Archive for the ‘Sport’ Category

1478: Ski-Weltmeisterin moralisch daneben

Montag, Februar 27th, 2017

Marit Björgen, 37, Norwegen, ist die beste Ski-Langläuferin aller Zeiten. Sie hat bei Nordischen Weltmeisterschaften insgesamt 23 Medaillen gewonnen, darunter 15 goldene (vgl. hier 1358). Nun hat sie ihren Weltmeistertitel über 15 km ihrer Landsfrau Theres Johaug gewidmet. Diese ist gerade 13 Monate wegen Dopings gesperrt. Klarer kann moralische Verkommenheit nicht demonstriert werden.

Bei Johaug war im Oktober 2016 das Steroid Clostebol entdeckt worden. Angeblich aus einer Lippen-Creme. Die Schuld übernahm Teamarzt Fredrik Bendiksen, der inzwischen zurückgetreten ist. Die „elegante“, die norwegische Lösung.

Martin Johnsrud Sundby, der in Lahti gerade Silber im Skiathlon gewonnen hat, war im Sommer für zwei Monate gesperrt, weil er die Obergrenze für ein Astmamittel überschritten hatte, für das er eine Sondergenehmigung der Welt-Anti-Doping-Agentur Wada hatte.

Die Tageszeitung „Aftenposten“ und der Fernsehsender TV2 deckten nun auf, dass die norwegische Juniorenmannschaft wie Sundby einen „Vernebler“ benutzte, obwohl die Athleten gar nicht unter Asthma litten. Ein „Vernebler“ hat den Effekt, dass sich ein Vielfaches der Wirkstoffmenge verwenden lässt, jedoch nur ein Zehntel davon im Körper nachweisbar ist.

Norwegens Ski-Sportchef Vidar Loefshus rechtfertigte den Einsatz von Asthmamittel-Verneblern: „Es kann einerseits als Asthma-Medizin definiert und andererseits legal benutzt werden, um Atemwege zu behandeln, damit die Athleten ihr Bestes geben können.“ (Volker Kreisl, SZ 27.2.17)

Ja, liebe Norweger, dann vernebelt mal schön!

Gute Nacht, fairer Sport!

1477: Spitzensport nicht vereinbar mit sauberem Sport.

Sonntag, Februar 26th, 2017

Prof. Dr. Perikles Simon ist Dopingforscher an der Universität Mainz. Er ist dafür bekannt, dass er sich keine reißerischen Aussagen entlocken lässt. Anno Hecker hat ihn für die FAZ (25.2.17) interviewt.

FAZ: Im neuen Spitzensportkonzept von Bundesregierung und Deutschem Olympischen Sportbund (DOSB) ist von Fairplay und Sauberkeit als Grundvoraussetzungen die Rede. Ziel der Reform ist eine Erhöhung der Medaillenausbeute, Innenminister Thomas de Maizière wünscht wenigstens ein Drittel mehr Medaillen. Wie passt das zusammen?

Simon: Gar nicht. Wenn Fairplay und Sauberkeit vorausgesetzt werden, ohne dass der Sport weiß, wie das zu erreichen ist – er spricht ja selbst davon, dass das Anti-Doping-System in den wenigsten Ländern funktioniert -, dann entsteht ein immenser Druck. Er wird an die Athleten, an die Trainer weitergegeben per Spitzensportkonzept. Diejenigen, die das Steuergeld vergeben, sagen: Das ist die Grundvoraussetzung und waschen ihre Hände in Unschuld. Wenn einer dopt, lassen sie ihn fallen wie eine heiße Kartoffel, mit der man nicht mehr auf’s Selfie mag. Das ist krank. …

1463: Martin Fourcade kämpft gegen Doping.

Sonntag, Februar 12th, 2017

Martin Fourcade dominiert seit fünf Jahren die Biathlon-Szene international. Er ist ihr Star. 60 Weltcupsiege hat er, war Olympiasieger, Weltmeister und Weltcup-Gesamtsieger. Er hat es eigentlich also gar nicht nötig, neben der Loipe und dem Schießstand sich noch andere Lasten aufzubürden. Und trotzdem tut er es. Er ist der Frontmann der Anti-Doping-Bewegung. Und dies besonders seit dem McLaren-Report. Die Verbände unter Führung der Vertuscher Wladimir Putin und Thomas Bach hält Fourcade für zu nachlässig, für latente Unterstützer des Dopings. Anders kann man es wirklich nicht sehen.

