, ließ am Ende populistische Töne vernehmen. Und Müller in Berlin muss nun Rot-Rot-Grün versuchen, wovon ich, wie viele von Ihnen wissen, gar nichts halte. Besonders nicht im Bund. Dort ist es m.E. unmöglich.

Bei den Gegnern der CDU schien es so, als gerate Merkel so weit unter Druck, dass ihre Kanzler-Kandidatur gefährdet werde. Da kann ich nur sagen: hier fehlt es an analytischer Schärfe. Die Union ist bisher stets so machtbewusst gewesen, dass sie bei den Kandidaten die beste Lösung gefunden hat (außer 1980 mit Franz-Joseph Strauß). Dieses Mal lautet sie: Angela Merkel. Es ist niemand da, der in Ost und West, in Nord und Süd die Unionssympathsisanten so motivieren könnte wie sie. Gerüchte wollen wissen, dass Wolfgang Schäuble, den ich für einen guten Finanzminister halte, als Alternative bereitsteht. „Die Tatsache, dass Schäuble seit einem Vierteljahrhundert in der CDU immer als die starke Alternative gilt, spricht Bände über die Union, Schäuble und auch über Merkel.“ (Kurt Kister, SZ 24./25.9.16)

Und so wird Angela Merkel 2017 die Kanzlerkandidatin der Union sein.

Sie steht für eine humane und moderne Politik, bei der natürlich noch nicht alle mitkommen.

In der SPD ist Gabriel nicht unumstritten. Immerhin ist da noch Olaf Scholz, der sich klugerweise bisher zurückhält. Die Grünen machen ja gerade erst eine Urwahl. Hoffentlich versammeln sich hinterher alle hinter der Kandidatin oder dem Kandidaten. Die FDP hat die Funktion, der AfD ein paar Stimmen abzunehmen. Und die Linken haben ein Duo an der Spitze, wo beide garantiert nicht als Kanzler geeignet sind.

1328: Ablehnung von TTIP und Ceta: nicht so einfach

Mittwoch, September 21st, 2016

So einfach wie es sich Grüne, Linke, die linke SPD, Umweltschutzorganisationen und AfD mit der Ablehung von TTIP und Ceta machen, ist es – bei verantwortlicher Politik – nicht. Denn Freihandelsabkommen, zumal zwischen Europa und Nordamerika, sind etwas sehr Gutes. Sie tragen dazu bei,

1. dass Handelschranken und Bürokratie abgebaut werden,

2. dass Zölle sinken oder wegfallen,

3. dass Fertigungsnormen, hauptsächlich industrielle, angepasst und vereinbar gemacht werden.

Ziele von Freihandelsabkommen sind die Erhöhung von Renditen, die Schaffung von Arbeitsplätzen, die Erhöhung des Steueraufkommens (was wollen wir sonst verteilen ?) und durch die Globalisierung eine offenere Weltgesellschaft, die gegen Nationalismus gerichtet ist. Das sind ja keine Kleinigkeiten!

Insofern ist der Ceta-Kompromiß, den die SPD auf ihrem Parteikonvent versucht hat, nicht einfach eine Übertölpelung durch Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel und nicht nur ein fauler Kompromiß der Genossen, sondern entspricht sozialdemokratischer Politik seit Godesberg 1959. Die SPD weiß, dass soziale Gerechtigkeit immer nur dann gelingen kann, wenn vorher die erforderlichen Mittel erarbeitet worden sind.

Freilich genügt das Erreichte noch nicht.

Es darf keinen Zwang zur Privatisierung geben. Etwa bei der Wasserversorgung. Und ein Investionsgerichtshof ist so inakzeptabel wie vorher ein privates Schiedsgericht. Ich nehme an, dass er verfassungswidrig ist.

Deswegen muss Ceta nachgebessert werden. Und über TTIP ist solange weiter zu verhandeln, bis das Abkommen europäischen Standards entspricht.

