Archive for the ‘Sport’ Category

1085: Kind rät DFB zum Verzicht.

Montag, November 16th, 2015

Der Vorstandschef von Hannover 96, Martin Kind, rät dem DFB dazu, die Bewerbung für die EM 2024 auszusetzen. „Ich würde dem Deutschen Fußball-Bund dringend empfehlen, die Bewerbung auszusetzen, bis geklärt ist, was vor der WM 2006 geschehen ist und welche Konsequenzen daraus gezogen werden.“ Es sei „unabdingbar, dass der Verband die eigene Strukturen umfassend reformiert, bevor die Bewerbung forciert wird“.

Die Sportausschuss-Vorsitzende des Deutschen Bundestags, Dagmar Friedrich (SPD), deutete an, dass notwendige Steuererleichterungen für die EM in den politischen Gremien kein Selbstläufer seien.

Der DFB hat bei der Verteilung der Spiel-Pakete für das EM-Turnier 2020 zugunsten Englands auf eine Bewerbung um die Finalrunde verzichtet. Bei dieser europaweiten Austragung in fünf Jahren ist München einziger Spielort in Deutschland (3 Vorrundenspiele, ein Viertelfinale). (SZ 16.11.15)

1084: Harting: Nun Kenia und Jamaika

Montag, November 16th, 2015

Diskus-Weltmeister Robert Harting aus Berlin hat sich mehrfach klar gegen Doping ausgesprochen. Dazu interviewt ihn Michael Reinsch (FAZ 14.11.15).

FAZ: Leichtathletik-Funktionäre und die olympische Welt behaupten, vom systematischen Doping in Russland und von der Korruption an der Spitze des Leichtathletik-Verbandes IAAF hätten sie nichts geahnt. Sind Sie auch aus allen Wolken gefallen?

Harting: Nein, ich freue mich, dass der Sachverhalt aufgeklärt ist. Bisher hatten nur Journalisten das behauptet. Nun hat eine unabhängige Kommission die Beweise überprüft und festgestellt: Ist so. Ich glaube nicht, dass Funktionäre wirklich überrascht sind. Die wissen doch alle, wie es läuft, und genau so wussten alle in der IAAF, dass Lamine Diack kein Engel war.

FAZ: Und jetzt?

Harting: Wir haben das mit Russland geklärt, jetzt müssen wir nach Kenia und Jamaika rein und die gleiche Untersuchung anstellen. Das sind richtige Problemfälle in der Leichtathletik.

FAZ: Hätten Sie dafür votiert, die russischen Leichtathleten von den olympischen Spielen auszuschließen?

Harting: Ich hätte. Zum einen muss man Machtzentren zerschlagen; für Putin wäre das höchst peinlich. Zum anderen kann man von Athleten verlangen, dass sie sich für einen fairen Wettstreit einsetzen und nicht blind hinter einer Flagge herlaufen.

1082: Krise des Weltsports

Mittwoch, November 11th, 2015

Sehr überzeugend schreibt Ralf Wiegand (SZ 11.11.15) über den Zustand des Sports in der Welt.

„Die Dimension der Krise des Sports wird derzeit nicht am Zustand des Weltfußballverbands Fifa deutlich, an dem sich das FBI abarbeitet. Auch nicht an der deutschen Affäre um 6,7 Millionen Euro und der Frage, wer sie wie wann wohin transferiert hat und wofür. Nein, die große Vertrauens- und Glaubwürdigkeitskrise des Sports scheint auf in den Vorgängen um den Leichtathletik-Weltverband und das russische Doping-System, das die Welt-Anti-Doping-Agentur gerade beschrieben hat. Dieser Skandal ergießt sich wie ein zäher Brei aus Korruption, Staatsdoping, Erpressung und Kontrollversagen in den Sport.“

„Sport ist .. nicht banal. Es gibt Werte, die etwas wert sind. Teamgeist, Respekt, Regelakzeptanz, Verantwortung, Fair Play. Und fürs Publikum: Spaß, Spannung, Ablenkung, Tradition, Identifikation – gerade in aufgewühlten Zeiten.“

Akzeptiere die Leichtathletik das Ausmaß des Skandals nicht und bemühe sich nicht ernsthaft um Besserung, „muss sich etwa eine Stadt wie

Hamburg

fragen, ob sie wirklich Olympische Spiele veranstalten will, deren Kernsport die Leichtathletik ist“.

