Archive for the ‘Wirtschafts- und Finanzpolitik’ Category

2066: Giegold fordert „klare Worte“ von den Kirchen.

Donnerstag, Juli 12th, 2018

Gemeinsam mit Präsidiumsmitgliedern des Deutschen Evangelischen Kirchentags hat der EU-Abgeordnete

Sven Giegold (Die Grünen)

eine Petition zur europäischen Flüchtlingspolitik verfasst. Darin verlangt er „klare Worte“ von den Kirchen. „Von unseren Kirchen in Europa erwarten wir die Verteidigung der Menschenwürde ohne politische Rücksichtnahme.“ In den letzten Wochen sei Abschottung zum Hauptziel der europäischen Politik geworden. Auch bei der Bundesregierung. „Dazu fehlen uns klare Worte von der Spitze unserer Kirchen.“ (KNA, SZ 11.7.18)

Anscheinend sieht Giegold die Kirchen fast als einzige Institution an, die gegen den populistischen Abschottungstrend (u.a. von Nationalisten und Rassisten) erfolgreich vorgehen kann. Giegold ist ein Optimist.

2065: Deutschlands NATO-Beitrag

Mittwoch, Juli 11th, 2018

1. Es steht fest, dass die deutsche rot-grüne Bundesregierung 2002 der Erhöhung des Wehretats in den NATO-Staaten auf zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts zugestimmt hat. 2014 wurde das in Wales bekräftigt.

2. Damit haben Linke und Grüne in Deutschland Probleme. Die Linken, weil sie wie die AfD eher mit dem russischen Despoten Putin verbunden sind, die Grünen, weil sie an die Subventionen für neue Energien und die Energiewende denken.

3. Die nationalistische, falsche und unberechenbare Politik von Donald Trump darf (noch) nicht zu einer Abkehr von den USA seitens von EU und NATO führen.

4. Trump verlangt so unnachgiebig die Erhöhung auf zwei Prozent nicht, weil er damit die NATO stärken, sondern weil er die ökonomischen Konkurrenten (auch in der EU) schwächen will (das ist so ähnlich wie in der Iran-Politik).

5. Putin versteht nur die Politik der Stärke. Er arbeitet im Westen massiv mit Desinformation und der digitalen Beeinflussung von Wahlen.

6. Die NATO wird Trumps Politik nur überstehen, wenn es so etwas wie ein Bündnis im Bündnis gibt. Zwischen der immer noch starken politisch-militärischen NATO-Lobby in den USA und den Europäern und Kanadiern.

7. Deutschland hat die Wehrausgaben im letzten Jahr bereits erhöht und will sie im aktuellen Haushalt weiter erhöhen. Das ist im Bundestag umstritten. Für Angela Merkel (CDU) geht es um „Ausrüstung, nicht um Aufrüstung“. Für das Ressort von Ministerin Ursula von der Leyen (CDU) sind 42,9 Milliarden Euro vorgesehen.

8. Die NATO-Militärausgaben (Anteil am Bruttoinlandsprodukt) sehen folgendermaßen aus: USA 3,6; Griechenland 2,4; Großbritannien 2,1; Estland 2,1; Frankreich 1,8; Norwegen 1,6; Türkei 1,5; Deutschland 1,2; Dänemark 1,2; Luxemburg 0,5.

9. Die Beteiligung von Truppen an NATO-Missionen 2018 (Anteil der eigenen aktiven Truppen) in Afghanistan und dem Kosovo ist folgendermaßen verteilt: Slowenien 3,64; Ungarn 2,64; Deutschland 0,97; USA 0,7; Großbritannien 0,42; Türkei 0,21; Griechenland 0,12; Spanien 0,03; Kanada 0,01; Frankreich 0.

10. Es gibt vier „Lager“ zur Begründung der Militärausgaben: a) Planung und Ausrüstung, b) Einsätze und Entsendungen, c) Quantifizierung der Risiken, d) Beitrag zu Sicherheit und Verteidigung in Europa. Der Bundesregierung ist d) am wichtigsten.

11. Der NATO-Generalsekretär von 2009 bis 2014, der Däne Anders Fogh Rasmussen, fragt: „Wäre die strategische Autonomie Europas angesichts der Instabilität an den Grenzen der EU und der vielen Brände rund um den Globus wirklich ausreichend?“ Die Antwort lautet: Nein, wir brauchen die USA.

