Archive for the ‘Sport’ Category

Die Themen von Uli Hoeneß: Blatter und die Fifa, Investmenbanken, Hedgefonds, Rohstoffspekulanten und Finanzmärkte

Donnerstag, Januar 5th, 2012

Zum 60. Geburtstag von Uli Hoeneß sollte hier eigentlich nichts stehen, weil er schon überall sonst „gefeiert“ wird. Nun  haben aber Andreas Burkert, Claudio Catuogno und Klaus Hoeltzenbein den Bayern-Präsidenten in der SZ interviewt (5./6.1.2012), wo er in aller Klarheit mehrere sehr wichtige Themen anspricht, über die nicht immer so klar gedacht wird wie bei Hoeneß. Da sagt Hoeneß etwa

zu Sepp Blatter und der Fifa:

„Der FC Bayern darf nicht beliebig werden. Wir müssen uns äußern. Zum Beispiel in der Fifa-Sache, da werden wir jetzt auch wieder voll attackieren. … Es kommt ja jede Woche was Neues! Blatter muss in den nächsten zwölf Monaten ganz klar erklären, wie er diesen Sumpf austrocknen will, und wenn er das nicht schafft, muss man Möglichkeiten schaffen, ihn abzusetzen.“ Auf die Frage, ob die Leute, die über Jahre kassiert hätten, dann im Fifa-Vorstand blieben: „Die müssen eben da raus.“

Zu Investmentbanken und Hedgefonds:

„.. ich habe das erste Mal das Gefühl dafür verloren, wie man das Thema Geldanlage anpacken soll. Früher hast Du gesagt: Wenn eine Firma gut arbeitet, wird die Aktie steigen. Und wenn nicht, dann fällt sie. Das ist längst erledigt. Jetzt ist es ein reiner Computermarkt, und das öffnet natürlich der Manipulation Tür und Tor. … Da sagt ein großer Hedgefonds morgens: Heute gehen wir mal auf die ‚Societé Generale‘ los. Dann wird über die Quellen, die man eben so hat, lanciert: Die Bank hat auch noch ein paar faule Kredite, und dann geht die Aktie eben an dem Tag zehn, zwölf Prozent runter. Der Hedgefond kassiert, andere Leute verlieren.“

Zur Rohstoffspekulation:

„Wenn ich einen ‚Call‘ kaufe, also darauf wette, dass der Reispreis steigt, und dann steigt der Reispreis, ohne dass es Ernteausfälle gibt, nur wegen der Spekulation – ja was passiert denn dann? Dann kann sich der Mann in Bangladesch seinen Reis nicht mehr leisten, und am Ende sterben deshalb womöglich seine Kinder. Das ist eine Perversion. … Weg mit der Spekulation auf Rohstoffe! Her mit der Reglementierung der Finanzmärkte! Die Finanzwirtschaft hat überhaupt keinen volkswirtschaftlichen Nutzen.“ Auf den Einwand, sie mache aber doch viele Leute reich, sagt Hoeneß: „Ja, und auf der anderen Seite viele arm. Wenn rechts einer gewinnt, muss ja links einer verlieren.“

Zu den Gagen in der Fußballbranche klärt Uli Hoeneß uns auf:

„Damit habe ich kein Problem, solange die Spieler in der Lage sind, das Geld, das sie verdienen, für den Verein auch wieder einzuspielen. Das sage ich den Spielern auch immer. Der wichtigste Unterschied ist aber: Bei uns gibt es keine Gegenseite, die Geld verliert. Bei uns gewinnen alle.“

Zum Champions League-Titel:

„An einem Tag kannst du jeden schlagen, auch Barcelona. Wir müssen jetzt erst mal im Achtelfinale den FC Basel besiegen, dann die Meisterschaft gewinnen, und im DFB-Pokal wollen wir nach Berlin ins Endspiel. Also: Es wird sowieso ein Höllenvierteljahr.“

Dazu wünsche ich dem FC Bayern viel Glück und Erfolg! Uli Hoeneß gratulieren wir zum Geburtstag. Seine klugen und durchdachten Ideen zur Politik zeigen uns, dass der Mann eigentlich auch in die Politik gehört. Dort werden Männer seiner Analysefähigkeit und Durchsetzungskraft dringend gebraucht. Und nicht Betrüger und Bundespräsidenten-Darsteller.

