Archive for the ‘Sport’ Category

1637: Motordoping ?

Mittwoch, Juli 19th, 2017

Als 2010 der Schweizer Radprofi Fabian Cancellara bei Frühjahrsklassikern scheinbar mühelos am Berg seine Geschwindigkeit steigerte, kam zum ersten Mal der Verdacht des Motordopings auf. Die Unterstützung der Radfahrer durch versteckte Motoren. Der ehemalige Direktor der französischen Anti-Doping-Agentur AFLD, Jean-Pierre Verdy, berichtete von einem Dutzend Fahrer, die bei der Tour de France 2015 Motordoping betrieben hätten, lieferte aber keine Beweise.

Die Technik existiert, entwickelt wurde sie für E-Bikes. Bei der aktuellen Tour de France werden alle Bauteile von Fahrrädern untersucht, in denen ein Motor versteckt sein könnte: Rahmen, Tretlager, Nabe, Reifen. Neueste Prüftechnik wird eingesetzt. Magnetfelder schlagen an, wenn sie andere Magnetfelder kreuzen. Eingesetzt werden Wärmebildkameras, einige schon 2016. Dabei zeigte sich, dass manche Tretlager auffällig erhitzt waren. Die zu testenden Räder werden nach Siegen oder besonders guten Leistungen ihrer Besitzer ausgesucht.

Die einzige Radfahrerin, die bisher des Motordopings überführt wurde, war die Belgierein Femke van den Driessche, in deren Rad im Februar 2016 ein Motor gefunden wurde. Die Belgierin behauptete, dass sie das Fahrrad mit dem ihres Freundes verwechselt habe … (Johannes Knuth, SZ 18.7.17)

Wenn wir uns eine Meinung bilden wollen, wie es beim Motordoping aussieht, dann brauchen wir ja nur daran zu denken, wie bisher beim Fahrradfahren betrogen wurde, wenn es die Chance dazu gab.

1609: Argentinische und russische Fußballer gedopt

Montag, Juni 26th, 2017

Die Stimmung beim vielfachen argentinischen Fußballmeister

River Plate Buenos Aires

ist so schlecht wie lange nicht mehr. Denn nicht nur hat der alte Stadtrivale

Boca Juniors Buenos Aires

gerade die Meisterschaft gewonnen, sondern zwei oder drei Spieler sind beim Doping erwischt worden: Lucas Martinez Quarta, 21, und Camilo Mayado, 26. In ihrem Urin wurde das Diuretikum Hydrochlorothiazid nachgewiesen. Wahrscheinlich auch beim Stürmer Sebastian Driussi, 21. Wenn das aber zugegeben worden wäre, hätte er nicht für 15 Millionen Dollar an Zenit St. Petersburg verkauft werden können (Javier Caceres, SZ 26.6.17).

Im russischen Staatsdoping geht man nicht so kleinteilig vor wie in Argentinien. Im McLaren-Report werden laut der britischen ‚Mail on Sunday‘ alle 23 Spieler des russischen WM-Teams von 2014 beschuldigt, gedopt gewesen zu sein. Die Lage im russischen Fußball spitzt sich nach dem Ausscheiden im Confed-Cup zu. Die Daten, auf die sich die Berichterstatter beziehen, stammen zum Teil noch vom ehemaligen russischen Dopinglabor-Chef Grigori Rodshenkow, der in die USA geflohen ist. In Russland ist der zuständige Sportminister nicht dazu da aufzuklären, sondern zu vertuschen. Das tut der bekannte Minister Witali Mutko auch.

Schon in den Nullerjahren dieses Jahrhunderts gab es im russischen Fußball eine Systemdoping-Debatte. 2003 wurde Jegor Titow mit Bromantan erwischt, einem gebräuchlichen Maskierungsmittel aus den Beständen der Roten Armee. Zwei Monate zuvor waren Wladislaw Waschtschuk und Maxim Demenko von Spartak Moskau wegen Dopingverdachts aus dem Aufgebot gegen Irland genommen worden. 2009 wurden Alexej Beresuzki und Sergej Ignaschewitsch von ZSKA Moskau nach dem Champions League-Spiel gegen Manchester United des Dopings überführt. Sie hatten ein meldepflichtiges Stimulans eingenommen. Beide Spieler waren bei der Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien dabei (Thomas Kistner, SZ 26.6.17).

1595: Laufbahn im Berliner Olympiastadion ?

