Archive for the ‘Sport’ Category

John Coates (Australien) als Cas-Chef gewählt

Donnerstag, November 18th, 2010

Neuer Leiter des Weltsportgerichtshofs Cas ist nicht etwa der konsequente und unbeirrbare Richard Pound geworden, der acht Jahre lang die Welt-Doping-Agentur Wada erfolgreich geleitet hat. U.a. hatte er sich gegen den mächtigen Präsidenten des Weltradverbands Hein Verbruggen durchgesetzt. Gewählt wurde John Coates. Er gehört dem IOC an und ist seit 1990 Chef des Australischen Olympischen Komitees (ACO). Außerdem ist er seit 1994 Mitglied des Cas.

 Bekannt geworden ist Coates für seine Beteiligung an der Korruption bei der Vergabe der Olympischen Spiele 2000 an Sydney. 1993 reiste er durch zehn afrikanische Länder, die zufällig alle ein IOC-Mitglied hatten, und schloss Kooperationsverträge. Jedem NOK zahlte die ACO 18 000 australische Dollar zur Athletenausbildung. Rund das Zehnfache wurde geboten, falls Sydney die Spiele hole. Als es kurz vor der Entscheidung so aussah, als könne Peking gewinnen, verabredete Coates ein Treffen mit den IOC-Vertretern Ugandas und Kenias und bot ihnen eine Sondersolidaritätszahlung von 35 ooo US-Dollar. Am nächsten Tag gewann Sydney mit 45:43.

Richard Pound erlitt die zweite Niederlage bei der Wahl zum Cas-Präsidenten. Die Wada ist unter John Fahey (Australien) (seit 2007) zur Alibi-Institution für internationale Spitzenfunktionäre des Weltsports geworden, die nun so tun können, als täten sie etwas gegen Doping.

 Glauben wir das?

Spanien: ein würdiger Fußballweltmeister

Montag, Juli 12th, 2010

Durch ein Tor von Andres Iniesta (FC Barcelona) kurz vor Schluss der Nachspielzeit gegen die Niederlande hat Spanien verdient den Weltmeistertitel gewonnen. Der beste Spieler des Turniers hat hier das entscheidende Tor geschossen. Dabei verfallen wir nicht in den Tore-Fetischismus, wie er ansonsten im Sportjournalismus weithin üblich ist. Spaniens Torjäger David Villa (FC Valencia), der in den Spielen vorher ziemlich entscheidend gewesen war, hatte im Endspiel schon seine Form verloren. Dann übernimmt in einer leistungsstarken Mannschaft eben ein anderer die Rolle des Torschützen. Und bei der Fußballweltmeisterschaft 2010 hat der deutsche Aufsteiger Thomas Müller (Bayern München) die meisten Tore geschossen.

Spanien dominierte im Endspiel mit seinem gewohnt technisch brillanten Kurzpassspiel, mit einer sehr sicheren und flexiblen Abwehr, mit Kondition, Geduld und Torgefährlichkeit. Die Mannschaft hat sich als die weltbeste im Turnier in Südafrika gezeigt. Dabei war der Gegner vorher kaum weniger überzeugend aufgetreten. Die Niederländer mit ihrer hohen spielerischen und taktischen Intelligenz und mit ebenfalls herausragenden Einzelspielern hatten sich auf Konter kapriziert. Angesichts der von Anfang an dominierenden Spanier mussten die Niederländer, um den Spielfluss der Iberer zu unterbinden, mehr und mehr zu „taktischen Fouls“ greifen, die immer brutaler wurden. Der Spieler, der diese Spielweise wie kein anderer verkörpert und beherrscht, Mark van Bommel (Bayern München), hätte schon in der ersten Halbzeit die gelb-rote Karte verdient gehabt. Nigel de Jong (Manchester City) die rote. Es traf dann Johnny Heitinga (FC Liverpool) nach der Pause mit einer gelb-roten Karte. Die sehr guten niederländischen Spieler machten sich wie schon häufiger vorher durch ihr „rationales“ Spiel unbeliebt. Arjen Robben (Bayern München) erschien dabei – nicht ganz zu Unrecht – als verbissener Freistoß- und Elfmeterschinder.

Bei der Weltmeisterschaft in Südafrika hat sich also das System des FC Barcelona durchgesetzt wie schon bei der Europameisterschaft 2008. Das liegt gewiss nicht zuletzt auch an der dort seit langem sehr gut ausgebauten Nachwuchsarbeit (Lionel Messi) und an guten Trainern. Dass hier auch viele sehr teure Spieler gekauft werden, versteht sich von selbst. Allerdings ist der Klub auch dadurch hoch verschuldet, was die Fans möglicherweise wenig interessiert. Jedenfalls hat Barcas neuer Präsident Sandro Rosell während der WM bekannt gegeben, dass der Verein einen Kredit von 150 Millionen Euro benötigt, unter anderem um die zum 30.6.2010 fälligen Spielergehälter bezahlen zu können. Und sollte der FC Barcelona, was sich hier und da schon angedeutet hat, auch noch für die Unabhängigkeitsbestrebungen Kataloniens instrumentalisiert werden, dann wird der Fußball hier politisch missbraucht.

