Archive for the ‘Wirtschafts- und Finanzpolitik’ Category

1861: Das Kapital unterstützt Trump.

Mittwoch, Januar 31st, 2018

Der US-amerikanische Präsident Trump ist bei vielen Regierungen, Parlamenten, Parteien, NGOs, Massenmedien etc. in Europa nicht besonders beliebt. Wegen seiner irrlichternden und unberechenbaren Politik, die keine Rücksicht auf europäische Interessen nimmt. Allerdings ist Trump relativ klar mit seiner Wirtschaftspolitik des „America first“ und des Protektionismus. Gegen westliche Werte gerichtet. Dass die Unterschichten in den USA, welche die ersten Opfer dieser Politik sein werden, Trump gewählt haben, gehört zu diesem

Paradoxon.

Wie sehr Trumps Politik die Reichen reicher und die Armen ärmer machen will, wird an der Senkung der Unternehmenssteuern von 35 auf 21 Prozent deutlich. In Davos hat Trump dadurch „15 neue Freunde“ gefunden. Die Vorstandsvorsitzenden der 15 größten europäischen Unternehmen. Nicht zuletzt den Siemens-Vorstandsvorsitzenden Joe Kaeser, der nun in den USA neue Gasturbinenwerke bauen will. Dafür soll u.a. das Siemens-Werk in Görlitz geschlossen werden. Wie passend! 900 Arbeitsplätze gehen verloren. Die Region Görlitz (Trump weiß sicher gar nicht, wo das liegt) wird bis ins Mark getroffen.

Das ist reiner Kapitalismus.

Europa (das auf den US-Atomschirm angewiesen bleibt) muss sich gegen die unsoziale und falsche Politik des amerikanischen Präsidenten wappnen:

mit einer gemeinsamen Außenpolitik, mit einer gemeinsamen Verteidigungspolitik (trotz Brexit), mit gemeinsamen Steuern, keinem Wettbewerb im Steuerdumping, etc.

Wie das gehen soll in Ostmitteleuropa und Osteuropa, weiß ich nicht. Polen schafft den Rechtsstaat ab, in Tschechien wurde gerade der Putin-Freund Zeman zum Präsidenten gewählt, Ungarn sabotiert die europäische Flüchtlingspolitik, etc.

Vielleicht brauchen wir doch einen grundsätzlichen Umbau der EU.

1859: Für eine Internet-Aufsichtsbehörde

Montag, Januar 29th, 2018

Die großen Internetfirmen wie Google, Facebook et alii entscheiden bisher, welche Posts politisch inkorrekt oder sexuell anstößig sind und deshalb gelöscht werden. Sie betätigen sich als Kuratoren des öffentlichen Diskurses. Was früher dem öffentlichen Justizsystem oblag, erledigen nun private Konzerne nach eigenen Regeln. Google wickelt in vielen Staaten rund 90 Prozent der Suchanfragen im Internet ab. Und bei Facebook und seinen Töchtern Whatsapp und Instagram haben sich über zwei Miliarden Menschen angemeldet. Hier gibt es weltweit keine ernsthaften Konkurrenten. Das alles ist dereguliert.

Dazu hat Hannes Koch (taz 20./21.1.18) Ulrich Dolata (geb. 1959) befragt, den Direktor des Instituts für Sozialwissenschaften in Stuttgart.

taz: Ist unsere Rechtsordnung diesen Geschäftsmodellen noch gewachsen?

Dolata: In vieler Hinsicht derzeit nicht. Auch mit dem neuen NetzDG, das Anfang des Jahres in Kraft getreten ist, hat die Bundesregierung derartige Entscheidungen teilweise in die Selbstregulierung der Unternehmen delegiert. Die bestimmen nach wie vor darüber, welche Inhalte sie löschen und welche nicht. Mit dem Gesetz erhält Facebook nun gewissermaßen offiziell die Funktion eines Moderators der öffentlichen Meinungsbildung und gleichzeitig die des Richters. Das Gewaltmonopol des Staates wird teilweise privatisiert. …

1857: Schulz sollte Minister werden.

