Archive for the ‘Sport’ Category

1187: IOC will, dass Russlands Athleten in Rio dabei sind.

Montag, März 7th, 2016

Obwohl ein ARD-Team unter Hajo Seppelt gerade wieder gezeigt hat, dass in der russischen Leichtathletik das systematische Doping unter staatlicher Anleitung weitergeht (WDR, Sport inside, 6.3.16, 22.05-22.35 Uhr), will das IOC, dass die russischen Leichtathleten bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro an den Start gehen. Hier zeigt sich die Verkommenheit der IOC-Politik unter dem aus Deutschland stammenden Thomas Bach. Er pflegt gute Beziehungen zu Putin und anderen Potentaten und versucht gleichzeitig, das Image des IOC zu pflegen. Mit Geld geht wahrscheinlich vieles (Johannes Knuth, SZ 7.3.16).

1184: Die Blamage der Universität Freiburg

Mittwoch, März 2nd, 2016

Die Sportmedizin der Universität Freiburg war über Jahrzehnte das westdeutsche Dopingzentrum. Verantwortlich waren dafür so bekannte Professoren wie

Armin Klümper,

Joseph Keul,

Lothar Heinrich,

Andreas Schmid und

Georg Huber.

2007 hatte sich die Universität entschlossen, die Vorgänge umfassend aufzuklären. Das ist nun gescheitert, weil die „Unabhängige Evaluierungskommission zur Freiburger Sportmedizin“ bis auf ihre Vorsitzende Letizia Paoli (Belgien) geschlossen zurückgetreten ist. Wegen Behinderung ihrer Arbeit durch die Universität und ihren Rektor Hans-Jochen Schiewer.

U.a. waren fünf Kisten Geschäftsmaterial von Joseph Keul jahrelang verschwunden. Sie lagerten bei einer Uni-Angestellten. Im März 2015 gab es einen Alleingang des Kommissionsmitglieds Andreas Singler. Ohne Absprache mit der Kommission veröffentlichte er einen Zwischenbericht. Dabei wurde aufgedeckt, dass beim VfB Stuttgart und beim SC Freiburg in den späten 1970er und frühen 1980er Jahren Anabolika-Doping vorgenommen wurde.

Im Januar 2016 kam es zu einen neuen Forschungsskandal. Es gab in den 1980er Jahren erhebliche wissenschaftliche Mängel bei Dissertationen, Habilitationen und Fachpublikationen aus der Sportmedizin Freiburg. Mit ihrem Rücktritt machen die Kommissionsmitglieder darauf aufmerksam, dass sie erneut gegen die Behinderungen der Universität protestieren (Johannes Aumüller und Thomas Kistner, SZ 2.3.16).

„Einer der größten deutschen Sportskandale soll in der Schublade verschwinden. Das darf man der Uni Freiburg nicht durchgehen lassen. Nur: Wer könnte jetzt Druck ausüben? Stadt- und Landespolitiker sehen selbst schlecht aus in der Affäre, die Bande zu den prominenten Medizinern waren stets eng. Und vom Sport ist auch nicht viel zu erwarten. Zumal es Doping-Netzwerke wie in Freiburg ja nicht nur in der Vergangenheit gab.“ (Claudio Catuogno, SZ 2.3.16)

1164: Am meisten Wettbetrug beim Tennis

Freitag, Februar 19th, 2016

Knapp drei Viertel der vom Manipulationsverdacht überschatteten Sportwetten kommen aus dem Tennis. Das bestätigte die ESSA (Sports Betting Integrity) der BBC. Die in Brüssel ansässige Firma wird von Buchmachern aus ganz Europa informiert, wenn auffällig hohe Einsätze auf bestimmte Wetten vorliegen. In 73 von 100 gemeldeten Fällen handelt es sich 2015 um Tennis-Matches. Daraufhin ist im Profi-Tennis eine Task Force mit dem Namen „Independent Review Panel“ (IRP) eingerichtet worden. Sie soll der seit Jahren bestehenden „Tennis Integrity Unit“ (TIU) zuarbeiten (SZ 19.2.16).

