Archive for the ‘Sport’ Category

583: Fußball erreicht alle.

Dienstag, Mai 27th, 2014

Der Wirtschaftsprofessor Sascha Schmidt, der „Sport und Management“ lehrt, hat die deutsche Fußballnationalmannschaft erforscht. Georg Meck und Winand von Petersdorff haben ihn für die FAS (25.5.14) interviewt.

FAS: Sie haben die Nationaelf zum ökonomischen Forschungsprojekt gemacht – mit welchem Eregebnis?

Schmidt: Die Nationalelf trägt überragend zum „Branding of Nations“ bei – es besteht ein hoher Zusammenhang zwischen Fußball und Ansehen des Landes.

FAS: Am Fußball hängt der Ruf Deutschlands in der Welt?

Schmidt: Zumindest leistet er einen starken Beitrag. Deutschland hat durch den Fußball unheimlich an Renommee gewonnen, das hat mit der WM 2006, dem Sommermärchen, begonnen, seither bewegen wir uns kontinuierlich auf sehr hohem Niveau. Die Sympathiewerte sind überragend: 94 Prozent der Befragten sehen das Auftreten der Nationalelf als vorbildlich an, 40 Prozent sehen ihren Lieblingsnationalspieler gar als persönliches Vorbild – das sucht seinesgleichen.

FAS: Woher kommt diese Zuneigung?

Schmidt: Das soziale Kapital, das im Fußball entsteht, geht auf den „Birging Effect“ (basket in reflected glory) zurück: Menschen fühlen sich gerne einer sozialen Gruppe zugehörig, die erfolgreich ist und als sympathisch wahrgenommen wird. Und die Nationalelf erreicht auch Leute, die sich sonst nicht für Fußball interessieren.

FAS: Die Bindungskraft gesellschaftlicher Institutionen schwindet, gilt das auch für den Fußball?

Schmidt: Nein, im Gegenteil. Während die anderen Großorganisationen – Parteien, Gewerkschaften, Kirchen – massiv Mitglieder verlieren, hat der Sport insgesamt Zulauf und insbesondere der Fußball: Mit dem Fußball erreichen Sie heute quasi jeden Winkel der Gesellschaft.

FAS: Unterschicht wie Elite?

Schmidt: Ja, alle, oben wie unten. An einem Samstag im Stadion treffen Sie 45.000 Menschen – und zwar aus allen Bevölkerungsschichten. Wenn man dort nebeneinandersteht, spielen Herkunft und sozialer Rang keine Rolle.

FAS: Der Fußball als klassenlose Gesellschaft?

Schmidt: Während der neunzig Minuten des Spiels trifft das zu. Danach geht man wieder getrennte Wege. Da bleiben die Unterschiede bestehen.

 

547: FC Schalke 04 steht zu Putin.

Dienstag, März 25th, 2014

Der Vorstandsvorsitzende des FC Schalke 04, Clemens Tönnies, will sein Verhältnis zu Russlands Präsident Wladimir Putin nicht überdenken. „Wir freuen uns, wenn wir uns sehen. Er erkundigt sich dann immer nach Schalke. Wir haben ein gutes Verhältnis – dazu stehe ich.“ (SZ 25.3.14) Am Trikotsponsor Gazprom findet Tönnies nichts zu beanstanden. „Das ist ein starker, zuverlässiger Partner, dem das Wohlergehen von Schalke am Herzen liegt.“ Tönnies wiederholt die vielfach missbrauchte These, der Sport solle „grundsätzlich aus der Weltpolitik herausgehalten“ werden. Wie soll sich die Einstellung der Fußballfans ändern, solange solche Schweinemäster den Fußball führen?

542: Claudia Roth kritisiert Thomas Bach für Putin-Einladung.