Hat man solche Äußerungen wie von Uli Hoeneß schon einmal von Werder Bremen oder dem FC St. Pauli gehört, den Vertretern des fußballerischen realen Sozialismus? So viel Klarheit in der Kapitalismus-Kritik, ohne den Kapitalismus abschaffen zu wollen, weil wir ihn noch brauchen, ist selten. Ein herausragender Mann, der Präsident des FC Bayern.

Fußball-Wettbetrüger in Italien verhaftet

Dienstag, Dezember 20th, 2011

17 mutmaßliche Mitglieder einer international agierenden Fußball-Wettbetrügerbande sind bei einer Razzia In Italien festgenommen worden (FAZ 20.12.2011). Nach Angaben der Staatsanwaltschaft in Cremona sind darunter der frühere Kapitän von Atalanta Bergamo, Cristiano Doni, und weitere Fußballer wie Luigi Sartor, Alessandro Zamperini, Carlo Gervasoni und Filippo Carobbio. Schon im Sommer hatte die Polizei die Bande ausgehoben, zu der auch der ehemalige italienische Nationalspieler Beppe Signori gehören soll.

Doni soll drei Zweitligaspiele seines Klubs im Frühjahr 2011 manipuliert haben. Er hat bei seiner Festnahme am Montagmorgen einen Fluchtversuch unternommen. Vom italienischen Verband (FIGC) ist er schon für dreieinhalb Jahre gesperrt. Atalanta Bergamo startete mit sechs Punkten Abzug in die Saison.

Die Bande soll zwischen 2009 und 2011 Serie-B-Spiele manipuliert haben. „Die führenden Köpfe, die den Geldfluß steuern, sitzen in Singapur“, teilte Staatsanwalt Roberto di Martino mit.

Der DFB nach Theo Zwanziger

Montag, Dezember 5th, 2011

Theo Zwanzigers Ankündigung seines Rücktritts im Oktober 2012 kommt überraschend. Wahrscheinlich zieht er es vor, seinen Rückzug bekanntzugeben, bevor in der Affäre Amerell/Kempter weitere Details ans Licht kommen. Und Manfred Amerell ist in dieser Hinsicht Hartnäckigkeit zuzutrauen. Am Mittwoch kommt es zum nächsten Treffen der Kontrahenten vor dem OLG Stuttgart.

Zwanziger war nach dem Rückzug Gerhard Mayer-Vorfelders 2006 für Frauenfußball, Amateure und Breitensport angetreten. Und hat er nicht den einst verstaubten Männerbund DFB erfolgreich modernisiert? Zwanziger steht glaubwürdig für die soziale Verantwortung des Fußballs und für den Kampf gegen Rassismus und Homophobie. Gleichzeitig spielt die deutsche Fußballnationalmannschaft einen Fußball, wie er so schnell, elegant und erfolgreich lange nicht gespielt worden ist. Ein Genuss, dem zuzuschauen. Aber das hat weniger mit Zwanziger zu tun.

Zwanziger sieht angeblich auf nationaler Ebene „keine Herausforderungen mehr“. Das klingt nicht glaubwürdig. Wir erinnern uns noch zu gut an den Machtkampf mit Rainer Koch. Der Prozess um Manfred Amerell geht weiter. Gegen mehr als zwanzig Schiedsrichter wird wegen Steuerhinterziehung ermittelt. Gewaltorgien einiger Ultras wollen domestiziert und überwunden werden.

Erstaunlich auch, dass Zwanziger seine Funktionen in Uefa (bis 2013) und Fifa (bis 2015) behalten will. Seine Macht und seine Einwirkungsmöglichkeiten schwinden dort, wenn er nicht mehr DFB-Präsident ist. Bei der Fifa wollte Zwanziger doch „neue, transparente und demokratische Strukturen“ schaffen. Darauf können wir dann wohl noch lange warten. Vielleicht ist es die Aufwandsentschädigung bei der Fifa (100 000 Dollar) plus Spesen, die Zwanzigers Haltung begründet.

Als Nachfolger sind bereits Erwin Staudt, der frühere Clubchef des VfB Stuttgart, und Wolfgang Niersbach, der DFB-Generalsekretär, vorgeschlagen worden. Weil es Franz Beckenbauer war, der Niesbach vorgeschlagen hat, rechne ich damit, dass wir 2012 Wolfgang Niersbach als neuen DFB-Präsidenten bekommen.

Doping im spanischen Sport ?

