Archive for the ‘Sport’ Category

3627: Uwe Seeler 85

Samstag, November 6th, 2021

1954 war Deutschland gerade überraschend Fußballweltmeister geworden. Ein Baustein bei der Wiedergewinnung des Selbstbewusstseins nach den Massenverbrechen in der Nazizeit. Da tauchte schon der nächste Stern am Fußballhimmel auf, der damals 18-jährige Uwe Seeler vom HSV. Ein einfacher und bodenständiger Junge, aber ein gewaltiger und torgefährlicher Stürmer. Bekannt für seine Kopfbälle und Volleyschüsse. Ein Rekord-Torschütze. Er hätte sich gebärden können wie ein Star. Aber das tat er nicht. Als er verlockende Angebote aus dem Fußball-Italien erhielt, nahm er sie nicht an, sondern blieb beim HSV. Der demgemäß um 1960 eine Erfolgsphase einlegte. Auf Augenhöhe mit Real Madrid und dem FC Barcelona.

Mit Seeler reüssierte auch wieder die deutsche Fußballnationalmannschaft (1958 in Schweden, 1966 in England, 1970 in Mexiko). Ihr Schlachtruf war „Uwe, Uwe, Uwe“. 1965 schon war Uwe Seelers Autobiografie „Alle meine Tore“ erschienen. Fußball war damals noch Volkssport. Und nicht von russischen Oligarchen und arabischen Prinzen gekauft. Wer heute noch oben mitspielen will, muss sich den Gesetzen der Finanzmärkte unterwerfen. Das gab es zu Uwe Seelers Zeiten (bis 1972) nicht.

Beim Tode von Seelers Gegner Gordon Banks im WM-Finale 1966, dem Torwart der siegreichen englischen Mannschaft, sagte 2019 der Schriftsteller Don Mullan: „Wir lebten in einer Zeit, in der Sporthelden gewöhnliche und zurückhaltende Menschen gewesen sind, deren Bescheidenheit der Treibstoff unserer Träume war.“ Inzwischen ist der Film von Reinhold Beckmann und Ole Zeisler erschienen: „Uwe Seeler. Einer von uns.“ Seeler kann nicht mehr alle Termine selbst wahrnehmen. Manchmal geht er am Stock. Mit seiner Frau Ilka ist er seit 1959 verheiratet (Holger Gertz, SZ 5.11.21).

3622: Fritz Keller erhebt schwere Vorwürfe gegen Rainer Koch (DFB).

Donnerstag, November 4th, 2021

Beim DFB herrscht üblicherweise Chaos. Ungeklärt ist nach wie vor, wofür der Medienberater

Kurt Diekmann

360.00 Euro erhalten hat. Er soll die Entmachtung der ehemaligen Präsidenten Reinhard Grindel und Fritz Keller medienbezogen begleitet haben. Nun erhebt Ex-Präsident Fritz Keller schwere Vorwürfe gegen den von manchen als heimlichen Drahtzieher betrachteten Vize-Präsidenten

Rainer Koch

und seine Mitstreiter (Ex-Generalsekretär Friedrich Curtius, Ex-Schatzmeister Stephan Osnabrügge). Sie hätten einen „Selbstbedienungsladen“ installiert. Ihnen fehle die menschliche, insbesondere charakterliche Eignung. „So gefährdet man die Reputation des DFB, auch die Anerkennung als gemeinnütziger Verband und die damit verbundenen steuerlichen Vorteile. Am Ende ist es das Geld, das dem Amateurfußball verloren geht.“ Rainer Koch gehe „jeglicher moralischer Kompass“ ab (Johannes Aumüller, Thomas KIstner, SZ 4.11.21).

3618: Breitner: Bei mir würden Ungeimpfte nicht einmal mittrainieren.

Dienstag, November 2nd, 2021

Der Fußball-Ex-Weltmeister Paul Breitner (früher FC Bayern München) erklärte in der SZ (2.11.21) seine Abscheu vor Ungeimpften. Für sie habe er „null Verständnis“. Bei ihm hätten solche Spieler nicht einmal mittrainiert.

3609: Joshua Kimmich (FC Bayern) beschädigt sich selbst.

Montag, Oktober 25th, 2021

Vor sechs Wochen hat die Spendeninitiative „We kick Corona“ von Leon Goretzka und Joshua Kimmich (beide FC Bayern) erklärt: „Corona ist dauerhaft nur in den Griff zu bekommen, wenn überall auf der Welt genügend Impfstoff verabreicht werden kann.“ Nun hat die „Bild“-Zeitung aufgedeckt, dass Joshua Kimmich gar nicht geimpft ist. Verbunden mit den üblichen Sprüchen von der „Langzeitwirkung“, die unerforscht sei, von seiner Verantwortung, der er sich durchaus bewusst sei, er sei kein Coronaleugner oder Impftgegner etc. Da liegen schon Annahmen zugrunde, die nicht zutreffend sind. Nebenwirkungen beispielsweise treten innerhalb von wenigen Wochen auf und nicht nach langer Zeit.

