Archive for the ‘Sport’ Category

189: Rabobank = Dopingteam von 1996 bis 2007

Montag, Mai 7th, 2012

Der ehemalige sportliche Leiter des Teams Rabobank (1996-2007), Theo de Rooij, hat zugegeben, in seiner Zeit von Doping im Team gewusst zu haben (SZ 7.5.12). Er fügt allerdings hinzu: „Wenn es passierte, war es eine gut überlegte Entscheidung der medizinischen Betreuer.“ Für ihn hätten die Gesundheit und das Wohlbefinden der Fahrer kurz- oder langfristig immer an erster Stelle gestanden. 2007 hatte de Rooij den Dänen Michael Rasmussen aus der Tour de France genommen, obwohl dieser dort in Führung lag. Es war bekannt geworden, dass Rassmussen vorher falsche Aufenthaltsorte angegeben hatte. Wahrscheinlich um Dopingkontrollen zu entgehen.

175: Keine sauberen Spiele in London 2012

Montag, März 12th, 2012

David Millar (Großbritannien), Mitglied er Athletenkommission der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA), war als Radrennfahrer von 2004 bis 2006 wegen Dopings gesperrt. Im nächsten Monat entscheidet der internationale Sportgerichtshof (CAS) darüber, ob Millars wegen Epo-Dopings verhängte lebenslange Olympiasperre rechtens ist.

Millar kritisiert das Doping-Testprogramm für die Olympischen Sommerspiele 2012 in London als unzureichend. Das IOC solle den Zeitrahmen bis auf zwei Monate vor Beginn der Spiele ausdehnen und seine Finanzen zielgerichteter einsetzen. Das Testprogramm beginnt nach der bisherigen Planung erst elf Tage vor der Eröffnungsfeier. „Mittel wie Wachstumshormone oder Epo nimmt man in der Vorbereitung, nicht während oder kurz vor den Spielen“, sagt Millar. „Es wäre ein sehr dummer Athlet, der während Olympia dopt.“

Insofern bekommen wir in London wieder keine sauberen Spiele.

Verwirrende Kleiderordnung bei den Olympischen Sommerspielen 2012 in London

Donnerstag, Februar 23rd, 2012

Das Britische Olympische Komitee (BOA) hat mit Adidas einen Vertrag unterzeichnet, wonach die Mitglieder des britischen Teams „an und in“ den Olympiaanlagen die komplette Ausrüstung des Vertragspartners tragen müssen. Das kann zu Komplikationen führen, weil einige der aussichtsreichsten Athletinnen und Athleten wie Paula Radcliffe (Marathon), Mo Farah (5000 Meter), Dai Greene (400 Meter Hürden) und Mark Cavendish (Radfahren) persönliche Sponsorenverträge mit Nike haben.

Auch der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) hat einen Ausrüstervertrag mit Adidas. Das kann etwa bei der Marathonläuferin Sabrina Mockenhaupt zu der kuriosen Lage führen, dass sie mit Schuhen ihres persönlichen Sponsors Puma läuft, darüber das Nike-Trikot des Deutschen Leichtathletik-Verbands anhat und bei offiziellen Terminen die Präsentationskleidung von Adidas trägt.

Arantxa Sanchez Vicario-Autobiografie: Abrechnung mit den Eltern und Brüdern

Freitag, Februar 17th, 2012

In ihrer soeben erschienenen Autobiografie „Arantxa, vamos!“ rechnet Frau Sanchez Vicario mit den Eltern und Brüdern ab (Javier Caceres, SZ, 16.2.12). „Der Mythos der geeinten und glücklichen Familie Sanchez Vicario war eben bloß das, ein Mythos.“ Freunde und Weggenossen Sanchez Vicarios sind über die Gnadenlosigkeit der Bilanz verwundert. Die viermalige Grand-Slam-Gewinnerin empfindet sich nicht als undankbar. „Aber meine Eltern haben eine solche Kontrolle und einen solchen Schutz auf mich ausgeübt, dass sie mich an Wegscheiden meines Lebens annulliert haben.“ Offensichtlich fürchteten die Eltern, Emilio Sanchez und Marisa Vicario, dass ihre Tochter im Tenniszirkus lesbisch würde. Nun hat die Weltklassespielerin ihre Eltern verklagt. Denn es geht natürlich auch um viel Geld. Angeblich 45 Millionen Euro. Das Geld habe der Vater veruntreut.

