Archive for the ‘Sport’ Category

1714: Den Videobeweis – verbessern !

Montag, Oktober 2nd, 2017

Der Videobeweis im Fußball ist richtig. Er hat in seiner Einführungsphase noch die eine oder andere Kinderkrankheit. Der Widerstand dagegen speist sich zu häufig aus irrationalen Argumenten. Wir brauchen dafür aber einen kühlen Kopf.

„Ein Fehlpfiff, der das Spiel manipuliert, muss per Videobeweis zu korrigieren sein. Alles andere ist der Rückfall in eine institutionalisierte Ungerechtigkeit namens ‚Tatsachenentscheidung‘. Diese ist ein archaisches, für Manipulation anfälliges Konstrukt und steht den Grundregeln des Sports im Wege. Sie zielen auf Objektivität und faire Resultate.“

„Der Sinn (des Videobeweises) ist, dass er überall dort saubere Urteile fällt, wo das möglich ist. Dass dies nicht immer klappen kann, wird von Videogegnern zwar gern hervorgehoben, ist aber kein taugliches Argument. Denn über Szenen, die selbst in feinster Auflösung nicht zu klären sind, darf sich jeder nach Kräften empören – nur hat hier niemand die Wahrheit gepachtet.“ (Thomas Kistner, SZ 19.9.17)

1712: Lorenz Funk ist tot.

Samstag, September 30th, 2017

Lorenz Funk war einer der größten deutschen Eishockey-Spieler. 225 mal trug er das Trikot der Nationalmannschaft, nahm an 13 Weltmeisterschaften und drei Olympischen Spielen teil. Drei mal wurde er deutscher Meister (zum ersten Mal 1966 mit dem EC Bad Tölz). In 687 Erstliga-Spielen schoss der Stürmer 435 Tore. Funk gehörte zur Olympiamannschaft von 1976 in Insbruck, die seinerzeit sensationell die Bronzemedaille gewann („Das Wunder von Insbruck“). Nach seiner Spielerkarriere war Funk als Manager tätig, u.a. nach der Wiedervereinigung bei den Eisbären Berlin (Johannes Schnitzler, SZ 30.9./1.10.17; FAZ 30.9.17; Die Welt 30.9.17).

1683: Korruption bei der Olympia-Vergabe an Rio

Sonntag, September 10th, 2017

IOC-Präsident Thomas Bach (Deutschland) hat angekündigt, dass die Korruption bei der Vergabe der Olympischen Spiele an Rio de Janeiro untersucht werden müsse. „Wir nehmen diesen Fall ernst und beobachten ihn genau.“ Das IOC werde bei entsprechenden Beweisen „angemessene Maßnahmen und Sanktionen treffen“. Die brasilianische Polizei hatte bei einer Razzia im Haus von OK-Chef Carlos Arthur Nuzman Beweismaterial sichergestellt (sid, FAS 10.9.17).

1680: Tottenham Hotspur: Zwei Spielfelder übereinander.

Samstag, September 9th, 2017

118 Jahre lang hat Tottenham Hotspur im Londoner Norden an der White Hart Lane gespielt. Um die Ecke spielt Arsenal (früher „Highbury“, heute „Emirates“). In den frühen sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts war Tottenham mehrmals Meister. Das war die Mannschaft um Mittelstürmer Tommy Smith. Damals war ich ein Fan des Klubs. Später spielte dann Jürgen Klinsmann kurz bei dem Verein. Er wird von manchen Gegnern und Skins „Judenklub“ genannt.

Nun plant Tottenham Hotspur für 2018 eine neues Stadion mit 61.000 Zuschauern. In der Zwischenzeit spielt der Klub im Wembleystadion. Für die zahlungskräftigen Fans sind Vorzugsbedingungen geplant. So soll man aus dem VIP-Bereich in den Spielertunnel blicken können. Vorgesehen sind eine eigene Brauerei und die „längste Bar Englands“ (86,8 m).

Tottenham geht eine Partnerschaft mit der NFL ein. Dafür werden zwei übereinander liegende Spielfelder geplant. Eins für Fußball, eins für Football. Das Footballfeld liegt dann unter dem Fußballfeld (das erinnert mich an die Berliner Mercedes Benz-Arena, dort wird regelmäßig zwischen Basketball und Eishockey gewechselt). Der Fußballplatz soll in drei Stücken ins Stadion gerollt werden. Angetrieben von 68 Elektromotoren, bewegt auf je 168 Rädern. Das Ganze soll nur 25 Minuten dauern (PK, Welt 9.9.17).

