Archive for the ‘Sport’ Category

2637: Bestrafung Russlands für Doping halbherzig

Dienstag, Dezember 10th, 2019

Unter der Regie des deutschen IOC-Präsidenten Thomas Bach wehrt sich der Weltsport nur halbherzig gegen Russlands Dopingregime. Obwohl 2014 das Staats-Doping-System Russlands nachgewiesen und bis 2019 weiter massenhaft manipuliert wurde, werden für vier Jahre nur die russische Nationalflagge und die Nationalhymne bei internationalen Sportereigneissen ausgeschlossen, nicht aber die russischen Athleten. So ist es schon in Tokio 2020. Zwar heißt es, dass nur die nicht des Dopings überführten Athleten teilnehmen dürften, die russischen Datenmanipulationen hatten allerdings gerade den Sinn, diese nicht erkennbar werden zu lassen (Claudio Catuogno, SZ 10.12.19). Das ist alles lächerlich und diskreditiert den internationalen Sport weiter.

2629: Northug glaubt nicht an sauberen Skisport.

Donnerstag, November 28th, 2019

Der 13-fache norwegische Skiweltmeister Petter Northug, 33, glaubt nicht an einen sauberen Skisport. Letztes Jahr war er zurückgetreten. Er sieht neun Monate nach der „Operation Aderlass“ ein Dopingproblem. Beim Saisonauftakt am nächsten Wochenende würden wieder gedopte Läufer am Start sein. „Ich habe das Vertrauen verloren, eines Tages einen vollkommen sauberen Sprt zu erleben.“ Bei der WM 2019 in Seefeld waren die Österreicher Max Hauke und Dominik Baldauf auf frischer Tat ertappt worden. „Während meiner Karriere bin ich immer wieder gegen Läufer angetreten, die später überführt wurden. Es wird immer diejenigen geben, die versuchen zu betrügen – …“ (SID, SZ 28.11.19).

2614: Raymond Poulidor ist tot.

Freitag, November 15th, 2019

Raymond Poulidor war ein Weltklasse-Radrennfahrer. Wir Fans nannten ihn „Poupou“. Er ist heute wohl noch der beliebteste französische Sportler. Und er war eine tragische Figur. Zwar gewann er Rennen wie Paris-Nizza, Mailand-San Remo und die Spanien-Rundfahrt, aber nie, wie angestrebt, die Tour de France. Jetzt ist er im Alter von 83 Jahren in seiner zentralfranzösischen Heimat gestorben. Er war Landwirt und nach dem Ende seiner Karriere Mitarbeiter einer Fahrradmanufaktur.

Poulidor hatte das Pech, zweimal in seinem Sportlerleben auf die Größten zu treffen, auf Jacques Anquetil und auf Eddy Merckx, zwei begnadete Zeitfahrer, die je mehrmals die Tour de France gewonnen haben. Achtmal stand Poulidor am Ende der Tour auf dem Podium, fünfmal als Dritter, dreimal als Zweiter. Zwischen der Ära Anquetil und der Ära Merckx dominierte der Italiener Felice Gimondi die Radrennen. Raymond Poulidor ist bei uns Radsportfans unvergessen (Jean-Marie Magro, 14.11.19).

2593: Werner Seelenbinder – vor 75 Jahren von den Nazis ermordet

Mittwoch, Oktober 30th, 2019

Die „Werner-Seelenbinder-Halle“ in Berlin kannten wir Sportfans irgendwie alle. Aber wer Seelenbinder gewesen war, wusste nicht jeder. Am 24. Oktober 1944 wurde Werner Seelenbinder von den Nazis im Zuchthaus Brandenburg unter dem Fallbeil ermordet. Geboren worden war er 1904 in Stettin. Aufgewachsen in Berlin, musste er mit zwölf Jahren mit der Großmutter die Familie ernähren, weil die Eltern gestorben waren. 1917 trat er dem Arbeiter-Sportklub Eiche bei und zeigte von Anfang an eine große Begabung im Gewichtheben und Ringen (griechisch-römisch).

Er wurde einer der Großen der Arbeitersportbewegung. Von 1918 bis 1932 gewann er zahlreiche Berliner Titel im Ringen. 1928 trat er bei der ersten Spartakiade in Moskau an. Sein Markenzeichen war sein risikofreudiger Kampfstil und viele technische Finessen. In der DDR wurde er hochverehrt. Bereits 1945 erhielt er ein Ehrengrab auf dem Gelände des Sportparks Neukölln.