Donnerstag, November 24th, 2011

Wenn Yannick Noah in „Le Monde“ den spanischen Sport pauschal bezichtigt, für systematisches Doping zu stehen, dann wissen sowohl Noah als auch die anerkannte französische Tageszeitung, dass diese Information Wellen schlagen wird. Und in dieser allgemeinen Form ist die Beschuldigung gewiss nicht politisch korrekt. Die Forderung Noahs am Ende, Doping aus Gründen der Chancengleichheit freizugeben, ist grober Unfug. Er wird auch von vielen anderen vertreten. Rafael Nadal und sein Trainer „Onkel Toni“ sind verbal gleich gegen Noah vorgegangen und haben ihn „zweifelhafter Ehrlichkeit“ geziehen. Nadal: „Meiner Meinung nach stammt das, was er geschrieben hat, von einem Kind. Und was ein Kind sagt, tut uns nicht weh.“

Auf der anderen Seite stehen die vielen auffälligen Erfolge spanischer Athleten und Mannschaften im internationalen Spitzensport: im Fußball, Basketball, Radsport und Tennis etwa. Und die Tatsache, dass Alberto Contador seine Kontaminierung mit Clenbuterol bei der Tour de France 2010 auf ein verunreinigtes Fleisch zurückführt. Inzwischen will Contador, der vor dem Internationalen Sportgerichtshof Cas vernommen wird, sogar mit einem am 3. Mai 2011 in Kalifornien bei dem Spezialisten Louis Rovner durchgeführten Lügendetektor-Test belegen, dass er nicht gedopt habe. Vor den Cas sind ja der Radsport-Weltverband UCI und die Welt-Antidoping-Agentur Wada gezogen, weil Contador vom spanischen Radsportverband freigesprochen worden war.

Haben wir die mehr als 200 Blutbeutel vergessen, die 2006 bei dem Gynäkologen Eufemio Fuentes in Madrid aufgetaucht sind? Ich kann mich auch noch sehr gut an die weit aufgerissenen Augen von Alex Corretja erinnern, als er in den Neunzigern des letzten Jahrhundert einmal das Endspiel der ATP-Weltmeisterschaft erreicht hatte.

Es mag also sein, dass Yannick Noah ein zweifelhafter Zeuge ist, der Publicity sucht und einen verfehlten Vorschlag macht. Hoffen wir aber, dass sich nicht ein Teil seiner Beschuldigungen eines Tages als berechtigt erweist.

Hat Bernie Ecclestone Gerhard Gribkowsky bestochen ?

Samstag, November 12th, 2011

Wir sind es gewohnt, dass im internationalen Hochleistungssport und seinen Verbänden sehr viel kriminelle Energie steckt. Viele von uns sind darüber moralisch empört. Aber sollten wir nicht ein wenig gelassener sein? Wo so viel Geld umgesetzt und verdient wird, ist die Versuchung natürlich groß. Das ist anderswo ja auch nicht anders. Erstaunlich ist nur immer wieder, wie einige Akteure darauf setzen, dass wir als das Publikum dessen nicht bis drei zählen können.

 So hat vor dem Landgericht München, einem Gericht, das in diesen Dingen sehr erfahren ist, im Prozess gegen Gerhard Gribkowsky gerade zum zweiten Mal Bernie Ecclestone ausgesagt. Das Gericht wollte von ihm wissen, warum er 40 Millionen Dollar (nach anderen Quellen 44 Millionen Dollar) an Gerhard Gribkowsky gezahlt hat, als dieser noch im Vorstand der Bayern LB saß. Ecclestone fühlte sich anscheinend von Gribkowsky bedroht, obwohl der Brite aussagte, dass Gribkowsky nie eine konkrete Forderung gestellt habe. Ist das glaubwürdig?

Die Hypothese der Staatsnwaltschaft München ist, dass Ecclestone beim Verkauf der Formel 1 2005 an den Finanzinvestor CVC durch die Bayern LB eine „Provision“ von 40 Millionen Dollar erhalten habe, um das Geld zu „parken“ und zu einem geeigneten Zeitpunklt an Gribkowsky zurückzuzahlen. So weit, so plausibel. Aber weder von Gribkowsky noch von Ecclestone eingeräumt. Nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft ist schon sehr viel früher über Geld gesprochen worden. So habe es schon am 4. November 2005 den Entwurf eines Beratervertrags für Gribkowsky gegeben. Für die Finanztransaktion sei von einem Genfer Anwalt Ecclestones die Briefkastenfirma Lewington Invest gegründet worden, über die das Geld an Gribowsky geflossen sein. Der wollte anscheinend nicht, dass irgendwelche Spuren nach Großbritannien führten. 