1678: Lewandowski kritisiert FC Bayern.

Samstag, September 9th, 2017

Der international hoch anerkannte Stoßstürmer des FC Bayern München, der Pole Robert Lewandowski, 29, kritisiert die Zurückhaltung der Bayern auf dem Transfermarkt. „Bayern muss sich etwas einfallen lassen und kreativ sein, wenn der Verein wieder Weltklassespieler nach München lotsen will.“ „Wenn man ganz vorne mitspielen will, braucht man die Qualität dieser Spieler.“ Lewandowski denkt dabei anscheinend an die Investitionen von Paris St. Germain, FC Barcelona und Manchester City und anderer.

Über einen möglichen Wechsel von Lewandowski, der im vierten Jahr bei Bayern spielt und einen Vertrag bis 2021 hat, gab es immer wieder Gerüchte. Angeheizt von seinen Beratern. Insofern kann seine Kritik als Drohung verstanden werden (SUF, Welt 9.9.17).

1676: Gedenkstätte für Olympia-Attentat von 1972

Freitag, September 8th, 2017

Auf dem Lindenhügel im Münchener Olympiapark ist eine Gedenkstätte zur Erinnerung an das Olympia-Attentat von 1972 eröffnet worden. In Anwesenheit des israelischen Staatspräsidenten Reuven Rivlin, von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und des bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer und ihrer Frauen. Es erinnert an den brutalen Überfall von palästinensischen Terroristen auf die israelische Olympiamannschaft. Dabei und bei dem späteren dilettantischen Befreiungsversuch auf dem Flugplatz Fürstenfeldbruck kamen elf israelische Sportler und ein deutscher Polizist ums Leben.

Die Toten sind der Gewichtheber David Berger, der Polizist Anton Fliegerbauer, der Gewichtheber Ze’ev Friedman, der Kampfrichter Yossef Gutfreund, der Ringer Eliezer Halfin, der Gewichtheber Yossef Romano, der Sportschützen-Trainer Kehat Schor, der Leichtathletik-Trainer Amitzur Shapira, der Ringer Mark Slavin, der Fecht-Trainer Andrei Spitzer, der Gewichtheber-Trainer Yakov Springer und der Ringer-Trainer Moshe Weinberg. Für sie wurden Tafeln mit ihren Lebensläufen enthüllt.

Für die Gedenkstätte hatten Frauen von israelischen Opfern gekämpft. Sie stießen auf fehlende Sensibilität und Antisemitismus und mussten sogar dem Vorwurf begegnen, die israelischen Sportler hätten Terror und Krieg nach Deutschland gebracht. In den Ansprachen wurde der Terror geächtet und für seine gezielte Bekämpfung geworben. Steinmeier und Seehofer betonten, dass das Attentat von 1972 die Pflicht nach sich ziehe, Juden in diesem Land zu schützen.

Zu dem Satz des seinerzeitigen IOC-Präsidenten Avery Brundage „The games must go on.“ meinte der israelische Staatspräsident: „An diesen Satz wird sich die Welt in ewiger Schande erinnern.“ (Martin Bernstein und Kassian Stroh, SZ 7.9.17)

1672: Mehr als 30 Prozent Doper bei Leichtathletik-WM 2011

Dienstag, September 5th, 2017

Der Arbeitsbereich Kognition und Wahrnehmung der Universität Tübingen hat unter der Leitung von Rolf Ulrich im Auftrag der Welt-Antidoping-Agentur (Wada) das Ausmaß des Dopings bei der Leichtathletik-WM in Daegu (Südkorea) 2011 bestimmt. Gemeinsam mit dem Mainzer Anti-Doping-Forscher Perikles Simon.

Dazu beantworteten 12o2 Athleten (darunter 65 deutsche) zwei Fragen auf einem Tablet. Die Rücklaufquote (normalerweise 30 Prozent) lag bei 90 Prozent. Anonymität war gewährleistet. Zu identifizieren waren die Athleten über ihren Geburtstag. Die Wissenschaftler berechneten aus diesen Angaben näherungsweise ihre Korridore.