Für Joachim Mölter ist der gegenwärtige IAAF-Präsident Sebastian Coe, zweimaliger Olympiasieger über 1500 m und Mitglied des Oberhauses, nicht geeignet, die erforderlichen Reformen durchzuführen. „Sebastian Coe ist nicht qualifiziert für die Aufgabe, die olympische Kernsportart Nummer eins aus dem Sumpf zu ziehen, in dem sie gerade zu versinken droht.“ (SZ 11.11.15)

Coe hatte in der Krise gesagt, sein Vorgänger Lamine Diack werde sein „geistiger Präsident“ bleiben (Johannes Knuth, SZ 9.11.15).

 

1080: Wada: Russische Leichtathletik 2016 suspendieren !

Dienstag, November 10th, 2015

Die Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) empfiehlt dem Internationalen Leichtathletikverband (IAAF), den russischen Leichtathletikverband für 2016, auch für die Olympischen Spiele, zu suspendieren. Die Gründe dafür finden sich in einem 335-Seiten-Bericht einer eigens eingesetzten Wada-Kommission, den der Kanadier Richard Pound gestern vorstellte. Angeregt worden war er von einem von Hajo Seppelt für die ARD gedrehten Fernsehfilm von 2014, in dem das systematische Doping in der russischen Leichtathletik aufgedeckt worden war.

Demnach gab es in Russland ein „staatlich gestütztes Doping“ und eine „Kultur des Betrügens“. Der Chef des bei der Wada akkreditierten Anti-Doping-Labors in Moskau soll insgesamt 1417 Dopingproben zerstört haben. Dies geschah nach „direkter Beeinflussung des russischen Staates bei den Moskauer Laborprozessen“. Der russische Sportminister Witali Mutko soll persönlich angeordnet haben, Dopingproben zu vernichten. Und die bisherige Führungsspitze des IAAF unter Präsident Lamine Diack soll 1,2 Millionen Euro damit verdient haben, dass sie positive Dopingproben verschwinden ließ.

Richard Pound: „Wir haben erst die Spitze des Eisbergs gesehen.“ (Johannes Knuth, SZ 10.11.15)

Ich erinnere mich noch gut an mein Gespräch mit Hajo Seppelt am 23. Oktober 2008 im „Literarischen Zentrum“ Göttingen, in dem er über das internationale Dopingsystem sprach.

1069: Zwei Unternehmenskulturen und die Verwirrung beim DFB

Mittwoch, Oktober 28th, 2015

Der Organisationssoziologe Stefan Kühl, 49, Professor an der Universität Bielefeld, erklärt uns die Korruptionslage im nationalen und internationalen Fußball. Dort habe sich nie das von Max Weber beschriebene Prinzip staatlicher Bürokratie durchsetzen können,

die Trennung von Amt und Person.

Und hier läge der Unterschied zu VW mit seinem Abgas-Skandal und Siemens mit seiner Korruptions-Affäre. „Bei den Vorfällen bei VW und Siemens handelt es sich um die für alle Organisationen recht typischen Abweichungen von der Formalstruktur, die nicht der persönlichen Bereicherung der Mitglieder dieser Organisation, sondern der flexiblen Anpassung dieser Organisation an komplizierte Umfeldbedingungen dienen.“

Das im Fußball geltende Prinzip sähe auch die persönliche Bereicherung vor. Wie in Zentralafrika oder der indischen Verwaltung. Dabei komme es zu – in der Regel – zeitversetzten „Austauschen“. In

Südamerika nenne man das „Confianza“,

in China „Guanxi“,

in Russland „Blat“

und bei der Fifa das „System Blatter“.

Bei der Zusammenarbeit mit Organisationen, die diesem Tauschprinzip folgten, sei es schwierig, die „Übersetzung“ hinzubekommen. Einerseits die eigenen rigiden Standards einzuhalten. Und andererseits den Partner zu erreichen.

„Bei der notwendigen Übersetzungsleistung im Kontakt zwischen typischen, auf Systemvertrauen basierenden Organisationen in Frankfurt, New York und London und den vorrangig auf Personenvertrauen basierenden Organisationen in Brazzaville, Delhi und Zürich müssen die westlichen Organisationen ihr Nicht-Wissen professionell managen. Man muss wissen, welche Angelegenheiten nicht in die Akten gehören, welche Aspekte man möglichst nicht genau evaluieren sollte und was nicht ohne Weiteres zu rekonstruieren sein sollte. Insofern ist die momentane Verwirrung beim DFB nicht überraschend, sondern Ergebnis des weitgehenden Verzichts auf die sonst üblichen Prinzipien der Aktenführung.“ (SZ 27.10.15)

1063: Acht Forderungen an den DFB

Sonntag, Oktober 25th, 2015

Angesichts der sich zuspitzenden DFB-Krise stellen Anno Hecker, Michael Ashelm und Christoph Becker von der FAS (25.10.15) acht Forderungen an den DFB.