12. Fogh Rasmussen: „Das Narrativ der transatlantischen Allianz, die auf unseren gemeinsamen Werten beruht, ist kein naives Märchen: Es ist die Lebensversicherungspolitik für unsere liberalen Demokratien.“

(Daniel Brössler, SZ 9.7.18; AFP, DPA 9.7.18; Stefan Kornelius, SZ 10.7.18; Anders Fogh Rasmussen, SZ 11.7.18)

 

 

2064: Ralf Fücks (Grüne): Zuversicht

Dienstag, Juli 10th, 2018

Angesichts der Bedrohungsszenarien

Atomtod, Waldsterben, Gentechnik und Flüchtlinge

geht in Deutschland verstärkt die Angst um. Der Leiter des Zentrums liberale Moderne bei den Grünen, Ralf Fücks, 66, der vorher Vorstand der Heinrich-Böll-Stiftung war, sieht Gründe für mehr politische und gesellschaftliche Zuversicht. In der SZ (10.7.18) schreibt er:

„Dabei haben wir gute Gründe, zuversichtlich in die Zukunft zu blicken. Die demokratischen Institutionen von heute sind viel robuster als in der Weimarer Republik, und die Demokratie ist viel tiefer in der Gesellschaft verankert. Wir müssen angesichts der AfD nicht in Faschismus-Panik verfallen. Das gilt auch für die wirtschaftlichen Herausforderungen, vor denen wir stehen. Deutschland verfügt über ein großes wissenschaftliches und industrielles Potential, einen starken Mittelstand, eine gut ausgebaute Infrastruktur. Trotz des nachlassenden Elans der Politik sind wir einer der Vorreiter für umweltfreundliche Technologien. Die Staatsfinanzen lassen viel Spielraum für Zukunftsinvestitionen. Neben den Leuchttürmen Berlin, München und Hamburg gibt es eine Vielzahl attraktiver Städte, die junge Menschen aus aller Welt anziehen. Wenn wir uns nicht selbst im Weg stehen, haben wir alle Voraussetzungen, auch künftig ein erfolgreiches Land zu sein.“

2057: CSU-Migrationspolitik vollständig gescheitert

Freitag, Juli 6th, 2018

Österreichs Zurückweisung von Horst Seehofers (CSU) Vorschlägen zur Grenzregelung zeigt eindeutig, dass die CSU-Migrationspolitik vollständig gescheitert ist. Es überrascht ja nicht, dass Nationalisten wie Sebastian Kurz (Österreich) , Matteo Salvini  (Italien), Victor Orban (Ungarn) und andere gerade keine Migranten aufnehmen wollen, sondern die Grenzen schließen. CDU und CSU haben in den letzten Wochen viele faule Kompromisse geschlossen, die alle untauglich waren und das deutsche Ansehen in Europa und der Welt schwer beschädigt haben. Der Schaden ist kaum wieder gutzumachen. Gestiegen ist die Politikverdrossenheit in Deutschland, die am Ende nur der AfD nutzt.

Das ist die Schuld der CSU.

Wenn wir Rechtspopulisten und Nationalisten nach dem Munde reden, werden bei der nächsten Wahl mehr Menschen das Original wählen. Horst Seehofer kann uns leidtun. Seine Karriere neigt sich dem unrühmlichen Ende zu. Sein Rücktritt passte nur noch nicht in das Timing von Alexander Dobrindt (der mit der Maut) und Markus Söder (der mit den Kreuzen) hinein.

2055: Zur Lage von CDU und CSU

Dienstag, Juli 3rd, 2018

Zur Lage von CDU und CSU vgl. meinen Eintrag 2048 vom 30.6.18 „Die CSU verlässt Koalition und Regierung nicht.“.

2049: Wirtschaftsverbände ergreifen Partei für Angela Merkel.

Samstag, Juni 30th, 2018

Die Wirtschaftsverbände Bundesverband der Industrie (BDI), Bundesvereinigung der Arbeitgeberverbände (BDA), Deutscher Industrie- und Handelskammertag (DIHK) und Zentralverband des deutschen Handwerks (ZDH) ergreifen in der Migrationspolitik Partei für Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Und das nicht zum ersten Mal. In einem anderthalbseitigen Schreiben der jeweiligen Präsidenten heißt es: „Mit Sorge blickt die deutsche Wirtschaft auf die Auseinandersetzungen der vergangenen Wochen innerhalb der Bundesregierung.“

„Die deutsche Wirtschaft ist überzeugt, dass nationale Alleingänge mehr Schaden als Nutzen anrichten. Renationalisierung als Antwort auf globale Herausforderungen ist wirkungslos.“

Dass Flüchtlinge in Deutschland berufliche Perspektiven haben, ist den kleineren und mittleren Betrieben zu verdanken. Besonders im deutschen Handwerk. Es gibt inzwischen mehr als 11.000 Auszubildende, die als Asylbewerber aus den wichtigsten acht Herkunftsländern kamen. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit waren zuletzt 229.000 Flüchtlinge sozialversicherungspflichtig beschäftigt, also jeder Vierte aus dieser Gruppe (FAZ 30.6.18).

