Die schwedische Außenministerin Margot Wallström, geb. 1954, eine Sozialdemokratin, war bis 2014 UN-Sonderbeauftragte für sexuelle Gewalt in Konflikten. Sie wird von Patricia Hecht und Johanna Roth (taz 25.5.18) zu ihrem „Aktionsplan für feministische Außenpolitik“ befragt.
taz: Frau Wallström, Sie bezeichnen sich als feministische Politikerin. Angela Merkel gilt als mächtigste Frau der Welt, sagt aber von sich selbst, sie sei keine Feministin. Sehen Sie da ein Problem?
Wallström: Nein. Es geht ja um das Ergebnis. Feministische Politik dreht sich nicht um Theorie, sondern um ganz praktische Dinge. Was ich will, ist, die drei Rs sicherzustellen:
Rights, Representation and Resources.
Das heißt, Menschenrechte müssen auch für Frauen gelten, Frauen müssen an Zusammenkünften wie Friedensverhandlungen teilnehmen, und sie brauchen Ressourcen. Wenn all das gesichert ist, können sie ihr eigenes Leben bestimmen.
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taz: Warum sprechen wir dann überhaupt von feministischer Politik, nicht von demokratischer?
Wallström: Wir können auch von Geschlechtergerechtigkeit sprechen, aber das Wort ‚feministisch‘ heißt für mich nicht mehr, als dass Frauen und Männer gleiche Rechte, Möglichkeiten und Pflichten haben. Feminismus ist kein schlechtes Wort, es bedeutet nicht, dass Frauen Männer hassen.
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taz: Was hat sie zur Feministin gemacht?
Wallström: Wie kann man keine Feministin sein? Ich bekämpfe Geschlechterungerechtigkeit schon mein ganzes politisches Leben lang. Natürlich haben mich die Jahre bei den Vereinten Nationen sehr geprägt. Sie haben mir Albträume beschert und mein Herz schwer gemacht, aber sie haben mir auch Hoffnung gegeben. Ich habe mich mehrfach mit Frauen aus der sysrischen Opposition getroffen, die nicht über die große Politik gesprochen haben, sondern über ihr tägliches Leben: Wie bekomme ich noch für eine Stunde Strom? Woher kriege ich Medikamente für ein krankes Kind, woher Lebensmittel, damit es überleben kann? Das zeigt: Meist sind es Frauen, deren Leben von Konflikten am meisten betroffen ist.
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taz: Sie sagen; Feminismus hilft gegen Krieg?
Wallström: Auf jeden Fall. Wenn Frauen gleichberechtigt sind, wenn sie aktive TeilnehmInnen an Friedensgesprächen sind, sind die Abkommen stabiler, das wissen wir.