Archive for the ‘Sport’ Category

Henry Kissinger ermittelt bei der Fifa.

Freitag, Juni 3rd, 2011

Die Skandalgeschichte der Fifa geht weiter. Der mit 186 von 203 Stimmen zum Präsidenten wiedergewählte Joseph Blatter hat intern zwei Ethikkommissionen etabliert. In einer davon arbeitet Henry Kissinger, der aus Deutschland stammende ehemalige US-Außenminister mit. Anscheinend sollen die Korruptionsvorwürfe gegen die Fifa geprüft werden. Bei der bisher von Blatter eingesetzten Ethik-Kommission war nichts herausgekommen außer neuen Korruptionsvorwürfen.

Bei der Wahl 1998 setzte sich Blatter gegen Lennart Johannsson (Schweden) durch, den seinerzeitigen Uefa-Präsidenten. In der Nacht vor der Wahl erhielten afrikanische Delegierte je 50.000 Dollar bar auf die Hand. Blatter erklärte, es habe sich um „notleidende Verbände“ gehandelt. Später konnte er sich nicht mehr erinnern. In der „Süddeutschen Zeitung“ vom 1./2. Juni und vom 3. Juni 2011 bereiten Thomas Kistner und Claudio Catuogno nicht zum ersten Mal die bisher bekannten Informationen, im Wesentlichen Vorwürfe, auf. U.a. berichten sie von einem somalischen Funktionär, der 25.000 Dollar von Blatters Privatkonto erhalten hat, um gegen andere afrikanische Delegierte auszusagen.

2002 zeigten elf von 24 Fifa-Vorstandsmitgliedern Blatter wegen Misswirtschaft und Amtsmissbrauch an, nachdem Generalsekretär Michel Zen-Ruffinen ein Dossier über Blatters Amtsführung vorgelegt hatte. Die Anklage wurde niedergeschlagen. Blatter: „Die Fifa bietet Erziehungsarbeit für alle Gesellschaftsschichten, sie ist eine Lebensschule.“

2007 bootete die Fifa ihren langjährigen Sponsor Mastercard gegen Visa nicht ganz einwandfrei aus. Die Fifa musste einem 105-Millionen-Dollar-Vergleich zustimmen. Marketing-Chef Jerome Valcke wurde kaltgestellt. Kurz darauf machte ihn Blatter zum Generalsekretär.

2010 wurden – in der Folge einer Rechteagentur-Pleite – Schwarzgeldzahlungen an hohe Fifa-Funktionäre gerichtskundig, von denen Blatter selbst nichts gewusst haben will.

Beim Fifa-Kongress 2011 waren mehrere asiatische Fußball-Verbände vorher abgereist, weil Blatters Konkurrent Mohammed bin Hamam aus Katar sich wegen angeblicher Bestechung gezwungen gesehen hatte, seine Kandidatur zurückzuziehen. Gemeinsam mit dem Vorstandsmitglied Jack Warner (Trinidad/Tobago), der 30 Tage aus dem Verkehr gezogen wurde, soll bin Hamam 25 karibischen Fußballverbänden jeweils 40.000 Dollar zugesteckt haben, damit diese Blatters Gegenkandidaten wählen. Nach Meinung der Ethikkommission hat Joseph Blatter nichts gewusst. Unbestritten ist demgegenüber, dass Blatter selbst dem Kontinentalverband für Nord- und Mittelamerika (Concadaf) beim Kongress in Miami eine Million Dollar „zur freien Verwendung“ zugeleitet hat. Nach Blatters Meinung hat er dazu das Recht. Allerdings ist es eigentlich verboten, während des Wahlkampfs Fifa-Gelder einzusetzen. Generalsekretär Jerome Valcke, laut Fifa-Statut zu strikter Neutralität verpflichtet, hatte Jack Warner aufgefordert, die Unterstützung der Concadaf für Blatter zu verkünden.

So können wir uns vorstellen, wie Blatters Wahl zustandegekommen ist.

Blatter hatte auf dem Kongress mehr Transparenz  versprochen. Er überraschte die Delegierten mit drei Beschlussvorlagen, die gemeinsam binnen 15 Sekunden wie im Fernsehen abzustimmen waren. a) Die Fußball-WM wird künftig vom Fifa-Kongress vergegen, der Vorstand hat nur noch ein Vorschlagsrecht. b) Eine „Lösungs-Kommission“ soll „Anklagen intensiv nachgehen“. c) Hinzu kommt eine mit Ermittlern besetzte neue Ethik-Kommission.