1156: Der Kampf gegen hohe Ticketpreise

Mittwoch, Februar 10th, 2016

In England treffen sich Vertreter aller 20 Premier League-Vereine, die in der Football Supporters Federation (FSF) organisiert sind, um die hohen Ticketpreise zu bekämpfen. Ein „normaler“ Arbeiter kann die nämlich nicht mehr bezahlen. Beim Spiel FC Liverpool gegen AFC Sunderland verließen aus Protest Tausende von Zuschauer in der 77. Minute das Stadion an der Anfield Road, um gegen die angekündigte Erhöhung der Ticket-Preise zu protestieren.

Beim FC Arsenal etwa kostet ein Ticket bis zu 126 Euro (umgerechnet), eine Jahreskarte ab 1315 Euro (umgerechnet). Die teuerste Karte für ein Heimspiel von Bayern München kostet 70 Euro. Der „Telegraph“ rechnet vor, dass bei Manchester United die Preise seit 1990 um 350 Prozent gestiegen sind. Dabei erlösen die Klubs der Premier League im Durchschnitt nur noch knapp 20 Prozent ihrer Einnahmen durch Ticketing.

Gegen die Proteste haben sich vor allem die vier Londoner Klubs FC Arsenal, FC Chelsea, Tottenham Hotspur und West Ham United ausgesprochen sowie der FC Liverpool, Manchester United und Manchester City (SZ 10.2.16).

1139: Olympische Spiele 2020 durch Korruption nach Tokio

Sonntag, Januar 17th, 2016

Der internationale Hochleistungssport liegt moralisch vollständig am Boden. Nun hat sich herausgestellt, dass die Olympischen Spiele 2020 nach Tokio vergeben wurden, weil die Türkei sich geweigert hatte, vier bis fünf Millionen Dollar an den IAAF-Präsidenten Lamine Diack zu zahlen.

Japan zahlte.

Mittlerweile ist erwiesen, dass es systematisches staatliches Doping (Blutwerte) in Russland gab und dass IAAF-Präsident Lamine Diack diese Erkenntnisse gegen hohe Bestechungsprämien unterdrückt hatte. Nur deswegen konnten die Olympischen Spiele in London 2012 und die Leichtathletik-WM in Moskau 2013 überhaupt mit russischer Beteiligung stattfinden. Insbesondere die Leichtathletik (IAAF), die olympische Kernsportart, ist vollkommen auf den Hund gekommen. Weiter als die hochkorrupten Fußballverbände FIFA und UEFA. Deren Ex-Präsidenten Joseph Blatter und Michel Platini lebenslänglich gesperrt sind.

Der gegenwärtige IAAF-Präsident Sebastian Coe war seit 2003 Mitglied im IAAF-Council. Er ist infolgedessen ungeeignet, die internationale Leichtathletik aus dem Sumpf zu führen. Zumal er als gut dotierter NIKE-Botschafter die Vergabe der Leichtathletik-WM 2021 an den NIKE-Stammsitz Eugene (USA) ohne Abstimmung bewerkstelligt hatte (Thomas Kistner, SZ 15.1.16, 16./17.1.16, Johannes Knuth, SZ 15.1.16).

Der Leiter der unabhängigen Welt-Anti-Doping-Agentur WADA, Richard Pound (Kanada), dessen Bericht die genannten Tatbestände ans Tageslicht gebracht hatte, hat trotzdem Coe als denjenigen bezeichnet, der die Leichtathletik am besten aus der Krise führen könne. Das ist unverständlich und absurd. Unmöglich. Vetternwirtschaft.

Und das IOC unter seinem deutschen Präsidenten Thomas Bach? Hält sich vornehm heraus, obwohl es in alle geschilderten Vorgänge verwickelt war. Toll! Und der DOSB?