Samstag, März 22nd, 2014

Bundestags-Vizepräsidentin Claudia Roth (Die Grünen) hat mit drastischen Worten den IOC-Präsidenten Thomas Bach aufgefordert, seine Einladung an den russischen Präsidenten Wladimir Putin in die Zentrale des IOC zurückzunehmen (sid 22.3.14). „Wohlfeil und verlogen offenbart sich hier Bachs stets hochgehaltene Behauptung von der angeblichen Politikferne des Sports.“ Roth verlangt auch vom DOSB eine klare Haltung zu Putin. Für Claudia Roth ist eine Einladung an Putin in diesen Zeiten seiner Annexion der Krim eine Einmischung in die internationale Politik. „Das IOC hat das Ziel, durch Sport zu einer friedlichen und gerechten Welt beizutragen. Sein Präsident übt stattdessen lieber den Schulterschluss mit Diktatoren.“

537: Persönlich kann einem Hoeneß leidtun.

Freitag, März 14th, 2014

Sehr viel Richtiges zum Fall Hoeneß schreibt Wolfgang Krach in seinem Kommentar (SZ 14.3.14).

„Hoeneß hätte vielleicht eine Chance gehabt, dem Gefängnis zu entkommen. Er hätte von Anfang an die Wahrheit erzählen müssen, die ganze Wahrheit, nicht nur Bruchstücke. Er hätte, als seine Steuerhinterziehung öffentlich geworden war, nicht nur sagen müssen, dass ihm der ‚Riesenfehler‘ leidtue. Er hätte handeln müssen. Er hätte, wie Juristen sagen, ‚tätige Reue‘ zeigen müssen. Er hätte sein Amt als Präsident des FC Bayern niederlegen, den Vorsitz des Aufsichtsrates der FC Bayern AG abgeben und sich aus der Öffentlichkeit zurückziehen müssen.

All das hat Hoeneß nicht getan. Er hat geglaubt, mit einigen bedauernden Worten, seiner Popularität, seinem Charme und dem Charisma des Erfolgsmenschen aus dem Schlamassel herauszukommen. Er hat sich nicht wie ein Täter benommen, sondern wie ein Opfer – wie einer, dem Staatsanwälte, Steuerfahnder und Öffentlichkeit Ungebührliches antun und abverlangen, weil sie Aufklärung von ihm wollen. Aufklärung darüber, wie viele Millionen Euro, Franken oder Dollar er in der Schweiz versteckte, und darüber, wo die dreistelligen Millionenbeträge herkommen, mit denen er jonglierte.

Persönlich kann einem Hoeneß leidtun. Sein Kalkül, die schwere Straftat mit Worten zu bedauern, seine Steuerschuld zu begleichen und nach der Verurteilung auf Bewährung weiterzumachen wie bisher, war irrig. Er wird jetzt die beiden Ämter verlieren, die er in jedem Fall behalten wollte. Und irgendeiner aus dem Verein der Claqueure (zum Beispiel im Aufsichtsrat), die bislang zu feige dazu waren, dem Steuerhinterzieher zu sagen, dass er nicht mehr tragbar ist, wird ihm das beibringen  müssen – falls es Hoeneß noch immer nicht selbst einsieht.

Für Bayern wird damit alles anders. Der größte und wirtschaftlich erfolgreichste Fußballklub der Welt verliert seinen Antreiber, sein Bindeglied, seine Mitte. Es wäre falsch zu glauben, dass das nicht auch sportliche Folgen haben kann. Das käme zu all dem Schaden, den Hoeneß angerichtet hat, dann noch hinzu.“

Mittlerweile ist Uli Hoeneß von seinen Ämtern zurückgetreten und verzichtet auf die angekündigte Revision.

Das geht in die richtige Richtung!

525: Olympia in Sotschi diente dem russischen Imperialismus.

Mittwoch, März 5th, 2014

Olympia in Sotschi diente dem russischen Imperialismus. Wer das jetzt noch nicht erkennen kann, dem ist wohl nicht recht zu helfen. Nun müssen auch noch die Paralympics herhalten. Die Behinderten lächeln für Putins Propaganda. Opfer sind die Ukrainer. Ihnen konnte nicht wirklich geholfen werden. Auch nicht von der EU. Diese aber sollte sich weiter um Assoziierungsabkommen bemühen, damit allmählich Menschenrechte, Demokratie und Rechtsstaat sich durchsetzen. In Russland dauert das länger. Aber aufzuhalten sind die Menschenrechte letztlich nicht.