1. Rücktritt Niersbach

Er war an der „treuwidrigen Rückzahlung“ 2005 („Zuschuss Kulturprogramm“) beteiligt. Intern hat er im DFB forschen lassen, obwohl er als OK-Vizepräsident selbst Gegenstand der Untersuchung sein müsste. Er ist wie Franz Beckbauer nicht mehr geeignet, eine politische Unterstützung für die Fußball-EM 2024 zu gewinnen.

2. Das Wohl des DFB

Die DFB-Amateure können für die in Rede stehenden Vorgänge nichts. Auch die DFL unter der Führung von Reinhard Rauball ist nicht direkt involviert. Trotzdem müssen beide mit die Folgen tragen.

3. Sofort zum Kadi

„Netzer bestreitet, gegenüber Zwanziger von der Bestechung asiatischer Fifa-Funktionäre gesprochen zu haben, als er nach der Verwendung der 6,7 Millionen Euro gefragt wurde.“

4. Geld zurück

Der DFB hat alle Anspruchsgrundlagen zu prüfen, wie er wieder an die 6,7 Millionen Euro kommt. „Angesichts der allenfalls ansatzweise aufgedeckten Zahlungsvorgänge in den Jahren 2000 (Darstellung Zwanziger) und 2002 (Darstellung Niersbach) und 2004/2005 erscheint völlig offen, gegen wen sich mögliche Ansprüche noch richten könnten: Beckenbauer, Niersbach, Schmidt, Zwanziger, Mohammed bin Hammam, Joseph Blatter? Die Liste der womöglich in Betracht kommenden Personen ist schon in der vergangenen Woche Tag für Tag länger geworden.“

5, Beckenbauer muss reden.

„Wahrscheinlich hält er es wie der Kanzler der Einheit. Die Quellen für die schwarze Kasse der CDU hat Helmut Kohl bis heute nicht genannt.“

6. Her mit der Wahrheit

Wolfgang Niersbach und der ehemalige Bundesinnenminister Otto Schily (SPD), der den Bund im dem damaligen OK-Aufsichtsrat vertrat, widersprechen sich beim Zahlungsvorgang der 6,7 Millionen Euro.

7. Aktiv im Reformprozess

Es gibt im Fußball allenfalls eine Handvoll Nationalverbände, die Uefa und Fifa saubere und nachvollziehbare Strukturen geben können, der DFB sollte dazugehören. Gegenwärtig kandidiert (noch hinter den Kulissen) der bahreinische Scheich Salman al Khalifa für das Amt des Fifa-Präsidenten.

8. Vorwärts mit neuer Struktur

„Der DFB braucht eine interne Compliance- und eine Ethikkommission wie die Fifa, die mit unabhängigen, nicht weisungsgebundenen Personen besetzt werden.“ „Dass die jeweiligen Anti-Korruptions-Beauftragten beim DFB zugleich hohe Funktionäre in den Landesverbänden waren, ist grotesk.“ „Die Vergütungen der Funktionäre auch aus anderen Tätigkeiten im Fußball, zum Beispiel bei den internationalen Verbänden, müssen offengelegt werden, um Interessenkonflikte nachvollziehen zu können.“

1062: FAS-Sport: DFB sucht Nachfolger für Niersbach.

Sonntag, Oktober 25th, 2015

Nach Informationen des FAS-Sports (25.10.15) sucht der DFB bereits einen Nachfolger für Wolfgang Niersbach.

„Hinter den Kulissen wird nach Informationen dieser Zeitung schon nach einem Nachfolger für Niersbach gesucht, der gemeinsam mit seinem Amtsvorgänger und Intimfeind

Theo Zwanziger,

dem Chef des WM-Organisationskomitees,

Franz Beckenbauer,

und Beckenbauers damaligem Stellvertreter

Horst R. Schmidt

im Zentrum der Affäre steht. Offenbar herrscht unter den Landesverbänden und unter den Mitgliedern des Präsidiums des Deutschen Fußball-Bundes aber noch keine Einigkeit hinsichtlich einer neuen Führung.“

1057: Betrüger will ISU-Chef werden.

Dienstag, Oktober 20th, 2015

Der Franzose Didier Gailhaguet, 62, hat seine Kandidatur für die Präsidentschaft des Eislauf-Weltverbands ISU bekanntgegeben. Hervorgetreten war er bei Olympia 2002, als er eine französische Wertungsrichterin zwang, im Paarlauf ein russisches Paar auf Platz eins zu setzen. Im Gegenzug wurde im Eistanzen das französische Paar auf Platz eins gesetzt. Mit russicher Hilfe. Das Ganze kam raus und Gailhaguet wurde für drei Jahre gesperrt. Das Eislaufen geriet in eine schwere Krise (Claudio Catuogno, SZ 20.10.15).

