Archive for the ‘Sport’ Category

2083: Özils Berater

Dienstag, Juli 24th, 2018

Die Berater von Mesut Özil haben ihren Mann gezielt in die Lage gebracht, in der er sich jetzt befindet. Warum? Weil es für sie am besten ist. Sie bekommen mehr Aufmerksamkeit und Rendite. Ganz auszuschließen ist Einflüsterung aus der Türkei nicht.

Meinungen dazu:

Annette Widmann-Mauz (Integrationsbeauftragte der Bundesregeierung, CDU): „Bei allem Verständnis für die familiären Wurzeln müssen sich Nationalspieler Kritik gefallen lassen, wenn sie sich für Wahlkampfzwecke hergeben. Zugleich darf diese berechtigte Kritik nicht in pauschale Abwertung von Spielern mit Migrationshintergrund umschlagen.“

Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) glaubt nicht, „dass der Fall eines in England lebenden Multimillionärs Auskunft gibt über Integrationsfähigkeit in Deutschland“.

Cem Özdemir (Grüne): „Es ist sehr bedauerlich, wie sich Özil jetzt äußert. Damit spielt er denen einen Steilpass zu, die unsere Demokratie ablehnen hier wie dort. Özils Foto bleibt falsch, und seine Erklärung überzeugt nicht. Mindestens so desaströs ist das Agieren der DFB-Spitze. Grindel zerhackt unsere Integrationsgeschichte. Wollen die, dass bald junge Deutsch-Türken für Erdogan spielen? DFB braucht Neubeginn.“

Grünen-Chef Robert Habeck: „Wie der DFB mit Grindel sich noch mal als weltoffen und lautstark gegen Rassismus präsentieren will, ist fraglich.“

Thomas Hitzlsperger: „Mesut ist kein bösartiger Mensch. Er wollte die Projektionen seiner Berater wie die seines Verbandes möglichst kompromisslos befriedigen. Das Ergebnis in dieser Sache: Es gibt nur noch Verlierer.“

(SZ 24.7.18)

2075: Rummenigge: „DFB fehlt Kompetenz.“

Samstag, Juli 21st, 2018

Nach dem Riesendesaster des DFB bei der Fußballweltmeisterschaft in Russland soll nun die Kehrtwende eingeleitet werden. Ausgerechnet von denjenigen, die für die sportliche Misere verantwortlich waren: Oliver Bierhoff und Joachim Löw. Dazu sagt der Vorstandschef des FC Bayern Karl-Heinz Rummenigge: „Ich bin ein Stück irritiert und auch erstaunt über das, was man beim DFB so als Krisenbewältigung versteht, weil mir da so ein bisschen die Fußballkompetenz fehlt.“ Rummenigge würde es begrüßen, wenn Philipp Lahm die Stelle als DFB-Vizepräsident einnehmen würde. „Ich halte Philipp Lahm und seinen Berater Roman Grill als perfekt passend für den DFB, …“ Zur Lahm-Kritik sagt Joachim Löw: „Ich habe es vernommen, ganz klar. Ich finde das in der Art und Weise nicht so richtig. Wir wissen ganz genau, wie wir mit jungen Spielern kommunizieren müssen und welchen Führungsstil sie brauchen.“ (dpa/FAZ 21.7.18)

2069: Putins Propaganda potent

Samstag, Juli 14th, 2018

Dass die Fußballweltmeisterschaft 2018 in Russland eine riesige Propagandainszenierung  werden würde, war von Anfang an klar. Genauso wie die Olympischen Winterspiele in Sotschi 2014. Aber dabei hat Hajo Seppelt immerhin das

russische Staatsdoping

entlarvt. Propaganda nicht nur wegen Putin und so unseriösen Verbänden wie der Fifa oder Figuren wie Gianni Infantino und Lothar Matthäus. Sondern weil die Menschen angesichts von solch gut inszenierten Großveranstaltungen den Überblick verlieren. Wir erinnern uns nur zu gut an die Olympischen Sommerspiele in Berlin 1936.

Holger Gertz hat sich in der SZ (14./15.7.18) weitergehende Gedanken gemacht: „.. Menschen, die gesellschaftliches Bewusstsein und so etwas wie die Kraft des Widerstands wichtiger finden als besinnungslose Taumelei wegen eines Ballspiels, muss das Kotzen kommen angesichts der politischen Blindheit des Fußballbetriebs.“

„Wer äußert sich zu den politischen Gefangenen in Russland? Wer dächte, wenn er im Milliardenstadion von St. Petersburg spielt, an Korruption und Stadionarbeiter? Null, null und null. Es ist alles noch schlimmer geworden, die Störgeräusche werden bei dieser WM vom Apparat noch restloser und konsequenter geschluckt als früher.“