Angesichts des russischen Vorgehens in der Ukraine hat der grüne Europa-Abgeordnete Daniel Cohn-Bendit einen Boykott der Fußballweltmeisterschaft 2018 in Russland gefordert. „Eine Antwort ist nötig, das Schlechteste wäre, nichts zu tun.“ Putin müsse politisch und menschlich isoliert werden, „falls er nicht aufhört“.

Mir leuchtet Cohn-Bendits Vorschlag ein.

519: Putins Spiele

Montag, Februar 24th, 2014

Putins Spiele sind vorbei (Holger Gertz, SZ 21.2.14; Johannes Aumüller, SZ 22.2.14; Johannes Aumüller/Thomas Kistner, SZ 24.2.14). Gerhard Schröder hatte schon vorher befunden, dass die Berichterstattung darüber zu negativ sei. Die Medien sind eben an allem schuld. Und Schröder steht auf der Gehaltsliste von Gazprom. Ein Interessenvertreter. Ähnlich wie der Sklavenkenner von Katar, Franz Beckenbauer, der inzwischen auch ganz von dem Milieu der Geschäftemacher bestimmt wird. Er bezahlt seine Steuern in Kitzbühel. Sie haben Putin bescheinigt, dass er es kann, wie Thomas Bach, der IOC-Präsident. Die russischen Menschen sind nicht ganz so wichtig, Hauptsache Putins Macht wird gestärkt. Schwule und Umweltschützer stören nur. Trauernde aus der Ukraine auch.

Wie die Nazis 1936 und die chinesischen Diktatoren 2008 hat Putin unter der Legende, Sport und Politik seien zu trennen, hochpolitische Spiele organisiert und durchgezogen. Zu seinem eigenen Besten. Die Kosten und Folgen sollen vergessen werden. Bald kommt die Formel 1 nach Sotschi, 2018 die Fußballweltmeisterschaft nach Russland. Peitschenschwingende Kosaken und krasse Fehlurteile im Eiskunstlauf trüben das Gesamtbild kaum. Eiskunstlauf ist ohnehin der Sport für fortgeschrittene (schleichende) Korruption.

Bei der Schlussfeier hatte Putin ein wenig Selbstironie genehmigt. Der Stern, der sich bei der Eröffnungsfeier nicht zum olympischen Ring geöffnet hatte, durfte zitiert werden. Aber viele wissen nicht, dass die Panne der Eröffnungsfeier im russischen Fernsehen gar nicht zu sehen gewesen war. Sie wurde ausgeblendet, im russischen Fernsehbild strahlten fünf Ringe.

Wenn dies, wie Thomas Bach behauptet hat, die Spiele der Athleten gewesen sind, und das die Athleten genau so sehen, dann müssen wir kleinen Steuerzahler, die keine Uhren schmuggeln, nicht in der Schweiz spekulieren und mitnichten die Interessen von russischen Energielieferanten vertreten, überlegen, was wir, etwa bei Wahlentscheidungen, noch für den internationalen Hochleistungssport tun können. Außer zu zahlen.

Es hat sechs Dopingfälle in Sotschi gegeben, wobei ich daran erinnere, dass Evi Sachenbacher-Stehle schon 2006 in Turin als Doperin erwischt worden war:

1. Evi Sachenbacher-Stehle (Deutschland), Biathlon,

2. William Frullani (Italien), Bob,

3. Marina Lisogor (Ukraine), Langlauf,

4. Vitalis Pavlovs (Lettland), Eishockey,

5. Johannes Dürr (Österreich), Langlauf,

6. Nicklas Bäckström (Schweden), Eishockey.

Ich hoffe, dass wir bald in Deutschland ein schlagkräftiges Anti-Doping-Gesetz bekommen.

516: Tom Finney (Preston North End) mit 91 gestorben

Montag, Februar 17th, 2014

Tom Finney ist am Freitag mit 91 Jahren gestorben (SZ 17.2.14). Er war ein großer Fußballer, der für seinen Verein Preston North End 433 Spiele absolvierte und dabei 187 Tore schoss. Ein klassischer Linksaußen. Das Pendant zu Stanley Matthews als Rechtsaußen.

