Archive for the ‘Wirtschafts- und Finanzpolitik’ Category

1832: SED-Vermögen für ostdeutsche Bundesländer

Sonntag, Januar 7th, 2018

Die ostdeutschen Bundesländer können 2018 mit 185 Millionen Euro aus dem einstigen SED-Vermögen rechnen. Das wäre die bisher größte Tranche aus Mitteln der ehemaligen DDR-Staatspartei, die während des Umbruchs 1989/90 in dubiosen Kanälen verschwanden. Hauptsächlich bei

Schweizer Banken.

Es ist der Klage der Bundesrepublik gegen diese Schweizer Banken zu verdanken, dass dieses Geld überhaupt noch zur Verfügung steht. Es geht unter anderem um das Vermögen der DDR-Außenhandelsfirma Novum. Das Oberverwaltungsgericht Berlin war in einer Grundsatzentscheidung zu der Ansicht gelangt, dass das Vermögen tatsächlich den Parteien und Massenorganisationen der DDR zuzurechnen sei (SED, CDU, LDPD, NDPD, DBD, FDGB, DSF, FDJ etc.) und folglich der Bundesrepublik zustehe. Das

Obergericht des Kantons Zürich

hatte bereits 2010 die damalige AKB Privatbank Zürich zu Schadensersatz wegen mangelnder Sorgfalt in Bankgeschäften verurteilt (lock, FAZ 6.1.18).

1829: Merkel-Nachfolgerin: Annegret Kramp-Karrenbauer

Samstag, Januar 6th, 2018

Den Verhandlerinnen und Verhandlern von CDU, CSU und SPD bei den Sondierungsgesprächen zur Bildung einer neuen Bundesregierung wünsche ich eine politisch gute Hand. Denn wir können nun nicht mehr lange darauf warten, bis wir eine handlungsfähige Regierung haben. Ende März 2018 muss sie stehen. Ich erspare mir hier eine Aufzählung von allen hochwichtigen Politikfeldern, auf denen Entscheidungen gefällt werden müssen. Allein die ausgestreckte Hand von Emmanuel Macron und die unberechenbar irrlichternde Politik von Donald Trump erfordern baldige vollständige Antworten.

Allerdings dürfen die Verabredungen nicht zu kurz gelten, sondern müssen zukunftsweisend sein. Und die CDU muss an die

Zeit nach Angela Merkel

denken. Dazu scheint jetzt nicht der richtige Zeitpunkt zu sein. Aber der Eindruck von mangelnder Entschlossenheit, fehlender inhaltlicher Führung und mürrischem Vor-sich-hin-Wurschteln darf nicht weiterbestehen. Vielleicht kommt ein Wechsel im Kanzleramt nach zwei Jahren (2020) in Frage.

Ich möchte der CDU einen Vorschlag machen: die geeignete Kandidatin für die Nachfolge von Angela Merkel ist

Annegret Kramp-Karrenbauer.

Die 55-jährige saarländische Ministerpräsidentin regiert in der dritten Wahlperiode. Sie hat 2017 die erste der drei Landtagswahlen gewonnen, die die SPD verloren hat, gerade als Martin Schulz seinen Siegeszug starten wollte. Die Juristin und Politikwissenschaftlerin wird eher dem Sozial- als dem Wirtschaftsflügel der CDU zugerechnet. Sie sollte Ministerin in Berlin werden. Die Mutter von drei Kindern führt bei den Sondierungen die Verhandlungen in zwei der 14 Themen für die CDU: Familien/Frauen/Kinder/Jugend und Soziales/Gesundheit/Rente/Pflege. Sie sind nicht gerade unwichtig!

1827: Küppersbusch: „Die FDP ist nicht regierungsfähig“

Donnerstag, Januar 4th, 2018

Der Fernsehproduzent und Moderator Friedrich Küppersbusch war 2017 Kommentator der taz. In einem Interview (27.12.17) mit der Zeitung (Fragen: afro) sagt er über die FDP:

„Lindner und Kubicki haben zusammen null Sekunden Regierungserfahrung. Die Pose, Überforderung als Heldenmut zu verkaufen, zielt auf die B-Note für den künstlerischen Eindruck. Die FDP ist nicht regierungsfähig, …“

1820: Bürgerversicherung: Diagnose richtig, Rezept falsch

Samstag, Dezember 30th, 2017

Über die Bürgerversicherung schreibt Kristiana Ludwig in der SZ (30./31.12.17):

„Bevor sie in eine neue Koalition eintreten, wollen die Sozialdemokraten unbedingt die Zwei-Klassen-Medizin abschaffen. Sie wollen, dass das deutsche Gesundheitssystem gerechter wird, und sie haben das größte Übel bereits ausgemacht: die ungleiche Behandlung von Kassenpatienten und Privatpatienten. Gesundheit sollte nicht vom Geldbeutel der Patienten abhängig sein, so lautet die Botschaft der SPD.