Nach der Aussage von Bernie Ecclestone hat er sich Ende der neunziger Jahre einer Bypass-OPeration unterziehen müssen und deswegen seiner Frau ungefähr 20 Millionen Dollar geschenkt, damit sie damit eine Stiftung begründen könne. Die Stiftung „Bambino“. Diese Regelung sei steuerlich vorteilhaft. Er, Ecclestone, habe nun gefürchtet, dass Gribkowsky, diese Tatsache den Behörden mitteilte, damit diese Steuernachzahlungen von ihm, Ecclestone, forderten.

Nächste Woche ist der Anwalt der Stifzung Bambino, Stephen Mullens, beim Landgericht München als Zeuge geladen.

Bringt Manfred Amerell die Fifa in Bedrängnis ?

Mittwoch, November 2nd, 2011

Die Fifa ist krisengeschüttelt. Insider verwundert das nicht mehr. Zu viele Unregelmäßigkeiten sind in den letzten Jahren ans Tageslicht gekommen. Und manchmal entsteht der Eindruck, dass die Fifa selbst kaum an der Aufklärung der Fälle gelegen ist. Das ändert sich vielleicht unter dem Einfluss von „Transparency International“. Nun kommt der Verdacht der Steuerhinterziehung in Deutschland unter Mithilfe der Fifa hinzu.

Bei 21 Personen vorwiegend im süddeutschen Raum hat die Steuerfahndung in der vergangenen Woche Wohnungen und Büroräume durchsucht. Überwiegend bei Schiedsrichtern. Aber auch beim DFB. Das berichtet einer der am besten informierten Sportjournalisten, Thomas Kistner, in der SZ vom 31.10.2011. „Der Spiegel“ behauptet, die Fifa habe deutschen Schiedsrichtern Honorare auf Auslandskonten in der Schweiz und Liechtenstein überwiesen. Bei diesen nicht versteuerten Einkünften geht es insgesamt offenbar „um Beträge im sechsstelligen Bereich“.

Das neue Fifa-Vorstandsmitglied Theo Zwanziger, zugleich DFB-Präsident, verbreitet in der „Rhein-Zeitung“ Zuversicht: „Ich gehe davon aus, dass bei den allermeisten Fällen eher wenig oder überhaupt nichts herauskommen wird. Im Moment belaste mich dieser Sachverhalt weniger.“ Zwanziger hatte das DFB-Schiedsrichterwesen 2010 nach der Affäre um den Schiedsrichterfunktionär Manfred Amerell und den Fifa-Schiedsrichter Michael Kempter an sich gezogen. Sylvia Schenk, die Compliance-Beraterin von „Transparency International“, erklärt dazu: „Falls die Versteuerung beim Referee liegt, darf keine Zahlung der Fifa nach Liechtenstein erfolgen. Da greifen besondere Transparenz-Anforderungen.“ Bei Länderspielen etwa verdienen Schiedsrichter 4500 Euro plus Spesen. Übrigens: in der Schweiz sitzt auch die Uefa, die Veranstalterin der Champions- und der Europa-League.

Die Steuerermittlungen sind von Manfred Amerell ausgelöst worden. Er hat es für richtig gehalten, den Besuch der Steuerfahndung bei Michael Kempter persönlich in Augenschein zu nehmen. Der DFB hat Strafanzeige gegen Unbekannt gestellt im Zusammenhang mit der in der Zentrale erfolgten Fahndungsmaßnahme. Es gebe Hinweise, dass Einzelheiten der Aktion bereits im Vorfeld an die Öffentlichkeit gelangt seien. Dies begründe den Verdacht, dass „Amtsträger pflichtwidrig Dienstgeheimnisse an Außenstehende weitergegeben haben“.

Der DFB mahnt Manfred Amerell und seinen Anwalt ab und fordert sie zu einer Unterlassungserklärung auf. Grund ist die laut DFB unwahre Behauptung Amerells, dass der DFB Kempters Anwalt Christoph Schickhardt bezahle. Zwischen Amerell und Kempter läuft ein Zivilverfahren. In der ersten Runde in Hechingen hat Amerell verloren. Am 7. Dezember 2011 will er vor dem Stuttgarter Oberlandesgericht an Kempters Glaubwürdigkeit rütteln. Dieser bezichtigt Amerell bekanntlich der sexuellen Nötigung.

