Archive for the ‘Wirtschafts- und Finanzpolitik’ Category

1881: CDU steht nicht geschlossen hinter Merkel.

Donnerstag, Februar 15th, 2018

Dass die SPD sich in einem desolaten Zustand befindet, wird allgemein diskutiert. Bei der CDU sieht es nicht besser aus. Seit Angela Merkel ein schlechtes Wahlergebnis abgeliefert hat und einen zugunsten der SPD ausfallenden Koalitionsvertrag verantwortet, treten diejenigen in der CDU auf den Plan,

die ihr in parteiinternen Abstimmungen unterlegen sind. Manche davon sind mit Merkels Personalpolitik nicht einverstanden.

Außerdem diejenigen, die Teile ihrer Modernisierung wie die Flüchtlingspolitik, die Energiepolitik, die Klimapolitik und die Geschlechterpolitik ohnehin nie gut fanden (ohne Merkel hätten wir keinen Atomausstieg und keine Energiewende). Darunter auch solche, die der AfD nach dem Munde reden.

Die Friedrich Merz- und Jens Spahn-Anhänger melden sich zu Wort (die sich wohl als die eigentlichen Konservativen verstehen).

Als vorläufig Letzter ist nun der außenpolitische Sprecher der CDU, Norbert Roettgen, ein gescheiterter Wahlkämpfer, auf den Zug der Merkel-Kritiker aufgesprungen.

Warum haben die gegenwärtigen Merkel-Kritiker das nicht schon viel früher getan? Sie hatten wohl nicht genügend Vertrauen in sich selbst. Nun richten sie sich ein auf die Zeit nach Merkel.

Es sind keine guten Voraussetzungen für die Bildung einer schlagkräftigen Bundesregierung, wenn beide Partner, CDU/CSU sowohl als auch die SPD, angeschlagen sind.

1880: Donald Trumps Wirtschaftspolitik

Mittwoch, Februar 14th, 2018

1. Ganz im Sinn des von ihm bevorzugten Protektionismus hat Donald Trump einen 30-Prozent-Zoll auf Solarpanels und 50 Prozent auf Waschmaschinen eingeführt. Damit hilft er zwei insolventen Firmen, Suniva (Volksrepublik China) und Solarworld (Deutschland). China und Deutschland sind die schärfsten Rivalen der USA auf dem Weltmarkt.

2. In den USA reagierte der koreanische Waschmaschinenproduzent LG Electronics mit einer sofortigen Preiserhöhung um 50 Dollar. So werden Konsumenten in den USA erst einmal ärmer.

3. Profitieren wenigstens die gehätschelten Firmen und deren Belegschaft? Sie haben nur 3.200 Arnbeiter, während in der gesamten Solarindustrie 260.000 Jobs gefährdet sind. Der US-Sonnenenergieverband sagt allein für dieses Jahr den Verlust von 23.000 Arbeitsplätzen voraus.

4. Die US-Kunden verzichten auf das Solarkraftwerk für das eigene Heim. So gehen nochmals Arbeitsplätze verloren, für Dachdecker, Monteure, Zulieferer.

5. Wenn die Opfer der US-Abschottung Gleiches mit Gleichem vergelten und ebenfalls auf Protektionismus setzen, sinken US-Exporte und US-Job-Raten.

6. Von der Trump-Politik profitieren nicht die US-Arbeiter, sondern Malaysia, Südkorea und Vietnam. Deren Exporte in die USA werden steigen.

7. Trump will sich die EU vornehmen. Die wird zurückschlagen. Die Verlierer sind die Arbeiter und Verbraucher auf beiden Seiten (Josef Joffe, Die Zeit 1.2.18).

8. Donald Trump scheint einen wirtschaftspolitischen Plan zu haben, der auf die Vergrößerung der US-Staatsschulden und größere soziale Ungleichheit in den USA hinausläuft. Steuersenkungen für die Reichen, wenig Jobs für die Armen.

1878: Wenn’s ernst wird, müssen Frauen ran.

Montag, Februar 12th, 2018

Vor zwanzig Jahren lag die CDU am Boden. Wegen der Parteispenden unter Helmut Kohl. Heute wissen wir: es waren keine Parteispenden, sondern

schwarze Kassen.

Angela Merkel bewahrte die CDU vor dem Absturz, sie brachte die Partei unter ihre Kontrolle.