Die Realität sieht in Deutschland aber leider genau so aus. Zu oft entscheidet das Einkommen darüber, wie gut ein Mensch medizinisch versorgt ist. Wer arm ist und Schulden hat, ist nachweislich häufiger krank und geht seltener zum Arzt. Oft können diese Leute die Zuzahlungen für Medikamente nicht aufbringen. Gerade

Zahnbehandlungen

sind teuer. Armut zeigt sich meist dann, wenn ein Mensch den Mund öffnet.

Wer alt wird und Hilfe braucht, ist erst recht auf ein finanzielles Polster angewiesen. Familien mit wenig Geld trifft ein Pflegefall besonders hart. Sie können sich keine private Pflegekraft für daheim leisten, keine komfortable Seniorenresidenz voller ausgeruhter Pflegekräfte. Selbst für Bürger, die ihr Leben lang gearbeitet haben, zahlt am Ende oft das Sozialamt für ein Zimmer im Altenheim; in einer jener freudlosen Einrichtungen, in denen bundesweit Personal fehlt.

Das alles erschreckt und bewegt die Menschen. Doch eine Bürgerversicherung, wie sie die SPD will, wird an diesen Problemen gar nichts ändern. Um mehr Gerechtigkeit im Gesundheitswesen zu schaffen,

fehlt den Sozialdemokraten ein echtes Konzept.

Sie wollen ein solidarisches Krankenkassensystem einführen, das auch wohlhabende Bürger an den Gesundheitsausgaben beteiligt. Langfristig soll die Bürgerversicherung bewirken, dass die Sozialabgaben für alle erschwinglich bleiben. Doch um Reiche zur Kasse zu bitten, schlägt die Partei nicht einmal ein besonders strenges Verfahren vor: Das tatsächliche Vermögen der Bürger soll für ihren Beitrag keine Rolle spielen, sondern nur ihr Verdienst. Firmenchefs aber können ihr Einkommen leicht kleinrechnen. Und mit Medikamenten-Zuzahlungen wiederum befasst sich diese Versicherung nicht einmal.

Der Ort, an dem die Wähler das neue SPD-System dann spüren sollen, ist die Arztpraxis. Wären alle Menschen gleich versichert, würde es sich für Ärzte nicht mehr lohnen, Privatpatienten zu bevorzugen. Das wäre sicher ein Erfolg. Doch in den Regionen, wo Bürger die größten Schwierigkeiten haben, einen Arzttermin zu bekommen oder sehr weit zur nächsten Praxis fahren müssen – dort sind die Privatversicherten überhaupt nicht das Problem. Auf dem Land, vor allem in Ostdeutschland, fehlen schlicht die Mediziner. Eine neue Krankenversicherung allein wird sicher keinen Neurologen oder Hals-Nasen-Ohren-Arzt motivieren, in den Osten umzuziehen.

Um allen Bürgern den gleichen Zugang zum Gesundheitssystem zu sichern, braucht es kluge Lösungen für ländliche Regionen – etwa zentrale Kliniken, in denen auch Hausärzte praktizieren. Es fehlt ein Plan, wie Pflegeheime zu erträglichen Orten werden können. Wenn sich hier nichts ändert, dann werden die Abgehängten, von denen Sozialdemokraten in ihren Gerechtigkeitsreden stets erzählen, weiterhin abgehängt bleiben.“

1819: CSU für höhere Verteidigungsausgaben, SPD dagegen

Samstag, Dezember 30th, 2017

Die CSU verlangt höhere Verteidigungsausgaben. Sie orientiert sich dabei an dem 2014 vereinbarten NATO-Ziel von

zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

Deutschland liegt mit 1,2 Prozent derzeit deutlich unter diesem Wert. Die CSU setzt sich für „eine schlagkräftige, moderne Bundeswehr“ ein. Die SPD ist dagegen. SPD-Vize Natascha Kohnen: „Die SPD wird eine massive Ausweitung der Militärausgaben nicht mittragen. … Wenn man 30 Milliarden zusätzlich ins Militär steckt, fehlt das beim Wohnungsbau, bei Verkehrsprojekten, bei Bildung und Digitalisierung. Wir brauchen mehr Wohnungen und nicht mehr Panzer.“