Mittwoch, Juni 14th, 2017

In der letzten Zeit bin ich häufig als Zuschauer zu Gast bei den Bundesliga-Heimspielen von Hertha BSC im Berliner Olympiastadion. Das Stadion war für die Olympischen Spiele der Nazis 1936 als monumentale Sportstätte gebaut worden. Es ist heute schon Kulturgut und Denkmal. Wir wollen uns ja nicht nur an die guten Dinge erinnern, sondern an alles Wichtige. Das Berliner Olympiastadion ist historisch aufgeladen. Sportlich und politisch.

Nun fragt der Berliner Senat: Soll die blaue Rundbahn aus dem Olympiastadion entfernt werden, damit die Hertha BSC-Fans näher ans Spielfeld rücken und für mehr Stimmung im Stadion sorgen können?

Diese Idee hat der Senat entwickelt, seit Hertha BSC mit dem Bau eines reinen Fußballstadions geliebäugelt hatte. Entweder auf der Wiese neben dem Stadion oder vor den Toren Berlins in Brandenburg. Der Senat befürchtet mit dem Auszug des Hauptmieters Hertha BSC ein „Millionengrab“. Im Olympiastadion finden die 17 Heimspiele statt und das stets ausverkaufte DFB-Pokalfinale („Wir fahren nach Berlin.“). In jedem Jahr gibt es dort ebenfalls das „Internationale Stadion-Sportfest“ (Istaf) der Leichtathleten. Das Berliner Olympiastadion ist in Deutschland das letzte vom Internationalen Leichtathletik-Verband zertifizierte Klasse 1-Stadion. In Hamburg, Frankfurt, Düsseldorf, Stuttgart und Hannover gibt es im Stadion keine Leichtathletik mehr. 2009 fanden in Berlin die Leichtathletik-Weltmeisterschaften statt. 2018 werden es die Leichtathletik-Europameisterschaften sein. Beim Abbau der Laufbahn wäre das dann das letzte Leichtathletik-Ereignis.

Wir können uns, wenn wir wollen, daran erinnern, dass es 1936 der schwarze US-amerikanische Sprinter und Weitspringer

Jesse Owens

gewesen ist, der den rassistischen Nazis mit einem Lächeln seine vier Goldmedaillen entgegenhielt. Über 100, 200, 4 x 100 m und im Weitsprung (Joachim Mölter, SZ 14./15.6.17).

1594: Fußball nicht mehr mit Steuermitteln fördern!

Mittwoch, Juni 14th, 2017

Von der Saison 2018/19 an wird die Champions League nur noch im Bezahlfernsehen und auf einer Streaming-Plattform (Dazn) übertragen. Das zeigt das abgehobene Denken der Uefa-Funktionäre. Sie glauben anscheinend, sich alles erlauben zu können. Auf öffentliche Interessen und die Bevölkerung nehmen sie keine Rücksicht.

Wenn die europäischen Spitzenklubs das so hinnehmen, gehen sie ein relativ hohes Risiko ein. Das erkennen wir an den beiden Viertelfinal-Spielen des FC Bayern München gegen Real Madrid 2017. Im April verfolgten im Schnitt

9,6 Millionen Zuschauer

das Spiel im ZDF. Das Rückspiel im Bezahlfernsehen verfolgten nur

1,5 Millionen Zuschauer (Klaus Hoeltzenbein, SZ 14./156.17).

Künftig sollte aus der Perspektive der Gebühren- und der Steuerzahler der Bau von Fußballstadien nicht mehr öffentlich subventioniert werden. Neu überlegt werden muss m.E. auch, ob die Kosten für die Sicherheit beim Fußball weiterhin der Allgemeinheit aufgebürdet werden können. Denn da würde der fußballbegeisterte Steuerbürger zweimal zur Kasse gebeten werden.

Der Fußball wird global und digital. Aber er kappt seinen Heimatmarkt. Wir Marktteilnehmer sollten uns das von den lächerlichen Fußball-Funktionären nicht bieten lassen.

1580: Margaret Court gegen Martina Navratilova

Samstag, Juni 3rd, 2017

Margaret Court, die vielfache Grand-Slam-Siegerin im Tennis, hatte behauptet, der Tennissport sei voll von Lesben, denen geholfen werden müsse. Daraufhin konterte die ebenso erfolgreiche Tennis-Championesse Martina Navratilova in einem offenen Brief: „Wir feiern die freie Rede, aber das bedeutet nicht, dass sie frei von Konsequenzen ist. … Ihre Giftigkeit ist nicht nur eine Meinung. Sie versucht aktiv, lesbischen, schwulen, bisexuellen und Transgender-Menschen gleiche Rechte zu verwehren. Sie dämonisiert Transgender-Kinder und Transgender-Erwachsene. Ihre Kommentare sind krank und gefährlich. Es ist nun klar, wer Court ist: Eine tolle Tennisspielerin – und eine Rassistin und homophobe Person.“

Navratilova schlug vor, die Margaret-Court-Arena in Melbourne umzubenennen in Evonne-Goolagong-Arena. Goolagong hatte sieben Grand-Slam-Titel gewonnen (SZ 2.6.17).

