Archive for the ‘Sport’ Category

847: Mangelhafte Doping-Aufarbeitung in Deutschland

Samstag, Februar 21st, 2015

In Zeiten von Olympiabewerbungen erinnern wir uns besonders ungern an das Doping in Deutschland. In der DDR und der Bundesrepublik und im vereinigten Deutschland. Die Vorsitzende des Doping-Opfer-Hilfe-Vereins (DOH), Ines Geipel, lässt aber nicht locker. Die ehemalige Weltklasse-Sprinterin wurde in der DDR selbst unwissentlich gedopt, musste ihre Karriere 1985 aus politischen Gründen beenden und floh 1989 in den Westen. Sie erreichte, dass sie aus den nationalen Rekordlisten gestrichen wurde. 2000 trat sie als Nebenklägerin im Prozess gegen die Drahtzieher des DDR-Dopingsystems auf.

Sie berichtet, dass sich inzwischen über 700 Betroffene beim DOH gemeldet haben. Der Verein rechnet mit ca. 2000 irreversiblen gesundheitlichen Schäden (Diabetes, kaputte Rücken, offene Venen, entfernte Eierstöcke, Fehlgeburten, behinderte Kinder etc.). Ines Geipel wundert sich insbesondere über die Umdeutung Robert Hartings vom Saulus zum Paulus. Vor fünf Jahren sei er noch für die Freigabe von Doping gewesen.

Johannes Aumüller hat Ines Geipel für die SZ (21./22.2.15) interviewt.

SZ: Sport und Politik verweisen darauf, dass es 2006 eine Entschädigungsrunde gab, in der etwa 200 Dopingopfer jeweils knapp 10.000 Euro erhalten haben.

Geipel: Das ist richtig. Aber 2006 waren es 194 Fälle, jetzt wissen wir von mehr als 700. Und es werden täglich mehr. Bei manchen haben sich die Schäden erst jetzt gezeigt. Bei anderen hat es gedauert, bis sie verstanden haben, was die Ursache für ihre Krankheit war. Viele Geschädigte bewegen sich auch immer noch im Sportumfeld und melden sich erst, wenn es ihnen ans Leben geht. Es wird lange geschwiegen. Aber auch für die 194, die Geld bekommen haben, hat sich die Situation in der Zwischenzeit stark verschlechtert.

SZ: Was fordern sie konkret?

Geipel: Im Prinzip geht es um drei Säulen. Zum einen um eine politische Rente als Anerkennung für das, was im DDR-Sport geschehen ist. Das zweite wäre ein Hilfsfonds für Akutfälle. …

SZ: Und was wäre die dritte Säule?

Geipel: Da geht es um den Aufbau eines Stabs von Spezialärzten. Mit Kliniken in Greifswald und Schwerin ist das vorbesprochen. …

SZ: Bei Ihnen melden sich Leute, die sagen: Wir haben noch nach 1990 Tabletten oder andere Mittel bekommen? Im gesamtdeutschen Sport?

Geipel: Ja, so ist es. Das gehört zu dem neuen Sachstand, von dem der DOSB weiß, ihn aber übergeht. Es kommt da nur eine auffällig laute Pause, wenn ich sage: Der Athlet hier war bis 2004 aktiv.

SZ: Sagen diese Athleten auch, von wem sie die Mittel bekommen haben?

Geipel: Von ihren Trainern.

SZ: Von ihren Privattrainern? Vom Mentalguru um die Ecke? Oder von ihren offiziellen, vom Sport bezahlten Trainern?

Geipel: Das waren Kaderathleten. Von ihren offiziellen Trainern.

SZ: Wie bewerten Sie denn die Aufarbeitung der DDR-Sportvergangenheit insgesamt? Erfahren Sie immer noch neue Dinge?

Geipel: Durch die Berichte der Opfer wird zunächst mal deutlich, was alles noch offen ist. Die Rolle des illegalen Forschungsinstituts FKS in Leipzig vor und nach 1989; die illegalen Menschenversuche im DDR-Sport; die Rolle der DDR-Sportmedizin, die Kontakte zur Westpharmazie. Bei uns haben sich jetzt auch häufiger Athleten gemeldet, die davon erzählten, dass sie in einer Doping-Forschungsklasse waren. Andere berichten, dass in den Achtzigern an ihnen Gendoping, Epo, Wachstumshormone ausgeforscht wurden. Sie erzählen, in welchem Turnus sie nach Leipzig ans FKS gefahren wurden und was man dort im Keller mit ihnen angestellt hat.