Werner Seelenbinder erschien bescheiden und hilfsbereit. Und er war ein unbeugsamer Streiter wider die soziale Diskriminierung der Arbeiter und wurde früh Kommunist. Im Ring glänzte er durch Fairness. Als er 1933 seinen ersten deutschen Meistertitel im Halbschwergewicht gewann, verweigerte er den Hitlergruß. Dafür wurde er 16 Monate gesperrt und von der Grestapo gefoltert. Vermutlich dadurch geschwächt, erreichte er bei den Olympischen Spielen 1936 in Berlin nur den vierten Platz. 1938 ging seine Sportlerkarriere zu Ende.

Seelenbinder hatte keine Ausbildung und arbeitete als Page, Hausdiener, Transportarbeiter und Hilfstischler. Von 1929 bis 1935 war er arbeitslos. Seine Erfahrungen aus der Sowjetunion nutzte Seelenbinder auf seinen Auslandsreisen als Kurier und Verbindungsmann. 1939 schloss er sich der kommunistischen Widerstandsgruppe um Robert Uhrig an. Die Gruppe flog 1942 auf. Es begann Seelenbinders Weg durch Gefängnisse und Straflager bis zu seiner Ermordung 1944. Mithäftlinge von Seelenbinder berichteten dem Schriftsteller Stephan Hermlin später, er habe trotz schwerster Misshandlungen im Zuchthaus Brandenburg stets an seinen politischen und sportlichen Überzeugungen festgehalten (Fritz Heimann, SZ 24.10.19).

2582: Hajo Seppelt braucht einen Bodyguard.

Sonntag, Oktober 20th, 2019

Hajo Seppelt leitet seit 2007 die Doping-Redaktion der ARD. Das war in der Zeit, als der ARD-Sportkoordinator Hagen Boßdorf zurücktrat und der Sportreporter Tom Bartels zur ARD zurückkam. Schon vorher war Seppelt ein gefürchteter Mann, der sich darauf spezialisiert hatte, systematisch Doping-Betrug im internationalen Spitzensport aufzudecken. Schon 2006 wurde er für seine Recherchen über die Radsportler Jan Ulrich und Floyd Landis ausgezeichnet. Inzwischen hat er für seine Verdienste sogar das Bundesverdienstkreuz am Bande bekommen. Am 23. Oktober 2008 war er bei uns im Institut, referierte im Literarischen Zentrum Göttingen und diskutierte mit über 50 Studierenden über Sportberichterstattung im Fernsehen.

„Er ist eine Mischung aus Staatsanwalt, Großinquisitor, Beichtvater. Einer, der dahin geht, wo es wehtut, wo es auch ihm oft wehtut. ‚Ich will den Leuten die andere Seite der Medaillen zeigen.'“ (Cathrin Gilbert, Die Zeit 2.10.19) Seppelt verdirbt vielen Leuten das Geschäft, er hat inzwischen viele Feinde. Und, keine Frage, auch sein Arbeitgeber, das öffentlich-rechtliche Fernsehen, profitiert davon, wenn die Show im Spitzensport weitergeht. Besonders viel recherchieren musste Seppelt in Russland, weil dort mehr als anderswo gedopt wird. Inzwischen braucht er ständig einen Bodyguard. In Potsdam-Babelsberg hat Seppelt inzwischen ein eigenes Studio, wo er mit einer jungen Mannschaft seine Dokumentationen selbst produziert. Kürzlich hat Seppelt über intersexuelle Sportler berichtet, von denen einige lebenslänglich gebrochen sind, weil ihnen operativ die Hoden entfernt wurden, damit sie als Frauen starten konnten. Dazu ist es dann nicht mehr gekommen.

Natürlich ist Hajo Seppelt durch seine Arbeit desillusioniert worden. „Ich habe manche Illusion komplett verloren, irgendwann glaubst du fast gar nichts mehr.“ „Ich glaube, Doping ist eine Win-win-Situation für den Sport – solange nicht darüber geredet wird.“ Und was passiert, wenn Doping durch Journalisten wie Seppelt aufgedeckt wird? „Der Athlet verliert seine Kohle, der Manager verliert seine Kohle, der Sponsor verkauft seine Produkte nicht mehr. Der Verband verliert seine Sponsorengelder. Der Physiotherapeut kann nicht mehr so schön verreisen.“

Hajo Seppelt kann kaum noch undercover recherchieren, weil er auf der ganzen Welt zu bekannt geworden ist.