Arantxa Sanchez Vicario beklagt ihre Pleite. Die Brüder Emilio und Xavier, ebenfalls Weltklassespieler, hätten viel größere Besitztümer als sie, obwohl sie nicht annähernd so viel Preisgelder verdient hätten. Die Eltern reagieren gekränkt und verbittert. „Wir sind mit unserer Tochter gescheitert.“ Ihren Vater habe Arantxa seit Jahren nicht mehr besucht, obwohl dieser an Herzbeschwerden, Krebs und Alzheimer zugrunde gehe. „Meine Brüder durften heiraten, wen sie wollten. Warum sollen sie entscheiden dürfen, mit wem ich mein Leben teilen will?“ Die Familie hatte versucht, Arantxa die Ehe mit Pep Santacana auszureden. Angeblich wurden Privatdetektive auf ihn angesetzt und das Gerücht gestreut, er habe Geldprobleme. Sanchez Vicario zu hundert Journalisten vorwiegend der Regenbogenpresse: „Ihr könnt euch vorstellen, wie schmerzhaft es war, meine Erinnerungen aufzuschreiben, aber für mich war es lebensnotwendig.“ Die Anwälte der Eltern prüfen eine Klage wegen übler Nachrede und Verleumdung.

Ein weiterer dunkler Punkt auf der angeblich so weißen spanischen Sportweste.

Lance Armstrong, Alberto Contador und Jan Ullrich haben nicht gestanden.

Sonntag, Februar 12th, 2012

Auch nach dem Cas-Urteil über Jan Ullrich hat keiner der drei wichtigsten Beschuldigten gestanden: Lance Armstrong (USA), Alberto Contador (Spanien) und Jan Ullrich (Deutschland). Jedenfalls von Ullrich war das in den Medien erwartet worden. Aber vielleicht war das zu viel erwartet. Möglicherweise erhofft sich Ullrich gerade auf lange Sicht, auf diese Weise die Aura eines naiven Helden aufrecht zu erhalten.

Die geständigen Dopingsünder haben auch keine gute Figur gemacht:

Erik Zabel,

Rolf Aldag,

Bert Dietz,

Jörg Jaksche,

Bjarne Riis (der Tour de France-Sieger von 1996).

Jan Ullrich hat sich nur entlocken lassen: „Ich bestätige, dass ich Kontakt zu Fuentes hatte. Ich weiß, dass das ein großer Fehler war.“ So ähnlich hat Lance Armstrong seine Verbindung zu seinem Helfer Michele Ferrari gestanden.

Das Nicht-Gestehen lässt den Nürnberger Pharmakologen Fritz Sörgel zu der Aussage kommen: „Das unterscheidet den großen Sportler vom ganz normalen Betrüger.“ Ein hartes, aber begründetes Urteil.

Einer der besten Kenner des internationalen Hochleistungssports, des Radsports und des Dopings, Thomas Kistner, hat sich in der SZ (11./12.2.2012) über das „Elend des Dopings“ Gedanken gemacht. Der „Starrsinn ist erhellend, weil er das Grundproblem illustriert: Doping hat neben den leistungsfördernden Effekten auch einige schädliche Nebenwirkungen – die am weitesten verbreitete ist die Lüge. Im Sport ist keine Aussage zu bizarr: Die Erdbeerbowle verursacht angeblich hohe Testosteronwerte, das Kokain kann nur in Omas Keksen aus Kolumbien gewesen sein. Funktionäre beschwichtigen gern: Der Sport sei eben nicht besser als die Gesellschaft. Das ist die nächste Lüge. In großen Teilen des Sportbetriebs, in den Kraft- und Ausdauersparten, ist

