Archive for the ‘Sport’ Category

1027: Rechnungshof warnt Hamburg vor Olympia-Bewerbung.

Samstag, September 12th, 2015

In einer „beratenden Äußerung“ hat der Hamburger Landesrechnungshof die Stadt Hamburg vor einer Olympia-Bewerbung für 2024 gewarnt. Das für Ende November geplante Votum der Hamburger zur Bewerbung komme zu früh. Die Kosten könnten dann noch nicht realistisch abgeschätzt werden. Der Landesrechnungshof rät Senat und Bürgerschaft, vor dem Abschluss eines Gastgeberstadtvertrags mit dem IOC 2017 noch einmal die Finanzlage zu prüfen. Falls die Kosten nicht mit der

Schuldenbremse

vereinbar seien, sei die Bürgerschaft nicht an ein mögliches „Ja“ in der Volksabstimmung gebunden. Nach der olympischen Charta, dem „Grundgesetz“ des IOC, müsse die Gastgeberstadt unbeschränkte Gewährleistung für die Durchführung der Spiele übernehmen (FAZ 12.9.15).

Ich habe hier ja schon mehrfach klargemacht (vgl. 987, 879, 872), dass ich gegen Olympische Spiele in Hamburg bin. Das würde viel zu teuer. Die Kosten würden niemals gerecht verteilt. Die ökologischen Gefahren sind nicht abzuschätzen. Es käme noch mehr Gentrifizierung. Wir wollen doch keine Olympischen Spiele für Immobilienmakler und Hauseigentümer.

Wann wird eigentlich die Elb-Philharmonie eröffnet?

1022: Rummenigge über das internationale Fußballgeschäft

Freitag, September 4th, 2015

Als Stimme der Vernunft präsentiert sich der FC Bayern-Präsident Karl-Heinz Rummenigge im Interview mit Klaus Hoeltzenbein und Christof Kneer (SZ 4.9.15) über das internationale Fußballgeschäft am Ende der Transferperiode.

SZ: Spinnen die Engländer?

Rummenigge: Nein, ich verwende solche Vokabeln nicht. Ich sage auch nicht, dass der Transfermarkt wahnsinnig geworden ist. Er ist emotional, aber das war er zu meiner Zeit auch, nur eben mit anderen Summen. Und eines muss auch jedem klar sein: Wir haben erst die Spitze des Eisbergs gesehen. … Von den sogenannten Big Five (England, Spanien, Italien, Frankreich, Deutschland) sind wir mit Abstand Letzter bei den TV-Einnahmen.

SZ: Viele in der Branche sagen: Lass‘ die Engländer ruhig spinnen. Solange die zu viele Millionen für zu viele Spieler ausgeben, kann sich die Bundesliga immer noch wehren – indem sie listiger transferiert.

Rummenigge: Ich muss ein bisschen schmunzeln, wenn Fußball-Deutschland die Engländer gerade zu Spinnern stilisiert. Ich kenne die Verantwortlichen dort. Ich kann Ihnen versichern: Das sind Profis. Ich habe das Jugendleistungszentrum gesehen, dass Manchester City gerade hingestellt hat und kann nur sagen: Besser geht’s nicht. Ich war bei Tottenham, Arsenal und Chelsea: überall dasselbe. Ich sage Ihnen: Die Engländer geben Vollgas, auch im Nachwuchsbereich. … Für Jugendspieler (14-, 15-Jährige) wird bis zu einer Million gezahlt. Ich befürchte, dass bei deutschen Jugendspielen bald sehr viele englische Scouts auf den Tribünen sitzen werden.

SZ: Beim Pay-TV denken Sie wahrscheinlich an Anbieter wie die Telekom, an Vodafone, an die Kabelbetreiber oder an Discovery, die gerade die olympischen TV-Rechte erworben haben.

Rummenigge: Es gibt auch noch das Free-TV. Die ARD hat es sich ja erlaubt, die Qualifikationsspiele der Nationalmannschaft und die olympischen Rechte zu verlieren – ich kann mir nicht vorstellen, dass sie auch noch die Sportschau verlieren wollen. … Ich bin jemand, der mit der Sportschau groß gewoden ist, ich mag diese Sendung – auch weil ich weiß, dass sich nicht jeder ein Abo fürs Pay-TV kaufen will.

SZ: Sie fordern also einen aggressiveren Bieterkampf. Welche Summe schwebt Ihnen am Ende vor?

Rummenigge: Schön wäre, wenn es der DFL mit Hilfe der Bundesliga gelänge, aus 500 Millionen eine Einskomma-X zu machen.

SZ: Ging es bei Thomas Müller tatsächlich um die kolportierten 100 Millionen als Ablösesumme?