Fourcade tritt ein für eine Verschärfung der Doping-Sanktionen. Die russischen Biathleten behandelt er u.a. bei Siegerehrungen entsprechend. So den den Athleten Loginow, der gerade eine Zwei-Jahres-Sperre wegen Epo-Dopings hintersich hat. Die Russen beschimpfen und verunglimpfen ihn auf Schärfste. Auch im Netz wird Fourcade beleidigt. Sein Konterfei erscheint dort häufig mit einer Schweineschnauze. Es scheint so, dass die russische und die internationale Doping-Szene zu allem entschlossen sind (Claus Dieterle, FAS 12.2.17).

Dagegen unterstützen wir Martin Fourcade.

1430: Fußball als säkulare Religion

Samstag, Januar 14th, 2017

Matthias Drobinski

schreibt in der SZ regelmäßig über Kirche und Religion. Ich lese fast alle seine Beiträge genau, und ich halte ihn für einen Katholiken, von dem ich viel lernen kann. Aber auch beim Protestantismus kennt er sich aus, wie an seinen vielen Beiträgen zum Lutherjahr 2017 zu erkennen ist. Nun zeigt Drobinski, dass er auch vom Fußball viel versteht (SZ 14./15.1.17). Seine differenzierten Überlegungen kulminieren in der Aussage:

„Wie schön, dass es den Fußball gibt, dieses unglaublich einfache, unfassbare Spiel des Lebens. Aber wenn es ums Geld geht und um Macht, täte auch der Säkularreligion Fußball eine Aufklärung gut.“

Die Fußball-Bundesliga geht am 20.1.17 weiter.

1408: Fourcade droht mit Boykott.

Sonntag, Dezember 18th, 2016

Der fünfmalige Biathlon-Weltcup-Gesamtsieger und zweimalige Olympiasieger

Martin Fourcade

hat dem Biathlon-Weltverband mit einem Athleten-Boykott gedroht, falls er nicht energisch gegen die 31 gedopten Russen im Biathlon vorgeht. Die 31 Namen befinden sich im Mc Laren-Report. Fourcade sagte dem norwegischen Fernsehsender NRK: „Ich hoffe, sie haben die Eier, sie zu sperren. Wenn nicht, müssen wir Athleten selbst aktiv werden.“ In dieser Saison hat Fourcade sechs von sieben Einzelrennen gewonnen (FAZ 17.12.16).

1401: Russisches Staatsdoping

Sonntag, Dezember 11th, 2016

1. Nachdem der McLaren-Report das flächendeckende russische Staatsdoping-System zwischen 2011 und 2015 umfassend bewiesen hat, muss Russland aus dem Weltsport ausgeschlossen werden.

2. Dass es dazu kommt, ist angesichts des Zustands des IOC und der Weltsportverbände höchst unwahrscheinlich.

3. Wladimir Putin hat Helfer wie Thomas Bach.

4. Da ist es dann auch nicht mehr entscheidend, dass ARD und ZDF nicht mehr von den nächsten Olympischen Spielen berichten, so viel Betrug und Doping wären unerträglich.

5. Und bitte keine Sportgroßveranstaltungen mehr nach Deutschland. Trotz Franz Beckenbauer.

6. Was den Spitzensport angeht, ist Russland anscheinend auf dem Weg zurück in den Stalinismus.

(Holger Gertz, SZ 3./4.12.16, Johannes Aumüller und René Hofmann, SZ 10./11.12.16, Thomas Kistner, SZ 10./11.12.16)

1373: Andy Murray über Doping

Montag, November 7th, 2016

Andy Murray (Großbritannien) ist die neue Nummer eins der Tennis-Weltrangliste. Von Gerald Kleffmann (SZ 5./6.11.16) wurde er u.a. zu Doping befragt. Murray antwortet:

„Es wäre naiv anzunehmen, unser Sport wäre sauber. Kein Sport ist das. Man muss sich nur umschauen. Doping betrifft eigentlich alle Sportarten. Leichtathletik, Radfahren, Fußball, Tennis, überall gab und gibt es Fälle. Daher muss man permanent versuchen, dieses Problem auszumerzen. Das funktioniert nur, wenn man die besten Anti-Doping-Verfahren, die es immer wieder gibt, auch zulässt und umsetzt. Es würde auch helfen, offener über dieses Thema zu reden. Wenn etwas passiert und es ein Problem gibt, sollte man es nicht unterdrücken. Wenn jemand betrügt, sollte man das benennen.“

1358: Norwegen dopt.