826: Hooligans sind kriminelle Vereinigung.

Montag, Januar 26th, 2015

Sie nennen es die „dritte Halbzeit“. Verabredungen zu Prügeleien. Etwa im Zusammenhang mit Fußballspielen. Diejenigen, die sich daran organisiert beteiligen, nennen wir Hooligans. Sie sollten nicht verwechselt werden mit Fans („Kuttenfans“) (vgl. Wilfried Scharf: Hooligans und Fernsehen. Zur Wirkung der Darstellung von Gewalt in den Medien. In: JugendSchutzReport 5/03, S. 2-4). Aufmerksamkeit erregten die Hooligans erstmals in den neunziger Jahren, als nach einer Prügelei zwischen Anhängern von Ajax Amsterdam und Feyenoort Rotterdam Carlo Picornie tot auf der Walstatt liegen blieb. Die gewaltbereiten Schläger gibt es vorzugsweise in Deutschland, den Niederlanden und Großbritannien. Sie sind aber auch in anderen Staaten aktiv.

Nun  hat der Bundesgerichtshof (BGH) dafür gesorgt, dass sie juristisch besser zu behandeln sind. Die gewalttätigen Auseinandersetzungen gelten ab sofort als

gefährliche Körperverletzung,

was bisher nicht möglich war. Und Vereinigungen, die sich zum Zweck des Prügelns zusammengeschlossen haben, sind juristisch als

kriminelle Vereinigungen

zu behandeln. Dadurch sind etwa Hausdurchsuchungen und Telefonüberwachungen leichter möglich. Das, was Hooligans tun, darf nicht mit einem Boxkampf oder einem „Free Fight“ verwechselt werden, weil es sich um „Massenschlägereien“ handelt. Sie sind „sittenwidrig“ (Wolfgang Janisch, SZ 23.1.15).

825: „Washington Redskins“ politisch inkorrekt ?

Montag, Januar 26th, 2015

Ich besitze ein leuchtend rotes Base-Cap von den „Washington Redskins“. Mein Sohn hat es mir mitgebracht, als er aus den USA zurückkam. Es steht für das Football-Team aus der Hauptstadt Washington. Ein mittelmäßiges Team, das regelmäßig nicht an der Spitze mitspielt.

Seit längerem hat das Team Schwierigkeiten mit der „Political Correctness“; denn „Redskin“ heißt bekanntlich „Rothaut“. Pikant bei den Spielen gegen die „Dallas Cowboys“. In den USA müssen Indianer „Natives“ genannt werden, Behinderte „physisch Herausgeforderte“ und aus Afrika stammende Amerikaner „Afro-Americans“. Bei den Spielen der „Washington Redskins“ gibt es neuerdings Demonstrationen gegen den Namen. Er klinge so verunglimpfend wie „Washington Niggers“.

Tatsächlich gehören zur Mannschaft überwiegend „Afro-Americans“, die Fans sind hauptsächlich Weiße. Der Klub hat aber auch Unterstützung von Indianern. Klub-Eigentümer Daniel Snyder hat die Stämme der Zuni und der Navajo besucht und um Unterstützung geworben. Aber der Streit ist dadurch eskaliert. Bis hin zum Präsidenten der USA sollen Politiker aus Washington eine Namensänderung verlangt haben.

Das Endspiel um die Super Bowl bestreiten am nächsten Sonntag die „New England Patriots“ und die „Seattle Seahawks“ (Nicolas Richter, SZ 26.1.15).

806: Jenö Buzansky gestorben

Dienstag, Januar 13th, 2015

Der letzte Lebende der ungarischen „Goldenen Elf“ der fünfziger Jahre, die 1954 in Bern Deutschland 2:3 unterlag, Jenö Buzansky, ist im Alter von 89 Jahren gestorben. Im Endspiel war er der Gegenspieler von Hans Schäfer (1. FC Köln). Buzansky, der nicht in einem der großen Budapester Klubs (Honved, Vasas, MTK) spielte, hat zwischen 1950 und 1956 49 Länderspiele absolviert. Wie viele andere wurde er von der Niederlage 1954 schwer getroffen. Buzansky glaubte sogar, dass sie einen Einfluss auf den ungarischen Volksaufstand 1956 gehabt hat. Denn erstmals nach der WM 1954 war es im kommunistischen Ungarn zu Massenversammlungen gekommen (Gunnar Jahns, SZ 13.1.15).