Freitag, Januar 26th, 2018

Dazu schreibt Nico Fried (SZ 25.1.18):

„Wenn … Schulz Vorsitzender bleibt, aber nicht Minister wird, hat die SPD drei Machtzentren: Die Partei mit Schulz, die Fraktion mit Andrea Nahles und die Regierung mit einem Vizekanzler oder einer Vizekanzlerin. Wer wissen möchte, wie so etwas nicht funktioniert, muss nur zur ersten großen Koalition von Angela Merkel zurückblicken. Damals verzichteten die SPD-Parteichefs (erst Matthias Platzeck, dann Kurt Beck) auf Ministerposten in Berlin. Prompt rivalisierten sie wiederholt mit dem sozialdemokratischen Vizekanzler und Arbeitsminister Franz Müntefering. Das wiederum stürzte die Fraktion unter Peter Struck in schwere Loyalitätskonflikte.

Stattdessen muss sich die SPD, so es dazu kommt, zu einer Regierung bekennen. Dazu gehört auch, endlich zu akzeptieren, dass die Wende vom Nein zu Ja zu einer großen Koalition nicht das Versagen der SPD dokumentiert

(nämlich das der FDP, W.S.),

sondern ihre Kraft, auf das Versagen anderer im Sinne des Ganzen zu reagieren. Dann aber bindet einen Parteichef Schulz auch keine Absage mehr, die er unter anderen Voraussetzungen gegeben hat.“

1852: SPD-Linke sollte auf Ministerämter verzichten.

Montag, Januar 22nd, 2018

Die SPD-Linke hat nun lange und entschlossen gegen eine große Koalition mit der CDU/CSU gekämpft und nur knapp verloren. Schlüssigerweise sollte sie aus inhaltlichen Gründen auf jedes Minister- und Staatssekretärsamt in der Bundesregierung verzichten. Ich weiß, dass das nur eine ganz unrealistische Überlegung ist. Aber der Gedanke reizt mich.

1845: DIW: Die Familie dominiert.

Mittwoch, Januar 17th, 2018

Gert Wagner war seit 1989 Direktor des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP), das am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) organisiert wird. Gebraucht werden viele Befragte, damit auch über kleine soziale Gruppen belastbare Aussagen getroffen werden können. 1984 waren das 12 500 Erwachsene, heute sind es mehr als 30 0o0. Patrick Bernau hat Wagner nach seinen zentralen Erkenntnissen befragt (FAS 14.1.18).

FAS: Gerade die Wahlen geben uns ein Rätsel auf: Wenn die Deutschen so zufrieden sind, warum bekommt die AfD dann so viele Stimmen?

Wagner: Es gab schon immer einen Anteil von 20 Prozent Unzufriedenen. Heute gibt es mit der AfD eine in den Augen vieler Menschen legitime Plattform, das auf dem Wahlzettel auszudrücken.

FAS: Die SPD hat inzwischen in allen Milieus nur noch rund 20 Prozent, auch bei den Armen. Warum hat Martin Schulz‘ Gerechtigkeitswahlkampf nicht gezogen?

Wagner: Gerechtigkeit ist ein schwieriges Wort. Als ich Kind war, hieß es immer: „Gerechtigkeit gibt es nicht auf dieser Welt.“ Martin Schulz hat sich trotzdem gedacht, dass man mit diesem Begriff viele Wähler gewinnen kann. Aber wenn man ein bisschen darüber nachdenkt, will man wissen, wie er tatsächlich für Gerechtigkeit sorgen will.

Da hat er nicht nachgelegt.

Es wäre dann auch kontrovers geworden. Schließlich gibt es Leute, die die

Leistungsgerechtigkeit

in den Vordergrund schieben und die Steuern senken wollen – und andere, die die

Bedarfsgerechtigkeit

besonders wichtig finden und die Hartz-IV-Sätze erhöhen wollen. Keine Partei kann all diese Vorstellungen gleichzeitig erfüllen.