Rummenigge: Ich spreche nicht über Zahlen, aber es war sehr hoch. Wenn ich Bankdirektor wäre, hätten wir das machen müssen. Aber als Fußballverein haben wir uns erlaubt, die Tür zuzumachen. Und diese Tür bleibt zu, das kann ich allen versprechen. Aber klar ist auch: Es wird angesichts des englischen Fernsehgeldes auch für den FC Bayern in Zukunft nicht leichter werden.

 

1021: FC Bayern hilft.

Freitag, September 4th, 2015

Der FC Bayern München wird sich unter anderem mit einer Millionenspende an der Hilfe für Flüchtlinge beteiligen. Die Münchener kündigten am Donnerstag an, in Abstimmung mit Stadt und Freistaat „finanzielle, materielle und praktische“ Unterstützung zu leisten. Zu den Maßnahmen gehöre ein Trainingscamp für Flüchtlinge, die dort zudem Deutschunterricht, Mahlzeiten und eine Fußballer-Ausrüstung erhalten sollen. Überdies werde eine Million Euro aus einem Freundschaftsspiel für Flüchtlingsprojekte bereitgestellt (SZ 4.9.15).

1017: Menschenhandel und Moral im Fußball

Dienstag, September 1st, 2015

Dass Kevin de Bruyne für fast 75 Millionen Euro vom VfL Wolfsburg zu Manchester City wechseln kann, ist zunächst sehr gut zu verstehen. Der Besitzer von Manchester City ist nämlich

Scheich Mansour

aus Abu Dhabi. Und der hat das Geld. Außerdem haben die beiden Bezahlsender

British Telecom und Sky

für die drei Spielzeiten der Premier League von 2016 bis 2019

6,9 Milliarden Euro

geboten. Das Geld ist also da. Und nicht nur für Manchester City und den FC Chelsea, sondern auch für den FC Bournemouth oder West Bromwich Albion. Der dritte nicht zu unterschätzende Faktor in dem Spiel um Macht und Moneten ist

die globale Sprache Englisch,

welche die globale Vermarktung sehr erleichtert. Englisch wird überall verstanden. Die Premier League ist in Bombay, Peking und Schanghai attraktiv, in Melbourne und Chicago.

Natürlich sind die für Fußballspieler gezahlten Summen in Zeiten weltweiter Flüchtlingsströme moralisch fragwürdig. Das Verhältnis des glänzenden Fußballs zu Elend und Tod der Flüchtlinge wirkt zynisch. Aber der Fußball kennt nicht nur die gigantische Schattenwelt von FIFA und UEFA, sondern kommt selbst im grellen Licht der Öffentlichkeit zur Austragung, vor den Objektiven der Fernsehkameras. Und die Fußballstars werden auf ihren Facebook-Seiten international beschimpft. Ihre Leistung steht immer in der Kritik.

Wir übersehen auch nicht, dass Fußball als sozialer Faktor an der Basis positiv wirkt. Als Integrationsraum, in dem Ehrenamtliche viel Gutes erreichen (Klaus Hoelzenbein, SZ 1.9.15).

Die teuersten Transfers (in Millionen Euro):

1. Christiano Ronaldo, 2009, von Manchester United zu Real Madrid, 94,0,

2. Gareth Bale, 2013, von Tottenham Hotspur zu Real Madrid, 91,0,

3. Neymar, 2013, von FC Santos zu FC Barcelona, 86,2,

4. Luis Suarez, 2014, von FC Liverpool zu FC Barcelona, 81,0,

5. James Rodriguez, 2014, von AS Monaco zu Real Madrid, 80,0,

6. Zinédine Zidane, 2001, von Juventus Turin zu Real Madrid, 76,0,

7. Kevin de Bruyne, 2015, von VfL Wolfsburg zu Manchester City, 75,0,

Angel de Maria, 2014, von Real Madrid zu Manchester United, 75,0,

9. Zlatan Ibrahimovic, 2009, von Inter Mailand zu FC Barcelona, 70,0,

10. Raheem Sterling, 2015, von FC Liverpool zu Manchester City, 69,0,

19. Mesut Özil, 2013, von Real Madrid zu FC Arsenal, 50,0.

1016: Sport definiert Frau und Mann.

Montag, August 31st, 2015

Bei der Leichtathletik-Weltmeisterschaft 2009 in Berlin trat „sie“ zum ersten Mal auf. Caster Semenya aus Südafrika. Damals 18 jahre alt, drahtig, burschikos mit tiefer Stimme. Sie gewann die 800 m in 1:55,45 Minuten. Vor dem Finale war vom Internationalen Leichtathletik-Verband (IAAF) ihr Geschlecht untersucht worden. Semenya erschien nicht zur Pressekonferenz. Und die Welt rätselte, ob sie nun Frau oder Mann sei.