2565: Martin Lauer ist gestorben.

Montag, Oktober 7th, 2019

1959 stellte Martin Lauer (ASV Köln) einen neuen deutschen Rekord im Zehnkampf auf mit 7.955 Punkten. Im gleichen Jahr lief er im Züricher Letzigrund über 110 m Hürden Weltrekord mit 13,2 Sekunden. Und er gewann bei den Olympischen Spielen 1960 im Stadio Olimpico in Rom mit Walter Mahlendorff, Manfred Germar und Armin Hary die Goldmedaille über 4 x 100 m in Weltrekordzeit. Eine große, aber wegen Krankheit kurze, steile Karriere. Danach war er als Schlagersänger erfolgreich. Nun ist er im Alter von 82 Jahren gestorben (SZ 7.10.19).

2560: Cheerleaders abschaffen ?

Donnerstag, Oktober 3rd, 2019

Es musste so kommen. Und es ist so gekommen. Der Basketball-Bundesligist Alba Berlin schafft seine Cheerleaders ab. „Bei unseren Heimspielen ist der Eindruck entstanden, dass Frauen bei Alba vor allem für die tanzende Pausenunterhaltung zuständig sind, während Männer Basketball spielen.“ Alba will also keine zu besichtigenden Sexualobjekte mehr und dem männlichen Voyeurismus keinen Vorschub leisten. Der Verein greift hier gewissermaßen ein, um der Verbreitung sexistischer Stereotype Einhalt zu gebieten. Das liegt im Zug der Zeit und wird gewiss Zustimmung finden.

Ich bin häufig genug bei Albas Heimspielen, um das Phänomen aus eigener Anschauung beurteilen zu können.

Johanna Dürrholz (FAS 29.9.19) nennt einige Gegenargumente, falls sie als solche überhaupt anerkannt werden dürfen. Etwa: „Warum nicht einfach Menschen tanzen lassen?“ Dürrholz verweist auf den geplanten Pausenauftritt von Jennifer Lopez und Shakira beim Superbowl 2020. Da sind gewiss genug Donald Trump-Wähler anwesend. „Der Verdacht liegt nahe, dass die Cheerleaderinnen zwar nicht nur, aber eben auch gerade deswegen bei männlichen Fans beliebt sind, weil sie so toll aussehen …“ Ja, tatsächlich?

Dürrholz findet, dass Frauen selbst entscheiden können, ob sie einen Cheerleader-Auftritt mitmachen oder nicht. „Allein, das ist ihr Bier. Ihre Entscheidung. Ihr Körper, ihr Leben, ihr Sport, ihre Präsentation des Ganzen. Und wenn sie es vielleicht sogar schön finden, dass einige Männer (und Frauen) sie sexy finden, na und? Ist es Sache des Vereins, darüber zu richten.?“

Alba: „Wir wollen zukünftig noch stärker fördern, dass Frauen im Basketball als Spielerinnen sichtbar und zu Vorbildern werden.“

Dürrholz meint, dass es allein die Sache der Frauen ist, „wie sie aussehen und tanzen und ob sie dabei einem – auch das kann man feststellen – recht heteronormativen und durch den meist männlichen Blick sexualisierten Bild von Weiblichkeit entsprechen wollen. Niemandem, vor allem keiner Sportlerin, ist geholfen, wenn Männer oder Vereine oder die Gesellschaft jetzt wieder Frauen vorschreiben, was sie zu tragen, wie sie sich zu geben haben. … Emanzipation sieht anders aus.“

Halt!

Wir leben ja in einer Zeit, in der die Mehrheit der Gesellschaft beschlossen hat, dass wir LGBTTI eine ernste Chance geben müssen. Weil es den Bedürfnissen vieler Individuen entspricht. Damit sind nicht alle einverstanden, aber eine große, seriöse gesellschaftliche Mehrheit. Und damit fangen wir erst an.

M.E. gibt es nur einen Punkt, an dem sich klären lässt, was in einem Fall wie dem Albas angesagt ist. Nämlich den, ob durch die Abschaffung von Cheerleadern gefährdet wird, dass Frauen und Männer aneinander Gefallen finden und sich zusammentun. Diese uralte Übung (eine sehr schöne und bewährte) ist aber – zum Glück – unverrückbar und nicht wegzukriegen. Und wer sich einen klaren Blick bewahrt hat, erkennt, dass die heteronormativen Strukturen die Gesellschaft heute noch klar dominieren.