FAS: Wie wäre es mit Chancengerechtigkeit? Gleiche Chancen für alle, kann man sich nicht darauf einigen?

Wagner: Das halten auf den ersten Blick alle für gut, Ökonomen ganz besonders. Aber Chancengerechtigkeit ist politisch leider kein Gewinnerthema. Wenn Mittelschichtseltern „Chancengerchtigkeit“ hören, dann verstehen sie: Die Konkurrenz für unsere Kinder wird größer. Vor dem Abstieg der Kinder hat die obere Hälfte der Bevölkerung besonders Angst. Das kann man leicht daran erkennen, wie der Anteil von Schülern an Privatschulen gestiegen ist.

FAS: Lassen Sie uns über Werte sprechen. Wissen Sie denn, ob die Werte der Deutschen so verfallen, wie es oft heißt?

Wagner: Nein. Heute dominiert in Deutschland der gleiche Wert wie in den 50er Jahren und zuvor: die Familie.

FAS: Auch wenn nach Scheidungen Eltern von ihren Kindern getrennt leben, wenn Homosexuelle heiraten dürfen und Kinder großziehen?

Wagner: Es gibt neue Verhaltensweisen, aber die Familie bleibt zentral. Gerade das Beispiel, wenn zwei Männer ein Kind großziehen, das zeigt ja, wie wichtig ihnen Familie ist.

1842: Für ein Tempolimit auf Autobahnen: 130

Montag, Januar 15th, 2018

Wir haben an den Sondierungen für Koalitionsverhandlungen gesehen, dass es für Einzelinteressenten sehr einfach ist, das Erreichte zu kritisieren und ihre Belange in den Vordergrund zu stellen: Klimaschützer, Steuerpolitiker, Versicherungsvereinfacher et alii. Das ist aber noch nicht das Ganze.

Ich füge noch eine Forderung hinzu: Ein Tempolimit von 130 Km/h auf Autobahnen.

Seit gut 25 Jahren bin ich regelmäßig jedes Jahr mit dem Auto in Belgien, Frankreich, der Schweiz und Italien unterwegs. Ein paar mal auch in Österreich. Überall gibt es ein Tempolimit (hauptsächlich auf Autobahnen). Und deswegen fährt man dort entspannter als in Deutschland. Das wollen wir auch.

Die Regierung des französischen Präsidenten Emmanuel Macron führt nun auf Landstraßen Tempo 80 statt bisher 90 ein. Begründung: man will weniger Verkehrstote. Da ruft die Autolobby in Deutschland gleich: Wir haben 2017 doch die wenigsten Verkehrstoten seit dem Krieg. Das stimmt. Aber es könnten noch weniger sein. Im Jahr 2016 kamen in Deutschland im Autoverkehr 1.853 Menschen ums Leben. Mehr als die Hälfte davon auf Landstraßen. Häufigste Ursache: überhöhte Geschwindigkeit. Mein Vorschlag für ein deutsches Tempolimit: Landstraßen 90, Autobahnen 130.

Das letzte Mal, dass ein deutscher Politiker den Vorschlag für ein Tempolimit auf Autobahnen machte, war es der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel 2013. Er wurde sogleich vom SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück zurückgepfiffen. Die Autolobby, die in Deutschland regelmäßig ein Tempolimit verhindert, besteht aus einem Kartell aus

Autoindustrie, Verbänden und politischen Lobbyisten.

Darunter sind die Dieselbetrüger. Für sie gilt das Motto „Freie Fahrt für freie Bürger.“ Das ist bei der Verkehrsdichte, die wir heute haben, lächerlich. Zudem hat unsere Freiheit nichts mit einem Recht auf grenzenloses Rasen zu tun. Außerdem gilt für viele Abschnitte auf Landstraßen und Autobahnen in Deutschland heute schon eine Geschwindigkeitsbegrenzung.

Aus Gründen der Sicherheit, des Lärmschutzes oder der Schadstoffverminderung.