1562: Fifa will keine Aufklärung.

Donnerstag, Mai 11th, 2017

Fifa-Präsident Gianni Infantino, 47, (Schweiz) agiert ruppig. Er chasste die beiden Vorsitzenden des Fifa-Ethik-Komitees, Cornel Borbely (Zürich) und Hans-Joachim Eckert (München), und den Chef des Fifa-Governance-Komitees, den Portugiesen Miguel Poares Maduro. Dieser hatte den russischen Vizepremier und Fußballchef Witalij Mutko wegen Interessenkonflikten aus dem Fifa-Vorstand verbannt. Borbely und Eckert hatten

Sepp Blatter

und

Michel Platini

wegen eines dubiosen Millionen-Deals aus dem Fifa-Vorstand verbannt. Die drei Juristen hatten „ganze Arbeit“ geleistet. Aber die Fifa will keine Aufklärung. Sie arbeitet lieber mit „Dunkelmännern“ zusammen.

Allein die US-Justiz ermittelt auf der Basis des Anti-Mafia-Gesetzes „Rico“. Das könnte der Fifa gefährlich werden. Infantino lässt sich davon nicht beeindrucken. Die neue Chefermittlerin aus Kolumbien muss sich erst ins Schweizer Recht einarbeiten. Und die von Infantino eingesetzte Fifa-Generalsekretärin Fatma Samoura, eine fußballfremde UN-Entwicklungshelferin aus dem Senegal, kriegt kein Bein auf die Erde (Thomas Kistner SZ 11.5.17).

1527: Mario Gomez‘ Fehlurteil über die Bundesliga

Dienstag, April 4th, 2017

Nach seinem Hattrick am letzten Wochenende riskiert Mario Gomez eine dicke Lippe. Über die Bundesliga sagt er, Woche für Woche sei „mehr Gemurkse als sonst was“ zu beobachten. Viele Spiele seien von „Druck, Angst, Nervosität und Einfach-nur-den-Arsch-retten-wollen“ geprägt. Das

Gedränge zwischen Platz 6 und 16

sieht er nicht als Qualitätsmerkmal. „Acht Punkte zwischen Europa League und Abstiegsplatz, das gibt es normalerweise in der dritten und vierten Liga. Man kann das als Stärke oder Schwäche der Liga auslegen, ich finde, das ist Schwäche.“

Hier irrt Mario Gomez. Wahrscheinlich war seine Durststrecke bei Fiorentina (Florenz) und Galatasaray (Istanbul) zu lang, um zu einem nüchternen Urteil zu gelangen (Philipp Selldorf, SZ 4.4.17).

1524: Jamaika dopt.

Montag, April 3rd, 2017

Jamaika bezieht seinen Charme daraus, dass es so eine kleine Insel mit nur 2,7 Millionen Einwohnern und so unbedeutend ist. In der Leichtathletik und speziell im Sprint erscheint es aber manchmal wie eine Großmacht. Ich habe als Kind 1952 bei den Olympischen Spielen in Helsinki schon die McKenley, Rhoden und Wint bewundert (im Radio und in Illustrierten), welche die Strecken von 100 bis 800 m dominierten. Insbesondere seit Peking 2008 werden die jamaikanischen Sprinter wieder sehr bewundert.

Nun hat das Dopinglabor in Lausanne 2016 bei einer Überprüfung der 2008 in Peking abgegebenen Proben festgestellt, dass u.a. „männliche Sprinter der Karibikinsel“ geringe Mengen von Clenbuterol im Blut gehabt hatten, das in der Regel in der Kälbermast eingesetzt wird und schon mehrmals in der Dopinggeschichte eine Hauptrolle gespielt hatte. Außer von

Nesta Carter,

der schon im Januar 2017 des Dopings in Peking überführt wurde, wissen wir aber nicht, wer von den anderen drei Mitgliedern der jamaikanischen 4 mal 100 m-Staffel gedopt war:

Usain Bolt,

Asafa Powell oder

Michael Frater.