Die Grünen-Basis freilich, hauptsächlich das dortige Immobilienkapital, will weiter Subventionen und an der Energiewende verdienen. Die Grünen kümmern sich nicht genug um die Entstehung von Erträgen. Dazu fehlt es bei der Linken generell an Sachverstand. Bei ihnen sitzen die Anhänger der Zentralverwaltungswirtschaft, deren Erfolge 1989 in Ost und West zu bewundern waren.

Dass die AfD gegen die Freihandelsabkommen ist, entspricht nach dem Weggang der Wirtschaftsprofessoren ihrer deutsch-nationalen Ideologie, die rückwärts gewandt ist. Gekoppelt mit Rassismus und Fremdenfeindlichkeit.

1327: Kretschmann vertraut Bosch.

Mittwoch, September 21st, 2016

Der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann, 68, (Grüne) vertraut der Firma Bosch trotz der Verwicklung des Konzerns in den VW-Abgasskandal. Bei der Regierungspressekonferenz sagte Kretschmann, er habe „volles Vertrauen“ bei der Aufklärung der Vorwürfe und bei Vorsorgemaßnahmen. Kretschmann setzte sich für Dieselmotoren ein. Diese seien wichtig für Baden-Württemberg. 50.000 Arbeitsplätze hingen daran. „Da geht es schon um sehr viel.“ Kretschmann möchte die Grünen als „neue Wirtschaftspartei“ positionieren. Er unterstützt alle Arten von tendenziell spritsparenden Antrieben – die Bosch wiederum entwickelt und verkauft (SZ 21.9.16).

1325: AfD und Linke – näher als gedacht !

Montag, September 19th, 2016

1. In den neuen Bundesländern hatte die Linke als Nachfolgepartei der deutschen Kommunisten (SED) teilweise mit 20 bis 25 Prozent Wahlerfolge, bezeichnete sich als Volkspartei. Das ist vorbei.

2. Die PDS (Nachfolgerin der SED) verkörperte von Anfang an Kräfte der Beharrung, der Sehnsucht nach der guten alten DDR-Zeit, verteidigte die Biografien der Ostdeutschen.

3. Inzwischen hat die Linke etwa ein Sechstel ihrer Wähler an die AfD verloren.

4. Die Linke ist machtbewusst und strebt Regierungsverantwortung an (Brandenburg, Thüringen).

5. Mit der AfD verbindet die Linke weithin die Ausländerfeindlichkeit, Oskar Lafontaine sprach schon 2005 von den „Fremdarbeitern“.

6. Die Wähler aller anderen Parteien lehnen die AfD stärker ab als die Linke.

7. Ihr Überleben verdankt die Linke wahrscheinlich vor allem Gerhard Schröders Agenda 2010-Politik, schon damals lag die Linke also dezidiert falsch.

8. Linke wie AfD sind anti-amerikanisch, goutieren ein autoritäres Russland (Putin) und lehnen die EU grundsätzlich ab.

9. Die Berliner Wahlen zeigen, dass sowohl AfD als auch Linke hauptsächlich im Ostteil ihre Stimmen gewonnen haben (AfD: 15,5 %, Linke 25 %) (Markus Wehner, FAS 18.9.16).

1324: Rot-rot-grün ?

Montag, September 19th, 2016

Das Ergebnis der Berliner Abgeordnetenhaus-Wahl ist:

SPD 21,5 %,

CDU 17,6 %,

Linke 15,7 %,

Grüne 15,2 %,

AfD 14,1 %,

FDP 6,7 %.

Damit ist Rot-Schwarz nicht mehr möglich. Rot-Rot-Grün, das viel beschworene Modell, schiebt sich in den Vordergrund. Nun ist es so, dass die Linken schon zehn Jahre lang im Senat waren. Sie haben in dieser Zeit sogar die unvermeidliche Sparpolitik mitgetragen. Insofern wäre Rot-Rot-Grün in Berlin keine Koalition, die uns ängstigen müsste.