2047: Vom Gipfeltreffen USA-Russland in Helsinki droht Europa Gefahr.

Freitag, Juni 29th, 2018

Vom Gipfeltreffen Trump-Putin Mitte Juli in Helsinki droht der EU und ganz Europa Gefahr, weil der US-Präsident sich nicht mehr als Vertreter des gesamten Westens betrachtet. Seine nationalistische Wirtschaftspolitik ist nicht zuletzt gegen die EU gerichtet. Das zeigen die Aufkündigung des Pariser Klimaabkommens und des Iran-Deals. Trumps Bekenntnisse zur NATO klingen gequält. Kürzlich hat er Militärmanöver mit Verbündeten (Südkorea) abgeblasen, um einem Diktator (Kim Jong-un) zu gefallen. Trumps Verhältnis zu Russland ist ungeklärt. Warum hat er die Wiederaufnahme Russlands in die G 7-Gruppe gefordert? Hat sich Russland in den US-Wahlkampf eingemischt? Hat Trump als Geschäftsmann von Finanzzuwendungen russischer Geschäftsleute profitiert (Stefan Ulrich, SZ 29.6.18)?

Es ist nicht ausgeschlossen, dass Trump heimlich den Westen verrät und mit Russland paktiert!

Europa muss sich vom US-amerikanischen Einfluss befreien. Wir brauchen eine eigene Außen- und Verteidigungspolitik.

Auf die USA ist kein Verlass mehr.

2039: In der Lausitz ist alles anders.

Freitag, Juni 22nd, 2018

Wir finden heute in Deutschland viel Zustimmung zum Kohleausstieg. Sogar im Rheinland trotz der dortigen Braunkohlevorkommen. Aber nicht in der Lausitz. Und das liegt daran, dass dort die Braunkohle der einzig verbliebene industrielle Arbeitgeber ist, während im Rheinland auch andere Branchen florieren. Jenseits der 60 finden sich in der Lausitz mehr Gegner als Befürworter des Kohleausstiegs. Dort ist die AfD sehr stark. Sie leugnet bekanntlich den Klimawandel und hält Klimapolitik für überflüssig. Trotzdem möchten 55 Prozent ihrer Anhänger in der Lausitz den Kohleausstieg (Michael Bauchmüller, SZ 29.5.18).

2038: Die Pressekonzentration steigt.

Donnerstag, Juni 21st, 2018

Die zehn größten Verlagsgruppen in Deutschland haben ihren Anteil am Tageszeitungsmarkt von 2016 auf 2017 um 1,8 Prozent auf 61,6 Prozent erhöht. Das zeigt die neueste Untersuchung des Formatt Instituts von Horst Röper. Er sieht die Branche von einer „neuen Welle“ erfasst. Es werde viel über Kooperationen und Fusionen verhandelt.

Insbesondere im Lokalen nehme die Vielfalt ab.

Nutznießer seien fast ausschließlich die auflagenstärksten Verlagsgruppen, die mit Zukäufen Synergien erzeugten und Stückkosten senkten.

Verantwortlich für diese Entwicklung sind Auflagenrückgänge und gesunkene Werbeeinnahmen bei Tageszeitungen. Sie erreichen 2016 nur gut 40 Prozent ihres Umsatzes von 1999, dem letzten Jahr einer bis dahin von anhaltenden Zuwächsen bestimmten Entwicklung. Diese Verluste konnten die Verlage nur zum Teil durch Steigerungen der Vertriebserlöse ausgleichen.

Dadurch werden in Deutschland die

Meinungsfreiheit, die Informationsfreiheit und die Pressefreiheit

gefährdet. Insbesondere im Hinblick auf lokale Informationen ist das besorgniserregend. Die Digitalausgaben der Zeitungen verzeichnen einen gebremsten Aufwärtsttrend. Diese digitalen Angebote nennt Horst Röper „niedrigschwellig“. Sie würden den Verlagen mit geringen Bezugspreisen auch zur Gewinnung von Neukunden dienen (DADE, SZ 14.6.18).

2036: USA entziehen Entwicklungsprojekten Geld, wenn sie aufklären.

Mittwoch, Juni 20th, 2018

Die USA (unter Trump) entziehen Entwicklungsprojekten Geld, wenn sie über Schwangerschaften informieren und aufklären. Davon sind auch deutsche Partner betroffen. Etwa die Stiftung Weltbevölkerung (DSW), eine NGO, die sich mit Gesundheitsfragen und Familienplanung befasst. Das Bundesentwicklungsministerium (BMZ) meint dazu: „Leidtragende sind vor allem Frauen und Mädchen, denen der Zugang zu essenziellen Leistungen verwehrt bleibt, zum Beispiel zu professioneller Geburtshilfe oder modernen Verhütungsmethoden.“ (Eva Oer, taz 8.6.18).