Der Fall hat einen Riesenwirbel verursacht. Verständlicherweise.

Ungeimpfte Profis haben ein nachweisbar größeres Risiko, schwerer an Corona erkranken. Sie können länger ausfallen. Obwohl es keine Impfpflicht gibt, können Fußballvereine Profis unbezahlt freistellen, wenn die sich nicht impfen lassen. Noch während der Pandemie hatte der seinerzeitige Bayern-Vorstand Karl-Heinz Rummenigge damit geworben, dass Profifußballer auch beim Impfen eine Vorbildfunktion hätten. Heute sagt Rummenigge  über Kimmich: „Ich bin überzeugt, (…) dass er möglicherweise zeitnah sich jetzt impfen lässt. Als Vorbild , aber auch als Fakt wäre es besser, er wäre geimpft.“ Joshua Kimmich hat durch sein Verhalten das Vertrauen der Bevölkerung in das Impfen beschädigt. Das ist fatal. Als „Trittbrettfahrer“ profitiert er von einer kollektiven Anstrengung, ohne sich daran zu beteiligen. Die DFL spricht von 90 Prozent geimpfter Spieler, Trainer und Betreuer. Das Impfen schützt zuverlässig vor schweren Verläufen, auch wenn Impfdurchbrüche nicht völlig ausgeschlossen sind, wie der Fall Julian Nagelsmann zeigt.

Joshua Kimmich hat sich durch sein falsches Verhalten selbst beschädigt und wird künftig einen noch größeren Imageschaden erleiden. Nicht gut für den deutschen Fußball.

(Christopher Meltzer, FAZ 25.10.21; Michael Horeni, FAZ 25.10.21; Sebastian Fischer, SZ 25.10.21; Martin Schneider, SZ 25.10.21)

3582: Torquato Tasso gewinnt den 100. „Prix de l’Arc de Triomphe“.

Dienstag, Oktober 5th, 2021

Der „Prix de l’Arc de Triomphe“ in Paris-Langchamp ist das wichtigste Galopprennen der Welt. Mit einer gegenwärtigen Gewinnsumme von 2,857 Millionen Euro. Nur dreimal wurde es von Pferden aus deutscher Zucht gewonnen: „Star Appeal“ 1975, „Danedream“ 2011 und „Torquato Tasso“ in diesem Jahr beim 100. Rennen. Ich hatte das Glück, 2011 beim Sieg von „Danedream“ mit meiner Frau und meinem Sohn dabeizusein. Fantastisch.

Der nach Goethes Schauspiel „Torquato Tasso“ genannte Hengst aus dem Gestüt Auenquelle (Rödinghausen in Ostwestfalen) gewann 2021 als krasser Außenseiter. In einem fulminanten Endspurt. Er hatte Anfang September schon den „Großen Preis von Baden“ in Baden-Baden gewonnen. Für seinen Jockey René Piechulek (Stalljockey des Münchener Stalls Salzburg), 34, war es gewiss einer der Höhepunkte seiner Karriere.

Die Frage ist jetzt, ob „Torquato Tasso“ im Nobember noch beim „Japan Cup“ ins Rennen geht. Oder gleich als Deckhengst „arbeitet“ (Ulrich Hartmann, SZ 5.10.21).

3557: Prozess gegen Boris Becker verschoben

Samstag, September 11th, 2021

Weil er sich mit seinem Anwalt überworfen hat, muss der Prozess gegen Boris Becker wegen mutmaßlicher Falschaussagen in einem Insolvenzverfahren in London verschoben werden. Um mehrere Monate. Vermutlich beginnt das Verfahren erst im März 2022. Als neuen Rechtsbeistand hat Becker die Kanzlei LA Piper. Ihm wird vorgeworfen, bei seinem Bankrott vor vier Jahren gegenüber dem Insolvenzverfahrensleiter Vermögenswerte in Millionenhöhe nicht korrekt angegeben und verschleiert zu haben. Es geht um wertvolle Sport-Trophäen, Immobilien in Deutschland, eine Wohnung im Londoner Stadtteil Chelsea und hohe Bargeldsummen. Boris Becker soll seiner damaligen Frau Lily, seiner ehemaligen Frau Barbara und einer anderen Frau fünf- bis sechsstellige Summen gegeben haben. Becker weist alle Vorwürfe zurück (ppl., FAZ 11.9.21).

3500: Pogacar macht es wie Armstrong.

Mittwoch, Juli 21st, 2021

Antoine Vayer, 58, gilt im Radsport als Nestbeschmutzer. Er war in den Neunzigern Trainer bei Festina, heute ist er Lehrer für Physik und Sport an einer Gesamtschule in Frankreich. Er nimmt die Tour de France in einem Interview mit Jean-Marie Magro (SZ 19.7.21) kritisch in den Blick. Für ihn hat Tadej Pogacar (Slowenien) 2021 die Tour dominiert wie Lance Armstrong (USA) 1999.

