Das allgemein als schlecht empfundene Abschneiden der deutschen Schwimmer in London kommt nicht aus heiterem Himmel. Abgesehen von den zwei Goldmedaillen Britta Stefens in Peking 2008 gab es dort noch weniger Finalteilnahmen als in London. Seit langem sucht der DSV nach einem Erfolgsrezept. Bundestrainer Dirk Lange trat Ende 2011 zurück, weil seiner Meinung nach in Deutschland zu wenig trainiert wird. Das Konzept ohne Bundestrainer ist nicht aufgegangen. Die Gründe für den Abwärtstrend liegen in einer breiteren Weltspitze, dem Aufstieg asiatischer Schwimmer und einer intensiveren Förderung des Schwimmsports in anderen Ländern. In London haben Schwimmer wie Steffen Deibler nicht versagt, der im letzten Rennen von Michael Phelps über 100 Meter Schmetterling Vierter wurde. In persönlicher Bestzeit.
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224: Abschneiden der deutschen Schwimmer nicht überraschend
Sonntag, August 5th, 2012223: AIBA korrigiert zweites Box-Urteil bei Olympia in London. Lilli Schwarzkopf gewinnt (nach Disqualifikation) Silber.
Sonntag, August 5th, 2012Dass unter den korrupten Sportarten Boxen die korrupteste ist, ist weit verbreitet unter Kennern. Nun tut das Boxen wieder etwas für seinen Ruf, nachdem ihm schon allmählich von Sportarten wie Radfahren und Leichtathletik der Rang abgelaufen worden war. Der internationale Boxverband AIBA hat ein zweites Urteil bei Olympia in London nachträglich korrigiert. Der US-Amerikaner Errol Spence wurde im Weltergewicht zum Sieger über den Inder Krishnan Vikas erklärt, der zunächst „gewonnen“ hatte, nachdem mehrere seiner Fouls nicht zu Verwarnungen geführt und damit den US-Amerikaner Punkte gekostet hatten. Im Bantamgewicht wurde der Japaner Satoshi Shimi nachträglich zum Sieger über den Aserbaischaner Magomed Abdulhamidov erklärt. Shimi hatte Adbulhamidov während des Kampfes sechsmal zu Boden geschlagen. Der turkmenische Ringrichter und ein AIBA-Funktionär aus Aserbaidschan sind von den Olympischen Spielen ausgeschlossen worden.
Im Judo sieht es nicht viel besser aus.
Dass es auch in der Leichtathletik mit der Gerechtigkeit schwierig ist, zeigt die falsche Disqualifikation der deutschen Siebenkämpferin Lilli Schwarzkopf, die zunächst vom Kampfgericht ausgesprochen worden war, weil es eine russische Siebenkämpferin mit Schwarzkopf verwechselt hatte. Die Mitglieder des Kampfgerichts können wohl nicht mehr so gut sehen. Eine Altersfrage?
219: David Millar will weiterhin „Ex-Doper“ genannt werden.
Freitag, Juli 27th, 2012David Millar startet bei Olympia in London. Im Radrennen. Bei der Tour de France 2012 hat er immerhin eine Etappe gewonnen. Von 2004 bis 2006 war er wegen Dopings gesperrt. Er profitiert vom Urteil des Internationalen Sportgerichtshof Cas von 2011, wonach wegen Dopings mehr als sechs Monate gesperrte Spitzensportler doch wieder bei Olympischen Spielen starten dürfen. Wie z.B. der 400 m-Olympiasieger von Peking, der US-Amerikaner LaShawn Merritt, der im April 2010 positiv auf Doping getestet wurde.