1127: Sportmedizin Freiburg: Neuer Forschungsskandal

Donnerstag, Januar 7th, 2016

Bei der schon weithin gebeutelten Freiburger Sportmedizin (Albert-Ludwigs-Universität) ist ein neuer Forschungsskandal bekannt geworden. Bei weiteren Dissertationen, Habilitationen und Fachpublikationen gibt es „erhebliche wissenschaftliche Mängel“. Die Vorsitzende der Evaluierungskommission Letizia Paoli (Belgien) konstatiert: „Dies ist eine neue Dimension wissenschaftlichen Fehlverhaltens mit möglicherweise gravierenden Folgen für das Fach Sportmedizin und den gesamten betroffenen Wissenschaftsbetrieb.“

„Hochkarätig publizierte Arbeiten“ sollen auf Fälschungen von Daten und Selbstplagiaten beruhen, Originaldaten aus den ursprünglichen Arbeiten seien weggelassen worden, wissenschaftliche Arbeiten „mit geringfügigen Änderungen ohne entsprechenden Hinweis mehrfach in unterschiedlichen Fachzeitschriften publiziert“ worden (SZ 7.1.16).

1114: Diack hat Geld von der russischen Regierung bekommen.

Montag, Dezember 21st, 2015

Der Ex-Präsident der Leichtathletik-Weltverbands IAAF und Vorgänger von Sebastian Coe (Großbritannien), Lamine Diack, 82, Senegal, ist Anfang November in Frankreich wegen des Verdachts der Korruption und der Geldwäsche verhaftet worden. Er hat ausgesagt, dass er beim Doping von russischen Leichtathleten die Augen zugedrückt habe.

Dafür habe er Geld von der russischen Regierung bekommen.

Angesprochen worden sei er anlässlich der Bewerbung Sotschis für die Winterspiele 2014. Das wirft ein bezeichnendes Licht auch auf die Olympischen Spiele in London 2012 und auf die Leichtathletik-WM in Moskau 2013. Die IAAF sei für ihr Stillhalten zudem mit Sponsorenverträgen und dem Kauf von Fernseh-Rechten kompensiert worden (SZ 19.12.15).

1092: Keine Olympischen Spiele für Hamburg 2024 !

Montag, November 23rd, 2015

Martin Müller ist Professor für Geografie an der Universität Zürich. Er forscht zu Planung und Auswirkungen von Großveranstaltungen. Und er hält ein Plädoyer gegen Olympische Spiele in Hamburg 2024 (SZ 18.11.15).

1. Nach eigenen Planungen benötigt Hamburg 6,2 Milliarden Euro vom Bund. Will selbst 1,2 Milliarden aufbringen. 3,8 Milliarden sollen durch Einnahmen gedeckt werden. Insgesamt 11,2 Milliarden für zwei Wochen Hochleistungssport? Und wer von uns glaubt an die Kostenplanung angesichts des Berliner Flughafens und der Elbphilharmonie?

2. Die Kostenplanung ist unglaubwürdig. Für Sicherheit wird nur ein Drittel dessen vorgesehen, das London dafür verbraucht hat. Für Sportstätten und Infrastruktur nur die Hälfte.

3. Das Ganze ist in Wirklichkeit ein Stadtentwicklungsprojekt für Hamburg. Von Dritten bezahlt. Vom Steuerzahler.

4. Ein Risiko ist die unlimitierte Bürgschaft für das IOC. Denn seit Montreal 1976 wird eine solche Bürgschaft verlangt. Die kanadische Stadt hatte erst nach 30 Jahren ihre Schulden abbezahlt.

5. Anders als für den Berliner Flughafen, dessen Eröffnung schon mehrfach verschoben wurde, gibt es für die Olympischen Spiele eine unverrückbare Frist, die eingehalten werden muss.

6. Die Studien, in denen Arbeitsplätze und wachsende Steuern verheißen werden, sind unglaubwürdig. Es fehlt eine nüchterne Kosten-Nutzen-Analyse.

7. Es fehlt zudem die Kalkulation der „Opportunitätskosten“. Damit ist gemeint der entgangene Nutzen, der dadurch entsteht, dass man bessere Investitionsmöglichkeiten beiseite lassen muss.