Matze Knop ist der wahre Waldemar mit einem Hauch von Ewigkeit.

Sonntag, Juli 4th, 2010

Unsere Fußball-Reporter im Fernsehen bei der Fußballweltmeisterschaft haben es nicht leicht. Sie werden von Millionen von Zuschauern wahrgenommen und verglichen. Sie sind stilprägend. Und in der FAZ vom 2.7. sind sie von einer Gruppe von Kollegen (pek, thom, uweb, vw, kau, miha und tob, wobei ich die Kürzel nicht alle kenne) recht kenntnisreich karikiert und kritisiert worden. Dabei liegt in der Karikatur natürlich auch eine ungerechte Überteibung, die nicht immer dem gerecht werden kann, wie die Reporter (auf Neudeutsch : Kommentatoren) uns informieren und wie sie uns unterhalten.

Bei Steffen Simon, den thom in den Fußstapfen von Heribert Fassbinder sieht, wird sein Sinn für überflüssige Detailinformationen betont. Das wäre ja noch nicht so schlimm, wenn nicht die verfehlte Unterstellung mitschwingen würde, dass Fassbinder gültige Maßstäbe gesetzt habe. Das war ja bei diesem Sportberichterstattungs-Bürokraten niemals der Fall. Insofern macht Steffen Simon vielleicht gar nicht so viel falsch.

pek sortiert Oliver Schmidt nicht wenig treffend in die Familie der „Dauer-Floskler“ ein. Und Jürgen Klinsmann hat noch unter dem verfrühten Ende seiner Trainerzeit beim FC Bayern München zu leiden. vw nimmt es ihm übel, dass er sich so zurückhält. „Aber wenn er aller Welt einmal eindrucksvoll beweisen wollte, dass das Sommermärchen 2006 nichts mit ihm und seinem Fachwissen, aber dafür alles mit Jogi Löw zu tun hatte, dann ist ihm das mit seinem Einsatz bei RTL sehr authentisch gelungen. Immerhin ist jetzt auch in Deutschland jedem klar, warum sie ihn in England immer nur ‚Diver‘ genannt haben. Keiner taucht so überzeugend ab wie er.“

Hohes Lob erfährt Tom Bartels (vw). „Er ist der seltene Fall eines Kommentators aus dem Off, der seine Unsichtbarkeit nicht durch Brachial-Metaphern, Über-Emotionen und angebliche Prognosenkünste kompensieren zu müssen glaubt. Er ist ein Fachmann im Hintergrund, seriös, kundig, zurückhaltend. Ein Dienstleister der Fußballfreunde, Auskenner mit Mut zur kurzen Stille. Und wenn er dann doch einmal, wie im Spiel gegen Ghana, Mesut Özil nach einer verpassten Torchance ein ‚Verdammt noch mal!‘ zuruft, dann hat das aber auch seine Wirkung. Der nächste Ball war dann drin.“ Da schneidet Béla Réthy mit seiner anbgeblichen Glossolalie (bedeutungsvolles Reden in Zungen) schon schlechter ab, weil er in seinem opportunistischen Stil immer auf Seiten des Siegers ist (pek), eine wirklich weit verbreitete Unsitte im deutschen Sportjournalismus.

Delling und Netzer (tob) mussten scheitern, weil sie sich in ihrem stets etwas gestelzt wirkenden Stil nie ändern durften. Und Müller-Hohenstein im ZDF verkneift sich den Hang zu versemmelten Pointen, weil sie erst gar keine setzt. Wohl aus Mangel an Fachkenntnis. Dafür überdrehen Jauch und Klopp bei RTL. Und uweb kann sich des Gedankens nicht erwehren, „wie nervend es sein muss, von ihm (Klopp), dem Trainer von Borussia Dortmund, über eine ganze Saison hinweg dauermotiviert zu werden“. Davon hebt sich Mehmet Scholl ab, der stets klarmacht, wie überflüssig der Moderator Beckmann ist. „Denn Scholl könnte stundenlang reden, ohne eine einzige der witzlosen Phrasen und Beliebigkeiten, die Beckmann in jedem zweiten Sazu gelingen. Scholl sagt, was er gesehen hat, vom Moderator ist schon vorher bekannt, was er gesehen haben wird.“

Bleibt als Höhepunkt „Waldis WM-Club“, der nach pek mit seinen „Viktualien“ bereits in „zeiltlose Sphären“ vorgestoßen ist und in dem ein Hauch von Ewigkeit spürbar wird. Aber erst dann wirklich, wenn Matze Knop als Waldi in „Waldis WM-Club“ der wahre Waldemar wird.