David Millar ist Mitglied des britischen Olympiamannschaft. Das ist nicht unumstritten. Bahnrad-Olympiasieger Chris Hoy und Ruderer Steve Redgrave haben sich gegen Millars Aufnahme in die Mannschaft ausgesprochen. Dazu Millar: „Ich verstehe ihre Position,und das sind Musterbesispiele der Tugend, zwei weiße Reiter. Aber man braucht auch solche Leute wie mich. Das Leben ist nicht nur schwarz oder weiß.“
Millar versucht, sich in seinem gerade erschienenen Buch „Racing Through The Dark“ („Vollblutrennfahrer. Meine zwei Leben als Radprofi. Bielefeld: Covadonga 2012, 407 Seiten, 16,80 Euro) das Image eines geständigen, reuigen und geläuterten Sünders aufzubauen. Sein Motto: „Die Zukunft des Radsports ist rosig, aber wir dürfen die Vergangenheit nicht vergessen.“
In seinem Buch spricht david Millar davon, wie er als 1977 geborenes Radsport-Wunderkind bei der Firma Cofidis zum Doping gebracht wurde. Doping sei praktisch eine Verpflichtung für jeden Profi gewesen. „Alle hatten ihren kleinen Medikamentenkoffer mit ihren Spritzen und Ampullen dabei. Sich selbst eine Spritze zu setzen, war das Normalste der Welt.“ Millar berichtet von der Zeit des flächendeckenden Dopings mit EPO. Das sei jenes Mittel, erklärte ihm sein Kollege Bobby Julich, „das einen Esel in ein Rennpferd verwandelt“. Millar informiert auch über Amphetamine, Testosteron, Schlafmittel und Kokain.
Millar hat die einschlägig bekannten Ärzte Michele Ferrari und Luigi Ceccini getroffen. Der Festina-Skandal bei der Tour de France 1998 habe keine Verbesserung gebracht. Im Gegenteil, nun galten alle Radrennfahrer als Doper. „Je mehr ich dopte, desto mehr hasste ich den Radsport.“ Millar häuft Schulden auf und wird alkoholabhängig. Aber nach einem dreijährigen Gerichtsverfahren wird er 2007 freigesprochen. Er versucht einen Neuanfang. „Ich bin Radprofi. Olympiasieger. Ein Star der Tour de France. Ein Weltmeister – und ein Doping-Betrüger. Und ich will noch einmal von vorne beginnen.“ Dies scheint geglückt zu sein; denn bei der Tour de France 2012 gewinnt David Millar eine Etappe.
Wie in diesem Blog schon besprochen hat der Schotte Millar die zu geringen Dopingkontrollen bei den Olympischen Spielen in London kritisiert. Substanzen wie EPO oder Wachstumshormone nehme man in der Vorbereitung, „nicht während der Spiele oder kurz davor“. „Es wäre ein sehr dummer Athlet, der während Olympia dopt.“ David Millar gehört inzwischen zur Athletenkommission der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada).
218: Hockey kennt seit 2008 einen anerkannten und geschätzten Videobeweis.
Montag, Juni 25th, 2012Bei der Fußballeuropameisterschaft hat es wieder einige Fehlentscheidungen von Schiedsrichtern bei der Anerkennung bzw. Nicht-Anerkennung von Toren gegeben. Dabei gäbe es eine durchgreifende Abhilfe, die den Spielfluss nicht stört, den Video-Beweis (Video-Umpire), wie er im internationalen Hockey 2008 mit Erfolg eingeführt worden ist.
Jede Mannschaft hat im Hockey die Möglichkeit, einmal einen Video-Beweis zu fordern. Voraussetzung ist, dass es sich in dem Moment um eine eventuell spielentscheidende Situation handelt. War der Ball vor oder hinter der Torlinie? Gab es einen Regelverstoß vor der Situation, die zum Tor führte? War es wirklich ein Siebenmeter? Jeder Spieler auf dem Platz ist berechtigt, mit einem Zeichen , einem angedeuteten quadratischen Fenster, den Video-Beweis zu fordern. Der Schiedsrichter unterbricht das Spiel und nimmt über Funk Kontakt zum Video-Schiedsrichter auf, der in der Regie des übertragenden Fernsehsenders sitzt. Nun muss eine klare Frage formuliert werden. „War der Ball hinter der Linie?“ Der Kollege sieht sich binnen kurzem alle möglichen Zeitlupeneinstellungen an.