 der Betrug

eine strukturelle Notwendigkeit

geworden.“

Und meine lieben Sport-Freunde, die meinen, dass dann, wenn schon ohnehin alle dopen, das Doping freigegeben werden sollte, werden eines Tages lernen, dass sie sich für Betrug aussprechen. Zweitens und vor allem herrschte dann ja gerade nicht die für den Sport unerlässliche Chancengleichheit. Dann würden die reichen Lance Armstrong oder Bjarne Riis sich das wirksamere Doping kaufen, das sich die Wasserträger gar nicht leisten können.

1978: Argentinien Fußball-Weltmeister nach Vereinbarung der Ermordung von 13 peruanischen Dissidenten ?

Donnerstag, Februar 9th, 2012

Manche Fußballfans glauben, schon immer geahnt zu haben, dass es bei der Fußballweltmeisterschaft 1978 nicht mit rechten Dingen zugegangen sei. Es war die Zeit der argentinischen Militärdiktatur unter Jorge Videla. 30000 argentinische Oppositionelle verschwanden und sind nicht wieder aufgetaucht. Im Dunstkreis der Stadien wurde gefoltert und getötet. Nun präsentiert Peter Burghardt (SZ vom 9.2.2012) eine abenteuerliche Theorie. Es geht um den Einzug Argentiniens ins Finale. Nach dem 3:1 Brasiliens gegen Polen im letzten Gruppenspiel benötigten die Gastgeber einen Sieg über Peru mit mindestens vier Toren Differenz, um das Endspiel zu erreichen.

In Rosario gewann Argentinien mit 6:0 durch je zwei Tore von Mario Kempes und Leopoldo Luque sowie Tore von Alberto Tarantini und René Houseman. Drei Tage später wurde es im Estadio Monumental von Buenos Aires gegen die Niederlande mit 2:1 Weltmeister. Dieser Sieg passte sehr gut ins Konzept der Miltärjunta, die sich 1976 an die Macht geputscht hatte. Später wurde bekannt, dass vor dem Spiel gegen Peru der argentinische Dikator und der US-amerikanische Au0ßenminister Henry Kissinger die peruanische Kabine aufgesucht hatten. Vorher schon hatte Videla den Organisationschef der Weltmeisterschaft, Carlos Alberto Lacoste, beauftragt, Peru mit 35 Tonnen Weizen und der Freigabe eines Kredits von 50 Millionen Dollar gefügig zu machen. Drei peruanische Nationalspieler gaben an, man habe ihnen je 20000 Dollar geboten. Der peruanische Spieler Juan Oblitas fühlte sich durch die Präsenz Videlas und Kissingers in der Kabine eingeschüchtert.

Nun schildert Burghardt eine noch viel kriminellere Theorie: Danach behaupten Zeugen, dass vor dem 6:0 die „Vernichtung“ von 13 peruanischen Dissidenten zwischen der argentinische Militärjunta und dem peruanischen Militärdiktator Francisco Morales Bermúdez vereinbart worden sei. Bei der Verfolgung von Oppositionellen arbeiteten die Regimes offenbar zusammen. Der Zeuge Genaro Ledesma Izquieta hat ausgesagt, dass er mit zwölf weiteren Oppositionellen aus Peru entführt worden sei, damit sie in Argentinien beseitigt würden. Damals arbeitete die Junta mit der Methode, Gefangene zu betäuben und dann in den Rio de la Plata oder ins Meer werfen zu lassen. Ledesma: „Deshalb nahm uns Videla als Kriegsgefangene an, unter der Bedingung, dass Peru einen Triumph Argentiniens bei der WM erlaubt, denn das war wichtig für Videla.“ Die Tat sei nur deshalb nicht ausgeführt worden, weil bei der Landung der Gefangenen ein Journalist fotografiert habe. Durch den internationalen Druck seien die Verschleppten nach Mexiko, Frankreich und Schweden ausgeflogen worden.