Ergebnis: nach eigener Aussage waren über 30 Prozent der Athleten bei der Leichtathletik-WM in Daegu gedopt.

Der Internationale Leichtathletik-Verband (IAAF) unter Sebastian Coe hat versucht, dieses Ergebnis zu verheimlichen (Johannes Knuth SZ 30.8.17; Johannes Aumüller SZ 30.8.17).

 

1647: Bernhard Kempa ist tot.

Dienstag, August 15th, 2017

Bernhard Kempa ist gestorben, der Kapitän der deutschen Handballnationalmannschaft, die 1952 und 1955 Weltmeister auf dem Feld wurde. Er wurde 96 Jahre alt. Kempa war Spieler von Frischauf Göppingen. Er war der Erfinder des „Kempa-Tricks“ und ein „begnadeter“ Spielmacher. Mit seinem Verein gewann er in den Fünfzigern zweimal die deutsche Meisterschaft auf dem Feld und in der Halle. In 31 Länderspielen warf er 131 Tore. Er war danach als Trainer erfolgreich.

Der Präsident des Deutschen Handballbundes (DHB), Andreas Michelmann, sagt zu Bernhard Kempa: „Wir trauern um einen der größten Sportler, die Deutschland hervorgebracht hat. Was der deutsche Handball dem Spieler und Trainer Bernhard Kempa verdankt, ist kaum in Wort zu fassen.“ (Die Welt 22.7.17)

1641: Olympia doch in ARD und ZDF

Samstag, Juli 29th, 2017

Die Olympischen Winterspiele in Pyeongchang (Südkorea) 2018 werden doch in ARD und ZDF übertragen. 2016 hatten die beiden öffentlich-rechtlichen Sender die Preisverhandlungen zunächst abgebrochen. Nun stehen die Verhandlungen mit dem Konzern Discovery kurz vor dem Abschluss (SZ 28.7.17). ARD und ZDF werden damit sowohl ihrer Verpflichtung zu sparsamen Verhalten als auch zur Übertragung so elementarer Ereignisse wie Olympischen Spielen gerecht. Kritiker hatten zunächst den Abbruch der Preisverhandlungen 2016 verurteilt. Die gleichen Leute meckern andererseits, wenn die Öffentlich-Rechtlichen Sport nicht übertragen. Diese Kritiker sind nicht sachorientiert, sondern Fans des internationalen Monopolkapitals. Wie die AfD.

1638: Fifa: „Weitflächig verrottet“

Mittwoch, Juli 19th, 2017

Der spanische Fußballverbands-Chef Angel Maria Villar Llona ist von der spanischen Polizei verhaftet worden. Er wird der Korruption und der Unterschlagung bezichtigt. Villar ist drei Jahrzehnte lang der spanische Fußballboss. Seit einem Vierteljahrhundert besetzt er auch internationale Spitzenämter. Sein Sohn Gorka gehört dem Fifa-Reformkomitee an, kurz nachdem die US-Bundespolizei erstmals Fifa-Spitzenfunktionäre aus einem Zürcher Nobelhotel in die vergitterten Auslieferungsbaracken der Stadt umgesiedelt hatte. Im Reformkomitee arbeitet Sohn Villar eng mit Scheich Ahmed al-Sabah (Kuweit) zusammen, der sein Amt aber ruhen lässt, seit er von der US-Justiz als „Mitverschwörer“ in einer

Korruptionsorgie

bezeichnet wurde. Seine Funktion beim IOC übt er weiter aus.

Vater und Sohn Villar gehören zu den engsten Unterstützern von Fifa-Präsident Gianni Infantino (Schweiz). Infantino hat durch seine Affären Sepp Blatter (Schweiz) bereits vergessen lassen. Kürzlich wurden die Chefs der Fifa-Ethik- und Compliancekomitees von Infantino abgesetzt. Infantino war bis 2016 Uefa-Generaldirektor, zuletzt unter einem Interimspräsidenten Villar Llona. Inzwischen ist etwa ein von ihm unterzeichneter zweifelhafter Fernseh-Vertrag in den Panama-Papers aufgetaucht (Thomas Kistner, SZ 19.7.17).

Ja, dann mal immer munter weiter so, liebe Fifa!