Der SPD-Außenpolitiker Niels Annen ergänzt: „Wir brauchen keine neue Aufrüstungsspirale, sondern intelligente, europäische Antworten bei der gemeinsamen Verteidigung, aber auch bei der Rüstungskontrolle.“

CSU-Chef Horst Seehofer meint, dass Kompromisse hier nur am Verhandlungstisch gefunden werden könnten. „Und dazu gehört auch, dass wir unsere Soldatinnen und Soldaten finanziell besser ausstatten, insbesondere bei der Ausrüstung.“ (Mike Szymanski, SZ 30./31.12.17; Johannes Leithäuser, FAZ 30.12.17)

Eine von mehreren klaren Alternativen: Wähler, du kannst dich entscheiden.

1817: Die Mehrwertsteuer reformieren !

Donnerstag, Dezember 28th, 2017

Die Parteien spannen uns mit der Regierungsbildung nun schon lange auf die Folter. Bisher gibt es nur Sondierungen. Das mag hingehen, wenn es auf die Präzision der Verhandlungen zurückzuführen ist.

Bei der FDP war das anscheinend ja nicht der Fall. Denn entweder sie hat am Anfang der Sondierungen nicht gewusst, was sie wollte. Oder sie wollte von Anfang an nicht regieren. Jedenfalls hat sie uns viel Zeit gekostet. Vielleicht verbringt die FDP in der nächsten Legislaturperiode nochmals vier Jahre außerhalb des Bundestags. Zur Regeneration.

Es gibt Wichtigeres: z.B. Steuerpolitik. Union und SPD treffen sich bald zu Sondierungen. Beide haben versprochen, Bezieher von geringen und mittleren Einkommen zu entlasten. Das ist ein Anspruch, der in Zeiten

wachsender Ungleichheit

berechtigt ist. Zur Debatte stehen bisher Veränderungen bei der Einkommenssteuer, beim Soli und bei den Sozialabgaben. Nicht aber bei der Mehrwertsteuer. Das ist ein

Fehler,

der behoben werden muss.

Die Mehrwertsteuer wirkt in die Gegenrichtung von Steuersenkungen für Schwächere. Sie verteilt von arm nach reich. Die unteren Einkommensgruppen werden von der Mehrwertsteuer wesentlich härter getroffen als die oberen. Die Mehrwertsteuer wurde vor 50 Jahren von einer großen Koalition aus Union und SPD eingeführt, von Finanzminister Franz Josef Strauß (CSU), dem einen Minister des Duos „Plisch und Plum“ (der andere: Karl Schiller). 2017 beschert die Mehrwertsteuer dem Staat

ein Drittel seiner Einnahmen, 220 Milliarden Euro.

Das Ziel, Geringverdiener zu entlasten, kann kaum zielgenauer erreicht werden als über die Mehrwertsteuer. Weil derjenige, der wenig verdient, wenig Einkommenssteuer zahlt und deswegen von deren Senkung kaum profitiert. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hat kürzlich veröffentlicht, dass ärmere Bürger durchschnittlich 13 Prozent ihres Einkommens verwenden, um Mehrwertsteuer auf Konsumgüter zu zahlen. Reiche nur vier (4) Prozent.

Es gibt das Konzept, einen einheitlichen Steuersatz von

16 Prozent

einzuführen und im Gegenzug den ermäßigten Satz (sieben = 7 Prozent) weitgehend abzuschaffen. Dieser ist wegen der Willkürlichkeit der betroffenen Produkte ohnehin heftig umstritten.

„Klug wäre es zudem, sich daran zu erinnern, dass Steuern zu den wichtigsten Instrumenten gehören, mit denen Regierungen das gesellschaftliche Zusammenleben gezielt verändern können. … Eine Regierung ist gut beraten, sich die Freiheit zu lassen, gegebenenfalls auch Steuern zu erhöhen, etwa um wachsende Ungleichheit zu bekämpfen. Wer Steuererhöhungen kategorisch ausschließt, lässt den Willen zum Gestalten vermissen. Das wäre wirklich verantwortungslos.“ (Cerstin Gammelin, SZ 27.12.17) Siehe: FDP.

