Archive for the ‘Philosophie’ Category

4460. Wolf Wondratschek 80

Montag, August 28th, 2023

Der Lyriker Wolf Wondratschek ist 80 Jahre alt geworden. Früher war er angriffslustig. Sein erster Gedichtband

„Früher begann der Tag mit einer Schusswunde“ 1969

war für uns Gedichtefans ein Paukenschlag. Wondratschek war ein Popstar der Lyrik. Er bekam große Vorschüsse. Als er von einem Verleger einen Koffer voller Geld verlangte, warf der ihn raus. Der Filmproduzent Bernd Eichinger kaufte ihm ein einziges Gedicht ab, das über die Frau ging, die beide liebten. Am Ende verkaufte Wolf Wondratschek seinen letzten Roman an einen Wiener Privatmann, Auflage ein Exemplar. Volker Weidermann schreibt dazu: „Mir hat Wondratschek vor ein paar Jahren im einzigen Zimmer im Hotel Savoy in Berlin, in dem man rauchen darf, diesen Roman nacherzählt. Das war eines der schönsten Erlebnisse, die ich als Literaturkritiker hatte.“ (Zeit, 17.8.23)

4459: Wärmepumpe günstiger als Gasheizung

Montag, August 28th, 2023

Wärmepumpen sind ökonomisch günstiger als Gasheizungen. Das geht aus einer Modellrechnung hervor, die das Beratungsunternehmen Prognos im Auftrag der Umweltstiftung WWF gefertigt hat. Werden wie geplant neue Wärmepumpen mit 50 bis 70 Prozent bezuschusst, amortisiert sich die Investition schon nach wenigen Jahren (SZ 28.8.239.

4458: Erweiterung des Brics-Staatenbundes

Sonntag, August 27th, 2023

Die Brics-Staaten der wichtigsten Schwellenländer Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika haben beschlossen, ihren Bund zum 1.1.2024 um die Staaten Argentinien, Ägypten, Äthiopien, Iran, Saudi Arabien und die Vereinigtren Arabischen Emirate zu erweitern. Sie wollen ihrem Block dadurch größeres Gewicht verleihen (SZ 25.8.23).

4457: Armin Nassehi ist skeptisch.

Samstag, August 26th, 2023

Der Münchener Soziologe Armin Nassehi, 63, ist für seinen Realismus bekannt. Auf die Frage des Interviewers Max Hägler (Zeit 10.8.23)

„Aber wir müssen doch eigentlich morgen bereits alles geändert haben, um Firmen zu halten, das Klima zu retten, das Vertrauen wiederherzustellen.“

antwortet er:

„Ihre Frage impliziert, wir hätten die Wahl, könnten das Tempo einer gesellschaftlichen Veränderung bestimmen. Aber das lässt sich kaum beschleunigen. Es wird dauern, weil der Wahrnehmungsschock erstaunlich groß ist und so viel gleichzeitig zu ändern ist. Zumal deutlich wird, dass diese demografisch nicht gerade juvenile Gesellschaft eher träge und konservativ ist. Da helfen auch striukte moralische Aufforderungen nicht, wie Linke zu oft glauben. Wenn wir das nicht berücksichtigen, dann fliegt uns die Demokratie auseinander.“

4456: Axel Springer und Julian Reichelt einigen sich außergerichtlich.

Samstag, August 26th, 2023

Die Axel Springer SE und ihr ehemaliger „Bild“-Chefredakteur Julian Reichelt haben sich überraschend außergerichtlich geeinigt und darüber Vertraulichkeit vereinbart. So kommt vieles nicht ans Tageslicht. Reichelt war 2021 wegen Vorwürfen des Machtmissbrauchs entlassen und dann verklagt worden. Daraufhin hatte er dem Verleger der „Berliner Zeitung“, Holger Friedrich, pikante interne Informationen aus dem Haus Springer übermittelt. Wohl peinlich für den Vorstandschef Mathias Döpfner. Der hatte noch sehr lange engen Kontakt zu Reichelt gehalten. Der ehemalige „Bild“-Chef erhob Widerklage. Reichelt bedauerte nun sein Verhalten. Springer sieht seine Kernanliegen erreicht. Es soll also schnellstmöglich ohne großes Aufsehen der Streit beigelegt werden. Vielleicht wurden die Springer-Juristen zurückgepfiffen. Und vermutlich darf Julian Reichelt seine zwei Millionen Euro Abfindung behalten (Anna Ernst, SZ 23.8.23).

4455: Gabriel (SPD) und Spahn (CDU) gegen individuelles Asylrecht

Samstag, August 26th, 2023

Ex-Vizekanzler Sigmar Gabriel (SPD) und Ex-Bundesminister Jens Spahn (CDU) verlangen eine Aussetzung des individuellen Rechts auf Asyl. Gabriel: „Der Versuch, mit einem Individualrecht auf Asyl und der Genfer Flüchtlingskonvention auf das moderne Phänomen der Massenflucht zu reagieren, wird uns nicht zum Erfolg führen.“ „Unsere Regeln aus dem 20. Jahrhundert passen nicht zu den Herausforderungen des 21. Jahrhunderts.“ Gabriel rät dazu, sich den restriktiven Kurs der dänischen Sozialdemokraten zum Vorbild zu nehmen. Spahn: „Deutschland braucht eine Pause von dieser völlig ungesteuerten Asyl-Migration.“ Es gehe um ein Signal an den EU-Außengrenzen. Der frühere Gesundheiutsminister folgt damit den Thesen des stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Thorsten Frei (Jan Bielicki, SZ 22.8.23).