Freitag, Oktober 28th, 2016

In den letzten Jahren waren die norwegischen Skilangläufer die Weltbesten. Nun wissen wir, warum. Dort wird mehr als anderswo gedopt. Ziemlich systematisch, wie es scheint. Norwegen hat einen Ruf wie die Doping-Staaten

Russland und

Kenia.

Nun hat es die 28-jährige Therese Johaug erwischt, die Jahresbeste 2015, siebenmalige Weltmeisterin und Staffel-Olympiasiegerin von 2010.

Am 16. September ist sie während des Höhentrainingslagers im italienischen Livigno der Einnahme des Mittels Clostebol überführt worden, eines nicht ganz stark wirkenden Steroids. Danach die üblichen Ausflüchte auch der Team-Ärzte. Ob und wie Johaug vom Ski-Weltverband FIS bestraft wird, ist derzeit noch unklar.

So kurz vor der Ski-WM in Lahti (Finnland) kommt das unpassend. In Lahti bei der WM 2001 waren sechs finnische Langläufer des Dopings überführt worden. In Norwegen wird seit langem gedopt. Das geht bis in die Ära der Vegard Ulvang und Björn Dählie zurück. Zuletzt war im Juli 2016 der ehemalige Weltcup-Gesamtsieger Martin Johnsrud Sundby überführt worden (Joachim Mölter, SZ 14.10.16).

 

1315: Otto Bock-Chef Näder kritisiert IOC-Chef Bach.

Mittwoch, September 14th, 2016

Der Vorstandsvorsitzende von Otto Bock (Duderstadt), einer Firma, die mit Prothesen und Rollstühlen für Behinderte auf dem Weltmarkt führend ist, Hans-Georg Näder, kritisiert die Politik des IOC-Präsidenten Thomas Bach. Näder ist Aufsichtsrat-Chef der Nationalen-Anti-Doping-Agentur (Nada). Anders als das IOC bei Olympia in Rio hatte das Internationale Paralympische Komitee (IPC) die russischen Athleten wegen Staatsdopings von den Paralympics in Brasilien ausgeschlossen:

„Bach blamiert Deutschland und beschädigt durch sein Verhalten massiv die olympische Bewegung, weil er nicht klar Position bezieht zu Korruption im IOC und zum Doping – eine Problematik, die nicht nur auf Russland beschränkt ist.“

„In einer Welt, die sowieso aus dem Gleichgewicht geraten ist, wo alle klugen politischen Köpfe und alle Global Citizens mit Einfluss versuchen, ruhig Kopf zu bewahren, hat Thomas Bach die olympische Idee, die gerade in dieser Zeit eine wichtige Vorbildfunktion haben könnte, durch sein Missleadership schwer beschädigt.“

Das IOC antwortet: „Herr Näder ignoriert offensichtlich die Tatsache, dass der IPC-Präsident der IOC-Entscheidung aufgrund der Unterschiedlichkeit der Statuten beider Organisationen zugestimmt hat.“ (SZ 14.9.16)

 

1297: Licht- und Schattengestalten im deutschen Sport

Dienstag, Juli 26th, 2016

Mehrere ehemalige Lichtgestalten des deutschen Sports sind mittlerweile fast vollständig dekonstruiert worden. Das betrifft

Franz Beckenbauer,

Theo Zwanziger,

Helmut Digel,

Alfons Hörmann,

Thomas Bach und

Wolfgang Niersbach.

Claudio Catuogno fragt sich bei Thomas Bach in der SZ (26.7.16): „Hält Thomas Bach die Art, wie er die Russen nach Rio paukt, allen Ernstes für eine gute Lösung? Oder liegen seine Gründe woanders? Sind dem Karrieristen Thomas Bach schlicht die Hände gebunden?“