Brasilien wird Weltmeister.

Mittwoch, Juni 30th, 2010

Ginge man bei der Analyse der Fußballweltmeisterschaft 2010 nach dem Achtelfinale schematisch vor, so kristallisierte sich schnell die Erkenntnis heraus, dass Südamerika mit vier verbliebenen Manschaften (Brasilien, Argentinien, Uruguay, Paraguay) der erfolgreichste Kontinent ist. Vor Europa (Niederlande, Spanien, Deutschland) und Afrika (Ghana). Und tatsächlich ist festzustellen, dass Afrika und Asien kaum aufgeholt haben. Das liegt bei den afrikanischen Verbänden wahrscheinlich an den dortigen Strukturen, der Korruption und der nicht immer optimalen Vorbereitung. Ich zähle viele afrikanische Verbände zum System Blatter.

 Von den Gruppen A bis H sind bis auf die Gruppe C (1. USA, 2. England) alle Gruppenersten im Viertelfinale. Die Deutschland-Gruppe ist noch zweimal vertreten (Deutschland und Ghana). Das gibt schon zu denken. Die Probleme im französischen Verband und ein uneinsichtiger Trainer, der seinem südafrikanischen Kollegen, dem Brasilianer Parreira, sogar den Handschlag verweigert, sind inzwischen hinreichend bekannt. Und England hat ja seit vielen Jahren nicht die Spieler, hatte sie bis auf 1966 nie. In der Premiere League dominieren die Ausländer. Hier kommen wir auf einen entscheidenden und für diese Weltmeisterschaft 2010 bestimmenden Gesichtspunkt. Die stärksten und wichtigsten Spieler arbeiten in europäischen Ligen (England, Deutschland, Spanien, Italien). Von dort haben sie die Kondition, die Disziplin und das taktische Verständnis. Dass dann so unterschiedliche Typen wie Maradona, Dunga und Löw die Inspiratoren ihrer Mannschaften sein können, wird durch den Verlauf des Turniers bestätigt. Einzelne Spieler wie Messi, Ronaldo und Iniesta dominieren noch nicht so wie erwartet. Das hat sich bei früheren Weltmeisterschaften auch erst nach dem Finale gezeigt. Ronaldo bringt sich durch seine Mätzchen um seine internationale Anerkennung. Der Spieler, der bisher am meisten für seine Mannschaft bewirken konnte, ist Bastian Schweinsteiger.

Die deutsche Mannschaft spielt erfreulich erfolgreich. Das liegt eindeutig am Team Joachim Löws. Der Ausfall Ballacks hat zu einer neuen, größeren Beweglichkeit im Mittelfeld (Schweinsteiger, Khedira, Müller und Özil) geführt, die die deutsche Mannschaft relativ unberechenbar macht. Dabei sind die Schwächen in der deutschen Hintermannschaft unübersehbar (Badstuber, Mertesacker, Neuer). Könnte nicht einmal Boateng rechts und Lahm links verteidigen? Übrigens ist der schöne Erfolg der deutschen Fußballnationalmannschaft auch noch ein Resultat des Systems Klinsmann. Dies ist den deutschen Fußballzuschauern schwer zu vermitteln, die autoritäre Hammel besser verstehen, weil sie einfacher zu verstehen sind. Jürgen Klinsmann ist m.E. persönlich daran gescheitert, dass er zu „kalt“ und berechnend erscheint, nicht an seiner Kompetenz. Und Themen wie „Zapfenstreich“ und Frauen bei den Spielern sind unbedeutend geworden. Außer bei den Straßenverkaufszeitungen, die in dieser Hinsicht kaum ernst zu nehmen sind. Bei den Reportern im Fernsehen frage ich mich manchmal, ob sie sich eher einer sportlichen Berichterstattung oder dem Erreichen von Marktanteilen verpflichtet fühlen. Bei Letzterem müssen dann die üblichen Vorurteile gepflegt werden. Brasilien zum Beispiel ist bisher souverän durch das Turnier gegangen. Den Reportern und ihren Zuschauern reicht das aber nicht. Sie wollen einmal einen Favoriten fallen sehen. Dafür haben wir Verständnis.

Zum Schluss eine Prognose: Brasilien und Deutschland erreichen das Endspiel. Und Brasilien wird Weltmeister.