Ins Fifa-Exekutiv-Komitee eingezogen ist auch der DFB-Präsident Theo Zwanziger. Er ist einer der Haupt-Verbündeten von Joseph Blatter. Dazu schreibt Thomas Kistner in der SZ am 1./2.6.2011: „Dass der DFB einem Mann die Steigbügel hält, der sein selbstkreiertes Chaos bis ins achtzigste Lebensjahr verwalten will, ist beschämend. Ein vorausschauender Verband sollte an Englands Seite für die Verschiebung der Wahl eintreten, über die längst die ganze Welt lacht.“

Wettbetrug läuft. René Schnitzler (FC St. Pauli): 70 bis 80 Prozent der Fußballspieler zocken.

Sonntag, Januar 30th, 2011

In der FAZ vom 29.1.2011 untersucht Christoph Becker den Wettbetrug. Er stützt sich auf Erkenntnisse aus dem Bochumer Wettbetrugs-Prozess. Im März werden die Urteile gegen die geständigen Nürettin G. und Tuna A. erwartet. Und am 24.Februar beginnt der Prozess gegen Ante Sapina, Marijo Cvrtak und vier weitere Zocker. Diese Angeklagten haben es schon zu einiger Berühmtheit gebracht.

Ante Sapina hat inzwischen von seinen Anfängen berichtet: „Ich habe nachgeschaut, ob Kobe Bryant bei den Los Angeles Lakers verletzt ist. Konnte er nicht spielen, habe ich gegen die Lakers gesetzt und gewonnen, weil die Wettbüros ihre Quoten nicht angepasst haben. Damals habe ich sehr oft gewonnen, es war auf die Dauer nicht allzu schwer, im Vorteil zu sein.“

2004 kam der Fall Hoyzer. Der Betrug flog auf. Sapina musste nicht ins Gefängnis, war im offenen Vollzug. Es fiel ihm anscheinend leicht, 1,8 Millionen Schadensersatz an die deutsche Klassenlotterie zu zahlen. Nun meldeten sich nicht nur die Zocker bei ihm, sondern auch die Wettanbieter. Sapina bekam Kontakt zu Buchmachern in London. Er will sie drei- bis viermal getroffen haben. „Mir wurde gesagt, wenn ich offenlege, wo manipuliert wird, könne ich größere Summen setzen.“

Das System funktioniert. Und es funktioniert im Vergleich mit anderen Sparten der organisierten Kriminalität ziemlich gewaltlos. „Gewalt spielt nach unseren Erkenntnissen so gut wie keine Rolle“, sagen die Bochumer Ermittler. Dutzendfach gibt es in deutschen Großstädten Wettbüros, dazu kommen illegale Casinos in ganz Deutschland. Außerdem zocken nach den Aussagen des geständigen ehemaligen St. Pauli-Spielers René Schnitzler 70 bis 80 Prozent der Fußballspieler in Deutschland.

„Besser als Geld ist mehr Geld. Und wer alles verspielt hat, muss sehen, wie die Schulden ausgeglichen werden. Die Wettpaten sind da kulant, denn das nächste Punkt- oder Pokalspiel kommt bstimmt. Und doch bleiben etliche der inkriminierten Fußballspieler , von der Oberliga bis zum Profifußball standhaft bei ihrer Version, zwar Geld angenommen, aber nie Spiele verschoben zu haben. Kaum zu glauben.“

In der Schweiz und in der Türkei gibt es inzwischen Ermittlungsverfahren. Durch Interviews bekannt wurde der Niederländer Paul Rooij. Der Malaie William Bee Wah Lim wurde 2007 in Frankfurt zu zwei Jahren und fünf Monaten Haft verurteilt. Später auf freien Fuß gesetzt. Er ist untergetaucht. Zudem gelten die Fußball-Ligen in Griechenland und der Türkei als stark manipuliert. Und es sei grotesk anzunehmen, dass eine Liga wie in Italien frei sei von Manipulationen, heißt es aus Kreisen von Ermittlern. „Das sagt einem schon der gesunde Menschenverstand.“

Beim Champions-League-Spiel zwischen Debrecen und Florenz im Oktober 2009, für dessen Manipulation der montenegrinische Keeper des ungarischen Meisters 100.000 Euro erhalten haben soll, kamen Cvrtak und Sapina nach Erkenntnissen der Ermittler zu spät. Eine andere Bande hatte schon gezahlt.

Leo Kirch setzt BayernLB unter Druck.