Der Video-Schiedsrichter hat drei Möglichkeiten. Zeigen die Bilder, dass der Spieler Recht hat, teilt er das dem Kollegen auf dem Feld mit. War der Ball nicht hinter der Linie, zählt das Tor nicht, und die Mannschaft, die einen erfolgreichen Einspruch eingelegt hat, behält einen Video-Joker. Kann der Schiedsrichter auf den Fernseh-Bildern nicht erkennen, ob der Ball die Linie überquert hat, muss der Unparteiische auf dem Rasen entscheiden. Meist bleibt die vorher getroffene Entscheidung bestehen, die Mannschaft verliert aber ihren Video-Joker nicht. Erweist sich der Einspruch als falsch, bleibt das ursprüngliche Schiedsrichter-Urteil bestehen, der Video-Beweis ist für die Mannschaft und den Rest des Spiels verwirkt.
Im Hockey findet diese Regelung einhellige Zustimmung. Eine Spielunterbrechung dauert in der Regel nicht länger als 15 Sekunden. So lange wird im Fußball ohnehin bei strittigen Entscheidungen mit dem Schiedsrichter diskutiert. Schon heute ist die Situation eines Video-Beweises einer der packendsten Momente im Spiel. In diesen Sekunden herrscht Spannung und Stimmung, und am Ende steht eine Entscheidung, die alle akzeptieren, weil sie mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln geprüft wurde. Auch beim Tennis sind die Challenges (drei pro Satz und Spieler) mittlerweile große Inszenierungen. Beim American Football wirft der Trainer ein rotes Fähnchen auf das Feld, um ein Challenge zu verlangen.
Ein Gegenargument in der Diskussion lautet, dass man die Technik einer Torkamera oder eines Ballchips nicht in allen Ligen einführen kann, vor allen Dingen in den unteren nicht. Hockeyspieler erleben seit Jahren unterschiedliche Voraussetzungen auf verschiedenen Spielniveaus. In Bundesligaspielen gibt es keinen Beweis, bei Olympia schon. Dazu meint der deutsche Hockey-Nationalspieler Moritz Fürste: „Das weiß man vorher und kann sich damit arrangieren.“ Und der deutsche Schiedsrichter-Obmann Peter van Reth sagt: „Die Hockey-Schiedsrichter sind alle heilfroh, dass es den Video-Beweis gibt.“
Das sagt wohl alles Erforderliche. Aber vielleicht dauert es im Fußball noch länger mit der Einführung des Video-Beweises. Das können alle diejenigen verstehen, die Thomas Kistners gerade erschienenes Buch „Fifa-Mafia. Die schmutzigen Geschäfte mit dem Weltfußball.“ gelesen haben.
Dann viel Genuss beim Lesen.
217: Gribkowsky gesteht, 44 Millionen Dollar Bestechungsgeld bekommen zu haben
Sonntag, Juni 24th, 2012Das ehemalige Vorstandsmitglied der Bayerischen Landesbank, Gerhard Gribkowsky, hat vor dem Münchener Landgericht gestanden, vom Formel 1-Chef Bernie Ecclestone 44 Millionen Dollar Bestechungsgeld erhalten zu haben. Das Geld war über Scheinfirmen in der Karibik und Inseln im Indischen Ozean geflossen. Gribkowsky, der seit Anfang 2011 in Untersuchungshaft sitzt, hatte als Bankvorstand im November 2005 den Ausstieg der Bayern LB (damals Hauptinhaberin der Formel 1) aus der Formel 1 bewerkstelligt. Dafür hatte Ecclestone als Vermittler eine Provision von 41 Millionen Dollar bekommen. Das Geständnis Gribkowskys verringert seine zu erwartende Strafe für Steuerhinterziehung, Veruntreuung von Vermögen der Landesbank und Bestechlichkeit wahrscheinlich auf knapp acht bis neun Jahre. Nach Angaben Gribkowskys hatte Ecclestone ihm angeboten, ihn nach dem Deal als Berater zu beschäftogen.
Die Münchener Staatsanwaltschaft ermittelt seit Langem gegen Ecclestone und will eine Anklageerhebung vom Ausgang des Prozesses gegen Gribkowsky abhängig machen. Gribkowsky hatte seit seiner Festnahme Anfang 2011 zunächst eineinhalb Jahre geschwiegen. Ecclestone hat den Charakter des Bestechungsgelds anscheinend nicht als solchen erkannt. Er hatte vor dem Münchener Landgericht als Zeuge erklärt, er sei von Gribkowsky erpresst worden und habe deswegen gezahlt. Seine Anwälte wollen einen Prozess in München verhindern. So könnte er im Formel 1-Geschäft bleiben.