Diese Aufgabe hat bei der SPD jetzt Andrea Nahles. Ihr ist die politische Leidenschaft noch nicht abhanden gekommen. Von der Juso-Chefin zur Parteivorsitzenden hat sie sich über die Jahre sehr positiv entwickelt. Das war daran zu erkennen, wie sie ihr Ministeramt geführt hat. Nahles hat Kampfkraft und Realitätssinn.

Dazu bedarf es übrigens weder eines Mitgliederentscheids noch eines neuen Parteitags.

Wenn’s hart auf hart geht, müssen bei den deutschen Parteien die Frauen ran.

1875: „Handelsblatt“-Herausgeber Gabor Steingart entlassen

Samstag, Februar 10th, 2018

2008 kam Gabor Steingart vom „Spiegel“ zum „Handelsblatt“. Die Zeitung gehört zur Holtzbrinck-Gruppe, in der z.B. noch das „Handelsblatt“-Schwesterblatt „Wirtschaftswoche“, der Berliner „Tagesspiegel“ und „Die Zeit“ (zur Hälfte) erscheinen. Steingart machte bei Holtzbrinck schnell Karriere. 2010 wurde er Chefredakteur (was ihm beim „Spiegel“ nicht gelungen war), 2013 stieg er in die Geschäftsführung auf, wurde schließlich Anteilseigner. Mit dem eher scheuen Verleger

Dieter von Holtzbrinck

soll er befreundet gewesen sein. In Zeiten der Digitalisierung baute Steingart die Holtzbrinck-Gruppe erkennbar um. 2011 feuerte Steingart den noch weit konservativeren

Roland Tichy.

Seine Stelle bekam die Kommunikationswissenschaftlerin Miriam Meckel, die aber nicht reüssierte, sondern Herausgeberin wurde. 2012 stellte Gruner & Jahr den „Handelsblatt“-Konkurrenten „Financial Times Deutschland“ ein.

Neben seinen vielen Funktionen schrieb Steingart noch ein „Morning Briefing“, eine Mischung aus süffisanter Kommentierung und Marketing für „Handelsblatt“-Inhalte. Dabei trug er recht dick auf, wie Caspar Busse und Claudia Tieschky schreiben (SZ 10./11.2.18). Michael Hanfeld (FAZ 10.2.18) meint sogar, dass Steingart „stets mit dem Vorschlaghammer“ schreibe, maßlos übertreibe, gezielt überziehe, „keine Gefangenen“ mache und „kein Hehl daraus, dass er sich für wichtig hält“. Christian Meier (Die Welt, 10.2.18) schreibt: „Wenn man so will, ist Steingart eine der wenigen wirklich interessanten, weil polarisierenden Figuren der Verlagsbranche.“

Am 7. Februar 2018 ist Steingart wohl über das Ziel hinausgesochossen. Da schrieb er im „Morning Briefing“ über

Martin Schulz‘

„perfekten Mord“ an Sigmar Gabriel: „Der Tathergang wird in diesen Tagen minutiös geplant. Der andere soll stolpern, ohne dass ein Stoß erkennbar ist. Er soll am Boden aufschlagen, scheinbar ohne Fremdeinwirkung. Wenn kein Zucken der Gesichtszüge mehr erkennbar ist, will Schulz den Tod des Freundes aus Goslar erst feststellen und dann beklagen. Die Tränen der Schlussszene sind dabei die größte Herausforderung für jeden Schauspieler und so auch für Schulz, der nichts Geringeres plant als den perfekten Mord.“

Dieter von Holtzbrinck haben diese Sätze anscheinend so aufgebracht, dass er Martin Schulz unmittelbar eine Entschuldigungs-Depesche sandte. Am 9. Februar informierte Holtzbrinck persönlich auf einer Mitarbeiterversammlung der „Handelsblatt“-Gruppe über die Entlassung Gabor Steingarts. Daraufhin schrieben der „Handelsblatt“-Chefredakteur, der „Wirtschaftswoche“-Chefredakteur und deren Herausgeberin an Holtzbrinck, dass sie hinter Steingart stünden und dass sie die Entlassung als „Bestrafung für eine – wengleich unbequeme – Meinung“ kritisierten.

1873: SPD – außer Rand und Band

Samstag, Februar 10th, 2018

Die SPD bleibt führend in der Selbstdemontage. Und im Kleinreden eigener politischer Erfolge. Die Partei ist tief gespalten. Nicht nur einmal. Der Sturz von Schulz freut viele Genossen. Manche reiben sich klammheimlich die Hände und denken an ihre nun beschleunigte Karriere.