Amerell hat seinerseits Strafanzeige gegen Theo Zwanziger und das DFB-Präsidium gestellt. Er behauptet, der Verband habe jenseits des Sportverfahrens über eigene Rechtsbeistände in Amerells Prozesse mit Kempter eingegriffen und die Gegenpartei „wirtschaftlich unterstützt“. Dies wäre nach Satzung und Finanzordnung des DFB unzulässig.

So hat Manfred Amerell, selbst der sexuellen Nötigung bezichtigt, das neue Fifa-Vorstandsmitglied Theo Zwanziger verklagt. Vielleicht hat er ein Interesse daran, dass DFB-Schiedsrichter wegen Steuerhinterziehung verurteilt werden, damit er der Fifa und Theo Zwanziger am Zeuge flicken kann.

Na, dann prozessiert mal schön. Bei DFB, Fifa und Uefa scheinen ja eigentümliche Verhältnisse zu herrschen.

Dopingsünder dürfen wieder bei Olympia starten. Osaka-Regel gekippt.

Freitag, Oktober 7th, 2011

Nach einer Grundsatzentscheidung des Internationalen Sportgerichtshofs Cas in Lausanne (Schweiz) dürfen Dopingsünder nach Ende ihrer Sperre wieder an Olympischen Spielen teilnehmen. Sie dürfen nicht zweimal für ein Vergehen bestraft werden. Cas hat die Regel 45 der Olympischen Charta für unzulässig erklärt. Geklagt hatte der wegen Dopings für 24 Monate gesperrte US-amerikanische 400-Meter Olympiasieger LaShawn Merritt. Nach Meinung des Cas verstößt die 2008 beschlossene sogenannte Osaka-Regel, wonach Dopingsünder bei den nächsten Olympischen Spielen nicht starten dürfen, gegen den Code der Welt-Antidoping-Agentur Wada. Durch die Osaka-Regel könnten die Athleten unzulässigerweise zweimal bestraft werden.

Merritt, der Olympiasieger von 2008 und Weltmeister von 2009, war im Winter 2009/10 dreimal positiv auf das Prohormon Dehydroepiandrosteron getestet worden. Er hatte zugegeben, ein Mittel zur Penisverlängerung eingenommen zu haben. Unsereiner versteht ja nicht, dass solche Weltklasse-Athleten überhaupt ein Mittel zur Penisverlängerung benötigen.

Nun hat auch der deutsche Springreiter Christian Ahlmann wieder eine Chance auf Olympia. Sein Pferd Cöster war 2008 bei den Olympischen Spielen wegen der Verwendung des Mittels Capsaicin für acht Monate gesperrt worden. Die deutsche Eisschnellläuferin Claudia Pechstein, fünfmalige Olympiasiegerin, 39 Jahre, kann nun versuchen, sich für die Winter-Olympiade in Sotschi (Russland) 2014 zu qualifizieren. Der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbunds, Thomas Bach, zeigte sich enttäuscht von der Cas-Entscheidung. „Wir treten nun dafür ein, dass der Wada-Code sobald als möglich geändert wird, damit diese Regel auf diesem Weg durchgesetzt werden kann.“ (SZ 7.10.2011)

Wayne Rooneys Vater des Wettbetrugs verdächtig

Freitag, Oktober 7th, 2011

Gegen Kaution wieder freigelassen worden sind der Vater und der Onkel des englischen Nationalspielers Wayne Rooney, Wayne Rooney Senior, 48 Jahre, und Richie Rooney, 54 Jahre. Sie werden der Spielmanipulation im schottischen Fußball verdächtigt. Es geht um ein Spiel vom 14. Dezember 2010: FC Motherwell-Hearts of Midlothian 1:2. Sieben weitere Personen sind nach Angaben der Polizei in Liverpool verhaftet worden, darunter Steve Jennings, ein Mittelfeldspieler von Motherwell. Sie stehen im Verdacht des gemeinschaftlichen Betrugs, bestreiten das aber.