Der 86-jährige General Jorge Videla ist bereits verurteilt worden und steht wegen weiterer Delikte vor Gericht. Gegen den 90-jährigen früheren Machthaber Perus, Francisco Morales Bermúdez, wurde wegen mutmaßlichen Kidnappings ein internationaler Haftbefehl erlassen. „Zum Thema Fußball schweigen beide.“

„Die spanischen Sportler gewinnen nicht durch Zufall.“

Donnerstag, Februar 9th, 2012

Nach Alberto Contador ist auch Jan Ullrich wegen Dopings vom Internationalen Sportgerichtshof Cas verurteilt worden. Vielfach wird nun ein nachträgliches Geständnis von Ullrich erwartet. Diejenigen, die das annehmen, glauben wohl, dass der Tour de France-Gewinner von 1997 sein Gewissen erleichtern will und wird. On verra.

Die Verurteilung Contadors zieht weitere Kreise. Inzwischen ist auch Rafael Nadal einbezogen. Der französische Fernsehsender Canal plus präsentierte in der in Frankreich sehr beliebten Sendung „Les guignols“ (Die Puppenspieler) einen Beitrag, in dem es hieß „Die spanischen Sportler gewinnen nicht durch Zufall.“ Dabei wurde eine Puppe Nadals gezeigt. Der internationale Tennis-Star hatte neben etlichen Radprofis und dem für FC Barcelona spielenden Andrès Iniesta zu denen gezählt, die nach der Cas-Entscheidung gegen Contador ihre Solidarität mit dem spanischen Radrennfahrer bekundet hatten. Die Sperre sei „unglaublich“ und „erbärmlich“.

Inzwischen erhielt Contador auch noch Unterstützung aus der Politik. Und zwar von oben. Die Nummer zwei der regierenden Volkspartei, die Generalsekretärin Maria Dolores de Cospedal, teilte mit: „Ich war geschockt. In meinen Augen war das Urteil willkürlich und eine grenzenlose Ungerechtigkeit.“ Sie sei überzeugt, dass Contador unschuldig sei. Die Cas-Entscheidung habe großen Schaden für den spanischen Radsport und für die Sportart insgesamt angerichtet.

Wer heute noch an die Unschuld von Contador und Ullrich glaubt, muss blauäugig sein. Oder er bekundet seine Meinung aus taktischen Gründen. Außerdem beruht die Verurteilung von Jan Ullrich auf seiner Zusammenarbeit mit dem spanischen Blutdoping-Arzt Eufemio Fuentes.

Ich hoffe nur, dass die Gerüchte um weitere gedopte spanische Spitzensportler sich nicht bewahrheiten. Sonst gerieten neben dem spanischen Radsport auch noch der dortige Fußball und das dortige Tennis in Verruf.

Nationalmannschafts-Kapitän Philipp Lahm gegen das Outing von schwulen Fußballern

Freitag, Januar 20th, 2012

In der „Frankfurter Rundschau“ hat sich Nationalmannschafts-Kapitän Philipp Lahm (FC Bayern München) am Wochenbeginn erneut gegen das Outing von schwulen Fußballern ausgesprochen (Outing hieß ja ursprünglich Coming out, ich folge hier der heute gängigen Bezeichnungsweise). „Im Stadion geht es selten politisch korrekt zu. Fußball ist wie früher Gladiatorenkampf. Ich glaube nicht, dass die Gesellschaft schon so weit ist, schwule Profi-Fußballer als etwas Selbstverständliches zu akzeptieren, so wie es in anderen Bereichen bereits möglich ist.“ Politiker müssten nicht Woche für Woche vor 60000 Zuschauern spielen.

Lahms Einstellung hat Kritik gefunden. Zum Beispiel auf dem DFB-Dialogforum „Vor dem Ball sind alle gleich.“ Dort sagte Christine Lüders von der Antidiskriminierungsstelle des Bundes: „Wir hätten uns gewünscht, dass Herr Lahm motiviert hätte, solche Tabus zu brechen und gesagt hätte: Outet Euch, wir als Team, wir fangen euch auf. Das wäre ein Symbol gewesen, das wäre deutlich gewesen.“ Lüders hat Lahm aufgefordert, nochmals über die Lage nachzudenken.