Dessen Verein FC Blackpool ist wie die Stadt Preston an der Irischen See angesiedelt. Einer Region, wo wir nördlich von Liverpool und Manchester mit ihren jeweils zwei großen Klubs (FC Liverpool und FC Everton sowie Manchester United und Manchester City) heute noch die Traditionsvereine FC Burnley, Blackburn Rovers, Huddersfield Town, Bolton Wanderers und Wigan Athletic kennen. Nicht alle spielen in der Premiere League.

Finney spielte 76 mal für sein Land, u.a. bei den Weltmeisterschaften 1950, 1954 und 1958. Seine Karriere erstreckte sich von 1946 bis 1960. Im Jahr nach Finneys Karriereende stieg sein Verein ab und kehrte bis heute nicht in die erste Liga zurück.

Heute ist Tom Finney eine Legende, die mit uns lebt.

501: Neues Dopingmittel „Full Size MGF“ noch nicht nachweisbar.

Montag, Februar 3rd, 2014

Ein international renommiertes Mitglied der Russischen Akademie der Wissenschaften in Moskau soll Dopern eine hochwirksame Substanz angeboten haben, die von der Analytik noch nicht nachweisbar ist (Thomas Kistner, SZ 3.2.14). Journalisten der ARD-Sportschau wurde das Mittel für 100 000 Euro offeriert. Es handelt sich um den Wachstumsfaktor Full Size MGF, ein Hormon, das bisher nur im Tierversuch erprobt wurde. Es ähnelt dem THG, mit dem Marion Jones (USA) sich vor ca. zehn gedopt hatte. Die deutschen Dopingexperten Mario Thevis und Fritz Sörgel rechnen damit, dass das Mittel auf großes Interesse bei Dopern stoßen wird.

500: Hedgefonds saniert Hertha BSC.

Sonntag, Februar 2nd, 2014

Der Finanzdienstleister Kohlberg Kravis Roberts & Co L.P. (KKR) saniert Hertha BSC mit einer Finanzspritze von 61,2 Millionen Euro („Die Welt“ 1.2.14). Dafür erhält das Unternehmen eine Beteiligung von 9,7 Prozent. Mit dem Geld will die mit 36,8 Millionen Euro verschuldete Hertha ihre Verbindlichkeiten zurückführen und die zuvor aus Geldnot veräußerten Rechte im Bereich Marketing und Catering zurückkaufen. Hertha-Manager Michael Preetz nannte den Millionendeal einen

„Quantensprung für die wirtschaftliche Seite unseres Vereins“,

für die Zukunft hätten er und sein Team auf dem Transfermarkt „mehr Freiräume, die wir mit Augenmaß nutzen werden“.

Dann viel Erfolg!

496: de Maizière kündigt Anti-Doping-Gesetz an.

Samstag, Februar 1st, 2014

Thomas de Maizière ist als Bundesinnenminister zugleich der Sportminister. Er vertritt die Bundesregierung in Sotschi. In einem Interview mit Johannes Aumüller und Christopher Keil (SZ 1./2.2.14) kündigt er ein Anti-Doping-Gesetz an, das er lange abgelehnt hatte.

SZ: Bauen Sie vor für den Fall, dass es nichts wird mit einem wirksamen Anti-Doping-Gesetz?

de Maizière: Nein, ich weise nur darauf hin, dass es ein dickes Brett ist, das wir bohren. Aber natürlich werden wir es bohren, der Sportminister vorneweg. Wenn einem Spitzensportler ein bestimmtes Mittel nicht erlaubt ist, ein Student wirft sich das Mittel aber folgenlos vor einer Universitätsprüfung ein und verschafft sich damit einen Vorteil, dann ist das ein rechtsstaatliches Problem. Es ist vielleicht nicht unlösbar, aber wir müssen es im Blick haben.

SZ: Aber das Gesetz soll es geben?

de Maizière: Wir werden das machen, und Sie erkennen ja an meinen Antworten, dass wir das machen wollen.

SZ: Ihre ablehnende Haltung gegenüber einem Anti-Doping-Gesetz hat sich offensichtlich verändert?

de Maizière: So ist es.

SZ: Und Sie beabsichtigen, über die bereits im Arzneimittelgesetz festgeschriebenen rechtlichen Bestimmungen hinaus neue Straftatbestände einzuführen?

de Maizière: Richtig.