Also: her mit Geschwindigkeitsbegrenzungen auf Landstraßen (90) und Autobahnen (130). Sie werden unser Freiheitsgefühl nicht beeinträchtigen (Peter Fahrenholz, SZ 15.1.18).

1840: SPD in der Zerreißprobe

Montag, Januar 15th, 2018

Nach den Sondierungen steckt die SPD in der Zerreißprobe. Dem Leitungsteam Martin Schulz/Andrea Nahles schlägt Misstrauen entgegen. Unter den Sondierungskritikern sind mit Ralf Stegner und Thorsten Schäfer-Gumbel besonders jene, die noch nie eine Wahl gewonnen haben.

Passend dazu kommt aus dem Hause Lafontaine/Wagenknecht der Vorschlag für eine „linke Volkspartei“.

1839: Sondierungsergebnis positiv

Samstag, Januar 13th, 2018

Allen Unkenrufen zum Trotz ist das 28-seitige Sondierungspapier, das CDU/CSU und SPD vorgelegt haben, positiv.

Wichtig für CDU: keine Erhöhung des Spitzensteuersatzes/keine neuen Staatsschulden/keine Bürgerversicherung/kein Fahrverbot für Dieselautos/Maghreb-Staaten gelten als sichere Herkunftsländer/Familiennachzug eng begrenzt/Merkel bleibt Kanzlerin.

Wichtig für die CSU: Ausweitung der Mütterrente/Begrenzung der Flüchtlingszahl.

Wichtig für die SPD: Gebührenfreie Kitas/Gesetzliche Fixierung des Renteniveaus/Solidarrente/Klimaschutzgesetz/Investitionshaushalt Euro-Zone/Abschaffung Abgeltungssteuer/Weniger Glyphosat/Fachkräfte-Einwanderungsgesetz (Einwanderungsgesetz)/Parität bei Finanzierung der Krankenversicherung (SZ 13./14.1.18; FAZ 13.1.18; Die Welt 13.1.18).

Noch klarer wird dies Ergebnis, wenn wir uns anschauen, wer die Meckerer und Zukurzgekommenen sind:

1. Die Grünen trauern ihren Ministerämtern nach.

2. Die FDP hat gerade noch rechtzeitig erkannt, dass sie nicht regierungsfähig ist.

3. Die Linken sind grundsätzlich gegen den Westen und kommen für eine Regierung noch nicht in Frage.

4. Die Linken in der SPD und die Jusos würden am liebsten mit den Linken (Kommunisten) zusammengehen und regieren. Das muss verhindert bleiben.

1835: Schäfer: 50 + 1 ist ein Segen.

Mittwoch, Januar 10th, 2018

Robert Schäfer, 41, ist seit 2016 Vorstandsvorsitzender von Fortuna Düsseldorf. Der Volljurist hat den Verein stabilisiert. Er steht seit Saisonbeginn auf einem Aufstiegsplatz der zweiten Liga. Robert Schäfer hat in einem Beitrag für die FAZ (6.1.18) begründet, dass und warum die

50 + 1-Regel

für den deutschen Fußball sehr gut ist. Ich paraphrasiere hier seine Aussagen verkürzt:

Fußball ist in Deutschland populärer denn je und wirtschaftlich erfolgreich. In der Bundesliga kommen von Freiburg bis Dortmund im Schnitt pro Spiel

41 500 Zuschauer

ins Stadion (England 35 800, Spanien 27 700, Italien 22 200, Frankreich 21 000). Dieser Erfolg weckt Begehrlichkeiten. Ausländische Investoren wittern Rendite. Daher ist im deutschen Fußball eine mehrheitliche Übernahme durch Investoren verboten. Die von den Vereinen begründeten Kapitalgesellschaften behalten die Mehrheit. Dagegen haben

Inter Mailand und der FC Southhampton

in letzter Zeit bereits mehrmals den Eigentümer gewechselt. Eine Lizenz bekommt eine Kapitalgesellschaft in Deutschland nur, wenn ihr in jeder Hinsicht die letzte Entscheidung zusteht.