Schärfer formuliert der Brite John Amaechi, ein früherer NBA-Profi, seine Kritik an Lahm: „Lahm muss doch ein Vorbild sein in seinen Äußerungen, oder er muss den Mund halten.“ Und weiter: „Wenn ich ein Fan wäre, dann hätte ich die Nase voll davon, dass ich für engstirniges Verhalten verantwortlich gemacht werde.“ Nach Amaechis Meinung sind die Fans viel toleranter als gedacht.

Das sieht der Fan-Forscher Gunther Pilz, Professor für Soziologie an der Universität Hannover, anders. Für ihn herrscht in der Ultra-Kurve „Pöbel-Kultur“. „Das Schlimmste, was man dort sein kann, ist schwul.“

Meines Erachtens ist die Einschätzung von Gunther Pilz eher realistisch. Und insofern gebe ich Philipp Lahm Recht. Das ändert aber nichts daran, dass wir an unserem Ziel festhalten, für Homosexuelle auch im Fußball die gleichen Bedingungen zu schaffen wie für Nicht-Schwule. Das sind wir unserem eigenen Anspruch an eine wirklich offene und freiheitliche Gesellschaft schuldig. Bei Verfolgung unseres Ziels bedarf es der Klugheit, Geduld und optimistischen Beharrlichkeit. Bei allen zu erwartenden Rückschlägen können wir auch in nächster Zeit noch manchen richtigen Schritt tun.

Borussia Mönchengladbach nach Marco Reus: die Strategie

Donnerstag, Januar 19th, 2012

In der letzten Saison stand Borussia Mönchengladbach kurz vor dem Abstieg aus der Bundesliga. Er konnte vermieden werden. Danach begeisterten die Borussia-Fans sich an dem nahezu einmaligen Erfolgsweg des Klubs bis auf den vierten Tabellenplatz. Und die Fußballfans in Deutschland konnten ihn nur mit Anerkennung begleiten. Bei der Borussia stellen sich dann leicht Erinnerungen an die Erfolgsmannschaft der siebziger Jahre ein (mit Günther Netzer, Jupp Heynckes, Hacki Wimmer, Berti Vogts, Herbert Laumen, Horst Köppel und anderen). Einen nicht geringen Anteil an dem aktuellen Erfolg hat sicher Marco Reus gehabt. Sein Transfer nach Dortmund für 17 Millionen Euro ist noch in aller Munde. Mit Roman Neustädter verlässt ein zweiter sehr guter junger Spieler im Sommer 2012 den Verein.

Wie es mit Borussia Mönchengladbach danach weitergeht, darüber haben Ulrich Hartmann und Philipp Selldorf ein Interview mit Sportdirektor Max Eberl (SZ 19.1.12) geführt. Es zeigt eine bedachte und systematische Strategie, die erfolgversprechend sein könnte. Sie ist auf Kontinuität ausgerichtet. Zunächst betont der junge Sportdirektor, dass angesichts der Transfers im Sommer keine Depression in Mönchengladbach herrscht, sondern dass an das Spiel gegen den FC Bayern München gedacht wird.  „Das, was tatsächlich in Gladbach herrscht, ist die Vorfreude auf ein Topspiel des Vierten gegen den Ersten mit Übertragungen in 180 Länder.“

Der Verein werde nun nicht das Geld mit vollen Händen rauswerfen, sondern gezielt wiederum in junge Spieler investieren. „Die Suche hat nicht am 3. Januar begonnen – die Suche hat vor drei, vier Jahren begonnen. Den Spieler, den wir jetzt holen werden werden, den haben wir durch unser Scouting wahrscheinlich mit 16 Jahren schon gekannt. Das war bei Marco ja auch schon so, für den wir 800000 Euro bezahlt haben, um ihn aus Ahlen zu holen – viel Geld für Gladbacher Verhältnisse.“ Außerdem würden mehrere Spieler gesucht.