Danach wurden vom IAAF per Testosteronspiegel Grenzen zwischen Frauen und Männern festgelegt. Bei 10 Nanomol pro Liter Blut. Athleten, bei denen man vermutete, dass sie diesen Wert überschritten oder unterschritten hatten, mussten sich fortan untersuchen lassen. Wer durch den Test fiel, dem wurde zu einer Hormonbehandlung geraten. Der IAAF betonte, dies beruhe auf starkem Konsens in der Wissenschaft.

Manche Wissenschaftler halten die Regel für „idiotisch“. Auch in der Natur überlappten sich die Geschlechter immer wieder. Jede Grenzziehung zwischen Frauen und Männern sei infolgedessen willkürlich (JKN, SZ 27.8.15).

Meinetwegen.

Es stört mich auch nicht, dass bei Jonathan Franzen sechs „Geschlechter“ durchs Netz geistern, bei Judith Butler neun, in anderen Darstellungen sogar 66. Wunderbar. Allerdings hilft das dem Sport nicht. Denn bei ihm soll ja bei Frauen und Männern

Chancengerechtigkeit

herrschen. Da ist eine Definition erforderlich, was männlich oder weiblich ist. Sonst starten bald mehr als zwei Geschlechter.

Von mir aus.

 

1003: Sinkewitz: Anti-Doping – ein schlechter Witz

Dienstag, Juli 28th, 2015

Der internationale Radsportverband UCI hat ein internes Reinheits- und Aufklärungsprogramm aufgesetzt, die sogenannte Circ-Kommission. Dort sollten alle heiklen Themen der Vergangenheit und Gegenwart aufgearbeitet werden. Vernommen werden sollte auch Patrik Sinkewitz, der deutsche Fahrer, der 2006 und 2011 des Dopings überführt worden war. Sinkewitz war aussagebereit. Aber die Circ-Kommission hat es nicht zu einem Gespräch kommen lassen. Thomas Kistner hat Patrik Sinkewitz dazu befragt (SZ 25./26.7.15).

SZ: Hat sich nach Ihrer Einschätzung im Bereich der verbotenen Leistungshilfen mit Dopingmitteln Grundlegendes geändert im Vergleich zu der Zeit, als Sie noch aktiv waren?

Sinkewitz: Das Umfeld ist dasselbe geblieben. Das sagt doch eigentlich alles.

SZ: Sie meinen die Sportdirektoren, Ärzte und Betreuer?

Sinkewitz: Ich meine das große Ganze. Da hat sich doch personell nichts Grundlegendes geändert. Vom Radsport-Weltverband über die Tour-Organisation bis zu den Rennställen – der ganze Radsport hat sich eigentlich nicht spürbar verändert. Außer den Parolen über eine neue, saubere Generation, die jetzt angeblich am Start ist. Aber solche Parolen gibt es auch schon seit 17 Jahren.

SZ: Die Circ-Mitglieder verweigern auf Anfrage jede Stellungnahme … und verweisen auf eine Verschwiegenheitspflicht, die es geben soll.

Sinkewitz: Ich möchte mit diesen Leuten nichts mehr zu tun haben. Warum sollte ich dort noch Vertrauliches abladen? Niemals mehr, denn es würde eh nichts passieren. Das alles war und ist ein schlechter Witz.

992: Schweinis kluger Wechsel

Dienstag, Juli 14th, 2015

Bastian Schweinsteiger wechselt zu Manchester United. Dort bekommt er einen Vertrag bis 2018. Damit handelt er sehr klug. Denn beim FC Bayern hatte er alles gewonnen, was es zu gewinnen gab. Und solch einen Vertrag, wie er ihn nun in Manchester bekommt, hätte es in München nie gegeben.

Widersprechen müssen wir der These von der „Verletzungsanfälligkeit“. Denn de facto handelte es sich darum, dass der Ausnahme-Spieler Schweinsteiger vielfach von unterlegenen Spielern (gezielt) zusammengetreten wurde. In der Premier League wird allerdings auch „geholzt“.

Auch der FC Bayern handelt klug. Denn nun steht Schweinsteiger dem fälligen Mannschaftsumbau nicht mehr im Wege. Und Pep Guardiola kann seine Strippen ziehen.