798: Magath kauft sich bei Glasgow Rangers ein.

Samstag, Januar 10th, 2015

Felix Magath hat sich angeblich bei den Glasgow Rangers eingekauft. Ihm soll ein Prozent des Traditionsklubs gehören, der 2012 Insolvenz anmelden musste. Magath hat wohl Ambitionen auf das Amt des Managers. Der Klub liegt derzeit auf Platz zwei der zweiten schottischen Liga (sid, dpa).

792: Carolin Kebekus liebt Lukas Podolski.

Dienstag, Januar 6th, 2015

Carolin Kebekus kennen viele von uns aus der „Heute-Show“. Sie hat mit großem Geschick den deutschen Comedy-Preis moderiert. Ihre Sprache ist direkt und manchmal derb. Ist das der neue Feminismus? Kester Schlenz hat sie für den „Stern“ (11.12.14) interviewt.

Stern: Sind Sie Feministin?

Kebekus: Das Wort klingt so ungebumst. Ich sage, was ich zu sagen habe. Schubladen brauche ich nicht.

Stern: Sie sagen: Natürlich tragen wir Frauen auch gerne tief ausgeschnittene Sachen.

Kebekus: Genau, aber das Dekolleté ist für Leute wie Brad Pitt. Typen wie Brüderle sind nur Beifang.

Stern: Stimmt es, dass Sie gerne Spielerfrau von Lukas Podolski wären?

Kebekus: Ich liebe ihn. Er ist der sympathischste und coolste Fußballer, den es gibt. Aber diese Liebe soll platonisch bleiben.

786: Robert Harting: Wada ist gescheitert.

Samstag, Januar 3rd, 2015

Für Diskus-Olympiasieger Robert Harting ist die Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) mit ihrer Arbeit gescheitert. Er begründet das mit der flächendeckenden Manipulation im russischen Sport. „Dass bis jetzt keine Konsequenzen erkennbar sind, ist das Ende des Vertrauens in die Wada.“ Harting berichtet von Athleten, deren körperliche Veränderungen und Trainiungsintensität nur auf Doping zurückzuführen sei (FAZ 3.1.15).

Wo soll das mit uns Sport-Fans noch hinführen? Nun sollen wir auch noch die Olympia-Bewerbungen von Hamburg oder Berlin unterstützen. Das können wir nicht.

778: Claassen Präsident bei Real Mallorca

Montag, Dezember 22nd, 2014

Der ehemalige Vorstandsvorsitzende von Sartorius und kurzzeitige Präsident von Hannover 96 (1997) Utz Claassen ist zum Präsidenten von Real Mallorca gewählt worden. Vor mehreren Jahren hatte er dort Anteile erworben, als der Klub noch in der Primera Division spielte. Er ist auch für das Amt des Hauptgeschäftsführers nominiert (dpa).

770: Russlands Leichtathletik-Chef lässt Ämter ruhen.

Freitag, Dezember 12th, 2014

Der Chef des russischen Leichtathletikverbands, Walentin Balachnitschew, lässt vorübergehend seine Ämter ruhen. Das teilte er dem Chef des Leichtathletik-Weltverbands IAAF, Lamine Diack, mit. Balachnitschew soll schon 2001 in den Fall Olga Jegorowa, den ersten Epo-Fall der russischen Leichtathletik, verwickelt gewesen sein. Nun hat eine ARD-Dokumentation schwere Doping-Vergehen in der russichen Leichtathletik gezeigt (Michael Gernandt, SZ 12.12.14).

769: Astana für 2015 zugelassen

Freitag, Dezember 12th, 2014

Die weltweit als Dopingteam (Teamchef Alexander Winokurow) bekannte kasachische Radrennfahrermannschaft Astana ist vom Weltverband UCI für die World Tour 2015 zugelassen worden. Das spricht für den moralischen Sumpf beim Radrennsport (Johannes Aumüller, SZ 12.12.14).