Sonntag, Januar 30th, 2011

Leo Kirch, Filmhändler und einstmals Eigentümer der „ProSiebenSat 1 Media“, verlangt für sich Ausgleichszahlungen aus dem neuen Korruptionsfall der Formel 1 (Klaus Ott/Nicolas Richter in der SZ vom 29./30.1.2011). Er will Schadensersatz. Falls die BayernLB im Fall der 50 Millionen Dollar, die der Ex-Vorstand Gerhard Gribowsky als Bestechungsgelder erhalten hat und deswegen in U-Haft sitzt, nicht energisch genug durchgreife, will Kirch die Bank in Regress nehmen.

Der Medienhändler hatte die Formel 1 vor zehn Jahren gekauft und dabei einen Milliardenkredit der BayernLB und zweier weiterer Banken erhalten. Kirch ging 2002 pleite. Die Formel 1 fiel an die Banken. Die BayernLB verkaufte ihren Anteil Ende 2005 an den Finanzinvestor CVC und holte sich so den größten Teil des Geldes zurück, das sie Kirch für die Formel 1 geliehen hatte. Kurz darauf kassierte Gerhard Gribowsky, der das Geschäft eingefädelt hatte.

Kirch nimmt an, dass die BayernLB die Rennserie weit unter Wert verkauft hat. Bei höheren Erlösen wäre auch für ihn einiges übrig geblieben. Insofern gehe die Korruption auch zu seinen Lasten. Für Kirchs Vorwürfe gibt es bisher keinen Beweis. Kirch möchte die BayernLB zwingen, von Gribowsky und CVC Schadensersatz zu verlangen und den Verkauf der Formel 1 rückgängig zu machen. Da das Geschäft auf illegalen Machenschaften beruhe, sei es hinfällig. Dadurch habe die BayernLB Anspruch auf einen Großteil der seit 2005 von der Formel 1 erzielten Gewinne.

Dringt Leo Kirch mit seinem Begehren durch, kommt das auch dem Steuerzahler sehr zugute.

Contador ein Jahr gesperrt

Sonntag, Januar 30th, 2011

Tour-de-France-Sieger Alberto Contador (Spanien) soll nach einem Urteilsspruch des spanischen Radsportverbandes RFEC ein Jahr gesperrt werden. Das würde die Aberkennung des Tour-Sieges 2010 und den Verzicht auf die Tour 2011 bedeuten. Contador war bei der Tour 2010 im Juli positiv auf das Kälbermastmittel Clenbuterol getestet worden. Contador führt den Befund auf den Genuss eines verunreinigten Steaks zurück. Er bestreitet Doping. Unterstützt wird Contador von seinem neuen Teamchef, dem geständigen Dopingsünder Bjarne Riis.

Dortmunds Piszczek zeigt sich selber an.

Sonntag, Januar 30th, 2011

Laut sid hat sich Dortmunds Verteidiger Lukas Piszczek im Dezember 2009 bei der Staatsanwaltschaft Wroclaw (Breslau) selber angezeigt. Es geht um einen Vorfall am letzten Spieltag 2005/06. Damals spielte Piszczek für Zaglebie Lubin. Der Klub benötigte noch einen Punkt. Laut „Kicker“ kaufte er einSpiel für 25.000 Euro. Piszczek soll dazu Geld gegeben haben.

Dazu Piszczeks Dortmunder Trainer Jürgen Klopp: „Das ist keine Bagatelle, und man muss auch nicht so tun. Aber wenn man relativ weit hinten steht in der Hierarchie und andere so was tun, ist es schwer, sich rauszunehmen. In Polen ist das abgeschlossen, für uns sowieso.“

Ja, dann betrügt mal schön!

5 St. Pauli-Profis der Spielmanipulation für Wetten beschuldigt

Dienstag, Januar 25th, 2011

René Schnitzler hat im „Stern“ eingestanden, von dem niederländischen Wettpaten Paul R. 100.000 Euro für die Manipulation von fünf Zweitligaspielen 2008 angenommen zu haben. Allerdings habe er tatsächlich nie manipuliert. Diese Aussage deckt sich (Thomas Kistner in der SZ vom 24.1.2011) teilweise mit der Aussage des Wettpaten Marijo C. im aktuellen Bochumer Wett-Prozess. Danach geht es u.a. um die FC St. Pauli-Spiele am 11.5.2008 (0:2 gegen Alemannia Aachen), am 18.5.2008 (1:5 gegen Mainz 05) und am 23.11.2008 (2:2 in Mainz gegen Mainz 05). St. Pauli Teammanager Christian Bönig hat dpa mitgeteilt, diese Partien seien dem Verein bekannt. Er habe darüber mit der Staatsanwaltschaft und der DFL gesprochen.