Ob das für künftige Wahlergebnisse gut ist?

1869: Kritik an der Regierungsbildung

Donnerstag, Februar 8th, 2018

Der SZ-Chefredakteur Kurt Kister schreibt zur Regierungsbildung (SZ 8.2.18):

„Nichts fällt leichter, als die Regierung, so wie sie sich abzeichnet, zu kritisieren, egal wo man politisch steht. Und dennoch ist sie das Beste, was unter den gegebenen Umständen möglich war. Diese Umstände sehen so aus: Die Jamaika-Koalition ist an der FDP gescheitert, auch wenn man das in der FDP anders sieht. Eine Minderheitsregierung ist keine Option, weil Angela Merkel und die CDU dieses Experiment nicht eingehen würden. Neuwahlen schließlich wären falsch, denn Wahlen dürfen nicht nur deswegen wiederholt werden, weil sich Parteien nicht auf politisch durchaus mögliche Koalitionen einigen wollen.“

1868: Die neue Groko kann kommen.

Mittwoch, Februar 7th, 2018

Für die Regierungsbildung in Berlin sind wir auf die Folter gespannt worden. Aber machen wir uns klar, woran das lag.

1. an den 12,6 Prozent für die AfD, die nur für eines bürgt, für eine reaktionäre Politik und die eine Mehrheitsbildung im Bundestag sehr schwer macht.

2. an der Verantwortungslosigkeit der FDP.

3. an der schwierigen Lage, in der die SPD sich befindet. Viele ihrer Mitglieder haben noch nicht begriffen, dass die alten von der Industriearbeiterschaft geprägten sozialen Strukturen allmählich verschwinden. Sie nehmen an, dass die Partei sich in der Opposition besser regenerieren kann als in der Regierung. Das ist nachweislich falsch. Aber die SPD braucht eine starke Führung.

Wir wissen ebenso, dass einige der wichtigsten politischen Fragen im Koalitionsvertrag nicht ausreichend behandelt worden sind:

1. Digitalisierung, 2. Integration von Migranten, 3. Klimawandel. Hätte man hier weiterkommen wollen, hätte es noch viel länger gedauert. Was bringt also der Koalitionsvertrag?

„Für den Alltag vieler Menschen .. würden die Vereinbarungen in einer Reihe von Punkten echten Fortschritt bedeuten, sie würden handfeste Erleichterungen mit sich bringen. Und nicht selten tragen sie genau dort die Handschrift der Sozialdemokraten. Die Eingung will

Geringverdiener entlasten,

Sozialleistungen ausbauen,

Familien unter die Arme greifen,

Rentner unterstützen,

ein – wenn auch zu kleines – Zeichen gegen die Wohnungsnot setzen,

kräftig in Kitas und Ganztagsschulen investieren.

Die möglichen Koalitionspartner machen sich um EUROPA verdient,

indem sie es ausbauen möchten und indem auf Distanz zur bisherigen rigiden Sparpolitik Berlins gehen.“ (Ferdos Forudastan, SZ 7.2.18)

 

1865: Deutscher Völkermord an den Herero und Nama 1904 – 1908

Donnerstag, Februar 1st, 2018

Deutsche Männergesangvereine und Shantychöre fahren heute gerne nach Namibia (Deutsch-Südwest). Da gibt es deutsche Anklänge. Viele relativ helle Afrikaner. Sie haben deutsche Vorfahren. Meistens aus Vergewaltigungen. Die Namen klingen anheimelnd: Lüderitzbucht, Swakopmund etc.

Dabei war Deutschland auch beim Kolonialismus eine „verspätete Nation“. Großbritannien und Frankreich kämpften schon im 18. Jahrhundert um die Vorherrschaft in Nordamerika. Erst ab Mitte der 1880er Jahre stellte Reichskanzler Otto von Bismarck ein Gebiet nach dem anderen unter deutschen „Schutz“. Togo, Kamerun, Teile Ostafrikas. Den Anfang machte 1884 Deutsch-Südwest, das heutige Namibia.

Nach einer Rinderpest 1897 traten die deutschen Siedler immer herrischer gegenüber Herero und Nama auf. Sie vertrieben sie von ihren Weiden und beschlagnahmten ihr Vieh. 1904 überfielen Herero mehrere deutsche Farmen und töteten rund hundert Siedler. Daraufhin wurde

General Lothar von Trotha

in die Kolonie geschickt. Er hatte sich in Ostafrika und bei der Niederschlagung des Boxeraufstands in China als Rassist und gnadenloser Befehlshaber schon einen Namen gemacht.