Deswegen können Cheerleaders ruhig abgeschafft werden.

Meinetwegen hätten sie bleiben dürfen.

2455: Armin Klümper ist tot.

Mittwoch, Juli 3rd, 2019

Die einen verehrten ihn als Wunderheiler, die anderen sahen in ihm den Dopingsünder. Armin Klümper ist im Alter von 84 Jahren in Südafrika gestorben. Ohne Facharzt zu sein, wurde der Radiologe 1977 als Professor an die Universität Freiburg berufen. Für sehr viele Hochleistungssportler war er ein väterlicher Freund (und Helfer). Aber auch Minister, Wirtschaftskapitäne und Erzbischöfe zählten zu seinen Patienten. Dass wir nicht mehr über die Verstrickungen Armin Klümpers in den Doping-Sumpf wissen, liegt auch an dem fehlenden Aufklärungswillen im deutschen Sport.

In einem Gutachten heißt es, der Radiologe Armin Klümper habe „für die alte Bundesrepublik in einem Umfang Dopingpraktiken angewendet, die weit über das bekannte Maß hinausgehen“. Der Arzt mixte den berüchtigten Klümper-Cocktail und belieferte den VfB Stuttgart mit Anabolika. Die Klümper-Patientin Birgit Dressel starb 1987 an Multi-Organversagen. Sie soll rund 100 verschiedene Arzneien konsumiert haben. Die Hürdensprinterin Birgit Hamann warf Klümper vor, ihr ohne ihr Wissen Wachstumshormone gegeben zu haben. 2001 zog sich Klümper frustriert nach Südafrika zurück. Dort ist er nun gestorben (Thomas Kistner, SZ 2.7.19).

2414: Seehofer (CSU) gegen deutsche Olympia-Bewerbung 2036

Dienstag, Juni 4th, 2019

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) hat sich klar gegen eine deutsche Bewerbung für die Olympischen Spiele 2036 ausgesprochen. „Ich halte das nicht für denkbar.“ Die deutsche Olympia-Historie sei belastet mit den Berliner Sommerspielen von 1936. „Wir bekämen eine unsägliche internationale Diskussion und würden damit auch die olympische Idee beschädigen.“ „Wie würde man das in der Welt sehen? Die Deutschen feiern hundertjähriges Jubiläum bezogen auf die Nazi-Olympiade? Das kann nicht sein.“

Gescheitert waren die deutschen Bewerbungen um Olympische Spiele für Berlin (2000), Leipzig (2012), München (2018 und 2022) und Hamburg (2024). Eine private Initiative „Rhein Ruhr City 2032“ betreibt gegenwärtig eine Olympia-Bewerbung. Beteiligt sind daran 14 Städte.

DOSB-Präsident Alfons Hörmann hatte sich skeptisch gegenüber einer Bewerbung für 2036 geäußert. Mit einem Konzept Berlin 2036 würde man „die unabdingbar notwendige Begeisterung der nationalen Bevölkerung und der internationalen Sportgemeinschaft für das mögliche Projekt Olympischer und Paralympischer Spiele in Deutschland nicht erreichen“.

Bei so gewichtigen Stimmen der Vernunft gegen eine deutsche Olympia-Bewerbung brauchen wir uns wohl keine Sorgen zu machen, dass solch ein unpassendes Projekt wie Olympische Spiele nach Deutschland kommt. Gut so!

Der Berliner Sportbund-Präsident Thomas Härtel meinte dagegen, man könne aus Anlass des unseligen Jubiläums „ein Zeichen setzen, wohin sich Deutschland entwickelt hat, zu einem demokratischen, friedvollen und weltoffenen Land“. (dpa, sid, SZ 4.6.19)

Olympische Spiele gehören heute in Diktaturen und Autokratien. Davon gibt es ja genug. Die können dann ihre Doping-Spiele durchführen und bekommen auch das erforderliche Geld dafür zusammen.

2384: Danilo Hondo gesteht Blut-Doping.

Montag, Mai 13th, 2019

Der deutsche Ex-Radprofi Danilo Hondo, 45, hat gegenüber der ARD-Doping-Redaktion (Hajo Seppelt) eingestanden, 2011 als Kunde des Erfurter Doping-Arztes Mark Schmidt Blut-Doping betrieben zu haben. U.a. bei Mailand – San Remo (Thomas Kistner, SZ 13.5.19).