„Pogacar verteidigt sich auf Pressekonferenzen wie Armstrong. Als wir letzteren befragten, wie seine Leistungen zu erklären seien, sagte er immer wieder, er sei der am meisten getestete Mensch der Welt. Exakt die Verteidigungsstrategie wie Pogacar. … Wir müssen aufhören, an diesen Unsinn zu glauben, es gebe außergewöhnliche Champions, die mit einem Peloton spielen, in dem bereits lauter außergewöhnliche Champions fahren. … Nach meinen Berechnungen liegt er (Pogacar, W.S.) zehn Watt über den anderen Favoriten. Zehn Watt, das ist monströs, da liegt eine Welt dazwischen. Ich habe so etwas noch nie gesehen.“

Tadei Pogacar und Primos Roglic kommen aus Slowenien, also „aus einem Land, in dem der Kampf gegen Doping noch trostloser ist als in den meisten Ländern Europas. Dazu arbeiten sie mit Leuten zusammen, denen ich die schlechtesten Zeugnisse überhaupt ausstelle.“

„1998 waren 99 Prozent des Pelotons gedopt. Das weiß ich, weil ich damals Trainer war. Sehr optimistisch würde ich schätzen, dass sich heute 90 Prozent an die Spielregeln halten. … Es gibt einige Parallelen zum Beginn der Neunziger. Damals kam Epo als neues Dopingmittel auf. Das, was Epo damals war, könnten die PFC und die synthetischen Hämoglobine heute sein. Wenn ich betrügen wollte, würde ich einen Arzt suchen, der damit umgehen kann, …“

3487: Uli Hoeneß‘ System

Montag, Juli 12th, 2021

Bei der Verabschiedung des „Doppelpass“ (Sport 1)-Moderators Thomas Helmer landete Uli Hoeneß gleich wieder einen verbalen Rundumschlag (SZ 12.7.21). Er kritisierte Toni Kroos scharf. Der sei bei der EM Teil des Hauptproblems gewesen. Er habe keinen anderen Spieler gesehen, der so gespielt habe wie Toni Kroos. Kroos spiele „Angsthasenfußball“. Immer nur quer statt steil. Hoeneß hätte mit einer Viererkette gespielt. Und im Mittelfeld die Bayern Joshua Kimmich, Leon Goetzka und Thomas Müller. Sowie auf außen Serge Gnabry und leroy Sané (ebenfalls Bayern).

Fazit: Im Wesentlichen hat Uli Hoeneß recht.

3466: Die deutsche Mannschaft war zu schlecht.

Dienstag, Juni 29th, 2021

Die deutsche Fußballnationalmannschaft ist bei der Europameisterschaft ausgeschieden. Zu recht. Sie ist nicht mehr leistungsstark genug. Die Gründe dafür liegen beim Bundestrainer, der in den ganzen letzten Jahren (Desaster 2018 und 2021) kein Konzept mehr entwickelt hat, wie unsere an Einzelspielern starke Mannschaft erfolgreich spielen konnte. Zum Glück ist er bald weg. Der zweite Fehler war die Überschätzung von Thomas Müller (FC Bayern), der jederzeit für ein großes Ballyhoo gut ist, aber die Leistung nicht mehr bringt. Auch der ist aus der Nationalmannschaft bald weg. Drittens fehlt uns ein starker Stoßstürmer. Viertens sind wir anfällig bei Standards. Fünftens wird Manuel Neuer (FC Bayern) immer schwächer.

Das bringt uns nicht vom Fußball weg. Die Bundesliga bleibt interessant. Und die Nationalmannschaft auch. Es lebe der Fußball!

3456: EU-Europaminister beraten Über Rechtsstaatlichkeit in Polen und Ungarn.

Mittwoch, Juni 23rd, 2021

Ausgerechnet an dem Tag, an dem die Uefa den Wunsch Münchens abweist, die Arena beim EM-Spiel Deutschland gegen Ungarn in Regenbogenfarben zu beleuchten, beraten die EU-Europaminister über die Rechtsstaatlichkeit in Polen und Ungarn. Seit 2018 laufen gegen sie Artikel-7-Verfahren, weil dort Werte wie Menschenwürde, Demokratie und Nichtdiskriminierung gefährdet seien. Auslöser war das ungarische Gesetz, dass etwa die Rechte homosexueller Jugendlicher beschneidet und mit dem Schutz vor Pädophilie begründet wird. Ausgerechnet Ungarns Außenminister warnt davor, Sport zu politisieren. Der Außenminister Luxemburgs, Jean Asselborn, findet das Gesetz „beschämend“. Folgen hat das Vorgehen der Europaminister keine. Denn Polen und Ungarn schützen sich jeweils gegenseitig vor der Streichung ihres Stimmrechts. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder ist von der Uefa enttäuscht: „Es wäre ein sehr gutes Zeichen für Toleranz und Freiheit gewesen.“ (MATI, SZ 23.6.21).