Das wäre im Bund ganz anders. Denn hier spielen Außen-, Verteidigungs- und Europa-Politik eine große Rolle. Die Westbindung, Menschenrechte, NATO, EU, andere europäische Institutionen wie z.B. der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte. Und dazu haben unsere Kommunisten ein gestörtes Verhältnis. Hier ist die Linke nicht zuverlässig. Und Teile der Grünen ebenfalls nicht. Diese Kräfte sind eher an der Basis angesiedelt, während die Bundesspitze sich bereits als Regierungspartner (etwa mit Außenminister Joschka Fischer, der auf der politischen Linken gehasst wird) bewährt hat.

Also: Rot-Rot-Grün im Bund kommt bei nüchterner Analyse nicht in Frage. Die Linken sind in der Außen-, Verteidigungs- und Europa-Politik noch nicht so weit.

1318: Wo liegt die Krim, Mr. Trump?

Donnerstag, September 15th, 2016

David Cay Johnston, 68, ist Wirtschaftsjournalist und Bestsellerautor. Er hat den Pulitzerpreis gewonnen und beschäftigt sich seit fast dreißig Jahren mit Donald Trump. Soeben ist in Deutschland sein Buch

„Die Akte Trump“

erschienen. Hubert Wetzel hat Johnston für die SZ interviewt (15.9.16).

SZ: Manche Kritiker werfen ihm vor, politisch eine Art Prinz der Finsternis zu sein, ein Demagoge, der düstere Pläne hegt wie einst Mussolini oder gar Hitler. Stimmt der Vergleich?

Johnston: Das sehe ich nicht so. Hitler und Musspolini hatten große Visionen, was sie tun würden, sobald sie an der Macht wären. Donald hat keine solchen Visionen. Er glaubt, er müsse Präsident werden, aber es ist ziemlich klar, dass er weder die Pflichten noch die Macht noch die Grenzen versteht, welche die Verfassung dem Amt des Präsidenten zuschreibt. Er denkt, der Präsident sei ein Diktator. Er selbst hat gesagt, er sei an den meisten Pflichten des Präsidenten gar nicht interessiert und werde sie jemand anderem übertragen. Zudem sind seine politischen Aussagen äußerst widersprüchlich – er wettert gegen illegale Immigration, aber er hat immer illegale Einwanderer beschäftigt. Und er weiß nichts über die Welt. Ich bin mir ziemlich sicher, dass er zum Beispiel die Krim auf einer Landkarte nicht finden würde.

SZ: Trotz dieser persönlichen und politischen Defizite beten viele Menschen Trump geradezu an. Warum?

Johnston: Ich finde das auch seltsam. Es gibt drei Gruppen von Menschen, die sich zu Donald hingezogen fühlen.

Erstens: die abgehängte untere Mittelschicht.

Das sind Leute, welche die Erfahrung machen: Sie arbeiten mehr, aber sie verdienen weniger Geld. Die Menschen haben völlig zu Recht enorme Angst. Sie haben Angst, ihre Jobs zu verlieren, sie haben keine Ersparnisse und es gibt kein soziales Netz. Donald bietet diesen Leuten eine einfache Lösung an: Euch geht es schlecht, weil Barack Obama ein Idiot ist. Die mexikanischen Vergewaltiger und Mörder stehlen eure Jobs, die Chinesen stehlen eure Jobs. Die Muslime machen Probleme. Das sind einfache demagogische Antworten.

Die zweite Gruppe von Leuten, die Trump mögen, sind

Rassisten.

Deren Stimmen versucht er zu ergattern, das ist gar keine Frage. Die dritte Gruppe sind

evangelikale Christen.

Dabei ist seine persönliche Philosophie – Räche dich! Zahle es deinem Gegner heim! – alles andere als christlich. Er sagt: Niemand liest mehr in der Bibel als Donald Trump. Aber wenn man ihn dann bittet, einen Vers daraus zu zitieren, sagt er: Oh, es gibt so viele. So arbeiten Trickbetrüger.

SZ: Was sagt Trumps Erfolg dann über Politik in Amerika und über die amerikanische Gesellschaft aus?

Johnston: Amerikas Demokratie hat ein gewaltiges Problem. Ich habe mit Kellnern und Taxifahren in München gehaltvollere Gespräche über Politik geführt als mit Amerikanern in der ersten Klasse eines Inlandflugs. Wenn sich in Deutschland ein Mitglied der Christdemokraten so äußern würde wie Donald Trump, würde die Partei ihn bei der nächsten Gelegenheit von der Wahlliste entfernen. Aber wir haben in Amerika keine starken Parteien. Und das hat Donald Trump ausgenutzt.