So gut begründet die Forderungen sind, werden sie sich wegen der „Political Correctness“ nicht mehr durchsetzen lassen. Politiker der Ampel lehnen diese Forderungen ab. Die Nachlässigkeit in der Asylpolitik geht weiter. 2022 haben 212.000 Menschen einen Asylantrag in Deuitschland gestellt.

4454: Reiner Kunze 90

Samstag, August 26th, 2023

Der Bergarbeitersohn und Lyriker Reiner Kunze (geb. 1933) machte zunächst eine ordentliche DDR-Karriere. Abitur, Eintritt in die SED, Studium der Philosophie und Publizistik an der Karl-Marx-Universität Leipzig. Als wissenschaftlicher Assistent wurde er dort aber schon 1959 „konterrevolutionärer Umtriebe“ bezichtigt. 1959 war „Vögel über dem Tau“ erschienen, 1969 „sensible wege“. 1976 erschienen die „Wunderbaren Jahre“, Reiner Kunzes wichtigsates Werk. Dafür wurde er aus dem DDR-Schriftstellerverband ausgeschlossen, sein SED-Parteibuch hatte er bereist 1968 zurückgegeben.

In seinem Kölner Konzert 1976 sang Wolf Biermann „Selbstporträt für Reiner Kunze“. Biermann wurde nicht mehr reingelassen, Kunze wanderte 1977 aus. Lebt seither in der Gegend von Passau. 1977 hatte ihm Heinrich Böll die Laudatio zur Verleihung des Büchner-Preises gehalten. 1990 erschien unter „Deckname ‚Lyrik'“ Reiner Kunzes Stasi-Geschichte. Dabei wurde klar, dass er von Ibrahim Böhme, dem zeitweiligen SPD-Star ausgespäht worden war. Deutsache Geschichte im 20. Jahrhundert. Reiner Kunze hat sich in seiner Lyrik stets von Rose Ausländer und Paul Celan leiten lassen. Er feiert seinen 90. Geburtstatg (Lothar Müller, SZ 16.8.23).

4452: Anton Fliegerbauer-Stiftung

Donnerstag, August 24th, 2023

Der Bund, das Land Bayern un die Stadt München haben sich auf die Gründung einer gemeinnützigen Anton Fliegerbauer-Stiftung geeinigt. Benannt nach dem Polizisten, der 1972 beim palästinensischen Terroranschlag auf die Olympischen Spiele getötet wurde. Damit soll Kindern und Jugendlichen in Not geholfen werden. Das Stiftungskapital errechnet sich nach dem 28 Millionen Euro, die 2022 den Hinterbliebenen der elf israelischen Getöteten zur Verfügung gestellt wurden. Also gut 2,5 Millionen Euro pro Opfer (SZ 24.8.23)

4450: Post darf Porto nicht vorzeitig erhöhen.

Dienstag, August 8th, 2023

Die Post darf das Briefporto 2024 nicht vorzeitig erhöhen. Die Bundesnetzagentur hat den Antrag abgelehnt. Die Post wollte das Porto 2024 anheben, ein Jahr früher als vorgesehen und begründete das mit höheren Kosten etwa für Personal und Energie. Das konnte die Bundesnetzagentur nicht erkennen. Das Porto steigt in der Regel alle drei Jahre. 2012 kostete ein Standardbrief 55 Cent, heute 85 Cent (SZ 8.8.23).

4449: Krawalle in Freibädern

Montag, August 7th, 2023

Krawalle in Freibädern einschließlich Massenschlägereien sind nicht Neues. In Großbritannien und Deutschland (bis 1990 beide deutsche Staaten) hat es sie seit den fünfziger Jahren gegeben. Täter sind immer junge Männer. Deutsche, Ausländer und Migranten. Zugenommen hat in Deutschland der Hang, Vorschriften bewusst und gezielt zu missachten. Besonders seit der Corona-Pandemie.

Vor allem leiden die öffentlichen Bäder aber an Personalmangel. Es fehlt an Bademeistern. Die Bauten und Geräte sind nicht auf dem letzten Stand. Nicht überall konnte der TÜV eine Genehmigung zur Benutzung erteilen. Manchmal fehlen 10-m-Türme. Seit 2017 sind in Deutschland 62 Freibäder geschlossen worden. Jährlich machen 80 Hallen- und Freibäder zu. Das sind ja öffentliche Einrichtungen besonders für diejenigen, die sich keinen Urlaub auf den Malediven erlauben können. Und deswegen gerade wichtig. Sie verkörpern einen Hauch von Freiheit. Sie können kleine Pardiese der Demokratie sein für Hipster, Burkini-Trägerinnen, Barbusige, Klappstuhl-Alte und Kühltaschen-Aficionados. Wir brauchen sie also und können uns dort keine Verwahrlosung erlauben. Auch hier sind Investitionen erforderlich (Mariam Lau, Die Zeit 20.7.23; Aurelie von Blazekovic, SZ 26.7.23; Bodo Mrozek, taz 29.7.-4.8.23).