Dem Buchmacher-Verband „Association of British Bookmakers“ waren bei diesem Spiel ungewöhnlich viele Wetten auf einen Platzverweis aufgefallen. Jennings war vom Platz geflogen, nachdem er eine Elfmeterentscheidung des Schiedsrichters kritisiert hatte. Er hatte vorher bereits die gelbe Karte gesehen. Eine der Wetten in Höhe von 500 britischen Pfund (574 Euro) zu einer Quote von 10:1 kam von einem Konto in Liverpool. Jennings war 2009 von einem Team aus Liverpool zum FC MOtherwell gewechselt. Die Liverpooler Polizei erklärte, dass nur dieses eine Spiel in Schottland unter verdacht stehe (SZ 7.10.2011).

Doping-Experiment im Fußball bei Göttingen 05 bereits 1949

Freitag, Oktober 7th, 2011

Boris Herrmann beschäftigt sich in der SZ vom 7. Oktober 2011 mit Doping bei der deutschen Fußball-Nationalmannschaft seit 1945. Er stützt sich auf eine Historiker-Kommission der Berliner Humboldt-Universität. Gerüchte über die Gelbsucht der Fußballweltmeister von 1954 gibt es seit eh und je. Angeblich war die Gelbsucht auf Vitamin C zurückzuführen. Wahrscheinlich auf das aus dem Krieg bekannte Aufputschmittel Pervitin. Herrmann berichtet, dass drei Spieler der Nationalmannschaft bei der Fußball-WM 1966 positiv auf Ephedrin getest worden seien. Dem Vorsitzenden der Fifa-Medizinkommission, Dr. Mihailo Andrejevic, Jugoslawien, sei dies bekannt gewesen, er habe es nicht bekanntgemacht. Abgeblich wurde das Mittel gegen „Schnupfen“ gegeben. Ephedrin gehörte 1966 bereits zu den bekannten Dopingmitteln.

Dann kommt der Bericht auf das Experiment des Mediziners Heinz-Adolf Heper zu sprechen, der damals in der höchsten deutschen Fußballklasse bei Göttingen 05 spielte. In seiner Doktorarbeit mit dem Titel „Leistungssteigerung durch chemische Hilfsmittel im Sport“ informiert der Wissenschaftler über einen Feldversuch mit der Fußballmannschaft von Göttingen 05 1949. Die Spieler bekamen 10 Milligramm des bekannten Aufputschmittels Pervitin, das aus dem Zweiten Weltkrieg bekannt war. Resultat: „Erhöhung des Siegeswillens“, „schnellere Auffassungsgabe“. Aber auch: unangenehme Nebenwirkungen wie Luftmangel und erhöhte Ventilation. Heinz-Adolf Heper sah „große Gefahr für den Sportsmann“.

Ich bin gespannt, ob die Erkenntnisse der Historiker-Kommission dazu führen, dass Doping im Fußball intensiver systematisch untersucht wird.

Gutachten bescheinigt Nada-Methoden Verstoß gegen Datenschutz.

Donnerstag, September 22nd, 2011

„Transparency International“ und die Basketball-Spielervereinigung SP.IN haben ein Gutachten über das Doping-Testsystem der nationalen Anti-Doping-Agentur Nada in Auftrag gegeben. Der Direktor der Europäischen Akademie der Arbeit, Peter Wedde, hat es erstattet. Es fällt für die Nada vernichtend aus. Dem Gutachten nach agiert die Nada „ohne datenschutzrechtliche Legitimation“. Der Arbeitsrechtler Wedde hält das Kontroll-Prozedere für „unzulässig“.

Die Athleten werden mit Hilfe des Online-Meldesystems „Adams“ kontrolliert. Dazu müssen sie stundengenau ein Vierteljahr im voraus angeben, wo sie sich aufhalten werden. Diese Daten lassen Bewegungsprofile erkennen. Die Freiwilligkeitserklärung der Sportler ist unwirksam, weil ihre Verweigerung zum sofortigen Ende der Berufstätigkeit führen würde. Für die Sportbeauftragte von „Transparency International“, Sylvia Schenk, ist eine gesetzliche Grundlage des Anti-Doping-Systems erforderlich. Das Umfeld der Athleten (strukturelle Bedingungen, Betreuer und Funktionäre) müsse stärker eingebunden werden. Bei diesem Umfeld liegt der Schlüssel für eine Null-Toleranz-Politik.

Es fehlt noch, dass die ersten zarten Pflänzchen des Anti-Doping-Kampfs am Datenschutz scheitern. Gelingt hier keine Lösung, steht die Glaubwürdigkeit des gesamten Profisports auf dem Spiel.