 

1816: Zu hohes Betriebsratsgehalt bei VW

Donnerstag, Dezember 28th, 2017

Der Betriebsratschef von VW, Bernd Osterloh, hat sich mit Kollegen u.a. von BMW und Daimler über zu hohe Gehälter und Boni für Vorstandsmitglieder mokiert. Das verstoße gegen das „allgemeine Gerechtigkeitsempfinden“. Viele Konzernvorstände bekommen heute als Gehalt jährlich hohe Millionenbeträge.

Osterloh selbst hat im letzten Jahr, seinem besten, bei VW 750 000 Euro bekommen. 200 000 Euro Grundgehalt plus Bonuszahlungen. Jetzt tritt der VW-Vorstand auf die Bremse, weil die Staatsanwaltschaft ermittelt, ob VW den Betriebsratschef zu gut bezahlt. An Osterloh gehen nur noch 96 000 Euro pro Jahr. Gegen Osterloh selbst wird nicht ermittelt. Aber er hat die hohen Zahlungen angenommen. Er hätte gut daran getan, weniger zu nehmen.

Osterloh verweist auf seine „Managementfähigkeiten“. In der Tat gilt bei VW der Betriebsratschef als Co-Manager. Hauptsächlich soll er allerdings die Interessen der Belegschaft vertreten. Da wirken hohe Zahlungen an den Betriebsratschef wie

Bestechungsprämien.

Kraft Amtes gehört Bernd Osterloh zum VW-Aufsichtsrat. Warum hat er dort noch nicht mit seinen Kollegen von der

IG Metall

und

dem Land Niedersachsen

als einem der Hauptaktionäre verlangt, dass VW von Ex-Vorstandschef Martin Winterkorn wegen der

Abgasaffäre

Schadensersatz bekommt? (Klaus Ott, SZ 27.12.17)

 

1802: Gabriels SPD

Montag, Dezember 18th, 2017

Im „Spiegel“ legt Sigmar Gabriel seine Analyse der SPD nach der Wahlniederlage vom 24. September vor (SZ 18.12.17). Er empfiehlt im Kern eine Rückbesinnung auf die SPD-Stamm-Klientel Industriearbeiterschaft. Diese Industriearbeiterschaft ist zahlenmäßig enorm geschrumpft und sie wird noch weiter abnehmen. Gabriels Analyse ist weithin treffend, in manchen Punkten aber falsch.

Deswegen: Vorsicht!

Zunächst Gabriel: In der SPD gäbe es „oftmals zu viel Grünes und Liberales und zu wenig Rotes“. Die SPD vergäße jene, „die mit dem Schlachtruf der Postmoderne ‚Anything goes‘ nicht einverstanden sind“. Gabriel möchte die Begriffe „Heimat“ und „Leitkultur“ nicht einfach den Konservativen überlassen.

Hier liegt er völlig richtig.

Der „Rechtspopulismus“ sei eine Gegenbewegung gegen die Postmoderne vom Ende des vergangenen Jahrhunderts. Sie sei gekennzeichnet durch die

Relativierung

aller Autoritäten, aller Verbindlichkeiten und allem Verbindenden. Diese „Atomisierung von Arbeits- und Lebenswelten“ werde von einem großen Teil der Industriearbeiter als Abschied von der Moderne begriffen, nicht aber als ihre Vollendung wie bei den Grünen. Die

offenen Grenzen von 2015

seien für viele Industriearbeiter die Extremform von Multikulti, Diversität und dem Verlust jeglicher Ordnung.

„Auch wir haben uns kulturell oft wohlgefühlt in postmodernen Debatten. Umwelt- und Klimaschutz waren uns manchmal wichtiger als der Erhalt unserer Industriearbeitsplätze, Datenschutz war wichtiger als innere Sicherheit, und die Ehe für alle haben wir in Deutschland fast zum größten sozialdemokratischen Erfolg der letzten Legislaturperiode gemacht.“

Hier benennt Gabriel die Rückständigkeiten der Industriearbeiter:

Umweltpolitik und Klimapolitik (siehe Braunkohle).

Es kommt noch hinzu eine gedankenlose

Bildungspolitik.

Diese darf – bei Geltung des Slogans „Bildung für alle“ – doch nicht darin bestehen, alle vernünftigen Leistungsanforderungen zu schleifen (a la „Schreiben nach Gehör“).