Eberl erweckt den Eindruck, nicht an Zufällen und Einzelheiten orientiert zu sein, sondern an einer Linie, die langfristig Kontinuität bietet. „Für uns zählt die Gesamtstruktur, dass nicht einer utopisch bezahlt wird und die anderen schlecht. Wir haben mit Torwart ter Stegen verlängert und mit Jantschke, wir werden mit Arango verlängern … Aber wir werden keine verrückten Dinge machen. Wir werden nicht alles auf einen Spieler setzen und sagen, so, du mit deinen Millionen musst jetzt aber mal – das hat Gladbach schon einmal erlebt mit Stefan Effenberg, als sich sehr viel auf ihn fokussiert hat, und als dann die anderen irgendwann gesagt haben: Wir jetzt auch! Wir versuchen, eine gesunde Struktur beizubehalten.“

Eberl lobt den Trainer Lucien Favre. „Er ist sehr fixiert auf seine Arbeit, bewertet alle Facetten seiner Mannschaft, ärgert sich, lobt, sagt immer wieder: ‚Wir müssen positiv bleiben‘. Er hat eine Riesenqualität, mit jedem einzelnen zu arbeiten und das Gesamtkonstrukt auf den Platz zu bringen. Er ist sehr kommunikativ, holt Meinungen ein. Er arbeitet viel für sich allein in der Vorbereitung, aber er zieht sich nicht zurück und lässt nicht das Genie raushängen. Wenn wir zum Beispiel über Transfers nachdenken, bringen wir unsere Gedanken zusammen.“

Mittel- und langfristig sei es seine, Eberls, Planung, Kontinuität in den Verein zu bringen. „Kontinuität à la Werder Bremen.“ Nachdem der Klassenerhalt geschafft worden sei, habe man noch den Versuch von Stefan Effenberg abwehren müssen, das Kommando zu übernehmen. Dass dies gelungen ist, empfinde ich, Wilfried Scharf, als ein Glück für Borussia Mönchengladbach. Der Sportdirektor gibt sich bewusst bescheiden. „Man hat sich jetzt die ersten Meriten verdient. Wichtig ist mir, meine Glaubwürdigkeit und Gradlinigkeit zu bewahren.“

Vorbild für Max Eberl ist nicht nur Werder Bremen, sondern vor allem Uli Hoeneß: „Uli Hoeneß ist für mich definitiv ein Vorbild. Ich habe dreizehneinhalb Jahre dort gespielt und viel mitbekommen. Ich war dort, als die Säbener Straße zum Bayern-Imperium gemacht wurde, als mit Hermann Gerland und Wolf Werner zwei Toptrainer für den Jugendbereich verpflichtet wurden. Hummels, Badstuber, Müller, Kroos, Lahm, Schweinsteiger – alle haben dort eine Basis gefunden.“

Ich drücke Max Eberl für seine Arbeit die Daumen. Und wenn die Erwartungen der Gladbach-Fans nicht gleich wieder überschnappen, könnte sie tatsächlich einmal von Erfolg gekrönt sein.

Rolf Aldag betrachtet den internationalen Hochleistungssport.

Mittwoch, Januar 11th, 2012

Rolf Aldag hatte sich lange Zeit den Ruf eines fairen und sauberen Radrennfahrers aufbauen und erhalten können. Das galt selbst noch zur Zeit seiner Mitgliedschaft im Telekom-Team um Jan Ullrich. 2007 hatte Aldag mit anderen wie Erik Zabel ein EPO-Geständnis abgelegt. Damit war sein Weg im internationalen Radrennsprt noch nicht zu Ende. Er fuhr zunächst weiter und wurde schließlich Sportchef  des T-Mobil-Teams. Dadurch landete er bei Highroad, das als Team im Oktober 2011 aufhörte, als keine Sponsoren mehr zu finden waren. Nun hat sich Rolf Aldag in einem Interview mit Andreas Burkert von der SZ ausführlich geäußert (11.1.2012).