1317: Investitionen in den Standort Deutschland

Mittwoch, September 14th, 2016

Es ist erfreulich, dass Deutschland bei den internationalen Investitionen in

Immobilien,

in Maschinen und Anlagen und

in das Ausrüsten von Betrieben und Dienstleistungen

an der Spitze liegt. 20 Prozent des Bruttoinlandsprodukts fließen in Anlageinvestitionen. Das ist mehr als in den USA oder im Durchschnitt in den anderen EU-Ländern. Im internationalen Vergleich der rein privaten Investitionsquoten hat die Bundesrepublik 2015 ebenfalls die Spitze erreicht. Das lässt zuversichtlich in die Zukunft blicken; denn dort, wo privates Kapital hinfließt, herrscht Handel und Wandel, entstehen Arbeitsplätze und Chancen.

Zurückzuführen ist die positive Entwicklung einmal auf die Arbeitsmarktreformen der Agenda 2010 (von Gerhard Schröder, SPD), zum anderen auf die Auswirkungen der Immobilien- und Finanzkrise vor allem in Südeuropa (Cerstin Gammelin, SZ 14.9.16).

1313: Es gibt keine globale Elite, welche die Welt regiert.

Montag, September 12th, 2016

Michael Hartmann zählt in der Soziologie zu den eher seltenen Eliteforschern. Er ist von Elisabeth Niejahr und Mark Schieritz in der „Zeit“ (1.9.16) zur Ungleichheit und zu Gegenmaßnahmen dazu befragt worden.

Einleitend bemerkt Hartmann: „Ich habe mir Daten von mehreren Tausend Spitzenmanagern und von über tausend Milliardären der sechs wichtigsten Wirtschaftsnationen sehr genau angeschaut. Seitdem bin ich sicher, dass völlig falsch eingeschätzt wird, wie sesshaft und national geprägt die Eliten sind. …“

Zeit: Aber in den Luxusgeschäften von Moskau, Shanghai oder Rio finden Sie doch überall die gleichen Handtaschen und Designerkleider.

Hartmann: Richtig. Aber sobald die reichen Russinnen nach dem Shoppen wieder auf ihren Datschen residieren, leben sie ganz anders als reiche Chinesinnen oder Brasilianerinnen. Je genauer man auf die Privilegierten schaut, desto offensichtlicher sind die Unterschiede. Ein Chinese isst anders als ein Schwede, auch wenn er Milliarden besitzt. Britische Manager haben andere Hobbys als Franzosen.

Zeit: Welche Hobbys pflegt die deutsche Elite?

Hartmann: Das kommt auf die Generation an. Früher war klassische Bildung für deutsche Spitzenmanager ganz charakteristisch. Ich habe vor gut zwanzig Jahren mal die Führung von Hoechst nach ihren Hobbys befragt. Drei von sieben Vorständen spielten konzertreif Instrumente. Heute ist Sport wichtiger. … Die Elite schickt die Kinder aufs staatliche Gymnasium, das allerdings gern einen altsprachlichen Zweig haben darf.

Zeit: Wenn es also keine globalen Eliten gibt: Ist die Welt weniger ungerecht als vermutet?

Hartmann: Nein. Das wäre die falsche Schlussfolgerung. Die Eliten sind nur eben national organisiert. Das ändert aber nichts an der ungerechten Verteilung. In Deutschland und in fast allen anderen westlichen Ländern nimmt die Konzentration der Vermögen und Einkommen stetig zu und damit auch der Einfluss der Reichen. Die Gewerkschaften  und andere Gegenkräfte haben an Einfluss verloren.

Zeit: Wenn Sie drei Maßnahmen vorschlagen könnten, um die Ungleichheit zu verringern: Welche wären das?

Hartmann: Das ist einfach. Erstens: Steuern. Zweitens: Steuern. Drittens: Steuern.