Am 11. August 1904 griffen seine Truppen am Waterberg die Herero an, die sich dort mit Frauen und Kindern versammelt hatten. Den Maschinengewehren und Geschützen der Deutschen hatten sie wenig entgegenzusetzen. Wer das Massaker überlebte, floh in die Omaheke, ein ausgedehntes Sandfeld, wo Tausende verdursteten. Trotha befahl, Frauen und Kinder, die um Wasser bettelten, zurück in die Wüste zu jagen. Am 2. Oktober 1904 erklärte er, es werde „jeder Herero mit oder ohne Gewehr, mit oder ohne Vieh erschossen. Ich nehme keine Weiber oder Kinder mehr auf, treibe sie zu ihrem Volk zurück oder lasse auf sie schießen.“

Die Überlebenden sperrte man in

Konzentrationslager –

so wurden die Lager schon damals offiziell genannt. Viele starben durch Vernachlässigung und Zwangsarbeit. Historiker schätzen, dass zwischen 1904 und 1908 rund 60.000 Herero und 10.000 Nama ums Leben kamen. Das entspricht etwa der Hälfte aller Angehörigen der Nama und rund drei Viertel der Herero. Sogar den Namen verstümmelten die Deutschen, indem sie die Vorsilbe Ova (Ovaherero) abtrennten, die so viel bedeutet wie „Menschen“. Zehntausende Herero leben heute in der Diaspora, in Botswana, Angola und Südafrika, wohin ihre Vorfahren geflohen waren. Der Rest versank für Generationen in Armut.

Bei der Gedenkfeier 2004 bat Bundesministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) um Vergebung für das, „was wir heute Völkermord nennen würden“. 2015 gewann die Angelegenheit an Brisanz, als der Bundestag eine Resolution zum

Völkermord an den Armeniern 1915

verabschiedet hatte. Seither gab es sechs Verhandlungsrunden mit Namibia. U.a. über den genauen Wortlaut einer Entschuldigung. Verhandlungsführer ist Ruprecht Polenz (CDU). Führende Herero glauben, der Grund für die zögernde Wiedergutmachung im Gegensatz zum Verhalten Deutschlands gegenüber Nazi-Opfern liege darin, dass sie „schwarz“ seien.

2008 wurde die Association of Ovaherero Genocide in den USA gegründet. „Wir haben eine Liste deutscher Immobilien und Vermögenswerte in New York zusammengestellt, die wir im Fall eines Urteils gegen die Bundesrepublik beschlagnahmen können.“ Inzwischen hat die Angelegenheit internationales Aufsehen erregt. Mittlerweile ist am

Southern District Court in New York

auf Grund einer Sammelklage der Herero (mit Hilfe von US-Anwälten) ein Verfahren anhängig. Darin soll Deutschland für das „Wüten“ seiner Schutztruppen zur Rechenschaft gezogen werden. Tatsächlich geht es um die Zukunft: um die Nachfahren der Opfer und die Zukunft Namibias. Die Kläger verlangen eine Entschädigung für den Völkermord und den Verlust von Eigentum. Bisher ist kein Vertreter der Bundesrepublik erschienen.

Geschwächt wird das namibische Projekt durch die Uneinigkeit im eigenen Land. Dort dominieren die Ovambo die Regierung. Etwa die Hälfte der landwirtschaftlichen Nutzfläche befindet sich nach wie vor im Besitz der Nachfahren deutscher Siedler, obwohl sie nur etwa sechs Prozent der 2,3 Millionen Einwohner stellen. „Die Landrückgabe ist eines der größten Hindernisse bei der Beilegung der Ovaherero-Frage.“ „Die Deutschen haben durch ihr Zögern eine große Chance vertan, zur Versöhnung im Vielvölkerstaat Namibia beizutragen.“ Mittlerweile ist auch die Regierung in Windhuk unter Druck. Nicht zuletzt weil im Kampf um die Unabhängigkeit (1990) ebenfalls viele Gräuel geschehen sein sollen.

Weil die Klage vor einem New Yorker Gericht gegen eine ausländische Regierung gestellt wurde, liegt es in der Hand der US-Regierung, sie der deutschen Seite offiziell zuzustellen. Bisher ist Washington nicht tätig geworden. Vor kurzem hieß es aus Kreisen des US-Außenministeriums jedoch, inzwischen seien die Papiere an das Auswärtige Amt gegangen. Von dort ist keine Stellungnahme zu bekommen (Heike Buchter, Die Zeit 11.1.18).