8. Direkte Investitionen für Wohnungen, Büros und Freizeitanlagen wären besser als die Olympischen Spiele.

9. „Unterm Strich bleiben für Olympia in Hamburg kaum gute Argumente übrig. Stadtentwicklung und Imageförderung betreibt man besser ohne eine solche Veranstaltung. Deshalb werben die Befürworter vor allem mit großen Emotionen und einer gehörigen Portion Lokalpatriotismus. Wer ‚gegen Olympia‘ ist, riskiert als ‚gegen Hamburg‘ abgestempelt zu werden.“ Damit werde ich locker fertig.

10. „Bundeszuschüsse zu Olympischen Spielen gehören abgeschafft, denn sie tragen dazu bei, dass Städte sich um eine Ausrichtung bewerben, weil sie auf zusätzliches Geld hoffen.“

Die Sache wird dann nicht besser, wenn wir an die Korruption im internationalen Hochleistungssport denken (Fifa, Uefa, IOC, IAAF etc.). Eignen sich Olympische Spiele nicht eigentlich besser für Diktaturen wie Russland und China? Im Fernsehen anschauen können wir sie uns ohnehin, denn die dadurch entstehenden Einnahmen sind wesentlicher Bestandteil der Finanzierung.

Also: Bürger Hamburgs, stimmen Sie gegen die Olympische Spiele in ihrer Stadt !

 

1089: Dopingopfer gegen Olympia in Hamburg

Freitag, November 20th, 2015

Der Dopingopfer-Hilfe-Verein (DOH) verschickt in den kommenden Tagen 500.000 Postkarten an Hamburger Haushalte und fordert die Bürger auf, am 29.11.15 gegen die Olympischen Spiele in der Stadt zu votieren. Die Vereinsvorsitzende Ines Geipel sagte, der organisierte deutsche Sport „trimme“ seine Sportler auf Medaillenerfolge und habe bisher die deutsche Doping-Vergangenheit nicht hinreichend aufgeklärt. Dementsprechend stehe er für „systematischen Betrug“. Zuletzt habe der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) nicht einmal mehr Briefe von Dopingopfern beantwortet.

Der DOH vertritt etwa 700 frühere Athleten, die über Gesundheitsschäden klagen, die auf die Verabreichung von Dopingmitteln zurückzuführen sind. Die Bundesregierung hat den Dopingopfern soeben eine

Finanzhilfe von 10,5 Millionen Euro für 2016 und 2017

zugesagt. Geipel begrüßte diese Geste, unterstrich aber, dass „eine Einmalzahlung keine veränderte Sportpolitik“ darstelle. Der DOSB ist von der Bundesregierung aufgefordert worden, sich an dem Fonds für Dopingopfer zu beteiligen. Ines Geipel regte an, die Pharmakonzerne in die Pflicht zu nehmen, die an den Dopingprogrammen beteiligt waren (SZ 19.11.15).

1085: Kind rät DFB zum Verzicht.

Montag, November 16th, 2015

Der Vorstandschef von Hannover 96, Martin Kind, rät dem DFB dazu, die Bewerbung für die EM 2024 auszusetzen. „Ich würde dem Deutschen Fußball-Bund dringend empfehlen, die Bewerbung auszusetzen, bis geklärt ist, was vor der WM 2006 geschehen ist und welche Konsequenzen daraus gezogen werden.“ Es sei „unabdingbar, dass der Verband die eigene Strukturen umfassend reformiert, bevor die Bewerbung forciert wird“.

Die Sportausschuss-Vorsitzende des Deutschen Bundestags, Dagmar Friedrich (SPD), deutete an, dass notwendige Steuererleichterungen für die EM in den politischen Gremien kein Selbstläufer seien.

Der DFB hat bei der Verteilung der Spiel-Pakete für das EM-Turnier 2020 zugunsten Englands auf eine Bewerbung um die Finalrunde verzichtet. Bei dieser europaweiten Austragung in fünf Jahren ist München einziger Spielort in Deutschland (3 Vorrundenspiele, ein Viertelfinale). (SZ 16.11.15)