Dadurch gewährleisten die deutschen Vereine Kontinuität, den Erhalt wichtiger

Werte, Marken, Namen und Traditionen.

So bleibt der Fußball erschwinglich und demokratisch. Dafür gibt es beim DFB aktuelle Regeln und Auflagen zum sinnvollen Haushalten. Die Abschaffumng der 50 + 1-Regel würde den Fans den Fußball wegnehmen. Wie in England, Spanien und Italien. Dort sind die Klubs im Besitz von Milliardären. Fans und Mitglieder haben keinen Einfluss mehr. Die Eintrittspreise steigen. Steigt der Investor aus,

bleibt der Verein verschuldet zurück.

Den deutschen Vereinen wird von ihren Anhängern eine Verehrung entgegengebracht wie es bei anderen Unternehmen nicht vorkommt. Dieser Rückhalt ist gefährdet, wenn es nur noch ums Geld geht. Das zeigt das Beispiel

1860 München.

Die 50 + 1-Regel gefährdet auch nicht das Wachstum. Dafür ist bei der Champions League hauptsächlich das Erreichen der K.O.-Runde wichtig. Nicht der Titel. Hier braucht es zusätzliches Kapital. Trotzdem haben sich zuletzt ausländische Vereine, bei denen in der heimischen Liga die Leistungsdichte nicht so hoch ist wie in Deutschland, gegen deutsche Klubs durchgesetzt. Wie der

FC Basel und der FC Porto.

50 + 1 ist eine gute Grundlage für Wachstum im Fußball. Der dreimalige Europa-League-Sieger FC Sevilla ist ein gutes Beispiel dafür, wie mit einem überschaubaren Budget und harter Arbeit sportliche Erfolge erreicht werden können. Die deutschen Vereine können durch

clevere Transfers, gute Ausbildung und gezielte Nachwuchsförderung

erfolgreich sein und Werte schaffen. Das ist nachhaltiger als ein einmaliger Erlös aus dem Verkauf eines Anteils. Es bringt mehr, zuerst an der sportlichen Qualität zu arbeiten, also besseren Sport für das aktuell eingesetzte Geld zu erreichen.

1833: Wirtschaftsweise über die Konkurrenz zu China

Montag, Januar 8th, 2018

Isabel Schnabel, 46, lehrt Finanzökonomie an der Universität Bonn. Seit 2014 ist sie Mitglied im Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung. Schnabel betont, dass Europa nur gemeinsam die wirtschaftlichen Herausforderungen der Zukunft bestehen kann. Michael Bauchmüller und Stefan Braun haben sie für die SZ (4.1.18) interviewt.

SZ: Viele klagen über eine Schere zwischen Arm und Reich, die sich immer weiter öffne. Teilen Sie diese Analyse?

Schnabel: Dieser Eindruck ist weit verbreitet. Wenn man sich die Daten genau anschaut, stellt man jedoch fest, dass das gar nicht stimmt.

SZ: Woran machen Sie das fest?

Schnabel: Seit 2005 ist die Ungleichheit der Einkommen weitgehend stabil – vor allem dank des boomenden Arbeitsmarkts. Und das trotz Finanzkrise und Zuwanderung. Das ist eine beachtliche Leistung.

SZ: Welche originär europäischen Aufgaben sehen Sie?

Schnabel: Zum Beispiel Klimaschutz, Flüchtlingsmigration, Terrorismusbekämpfung, innere Sicherheit. …

SZ: Läuft Europa im Duell mit China nicht die Zeit davon?

Schnabel: Europa muss sich anstrengen, um im Wettbewerb bestehen zu können. Gerade angesichts der Einschränkungen bürgerlicher Freiheiten ist aber nicht ausgemacht, dass China dauerhaft erfolgreich sein wird. Außerdem ist Europas vermeintliche Schwäche auch eine Stärke.

SZ: Was meinen Sie?

Schnabel: Die Heterogenität kann Europa robuster gegenüber Schocks machen. Wenn in China eine große Krise ausbräche, träfe es schnell ein riesiges Reich. Bei uns ist das nicht automatisch so.