Klaus Ott schreibt in der SZ (23./24.6.12): „Selbst ein Strafbefehl mit Freiheitsstrafe auf Bewährung samt drastischer Geldbuße wäre wohl nicht Ecclestones Ende in der Formel 1. Er könnte sagen, das nur zur Schadensbegrenzung akzeptiert zu haben. Er habe auf sein Recht verzichtet, in einem Prozess den ihm zustehenden Freispruch zu erkämpfen, damit der Formel 1 monatelange Schlagzeilen erspart blieben. Für die Öffentlichkeit wäre ein offener Prozess um Ecclestones Machenschaften das beste. Ein Deal im Hinterzimmer wäre hingegen für den Formel 1-Impresario sehr bald die bequemste Lösung – und für die Justiz wohl ebenfalls. Den Staatsanwälten, die Ecclestone anklagten, und den Richtern, die das Verfahren eröffneten, bliebe das vermeintliche Risiko erspart, sich vor aller Welt zu blamieren.“
212: 21 Vereine und 52 Personen der drei ersten italienischen Ligen wegen Wettskandals verurteilt
Dienstag, Juni 19th, 2012Die Disziplinarkommission des italienischen Fußballverbands (FIGC) hat 21 Vereine und 52 Personen der ersten drei italienischen Fußballligen wegen ihrer Verwicklung in den letzten Wettskandal verurteilt. Die vier Spieler
Mario Cassano,
Luigi Sartor,
Alessandro Zamperini und
Nicola Santoni
sind für fünf Jahre gesperrt. Seria-A-Aufsteiger Pescara wird mit einem Minus von zwei Punkten die Saison beginnen. Mitaufsteiger Sampdoria Genua und AC Siena wurden jeweils zu einer Strafe von 50.000 Euro verurteilt. Der in die Seria B abgestiegene Klub aus Novara beginnt mit einem Minus von vier Punkten. Der in die dritte Liga abgestiegene UC Albino Leffe startet mit 15 Minuspunkten und bekommt zusätzlich eine Geldstrafe von 90.000 Euro. Der Ligarivale Piacenza wurde mit elf Minuspunkten und 70.000 Euro Strafe belegt.
209: 15-seitige Anklageschrift der USADA gegen Lance Armstrong
Montag, Juni 18th, 2012Die US-amerikanische Anti-Doping-Behörde USADA hat Lance Armstrong eine 15-seitige Anklageschrift zugestellt. Darin werden auch der sportliche Leiter Bruyneel und die Ärzte Dr. Celaya, Dr. del Moral und Dr. Ferrari beschuldigt. Damit ist Armstrong offiziell des Dopings angeklagt und erstmals in seiner Karriere für alle Wettkämpfe gesperrt. Bis vor kurzem war der 40-jährige US-Amerikaner, der sieben Mal die Tour de France gewonnen hatte, im Triathlon tätig und trainierte in der Nähe seines Hauses in Südfrankreich.
1993 hatte der damals 21-jährige Athlet die Straßen-Radweltmeisterschaft in Oslo gewonnen. Danach musste er einen Hodenkrebs überstehen, der durch zwei Operationen und Chemotherapie geheilt wurde. 2004 wurde Michele Ferrari, der Arzt, mit dem Armstrong zusammenarbeitete, wegen Sportbetrugs zu einem Jahr Haft auf Bewährung verurteilt. 2005 tauchten sechs Dopingproben von Armstrong aus dem Jahr 1999, dem Jahr seines ersten Toursieges auf, in denen Doping nachgewiesen werden konnte. Einen nochmaligen Test lehnt Armstrong ab. 2010 beschuldigt Armstrongs ehemaliger Teamkollege Floyd Landis Armstrong des Dopings. Landis hat lebenslängliches Doping gestanden. Im gleichen Jahr räumt der Radsport-Weltverband UCI ein, 2002 und 2005 von Armstrong zwei Spenden von insgesamt 125.ooo Dollar erhalten zu haben. 2011 beschuldigt Tyler Hamilton Armstrong des vielfachen Dopings. Das Anti-Doping-Labor in Lausanne wird beschuldigt, positive Dopingproben von Armstrong unterdrückt und diesen über neue Untersuchungstechniken informiert zu haben.