Das IOC, das von den Befunden seit 2016 wusste, hat sie nicht veröffentlicht. Wahrscheinlich um die Olympischen Spiele in Rio nicht zu gefährden. Insofern erscheint das IOC als eine kriminelle Vereinigung. Berichtet hat uns dies die ARD-Doping-Redaktion unter Leitung von

Hajo Seppelt.

Sie hat in den letzten Jahren mehrfach Dopingfälle mit aufgeklärt und darüber informiert. Der Mexikaner Angel Heredia, der zunächst Spitzenathleten in aller Welt mit Schnellmachern, Wachstumshormonen, Epo und Testosteron versorgt hatte und dann

Kronzeuge des FBI

geworden war, hat der ARD-Doping-Redaktion bestätigt, dass jamaikanische Sprinter Clenbuterol genommen haben. In Peking 2008 war der polnische Ruderer Adam Seroczynski für zwei Jahre gesperrt worden, weil er das Mittel genommen hatte.

Für jamaikanische Sprinter gelten wohl andere Gesetze (Thomas Kistner/Johannes Knuth, SZ 3.4.17).

 

1483: Raymond Kopa gestorben

Montag, März 6th, 2017

Er gehörte in die Klasse der Alfredo di Stefano, Stanley Matthews und Ferenc Puskas, der als Sohn von aus Polen stammenden Bergarbeitern 1931 in der Champagne geborene Raymond Kopa (eigentlich Kopaszewski). Der nur 1,68 m große Rechtsaußen von Stade Reims war ein höchst wendiger und technisch brillanter Spieler. Mit Stade Reims gewann er mehrere französische Meisterschaften. 1956 verlor er mit seiner Mannschaft im Landesmeister-Finale gegen Real Madrid, das ihn daraufhin für sehr viel Geld kaufte.

Er bildete dort einen Sturm mit Rial, Puskas, die Stefano und Gento. Mehrfach gewann Real Madrid den Landesmeistertitel. 1958 errang Raymond Kopa mit Frankreich den dritten Platz bei der Fußball-WM in Schweden (u.a. gemeinsam mit Just Fontaine). Er wurde zu Europas Fußballer des Jahres gewählt. 1959 ging Kopa zu Stade Reims zurück, wo er noch zwei Meistertitel gewann. Nun ist er in seiner Heimatstadt gestorben (Javier Caceres, SZ 4./5.3.17).

1478: Ski-Weltmeisterin moralisch daneben

Montag, Februar 27th, 2017

Marit Björgen, 37, Norwegen, ist die beste Ski-Langläuferin aller Zeiten. Sie hat bei Nordischen Weltmeisterschaften insgesamt 23 Medaillen gewonnen, darunter 15 goldene (vgl. hier 1358). Nun hat sie ihren Weltmeistertitel über 15 km ihrer Landsfrau Theres Johaug gewidmet. Diese ist gerade 13 Monate wegen Dopings gesperrt. Klarer kann moralische Verkommenheit nicht demonstriert werden.

Bei Johaug war im Oktober 2016 das Steroid Clostebol entdeckt worden. Angeblich aus einer Lippen-Creme. Die Schuld übernahm Teamarzt Fredrik Bendiksen, der inzwischen zurückgetreten ist. Die „elegante“, die norwegische Lösung.

Martin Johnsrud Sundby, der in Lahti gerade Silber im Skiathlon gewonnen hat, war im Sommer für zwei Monate gesperrt, weil er die Obergrenze für ein Astmamittel überschritten hatte, für das er eine Sondergenehmigung der Welt-Anti-Doping-Agentur Wada hatte.

Die Tageszeitung „Aftenposten“ und der Fernsehsender TV2 deckten nun auf, dass die norwegische Juniorenmannschaft wie Sundby einen „Vernebler“ benutzte, obwohl die Athleten gar nicht unter Asthma litten. Ein „Vernebler“ hat den Effekt, dass sich ein Vielfaches der Wirkstoffmenge verwenden lässt, jedoch nur ein Zehntel davon im Körper nachweisbar ist.

Norwegens Ski-Sportchef Vidar Loefshus rechtfertigte den Einsatz von Asthmamittel-Verneblern: „Es kann einerseits als Asthma-Medizin definiert und andererseits legal benutzt werden, um Atemwege zu behandeln, damit die Athleten ihr Bestes geben können.“ (Volker Kreisl, SZ 27.2.17)

Ja, liebe Norweger, dann vernebelt mal schön!

Gute Nacht, fairer Sport!