Marcel Reif charakterisiert die Lage sehr gut: „Der Fan ist Romantiker, und der Romantiker will nicht, dass der Basti geht, das ist doch klar. Bis hierhin d’accord. Dann aber, wenn der Romantiker den kaltherzigen Vorstand ausgepfiffen hat, weil er den Basti gehen lässt, will der Romantiker, dass sein Verein wieder im Finale der Champions League steht. Und wenn du das willst, dann musst du jetzt den Umbau dieser Mannschaft wollen.“ (Holger Gertz/Alexander Gorkow SZ 13.7.15)

987: Hamburg hat wenig Chancen.

Mittwoch, Juli 8th, 2015

1. Nachdem Berlin sich als lustlos erwiesen hat, schickt Deutschland nun Hamburg ins Rennen um die Austragung der Olympischen Spiele 2024 (und die Paralympics).

2. An der Olympia-GmbH sind beteiligt der DOSB (51 Prozent), Hamburg (26 Prozent), Deutschland (18 Prozent), Schleswig-Holstein und Seglerzentrale Kiel (je 2 Prozent) und die Handelskammer Hamburg.

3. Für DOSB-Präsident Alfons Hörmann ist es „das wichtigste Projekt des deutschen Sports seit der Wiedervereinigung“.

4. Die Bewerbung kostet 50 Millionen Euro. Daran beteiligen sich (erstmals) der Bund mit 30 Millionen, Hamburg mit 6,5 Millionen (wovon „die Wirtschaft“ einen Löwenanteil übernehmen will).

5. Kritiker der Hamburg-Bewerbung beklagen vor allem den „Größenwahnsinn“, den am Ende wieder der Steuerzahler tragen muss, und die Verstärkung und Beschleunigung der „Gentrifizierung“ in einigen Stadtvierteln, in denen heute schon die Mieten kaum zu bezahlen sind.

6. Kontrahenten Hamburgs bei der Bewerbung sind Paris, Rom, Budapest und Boston. Paris will punkten mit „100 Jahre nach Paris 1924“.

7. Obsiegt etwa Paris, hat Hamburg auch 2028 keine Chance, weil Olympia nicht zweimal hintereinander in Europa Station macht.

8. Weil einiges darauf hindeutet, dass Deutschland die Fußball-EM 2024 bekommt, sinken Hamburgs Olympia-Chancen.

9. Gegenwärtig hat Hamburg Probleme, die ihm zugewiesenen Flüchtlinge unterzubringen.

10. „Bescheidene“ Spiele gibt es nicht, solange 28 Sportarten und 300 Entscheidungen auf dem Programm stehen (Peter Burghardt, SZ 7. und 8.7.15)

Ich möchte keine Spiele in Hamburg 2024.

982: TV-Rechte für Olympia bei Discovery

Samstag, Juli 4th, 2015

Das IOC unter Thomas Bach hat die TV-Rechte für die Olympischen Spiele 2018 und 2024 für 1,3 Milliarden Euro an den US-Konzern Discovery Communicatons vergeben. ARD und ZDF sowohl als auch die EBU, die Gemeinschaft europäischer öffentlich-rechtlicher Sender, gingen leer aus. Das ist wahrscheinlich wenig überraschend für die, die das schlechte Verhältnis von Bach zu den deutschen Öffentlich-Rechtlichen kennen. Denn Bach möchte einen eigenen olympischen Propagandakanal, auf dem nicht wie bei ARD oder ZDF ständig Doping oder Menschenrechtsverletzungen an den Austragungsorten thematisiert werden.

Discovery geht es ums Geld. Vor einem Jahr hat die Gesellschaft in Europa Eurosport für 345 Millionen Euro gekauft. Das sind ca. 130 Millionen Fernsehhaushalte. Discovery hat Kooperationen mit Streamingdiensten wie Netflix und Hulu vereinbart. Die Firma geht auf Marktanteile. In Deutschland fürchten relativ zentrale Sportarten wie Schwimmen und Leichtathletik nun um ihre Programmpräsenz. Randsportarten seien auch bei ARD und ZDF kaum noch zu sehen.

981: Josef Masopust gestorben

Dienstag, Juni 30th, 2015

Europas Fußballer des Jahres 1962, Josef Masopust (Dukla Prag), ist im Alter von 84 Jahren in Prag gestorben. Masopust hatte in Tschechien einen Status wie Franz Beckenbauer in Deutschland. Mit Dukla Prag gewann er acht nationale Meistertitel und schoss als Mittelfeldspieler in 63 Länderspielen zehn Tore. Den FC Brünn führte er 1978 zum Meistertitel. Von 1984 bis 1987 trainierte er die tschechische Nationalmannschaft, danach bis 1991 die indonesische. In seiner Heimat wurde er 2000 zum größten Fußballer des 20. Jahrhunderts gewählt (SZ 30.6.15).