In der USADA-Klageschrift wird auch Pepe Marti beschuldigt, der langjährige Teamchef von Alberto Contador, dem Tour-Sieger von 2010. Mehr als zehn Radrennfahrer haben gegen Armstrong ausgesagt. Bei den Teams Postal und Discovery soll von 1998 bis 2007 systematisch gedopt worden sein. Hauptsächlich mit Epo, dem berüchtigten Blutverdicker. Genommen wurde das Mittel überwiegend oral mit Olivenöl vermischt. Genannt werden ebenso Testosteronpflaster, Wachstumshormone, Kortikoide sowie Plasma- und Salzlösungen. Letztere wurden gebraucht, um Fahrer mit Hämatokritwerten über 50 zu schützen.
Um die Entdeckung von Blutdoping und das Überschreiten des Hämatokritwertes zu vermeiden, haben die Beschuldigten verbotene Techniken von Salz-, Plasma- oder Glyzerin-Infusionen verwendet. Viele Fahrer von 1998 bis 2007 sagten aus, dass der Hämatokrit stets von größtem Interesse für Teamdirektor Bruyneel war und dass Trainer Marti und die Doktoren Celaya und del Moral Salz- und Plasmalösungen bei Fahrern infundiert haben. Von der Tour de Suisse 2001 liegen positive Tests von Armstrong vor.
Die Fahrer, die gegen Armstrong ausgesagt haben, sind neben
Floyd Landis und
Tyler Hamilton
George Hincapie,
Levi Leipheimer,
Christian Vandevelde und
David Zabriskie.
Die vier früheren Helfer vom Team US Postal haben auf eine Nominierung für die US-Olympiamannschaft verzichtet, für die sie eigentlich bei Olympia 2012 in London starten wollten.
Die Staatsanwaltschaft Padua hat allein für 2006 eine Überweisung Armstrongs an den Dopingarzt Michele Ferrari in Höhe von 465.000 Dollar entdeckt. Wieso Armstrong so viel Geld an einen Arzt überwies, dessen Inanspruchnahme er 2001 hatte einräumen müssen und den er nach Aussagen aus 2011 seit 2004 nicht mehr konsultiert hatte, ist unklar.
207: Kasseler Läuferin mit Epo gedopt
Freitag, Juni 8th, 2012Positiv wurde die Kasseler Läuferin Simret Restle-Apel im Mai auf Epo (Blutdoping) getestet. Sie hat auf die Öffnung der B-Probe verzichtet (SZ, 8.6.12). Restle-Apel hatte Ende Mai die Norm für die EM in Helsinki über 5.000 Meter unterboten, vorher schon die über 10.000 Meter. Restle-Apel war deutsche Halbmarathon-Meisterin geworden. Auf ihrer Homepage erklärt die Läuferin: „Es geschah nicht mit Absicht zur Leistungssteigerung, sondern versehentlich und einmalig.“
206: Inspiration des deutschen Schulsystems durch Fußball: 5-Punkte-Programm
Freitag, Juni 8th, 2012Sebastian Gallander, der Leiter des Projekts „Soziale Mobilität“ der Stiftung neue Verantwortung und der Vodafone-Stiftung, macht plausible Vorschläge zur Verbesserung des Schulsystems in Deutschland (SZ, 8.6.12). Er empfiehlt, die Nachwuchsarbeit im DFB zum Vorbild zu nehmen. Dies erscheint erforderlich, weil das deutsche Schulsystem im Vergleich immer noch zu schlecht abschneidet. Gallander nennt fünf Punkte.
1. Mehr Geld investieren. „Allein die Bundesliga hat ihre Ausgaben für die Nachwuchsförderung in den vergangenen Jahren auf mehr als 66 Millionen Euro erhöht. Das sind 3,7 Prozent des Gesamtumsatzes.“ Dagegen betrage der Anteil am Bruttoinlandsprodukt, der für Schulen aufgewendet werde, nur 2,2 Prozent.