Und dann erklärt Gertz den Unterschied zwischen dem klugen und raffinierten Putin, der genau weiß, dass man dann die Öffentlichkeit am besten beherrscht und manipuliert, wenn man sich rar macht, und dem Trampel Trump, bei dessen Kabinettssitzungen die Anwesenden ihn manchmal am Anfang loben müssen. „Der Unterschied: Trump sah man die Genugtuung an, der Sabber der Selbstliebe lief ihm zu beiden Hosenbeinen raus. Putin schien die vorsätzliche Arschkriecherei seiner Gäste unangenehm zu sein.“

„Und in der Nachspielzeit am Montag trifft Wladimir Putin sich mit Donald Trump, der für ihn kein Gegner ist.“ (Vgl. hier Nr. 2047 vom 29.6.18 „Vom Gipfeltreffen USA – Russland droht Europa Gefahr.“)

2032: Semenya geht gegen Geschlechterregel vor.

Dienstag, Juni 19th, 2018

Die 800-m-Olympiasiegerin Caster Semenya (Südafrika) geht vor dem Sportgerichtshof Cas gegen die neue Regel des Weltverbands zum Umgang mit hyperandrogenen Sportlerinnen vor. Ab November 2018 müssen Leichtathletinnen wie Semenya für die Disziplinen von 400 Metern bis zu einer Meile unter anderem ihren Blut-Testosteron-Spiegel medikamentös unter einen Grenzwert senken. Die IAAF begründet dies damit, dass diese Athletinnen einen deutlichen Leistungsvorteil haben. Im Juli 2017 hatte die IAAF eine Studie veröffentlicht, die dies belegen soll. Semenya fühlt sich dadurch diskriminiert: „Es ist nicht fair, mir zu sagen, dass ich mich ändern muss. Es ist nicht fair, dass Leute infrage stellen, wer ich bin. Ich bin Mokgadi Caster Semenya, und ich bin schnell.“ (sid; SZ 19.6.18).

2029: Seppelt: „Wie kann man an ein solches Land eine WM vergeben?“

Freitag, Juni 15th, 2018

Der ARD-Journalist Hajo Seppelt hat das russische Staatsdoping (bereits 2014) aufgedeckt. Seither gilt er in Russland als „unerwünschte Person“. Zunächst bekam er für die diesjährige Fußball-WM kein Visum. Nach politischen Protesten und Protesten von „Reporter ohne Grenzen“ dann doch. Aber nun fährt er nicht, weil die ARD und Seppelt selbst das als zu gefährlich ansehen. Karoline Meta Beisel hat ihn (SZ 15.6.18) dazu interviewt:

SZ: Wären Sie trotzdem gerne gefahren?

Seppelt: Ich habe lange mit mir gerungen: Was setzt das für ein Zeichen, wenn man sich von solchen Dingen womöglich einschüchtern lässt und hinnimmt, dass freie Berichterstattung so eingeschränkt werden kann? Aber das andere Argument überwiegt: Ich wäre ja als Mitarbeiter der ARD dorthin gefahren, und für den Sender steht natürlich die Sicherheit der ARD-Reporter an allererster Stelle. Deshalb kann ich die Entscheidung nicht nur nachvollziehen, sondern trage sie voll mit.

SZ: Hat die Fifa auf ihre Entscheidung schon reagiert?

Seppelt: Nein. Soweit ich weiß, hatten die sich vorher dafür eingesetzt, dass ich ein Visum bekomme und frei berichten kann. Aber wie kann man an ein solches Land überhaupt eine WM vergeben? Da stellen sich ganz viele Fragen, wie der Journalismus künftig mit dem organisierten Sport umgehen soll.

Der Sportjournalismus muss er kennen, dass er hochpolitisch ist.

Der Weltverband der Sportjournalisten hält sich zu der ganzen Geschichte übrigens auffällig bedeckt. Das spricht Bände.

2006: Eduard Geyer bei der Stasi

Montag, Juni 4th, 2018

Der ehemalige Trainer von Dynamo Dresden und Energie Cottbus, Eduard Geyer, war bei der Stasi. Das nehmen die Vereinsidole von Dynamo Dresden Hans-Jürgen Kreische, Dieter Riedel und Klaus Sammer zum Anlass, zu beantragen, dass Geyer die Ehrenspielfüher-Würde aberkannt wird. Zudem bezweifeln sie seine sportlichen Verdienste (FAZ 2.6.18).