Aldag hält nun „blindes Vertrauen“ gegenüber „Sportlern, Teams und Funktionären“ nicht mehr für angebracht. Zum internationalen Radrennsport: „Das strukturelle Problem ist geblieben. Es läuft alles viel zu langsam in eine bessere Richtung.“ Man brauche sich doch nur den Fall Alberto Contador anzuschauen. „Das ist ein totales Desaster.“ Auf die Frage, ob solche Probleme nicht überall im Hochleistungssport verbreitet seien, antwortet Aldag: „Wie realistisch ist es denn zu glauben, dass der Sport überhaupt ethisch sauber sein kann – wenn Olympische Spiele verschachert werden oder die Fußball-WM? Wenn dort viele korrupt sind und einfach machen, was sie wollen? Man braucht doch nur die Karriere-Leitern anschauen. Ein Hein Verbruggen ist im IOC und erwartet von Pat McQuaid, seinem Nachfolger in der UCI, natürlich 100-prozentige Unterstützung. Sie schützen sich gegenseitig, und auf diese Leitern kommst du nicht dazwischen.“

Die UCI verstoße laufend gegen ihr eigenes Regelement. So lasse der langjährige Teamchef von Lance Armstrong, Johan Bruyneel, jetzt ein Team an den Start gehen mit dem Namen „Leopard-Trek-Nissan-Radioshack“. Mit den Brüdern Schleck aus Luxemburg sei es Tour-Favorit. Oder es gewinne eben Alberto Contador.

Dann fragt Burkert, wie Aldag es im Radsport ausgehalten habe nach dem Festina-Skandal 1998 und dem Skandal um Eufemio Fuentes 2006. Aldag: „Weil der Sport natürlich schon faszinierend ist, wenn es eine realistische Chance gibt, den Kampf um Glaubwürdigkeit zu gewinnen. Im Moment habe ich da meinen Zweifel. Und ich muss jetzt erkennen, dass ich bei meinem Antritt wohl eher naiv war. … Kein Mensch fängt doch mit 13 mit Radfahren an und hat das Ziel, mit 23 an der Nadel zu hängen. Und ich glaube auch nicht, dass alle Fechter gute Menschen mit gutem Charakter sind – und alle Radsportler drogensüchtig, Diebe sind, Lügner und schlechte Menschen. Deswegen ist es einfach ernüchternd, wenn so eine Chance vertan wird 1998 und dann wieder 2006.“

Zur Universität Freiburg äußert sich Aldag am bittersten: “ .. das war natürlich alles andere als Aufklärung. Das war nur im Interesse und zum Schutz der Universität. Der Bericht der Uniklinik Freiburg war das Enttäuschendste, was ich jemals gelesen habe: Wir haben da zwei böse Ärzte und ein paar böse Sportler – und ansonsten hat keiner an der Uni davon gewusst? … Sorry, das ist total unrealistisch.“ Es ist uns klar, dass es hier um die Exzellenz-Universität Freiburg geht.

Nach Aldags Meinung ist von der UCI keine Besserung zu erwarten. „Die UCI ist nicht Willens zu sagen, wir beteiligen andere Leute an den Entscheidungen. Sie will kommerziellen Erfolg. Da gehen sie also lieber nach China mit einem Rennen im Herbst. Da verdienen sie Geld und nötigen uns, teilnehmen zu müssen. ‚Komste nicht? – Kannste deinem Sponsor schon mal sagen, dass es schwer wird mit dem Tour-Start!‘ So dreht es sich im Kreis.“

Deswegen können wir Sport-Fans den Radsport moralisch abschreiben. Er sollte geächtet werden. Und in anderen Sportarten wie Fußball scheint es ja nicht viel besser auszusehen, allein wenn ich an die WM-Vergabe nach Katar denke. Das klärt Sepp Blatter ja jetzt auf.