Recht hat Sigmar Gabriel mit seinen Äußerungen zur „Leitkultur“ und zur „Heimat“. „Ist die Sehnsucht nach einer ‚Leitkultur‘ angesichts einer weitaus vielfältigeren Zusammensetzung unserer Gesellschaft wirklich nur ein konservatives Propagandainstrument, oder verbirgt sich dahinter auch in unserer Wählerschaft der Wunsch nach Orientierung in einer scheinbar immer unverbindlicheren Welt der Postmoderne?“

Also, liebe SPD: Ja zu „Heimat“ und „Leitkultur“. Nein zu einer unentschlossenen Umwelt- und Klimapolitik. Vor allem aber nein zu einer verfehlten, die anerkannten Werte (Lesen, Schreiben, Rechnen, Digitalisierung etc.) schleifenden Bildungspolitik.

Nichts gegen die Ehe für alle.

Dann gibt es wieder mehr Wählerstimmen.

1796: Die Mieten steigen.

Mittwoch, Dezember 13th, 2017

In Folge der Landflucht ist in Deutschland in Städten mit über 500 000 Einwohnern der Quadratmeterpreis

in den letzten zehn Jahren

von sieben (7) Euro auf mehr als zehn (10) Euro gestiegen. Davon profitieren die „Häuslebauer“ und gewerbliche Investoren. Darunter auch internationale Großinvestoren. Das Nachsehen hat der durchschnittliche Stadtmensch, der zur Miete wohnt. Wäre er nicht eigentlich die

Klientel der SPD (und der Linken)?

Eine immer größere Rolle spielen dabei Häuser und Wohnungen, in denen die Käufer selbst leben wollen. Durch die niedrigen Zinsen ist es nach wie vor attraktiv, Geld in Immobilien anzulegen.

SPD-Bauministerin Barbara Hendricks will künftig Sozialwohnungen fördern. CDU und CSU wollen einen Grundfreibetrag bei der Grunderwerbssteuer einführen, um junge Familien beim Hauskauf zu unterstützen. Außerdem wollen sie vermeiden, dass diese Förderung einfach auf die Verkaufspreise draufgeschlagen wird (Kristiana Ludwig, SZ 13.12.17).

Allein die FDP steht rückhaltlos auf Seiten des Immobilienkapitals.

1795: § 219 a StGB streichen

Mittwoch, Dezember 13th, 2017

Das Amtsgericht Gießen hat im November die Ärztin Kristina Hänel wegen eines Verstoßes gegen § 219 a StGB zu einer Geldstrafe von 6 000 Euro verurteilt, weil auf ihrer Website das Wort „Schwangerschaftsabbruch“ vorkam. § 219 a StGB stellt diejenigen unter Strafe, die „in grob anstößiger Weise“ oder um eines „Vermögensvorteils wegen“ Schwangerschaftsabbrüche „anbieten“, „ankündigen“ oder „anpreisen“. Das ist auch dann der Fall, wenn ausschließlich sachliche Informationen gegeben werden. Die

SPD-Bundestagsfraktion

hat deswegen einen Gesetzentwurf formuliert, der die ersatzlose Streichung des Paragrafen fordert. Ähnliche Vorhaben gibt es bei

den Linken,

den Grünen und

der FDP.

Man könne nun nicht mehr länger warten, heißt es dort. Für die FDP gehören Schwangerschaftsabbrüche zu einer flächendeckenden ärztlichen Grundversorgung. Aus der Union (CDU/CSU) hört man dagegen: „Wer den § 219 a StGB ersatzlos streichen möchte, muss in Zukunft mit offener Werbung im Internet und Fernsehen, in Zeitschriften etc. für Abtreibungen rechnen.“

Sollte es gelingen, die Vorhaben von SPD, Linken, Grünen und FDP zu koordinieren, kämen 369 von 709 Stimmen zusammen, eine ausreichende Mehrheit. Tatsächlich hilft der § 219 a StGB den

radikalen Abtreibungsgegnern

aus evangelikalen Kreisen. Die haben kürzlich sogar den katholischen Bischof von Limburg angezeigt, weil auf einer zum Bistum gehörenden Website auf die Möglichkeit hingewiesen wurde, sich bei der evangelischen Diakonie Hochtaunus einen Beratungsschein zu holen (Dinah Riese, taz 30.11.17).