 Marijo C. hat nach eigener Aussage Paul R. in den Niederlanden besucht, um die Möglichkeiten für eine Zusammenarbeit abzuklären. Er will dort erfahren haben, dass die Spieler pro verschobener Partie 150.000 Euro erhalten würden. St. Paulis Trainer Holger Stanislawski habe nach der 0:2-Niederlage gegen Aachen geschäumt und taktische Mängel seiner Mannschaft beklagt. Dies habe ihn, so Marijo C., vom Einfluss Paul Rs. überzeugt. Marijo C. will die Namen der fünf Spieler erfahren, jedoch nur René Schnitzler getroffen haben. Das sei auf Veranlassung Paul Rs. in Amsterdam geschehen.

Wir Fußballfans können wahrscheinlich ganz ruhig bleiben; denn Staatsanwaltschaft und DFL sind ja eingeschaltet. Die haben gewiss ein großes Interesse an der Aufklärung der Fälle. Und vermutlich handelt es sich wieder nur um Einzelfälle. Oder? „Marijo C. hat nach Aktenlage einige weitere klangvolle Namen im Angebot. Darunter einen russischen Nationalspieler, der einmal auf ein manipuliertes Spiel als Zocker mit eingestiegen sein soll.“ Das kann ja noch lustig werden.

Uefa-Präsident Michel Platini hat Angst vor „mafiösen Strukturen“ der Wettbetrüger.

Montag, November 22nd, 2010

Wie sid meldet, hat Uefa-Präsident Platini Angst vor den „mafiösen Strukturen“ der Wettbetrüger. Er verlangt deshal eine internationale Sportpolizei. „Es ist zu gefährlich geworden, selbst zu ermitteln. Da gibt es mafiöse Strukturen mit Leuten, die nicht mit sich spaßen lassen. Wir sind die Uefa, nicht Scotland Yard. Wenn es um kriminelle Machenschaften geht, sind Polizei und Justiz gefragt. Aber wir ermitteln nicht mehr selbst im kriminellen Milieu.“ Interpol habe der Uefa vor kurzem eine Arbeitsgemeinschaft angeboten. Das wäre für Platini ein Anfang.

Die Europameisterschaft 2012 werde unabhängig von den Vorwürfen des Zyprers Spyros Marangos in Polen und der Ukraine ausgetragen. Platini: „Sollten Unregelmäßigkeiten bei der Vergabe nachgewiesen werden können, werden wir die Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen. Aber die EM wird wie geplant stattfinden.“

Korruption von Exekutivmitgliedern hält Platini nach den Fällen der inzwischen gesperrten Fifa-Vertreter Amos Adamu (Nigeria) und Reynald Temari (Tahiti) nicht für ausgeschlossen. „Natürlich sind nicht alle Mitglieder des Exekutivkomitees korrupt. Aber dass es ein zwei Leute gibt, die so etwas tun, halte ich für denkbar.“

Platini fordert ein neues Prozedere bei der Vergabe von Großveranstaltungen. Es gehe bei der Vergabe von Weltmeisterschaften, Europameisterschaften und Olympischen Spielen um zu viel Geld. „Vielleicht müsste man versuchen, ein besseres System zu finden.“

Florian Busch wegen Dopings nicht in der Eishockey-Nationalmannschaft

Freitag, November 19th, 2010

Marc Heinrich berichtet am 19.11. in der FAZ davon, dass der Topscorer der Berliner „Eisbären“, Florian Busch, nicht in der Eishockey-Nationalmannschaft spielt, weil er sich nach dem verweigerten Doping-Test vom März 2008 dazu nervlich nicht in der Lage sieht. Es ist der zweite einschlägige Fall nach Sascha Goc von den „Hannover Scorpions“. Wie der Generalsekretär des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB), Franz Reindl, mitteilt, hat Florian Busch „panische Angst wieder einen Fehler zu machen. Er sagt, er sei den Anforderungen nicht gewachsen.“ Nach Reindl kommt Busch mit den Richtlinien einfach nicht zurecht.