Zu viel offensichtliche Manipulation und Korruption.

Nun ist Gailhaguet zurück. Als Präsidentschaftskandidat.

Im internationalen Spitzensport scheinen solche mafiösen Strukturen unvermeidbar zu sein.

1054: Der DFB hat ein schlechtes Gewissen.

Samstag, Oktober 17th, 2015

Wir wissen jetzt, warum sich der DFB angesichts der Korruptionssümpfe bei Fifa und Uefa nicht in eine Führungsrolle bei der Aufklärung begeben wollte. Er hat ein schlechtes Gewissen bei den Vorwürfen, die Weltmeisterschaft 2006 mit Geld aus einer schwarzen Kasse ins Land geholt zu haben. Gemunkelt wurde das schon immer. Nun verdichtet sich der Verdacht. DFB-Präsident Wolfgang Niersbach hatte bisher allerdings nicht gesagt, warum er so zögerlich bei der Aufklärung der Fußball-Skandale war.

„Falls sich nun bestätigt, dass die deutsche Bewerbung für die Fußball-WM 2006 aus schwarzen Kassen alimentiert und befördert wurde, so läge das zunächst nur in der Logik des Fußballgeschäfts. Dieses findet ja in einer Parallelwelt statt: Der Sport, der größte Zweig der globalen Unterhaltungsindustrie, darf seine Milliardengeschäfte ohne Kontrolle durch externe Instanzen abwickeln – aufgrund einer bizarren, von allen Staaten garantierten Autonomie. In deren Schutz tätigt seit Dekaden eine kleine Kameradschaft von Funktionären ihre Deals.“ (Thomas Kistner, SZ 17./18.10.15)

Dabei spielten die Deutschen seit jeher eine zentrale Rolle. Installiert hat die Korruptionskultur der Adidas-Chef Horst Dassler (bis 1987). Nun soll der größte Teil des Geldes für die schwarze Kasse wieder von Adidas stammen. Alle Bewerbungsprozesse bei Olympia oder Fußballweltmeisterschaften zeigen das gleiche Muster.

„Weshalb, nebenbei, diese Affäre auch nahelegt, worum es bei der

Hamburger Bewerbung um die Spiele 2024 in Wahrheit gehen dürfte.“

Die Mär vom deutschen Sommermärchen 2006 ist dahin wie die Mär vom sauberen VW-Diesel.

Und Franz Beckenbauers („Sklaven-Franz“) Biografie wird wahrscheinlich neu geschrieben werden. (Hans Leyendecker/Klaus Ott, SZ 17./18.10.15)

Die SZ (17./18.10.15) druckt ein Foto (2001) mit den Mitgliedern des Organisationskomitees der Fußball-WM 2006 und den Mitgliedern des Aufsichtsrats: Wilfried Straub, Gerhard Mayer-Vorfelder, Otto Schily, Thomas Bach, Werner Hackmann, Theo Zwanziger, Günter Netzer, Horst R. Schmidt, Franz Beckenbauer, Wolfgang Niersbach, Fedor Radmann.

Alle haben gewiss nichts gewusst.

1046: Jerome Boateng – Führungsspieler in der Nationalmannschaft

Mittwoch, Oktober 7th, 2015

Die überrragende Form von Jerome Boateng in den Spielen des FC Bayern München und in der Nationalmannschaft ist nicht zu übersehen. Schon lange war er einer der talentiertesten Spieler im DFB. Aber kennzeichnend für ihn war lange Zeit, dass er zwischendurch immer wieder Aussetzer hatte. Eine überflüssige lange Grätsche, das Unterschätzen eines langen Balls oder des unmittelbaren Gegners, ein unnötiger Platzverweis.

Erst bei der Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien schaffte er es endgültig, sich vor den Augen der Welt als einer der besten Innenverteidiger zu präsentieren. Schnell, präsent, zweikampfstark, robust, schussstark, ein intelligenter Passgeber. Boateng war meistens der beste Mann auf dem Platz und der eigentliche Titelbringer. Das wird nun auch in den Spielen des FC Bayern sichtbar.

Boateng wünscht sich die Binde des Mannschaftskapitäns. „Die Binde wäre für mich etwas ganz Besonderes und eine große Ehre in meiner Karriere, trotz des Weltmeistertitels.“ „Als erster farbiger Kapitän wäre das mit Blick auf die Integration auch ein starkes Zeichen nach außen.“ (Johannes Aumüller, SZ 7.10.15)

Da hat Jerome Boateng recht.