Ob die deutschen Sänger über die Angelegenheit ausreichend informiert sind?

1864: Bundeswehr – bedingt abwehrbereit

Mittwoch, Januar 31st, 2018

In den Kanzlerschaften Gerhard Schröders und Angela Merkels ist die Bundeswehr zusehends handlungsunfähiger geworden. Gewehre, die nicht genau schießen, und Hubschrauber, die nicht fliegen, tragen nicht zur glaubwürdigen Abschreckung bei. Durch zusätzliche UN-Missionen (wie in Mali) erfüllt die Bundeswehr ihre klassischen Aufgaben nicht mehr vollständig. Ein unhaltbarer Zustand.

Nun hat die NATO mit Zustimmung der Bundesregierung 2014 beschlossen, jedes Mitglied solle bis 2024 zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts in die Verteidigung investieren. Das bringt vor allem wieder die arme SPD in die Bredouille. Sie hatte auch zugestimmt, aber im Wahlkampf 2017 erklärt, die geplante Erhöhung sei „irre“ (Sigmar Gabriel) bzw. als „Politik der Aufrüstung“ zu verdammen (Martin Schulz). Irgendwann wird sich die SPD einmal entscheiden müssen.

Im Sondierungspapier steht, dass in die Bundeswehr in vier Jahren mehr investiert werden soll. Im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten. Für das Zwei-Prozent-Ziel müsste der Verteidigungshaushalt beinahe um das Doppelte wachsen. Das ist innenpolitisch nicht durchsetzbar und außenpolitisch nicht sinnvoll. Die Spannungen mit Russland würden wachsen. Andere NATO-Staaten geben verhältnismäßig wesentlich mehr für die Verteidigung aus als Deutschland. Auch die USA. Das benutzt Donald Trump für seine Propaganda.

Insofern ist eine „Trendwende“ (Ursula von der Leyen, CDU, 2016) mit Augenmaß in der Verteidigungspolitik nötig und muss bezahlt werden. Der Finanzplan bis 2021 sieht deutlich höhere Summen für Verteidigung vor. „Dabei geht es nicht um wildes Aufrüsten für einen neuen Kalten Krieg, das wäre das letzte, was man sich wünscht, sondern um einen Mindeststandard: darum, dass die Bundeswehr glaubwürdig zur Abschreckung beiträgt …“ (Joachim Käppner, SZ 18.1.18).

Wollte man sich angesichts der Politik des US-amerikanischen Präsidenten Donald Trump politisch unabhängiger von den USA machen, wären bei den europäischen NATO-Partnern höhere Verteidigungsausgaben erforderlich.

Das ist mit den Linken und der AfD nicht zu machen.

Mit den Grünen?

Mit der SPD?

 

1863: „Armut darf sich nicht vererben.“

Mittwoch, Januar 31st, 2018

Heinrich Alt war von 2002 bis 2015 im Vorstand der Bundesanstalt für Arbeit für den Arbeitsmarkt zuständig. Er schreibt (SZ 29.1.18) über Langzeitarbeitslose (denen überwiegend eine abgeschlossene Berufsausbildung fehlt):

„Armut darf sich nicht vererben. Für diesen Grundsatz gibt es sicher parteiübergreifend hohe Zustimmung. Was heißt das aber konkret für 1,5 Millionen Kinder, die von Sozialtransfers leben, davon die Hälfte in Haushalten von Alleinerziehenden ohne Bindung zur Arbeitsgesellschaft? Dass 40 Prozent von 1,6 Millionen Alleinerziehenden in Deutschland Leistungen der Grundsicherung beziehen, ist ein – leider nicht wahrgenommener – gesellschaftspolitischer Skandal.

Der Handlungsbedarf ist offenkundig: So lobenswert der quantitative Ausbau der Kinderbetreuung durch die Kommunen ist, so unbestritten ist auch, dass er in erster Linie Familien im Normalarbeitsverhältnis hilft. Es fehlen bezahlbare, besser gebührenfreie Angebote der Kinderbetreuung in Randzeiten, besonders für Alleinerziehende. Dabei sollte man wissen, dass 60 von 100 Alleinerziehenden eine Beschäftigung im Bereich

Pflege, Reinigung, Handel, Hotel und Gaststätten

suchen, alles Tätigkeiten, die sich nicht mit den ’normalen‘ Öffnungszeiten von Kitas und Kindergärten in Einklang bringen lassen.“