2. Das Schulsystem muss eine praktische Möglichkeit zum sozialen Aufstieg einräumen. „Im Fußball wird .. schon im eigenen Interesse der Vereine darauf geachtet, jedem eine Chance zu geben und Talente individuell zu fördern.“ Also: Basisförderung für alle Kinder gleich, dann Durchlässigkeit auf den weiteren Stufen.
3. Das Wichtigste für die Schüler sind gute Lehrer, wie es die Trainer für Fußballmannschaften sind. Bisher fühlen sich viele Lehrer nicht ausreichend auf die Schule vorbereitet.
4. Die Schüler müssen neben dem Wissen auch soziale Kompetenzen vermittelt bekommen. „Der DFB hat .. die Leitlinie, die jungen Menschen nicht nur fußballspezifisch auszubilden, sondern beispielsweise auch in Selbstdisziplin, Motivation, Kritikfähigkeit, Teamgeist, Fairness und im Umgang mit Niederlagen.“
5. Einbindung von ehrenamtlichen Helfern. Etwa 1,7 Millionen Menschen engagieren sich laut DFB ehrenamtlich im deutschen Fußball. „In der Schule müssen natürlich professionelle Lehrer und Erzieher die Hauptrolle spielen.“ Aber auch die Schulen sollten sich stärker für ehrenamtliche Helfer öffnen. „Wenn das Schulsystem sich vom Fußball inspirieren ließe, hätten alle schon sehr gewonnen – die Schüler, die Wirtschaft und letztlich auch die ganze Gesellschaft.“
204: Wo sind die Rolex-Uhren von Gianluigi Buffon geblieben ?
Sonntag, Juni 3rd, 2012Mehr als 1,5 Millionen Euro sind im Jahr 2010 innerhalb von neun Monaten vom Konto des italienischen Nationatorwarts Gianluigi Buffon (Juventus Turin) auf das Konto einer Wettannahmestelle in Parma geflossen, die einem Freund Buffons gehört. Die italienische Finanzpolizei fand 14 Schecks. Nach dem Statut des italienischen Fußballverbands ist es Profifußballern nicht gestattet, sich an Sportwetten zu beteiligen. Soweit ist das klar. Buffon zeigt seine ganze Uneinsichtigkeit durch seinen Satz: „Ich mache mit meinem Geld, was ich will.“
Zudem bestreitet er, gewettet zu haben. Das Geld sei für eine Uhrensammlung, Gemälde und Grundstücke für Freunde ausgegeben worden. Sein Anwalt Marco Valerio Corini: „Für den größten Überweisungsbetrag wurden zwanzig Rolex gekauft. Die liegen seit Monaten in Buffons Safe. Wir können für jeden Geldfluss beweisen, dass er nicht für Sportwetten eingesetzt wurde.“ Inzwischen ist die Wettannahmestelle in Parma von der Polizei durchsucht worden. Wir warten auf das Ergebnis. Kommt es noch vor der Europameisterschaft? Oder nicht? Buffon hat es sich nicht nehmen lassen, indirekt die Manipulation von Spielen durch arrangierte Unentschieden zu rechtfertigen. Dafür steht sein Satz: „Besser zwei Verletzte als ein Toter.“
Die beiden Abwehrspieler Leonardo Bonucci und Domenico Criscito werden der Bildung einer kriminellen Vereinigung und des Sportbetrugs beschuldigt. Nationaltrainer Cesare Prandelli hat Criscito bereits beurlaubt. Bonucci gehört noch zum Kader. Mittlerweile hat Italiens Ministerpräsident Mario Monti eine dreijährige Zwangspause für den italienischen Profifußball vorgeschlagen, um den Sumpf des Wettbetrugs ganz auszutrocknen. Für Trainer Prandelli, der 2010 kam und einen Ethik-Code erlassen hat, kommt ein Verzicht auf die Fußballeuropameisterschaft in Betracht.
Wir Fußballfreunde und Bewunderer der großartigen italienischen Fußballspieler, die 2006 in Deutschland Weltmeister wurden, sind fassungslos. Anscheinend gibt es kontinuierlich den Sumpf des Wettbetrugs im italienischen Fußball.
Da ist eine Zwangspause angebracht.