1980: Im Zentrum: Hajo Seppelt

Montag, Mai 14th, 2018

Hajo Seppelt, 55, gehört seit Jahrzehnten zu den renommiertesten deutschen Sportjournalisten.  Seit etwa 20 Jahren ist er führend in der Doping-Aufklärung. Er hat 2014 das russische Staatsdoping ans Licht gebracht. Das Sportministerium dirigierte, Mitarbeiter des Geheimdienstes FSB, der nationalen Anti-Doping-Agentur (Rusada) und das Moskauer Kontroll-Labor waren an der Täuschung beteiligt. Die von der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) eingesetzte McLaren-Kommission hat Seppelts Ergebnisse voll bestätigt. Da ist es in einem so rückständigen politischen System wie dem russischen nur schlüssig, dass Hajo Seppelt auf die Liste der bei der Fußball-WM „unerwünschten Personen“ gesetzt wird. Das ist in Russland nichts Besonderes. Dort gibt es keine Pressefreiheit.

Seppelt selbst sagt dazu: „Das liegt natürlich daran, dass wir kritisch über Russland berichtet haben, dass wir das russische Staatsdoping 2014 aufgedeckt haben. Es sieht ganz so aus, als ob das eine der Konsequenzen ist.“

Gegen die Maßnahme protestiert haben der parlamentarische Staatssekretär im Bundesinnenministerium, Stephan Mayer (CSU), und die Grünen-Chefin Annalena Baerbock. Auch das Auswärtige Amt hat sich eingeschaltet. Die Vorsitzende des Sportausschusses des Deutschen Bundestags, Dagmar Freitag (SPD), bezeichnete das Einreiseverbot als skandalös. Pflaumenweich wie immer der DFB. Sein Vorsitzender Reinhard Grindel: „Ich habe volles Vertrauen, dass die FIFA jetzt ihren Einfluss geltend macht, damit Herr Seppelt ungehindert aus Russland berichten kann.“

Auf Grund von Seppelts Recherchen ergab sich der Verdacht, dass 34 russische Fußballspieler gedopt waren. Darunter der komplette Kader der russischen Nationalelf, der 2014 an der Fußballweltmeisterschaft in Brasilien teilnahm.

Den Höhepunkt an Verkommenheit drückte der Vorsitzende des russischen Journalistenverbands, Wladimir Solowkow, aus, als er sagte: „Seppelt muss unbedingt ein russisches Visum bekommen, er sollte unsere Weltmeisterschaft besuchen.“ Er fügte dann hinzu: „Allerdings sollte man ihn unbedingt unter Schutz stellen, damit er nicht zufällig von einem Kenner seines ‚journalistischen Talents‘ verprügelt wird.“

Herr Solowjow kündigt öffentlich russische Stammtisch-Prügel an. So wird dort regiert (Jens Schneider, SZ 14.5.18; Claudio Catuogno, SZ 14.5.18; FAS 13.5.18).

1975: Athletinnen müssen Testosteronspiegel senken.

Donnerstag, Mai 10th, 2018

Im Hochleistungssport gibt es Athletinnen, deren Körper mehr von dem männlichen Sexualhormon

Testosteron

produziert als für Frauen gewöhnlich. Das bringt ihnen nach einer neuen Studie des Internationalen Leichtathletikverbands (IAAF) im Wettkampf einen signifikanten Vorteil von bis zu neun Prozent. Der Leichtathletikverband hat beschlossen, dass diese Athletinnen ab November 2018 ihren Testosteronspiegel auf

unter fünf Nanomol pro Liter

senken müssen, damit sie bei Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften starten dürfen. Athletinnen, die ihren Spiegel nicht senken, müssen bei den Männern starten. Oder in einer noch zu schaffenden Startklasse für „intersexuelle Athleten“ (Johannes Knuth, SZ 3.5.18).

1948: Kasparow fordert Boykott der Fußball-WM.

Mittwoch, April 4th, 2018

Der ehemalige Schach-Weltmeister Garri Kasparow fordert die an der Fußball-WM teilnehmenden Länder auf, keinen Regierungsvertreter nach

Russland

zu entsenden. Der Zeitpunkt für eine Verlegung sei bedauerlicherweise verpasst worden. Schon nach der Aufdeckung des

Staats-Dopings

in Russland hätte man Putin die Chance entziehen sollen, sich mit Sport zu inszenieren (FAZ 31.3.18).

1932: Horst Heldt über 50 + 1

Sonntag, März 18th, 2018

Im Gespräch mit Christian Otto (FAS 18.3.18) sagt der Sportdirektor von Hannover 96, Horst Heldt:

„Die Ansprüche an Deutschlands Vereine sind gestiegen. Man kann nicht einerseits bemängeln, dass außer Bayern München kein deutscher Verein mehr in der Champions League konkurrenzfähig ist, aber gleichzeitig den Einfluss von Investoren begrenzen und deshalb die 50 + 1-Regel (nach welcher ein Investor nicht die Stimmenmehrheit eines Vereins besitzen darf) bewahren wollen.“