Eishockey-Nationalspieler werden im „nationalen Testpool“ geführt. Sie sind zu Beginn eines Quartals verpflichtet, am Rechner ihre Aufenthaltsorte für die kommenden drei Monate mitzuteilen. Alle Aktivitäten an Schule, Universität oder Arbeitsplatz müssen auf dem letzten Stand gehalten werden, auch Übernachtungsorte, Trainingszeiten im Verein und Wettkampftermine. Nach Buschs Verweigerung des Doping-Tests 2008 war die Welt-Doping-Agentur (Wada) eingeschaltet worden, die den Fall an Internationalen Sportgerichtshof (Cas) in Lausanne weitergeleitet hatte. Im November 2008 endete das Verfahren mit einem Freispruch Buschs vor dem Schweizer Bundesgerichts wegen formaler Gründe.

Der Manager der Berliner „Eisbären“, Peter John Lee, wirbt um Verständnis für Florian Busch. „Man muss sich in Florian Buschs Lage versetzen, um richtig zu verstehen, was er fühlt. Wenn man einmal mit dem Flugzeug abgestürzt ist und diesen Absturz überlebt hat, dann wird man auch nicht so schnell und ohne Bedenken wieder in ein Flugzeug steigen. Ähnlich ist das bei ihm auch.“

Zwölfjähriger gedopt und gesperrt

Donnerstag, November 18th, 2010

Wie der „Spiegel“ vom 15.11.10 berichtet, war der zwölfjährige Kartfahrer Igor Walilko bei einem Rennen in Ampfing/Bayern im Juli gedopt. Im Oktober sperrte ihn der Internationale Automobilverband (FIA) für zwei Jahre (Höchststrafe). Bei Walilko war das Aufputschmittel Nikethamit nachgewiesen worden. Die Substanz ist in rezeptfreien Lutschbonbons enthalten. Walilkos Vater, ein Metall-Unternehmer aus Zielona Góra (Polen), kann sich das Doping nicht erklären.

Walilkos Anwalt, Michael Lehner aus Heidelberg, sieht in dem Beschluss der FIA ein „Unrechtsurteil“. Er will vor den Internationalen Sportgerichtshof ziehen. Sein Mandant sei strafunmündig, werde aber behandelt wie ein „krimineller Doper“.

Vielleicht ist Igor Walilko strafunmündig und trotzdem gedopt gewesen.

Alberto Contador – doch nicht gedopt?

Donnerstag, November 18th, 2010

War Alberto Contador (Spanien), der aktuelle Tour de France-Sieger, doch nicht gedopt, wie es die gesamte Fachwelt seit September angenommen hatte? Wie Javier Cáceres in der SZ vom 18.11.10 berichtet, hält die Wada die Behauptung Contadors, sein positiver Dopingtest vom Juli sei auf den Verzehr eines medikamentenverseuchten Kalbsfilets zurückzuführen, nach wie vor für nicht stichhaltig. Damit wäre eine Dopingstrafe für Contador fällig.

Über Sanktionen muss allerdings der spanische Verband befinden. Dessen Präsident Juan Carlos Castano hat sich allerdings schon gewünscht, dass Contador unschuldig sei. Unterstützung hat er nun vom Präsidenten des spanischen Olympischen Komitees, Alejandor Blanco, erhalten. Für ihn ist Contador eine der wichtigsten Bezugspersonen des spanischen Sports. Blanco: „Er sagt, dass er sich nicht gedopt habe, und ich glaube ihm. Jetzt ist der Moment der Wahrheit, in dem wir ihn unterstützen müssen.“ Ja, wenn das so ist. Dann halten die spanischen Sportverbände Contador wohl für unschuldig. Das sind wir ja seit den Zeiten Juan Antonio Samaranchs, des langjährigen Präsidenten des Internationalen Olympischen Komitees, nicht anders gewohnt.

In Contadors Blut war Clenbuterol gefunden worden, mit dem sich schon Kathrin Krabbe gedopt hatte. Und in diesem Fall hatten sich die Wada-Experten auf die Suche nach dem ominösen Nahrungsmittelhändler im Baskenland gemacht, um Contadors Unschuldsbehauptung zu überprüfen. Sie begaben sich auch zu dem angeblich betroffenen Schlachthof und fanden keinerlei Hinweise auf Clenbuterol-Doping für Rinder. Dafür wiesen die Fahnder auf eine Studie der EU aus dem Jahre 2008 hin, wonach die Verunreinigung von Fleisch mit Clenbuterol in Spanien und Europa unwahrscheinlich sei. Vermutlich wird das die spanischen Sportverbände aber nicht beeindrucken.

Beschwert hat sich das baskische Agrarministerium. Es hat die „Professionalität“ der baskischen Agrarproduzenten unterstrichen. Contadors Geschichte habe die Konsumenten in ungerechtfertigter Weise alarmiert.